Star Trek Into Darkness ist eine faszinierende Studie des Butterfly Effect (und deswegen besser als ihr denkt)
24. Mai 2013
Ayayay – der Backlash. Nachdem J. J. Abrams, Damon Lindelof und ihre Schergen sich im Vornherein soviel Mühe gemacht haben, ein Mysterium aufzubauen, und im Film selbst jede Menge Fanservice untergebracht haben, ist das Votum der Fans nun eingetroffen, und es ist nicht sonderlich positiv. Der geheime Bösewicht ergibt keinen Sinn, der Film steckt voller Retro-Sexismus, die Todesszene trägt kein dramatisches Gewicht.
Mit entwaffnender Direktheit hat Jenny Jecke das ganze im ersten “Wollmilchcast” formuliert (ich fasse zusammen): Star Trek Into Darkness schwingt sich von Maguffin zu Maguffin, um rasante Actionszenen zu präsentieren, denkt dabei aber nichts zuende, nimmt sich keine Zeit und nimmt allgemein das, was das “Star Trek”-Universum ausgemacht hat, zu keinem Zeitpunkt ernst. J. J. Abrams ist halt bei Star Wars irgendwie doch besser aufgehoben wahrscheinlich.
Zwei atemlose Stunden
Ich habe keinerlei emotionale Vor-Bindung zu “Star Trek”, obwohl ich alle Filme gesehen habe. Deswegen haben mich all die Dinge, die einem “Star Trek”-Seher der alten Schule so sauer aufstoßen, überhaupt nicht gestört. Ich hatte einfach zwei atemlose Stunden im Kino, in denen der Film alle zehn Minuten eine neue Kurve nahm und ich eine überdurchschnittliche Menge Adrenalin und Serotonin ausschüttete. Und weil der Film so heiter-respektlos ist, dachte ich keine Sekunde lang an Plotholes oder an die fehlende ernsthafte SF-Meditationen. (Das im Gegensatz zu Filmen, die einem an jeder Straßenecke ihre eigene Bedeutsamkeit unter die Nase reiben und dann keinen Sinn ergeben. *hust* The Dark Knight Rises *hust*)
Warum aber könnten sogar selbsterklärte Semi-Trekker Star Trek Into Darkness faszinierend finden? Die Antwort verbirgt sich hinter einer Bemerkung von Damon Lindelof in Germain Lussiers interessantem Artikel über die absurden Schritte, die das Team unternommen hat, um Cumberbatchens Identität geheim zu halten:
“The story most people are engaged in and know is Wrath of Khan, but a lot of people don’t know about ‘Space Seed’, which was the origin story for that character and that happens to be the time and space in which our movie was taking place,” Lindelof said.
Denn man darf ja nicht vergessen, dass J. J. Abrams’ “Star Trek” ja mehr ist als nur ein Reboot, das heißt eine von außen aufgedrückte Neu-Interpretation einer Intellectual Property. Es ist, dank der brillant cleveren Idee des ersten Films, ein Fortschreiben des Original-Roddenberry-Treks in einem anderen Universum. Star Trek und Star Trek Into Darkness spielen eben nicht im exakt gleichen Koordinatensystem wie die “Original Series”, “The Next Generation” und die zehn ersten Kinofilme – obwohl sie mit ihnen in einem Kontinuum stehen.
Look, Mom, Magic!
Das heißt erstmal: Im Abrams/Lindelof/Kurtzman/Orci-Trekversum dürfen Sachen anders funktionieren als im Roddenberry-Trekversum (Stichwort Transwarp). Wenn sie wollten, könnten die Filmemacher jede Anomalie mit einem Handwave erklären. “Look, Mom, Magic!” Wenn sie klug sind, reizen sie das natürlich nicht allzuweit aus.
Viel interessanter ist aber die Tatsache, dass Star Trek Into Darkness und alle Folgefilme, basierend auf Lindelofs Zitat, zu einer spannenden Studie des Schmetterlingseffekts werden. Die Ereignisse der Filme bewegen sich zeitlich parallel zu den Folgen der Original Series, aber die Voraussetzungen sind andere. Aufgrund der Einmischung von Spock und Nero via Wurmloch in die Geschichte der Enterprise-Crew in Star Trek, ist der Abrams-Worldtrack ein ganz anderer als der Roddenberry-Worldtrack. Die Veränderung einiger weniger Paramater (z. B. die Zerstörung von Vulcan) führt dazu, dass in diesem Universum eben viele Dinge gleich passieren, andere aber ganz anders.
It’s not an Error, it’s a Feature
Insofern ist das, was mehrere Kommentatoren kritisiert haben, nämlich dass die Filme in ihrer Erzählung zu sehr auf Wissen außerhalb des Universums setzen, das die Charaktere bewohnen, hinfällig. Stattdessen wird Star Trek Into Darkness zu einer brillanten Meditation über die Schicksalhaftigkeit unserer Existenz. Wir blicken auf die Abenteuer der Enterprise-Crew mit den Augen von Spock Prime: Was würde passieren, wenn wir alles noch einmal durchleben könnten, nur unter leicht anderen Voraussetzungen? Wie verschieben sich die Auswirkungen von bestimmten Ereignissen, wenn wir uns zum Zeitpunkt des Ereignisses diesmal an einem anderen Ort befinden? Und wie sehr findet das Universum dennoch einen Weg, bestimmte Ereignisse trotzdem passieren zu lassen – eventuell nur eben mit anderen Vorzeichen (zum Beispiel die berühmte Hände-auf-Glas-Szene)? It’s not an Error, it’s a Feature. Kein Fanservice-Gimmick der Filmemacher, sondern die tiefgreifendste Langzeitstudie des Raum-Zeit-Kontinuums, die “Star Trek” jemals gewagt hat.* Wir haben also noch eine Menge, worauf wir uns in den nächsten Filmen freuen können!
Das heißt natürlich nicht, dass der Film jedem automatisch gefallen muss. Einige Entscheidungen fand selbst ich im Rückblick überflüssig oder unlogisch. Und natürlich ist “Star Trek” nicht real und daher ist das Ganze natürlich in Wirklichkeit doch ein marketingwirksamer Serien-Reboot, der eine neue, hyperaktive Generation von Kinozuschauern ansprechen soll, die mit klassischer, nachdenklicher Science Fiction nichts mehr anfangen können und es vorziehen, wenn regelmäßig etwas grundlos explodiert, während gleichzeitig eine weltweit bekannte Marke ausgeschlachtet wird. Es ist auch die Umsetzung der Vorstellungen von J. J. Abrams, der bei jeder Gelegenheit öffentlich erzählt, dass er Star Wars interessanter findet als Star Trek. Aber gleichzeitig ist es eben auch das oben beschriebene.
Das Filmjahr hat wieder angefangen und in Cannes treffen sich die Reichen und die Journalisten zur alljährlichen Palmenverteilung. Rund 60 Filme in den Hauptsektionen, Tausende im Markt. Weichenstellungen für das Arthaus des nächsten Jahres. Sonne. Stars. Schlangen. Partys.
Das ist so ziemlich alles, was ich über Cannes weiß. Und dabei wird es auch dieses Jahr wieder weitgehend bleiben. Denn ich habe festgestellt: Festivals von weitem zu beobachten ist nicht so mein Ding. Nicht, dass sich nicht ein paar Leute wirklich bemühen, die Croisette auch nach Deutschland zu beamen – etwa die Festivalblogs von Negativ und Kino-Zeit, um nur zwei zu nennen – aber für mich ist das trotzdem nichts. Aus folgenden Gründen:
1. Ich lese Filmkritik ungerne, bevor ich den Film gesehen habe
Das mag dem ein oder anderen merkwürdig erscheinen. Soll eine Kritik nicht auch eine Empfehlung sein, ob es sich lohnt, den Film überhaupt anzugucken? Für einige mag das so sein, aber ich stelle immer wieder nur fest, dass die Lektüre einer Kritik, die mehr tut, als eine oberflächliche Empfehlung zu geben, mir im Grunde den Filmgenuss vermiest – selbst wenn sie keine Plot-”Spoiler” enthält. Ich glaube, ich bin einfach extrem empfindlich gegenüber Priming. Wenn mir vorher jemand gesagt hat, welche Dinge an einem Film besonders bemerkenswert sind, dann ist klar, dass ich auf diese Dinge später besonders achten werde. Der Anschein eines möglichst unvoreingenommenen Kinobesuchs ist damit dahin. (Mir ist bewusst, dass Kinobesuche nie wirklich unvoreingenommen sind – aber es gibt Abstufungen.) Kritiken lese ich am liebsten nach einem Filmbesuch, um zu sehen, was andere Menschen in einem Film gesehen habe, was ich verpasst habe (oder nicht). Ich weiß, dass ich nicht der einzige mit dieser Präferenz bin. Ein Festival wie Cannes jedoch zeigt die Filme zwangsläufig früher als überall sonst auf der Welt, für mich ist also die Berichterstattung größtenteils ein Spiel mit dem Feuer – vor allem, wenn man Punkt 2 bedenkt.
2. Es dauert sowieso noch ewig, bis die Filme hier ins Kino kommen
Im Grunde ist das eine lange Formulierung für das Wörtchen “Neid”. Mit wenigen Ausnahmen sind Filme, die jetzt in Cannes laufen, frühestens in einem halben Jahr in Deutschland im regulären Kino zu sehen. Eher in neun Monaten, oft sogar nie. Warum also soll ich mir meine eigene Vorfreude auf einen Film wie The Congress dadurch verhageln, dass ich en Detail lese, wie ihn andere Leute fanden?
3. Ein Festival lebt vom Dortsein
Ich war noch nicht auf wirklich vielen Filmfestivals, ehrlich gesagt, und die diesjährige Berlinale war die erste “Hardcore”-Erfahrung über mehr als ein verlängertes Wochenende hinweg. Aber jedes Mal habe ich wieder gemerkt: Ein Festival ist eine Gesamterfahrung. Man schaut nicht nur viele Filme, man schaut sie in verschiedenen Wachheits-Zuständen, mit unterschiedlichem Publikum, mit Q&A anschließend oder ohne, mit Party am Abend oder nicht, im großen Festivalhauptkinopalast oder in einem der generischen Multiplexkinos nebenan, mit Gespräch anschließend oder mutterseelenallein in der großen Stadt. Das Gesamtgefühl des Festivals beeinträchtigt das eigene Urteilsvermögen viel stärker als die Umstände bei isolierten Kinobesuchen. Ich war aber noch nie in Cannes. Wenn Leute von dort erzählen, ihre Festivalerfahrung in ihre Kritiken und Blog-Travellogues miteinfließen, kann ich mir daraus zwar ein innerliches Bild zusammenbasteln – das Bild hat aber wahrscheinlich sehr wenig mit der eigentlichen Cannes-Erfahrung zu tun. Und das finde ich äußerst unbefriedigend.
Was ich stattdessen mache
Natürlich kann ich mir als filminteressierter Mensch und im gewissen Sinne auch als “Profi” nicht erlauben, das Festival de Cannes zu ignorieren. Ich versuche aber, mich auf das Nötigste zu beschränken – das heißt ich achte darauf, welche Stimmen sich über das Grundrauschen erheben. Das geht besonders gut über Social Media. Wenn in meinen Twitter- und Facebook-Feeds bestimmte Filmtitel, Ereignisse oder Meinungen hochblubbern, dann beschäftige ich mich damit. So habe ich mitbekommen, dass Borgman von Alex van Warmerdam wohl so ein bisschen der Überraschungshit der ersten Festivalhälfte war und Only God Forgives die Kritik so sehr in zwei Lager gespalten hat, dass das Champions-League-Finale am Samstag dagegen ein Witz ist. Ich werde am Ende wissen, wer die Preise gewonnen hat, wo die Überraschungen lagen, und ob Lars von Trier versucht hat, sich mit angeklebtem Bart in eine Pressekonferenz zu schleichen. Aber über das, was ein Festival eigentlich ausmacht, die vielen kleinen, oft gar nicht mal herausragenden Filme, die ein Kritiker oder eine Kritikerin so sieht – darüber breite ich lieber den Mantel der freiwilligen Ignoranz.
Wie geht es euch damit? Verfolgt ihr en detail das Treiben an der Côte d’Azur?
Star Wars – Ein Flächenbrand
20. Mai 2013

Schon in gut zwei Jahren wird J. J. Abrams’ neue Star Wars-Episode über uns hereinbrechen. Worum es gehen wird, was passiert, darüber schweigt sich Abrams, der gerade Star Trek Into Darkness promotet, derzeit noch aus. Der Ball sei ihm gerade erst zugespielt worden, da könne man noch nicht viel über die Aufstellung erzählen.
Auf “The Wrap” fand sich diese Woche ein sehr interessanter Artikel, der erzählt, dass Abrams Star Trek gerne in ein “multi-platform experience that spanned television, digital entertainment and comic books” verwandelt hatte. Daran gehindert wurde er dadurch, dass die Merchandising-Rechte des Gesamtkonstrukts Star Trek zwischen zwei Firmen, CBS (Originalserie) und Paramount (Filme), aufgeteilt sind – und beide sich schwer tun, an einem Strang zu ziehen.
Die Konsequenz folgt natürlich auf dem Fuße:
As for Disney’s grand “Star Wars” plan, it’s sounding an awful lot like the one Abrams once envisioned for “Star Trek.” There will be television properties, theme park rides and spin-off films all centered around the new trilogy that Abrams will oversee.
Ambivalente Gefühle
Sascha hat die ambivalenten Gefühle bereits aufgeschrieben, die sich in einem reflektierten Fan ausbreiten, wenn er daran denkt, in spätestens zwei Jahren auf allen Kanälen permanent mit Star Wars bombardiert zu werden. Ein Film pro Jahr, Spin-Offs, Comics, Fernsehen und und und. Ein Flächenbrand enormen Ausmaßes und ohne absehbares Ende.
Das Marvel Cinematic Universe, ebenfalls bei Disney, funktioniert im Grunde ähnlich und wird an dieser Stelle von mir immer wieder gefeiert. Zwei Filme pro Jahr, eine Fernsehserie, Comics, Spielzeug und Merchandising sowieso. Ein Musterbeispiel an transmedialem Storytelling. Auch Lord of the Rings und jetzt der Hobbit fahren einen Film pro Jahr auf, mit jeder Menge Brimborium drumherum. Doch irgendwie fühlt sich das Ganze trotzdem anders an.
Eine andere Tradition
Vielleicht liegt es daran, das Star Wars aus einer anderen Tradition stammt. Klar, George Lucas hat das moderne Merchandising quasi erfunden. Dank des Extended Universe (in dem ich mich persönlich nicht auskenne) gab es nie einen Mangel an Star Wars-Manna, wenn man welches brauchte. Aber eigentlich bedeutet das Star Wars-Modell doch: Ein Film – und dann wieder drei Jahre warten. Das war bei den Originalfilmen so (die ich im Kino natürlich nicht erlebt habe) und bei den Prequels auch: Man hatte drei Jahre Zeit, The Phantom Menace zu verdauen. Und als Attack of the Clones kam, hatte man fast schon wieder vergessen, wie enttäuschend der Film war. Oder man hatte genug Zeit gehabt, ihn sich schönzugucken. Und ist wieder ins Kino.
Diese Tradition wird Abrams jetzt wohl durchbrechen und es wird interessant sein, zu sehen, ob Star Wars damit zu einem anderen Biest wird. Star Wars Mk. 1 waren drei kanonische Filme und ein Haufen Spielzeug. Star Wars Mk. 2 waren sechs kanonische Filme, eine Fernsehserie (“The Clone Wars”) und ein Haufen Spielzeug. Wird Star Wars Mk. 3 ein Sperrfeuer aus Medien, die alle gemeinsam eine epische Geschichte erzählen, oder werden die “Episoden” weiterhin einen so herausragenden Status genießen?
Das Event als Dauerzustand
Das vormalige Event wird jedenfalls zum Dauerzustand – was natürlich aus Marketingsicht einen ganzen Haufen Sinn ergibt. In seiner viel beachteten Rede auf dem San Francisco Film Festival hat Steven Soderbergh erst vor kurzem auf das absurde Diktat des Marketings hingewiesen, das inzwischen in Hollywood herrscht. Es kostet so viel Geld, einen einzigen Film ins Kino zu bringen, dass es mehr Sinn ergibt, auf wenige gigantische Dampfwalzen zu setzen, als auf viele kleine Menschen mit Sprengstoff, um einen Block zu sprengen, sozusagen.
$10 million movie, 60 million to promote it, that’s 70, so you’ve got to gross 140 to get out. Now you’ve got $100 million movie, you’re going spend 60 to promote it. You’ve got to get 320 to get out. How many $10 million movies make 140 million dollars? Not many. How many $100 million movies make 320? A pretty good number, and there’s this sort of domino effect that happens too. Bigger home video sales, bigger TV sales, so you can see the forces that are sort of draining in one direction in the business.
Es dürfte einige Millionen sparen, wenn man nicht alle drei Jahre wieder neue Aufmerksamkeit für ein Franchise herbeitrommeln muss, sondern sich einfach in die noch relativ frische Erinnerung der Zuschauer einklinkt – die schließlich erst vor einem halben Jahr die DVD gekauft haben, während ihre Kinder sowieso die ganze Zeit die Story zwischen den Episoden in Comics und Videospielen erleben.
Pixarifikation und Inzest
Auch mein Lieblingsregisseur Danny Boyle hat sich vor kurzem zum Zustand der Filmindustrie geäußert und (wohl zurecht) ihre “Pixarifikation” beklagt. Die angesprochenen Veränderungen in Distribution und globaler Kinolandschaft haben dazu geführt, dass große Filme ein möglichst breites Publikum ansprechen müssen, um überhaupt Geld zu machen. Falls also jemand darauf hofft, dass Abrams’ Star Wars in irgendeiner Form “erwachsener” wird als Lucas’ Prequels, sollte sie die Hoffnung lieber ziemlich zurückschrauben.
Sie ist nach wie vor absurd, diese Geschichte, und doch wahrscheinlich irgendwie das, was immer passiert: Der Film, der alle Regeln brach, ist selbst zur Blaupause für eine ganze Industrie geworden. Und wie beim Ergebnis von mehreren Generationen Inzest besteht für jedes neue Kind die Gefahr einer schrecklichen Missbildung. Als Medienbeobachter ist es faszinierend, dabei zuzusehen. Als Fan kann man wohl nur der Macht vertrauen, dass noch genug neues Genmaterial im Universum vorhanden ist, um auch einen Flächenbrand lebendig zu halten.
(hat tip: Max)
Hat Oblivion von euch geklaut?
16. Mai 2013

Dieser Gastbeitrag von Sebastian Mattukat enthält Spoiler für Oblivion. Ich habe den Film nicht gesehen, aber durch Zufall gelesen, wie er endet. Danach habe ich Sebastian, dem Regisseur des Kurzfilms The Rising, leicht ironisch die Frage der Überschrift gestellt. An seiner Reaktion war abzulesen, dass ich nicht der erste war. In unserem anschließenden IM-Gespräch habe ich ihn gefragt, ob er nicht Lust hat, seine Erfahrungen aufzuschreiben. Entstanden ist der erste Gastbeitrag dieses Blogs. Viel Spaß!
„Oblivion schon gesehen?“ Diese Frage wurde mir in den letzten Tagen immer wieder gestellt. Meistens schauen mich die Freunde und Kollegen dann mit einer Mischung aus Entrüstung und verschmitztem Grinsen an. Denn sie wollen eigentlich keinen Filmtipp bekommen, sondern mir eine ganz bestimmte Reaktion entlocken.
JA, ich habe Oblivion gesehen und JA, auch mir ist aufgefallen, dass dieser 120-Millionen-Dollar-Film fast die gleiche Handlung wie mein Kurzfilm The Rising hat. Das Gefühl, im Kino zu sitzen und aufgrund einer kleinen Ähnlichkeit zu schmunzeln ist amüsant. Aber während des Films ein Déja-Vu nach dem anderen zu haben, ist für mich in dieser Form neu. Hier geht es nicht nur um die gleiche Art von Film (Transformers vs. Battleship oder A Bugs Life vs. Antz), sondern um eine verblüffend ähnliche Handlung. Im Grunde könnte man mit The Risings und Oblivions Synopsis das Avatar/Pocahontas-Spiel betreiben.
Denn The Rising lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Unser einsamer Held zieht über die zerstörte Erdoberfläche, sammelt Daten und muss sich immer wieder per Funk bei der Obrigkeit im Bunker melden. Sonst gibt es Ärger. Doch wie das in Filmen so ist, kommt unser Held eines Tages von seiner normalen Route ab und erfährt, dass er ein Klon ist. Doch nicht nur das, er findet ebenfalls heraus, dass es einen Widerstand gibt, der sich gegen die Herrscher im Bunker auflehnt. Nach kurzem Zögern schließt er sich diesem an und beginnt gegen das System und die Unterdrückung zu kämpfen.
Zieht man bei Oblivion die beiden Frauenrollen und ein paar Schauwerte ab, sitzt man vor der Spielfilmversion meines Kurzfilms. Wie kann das passieren? Haben wir geklaut? Nein. Hat sich Joseph Kosinski etwa bei uns bedient? Immerhin tourt The Rising schon seit Oktober 2012 durch die Welt der Festivals. Brauchen wir einen Anwalt? Wohl eher nicht.
Gehen wir noch einmal zurück zu Avatar. Beim Schreiben des Drehbuches hat James Cameron sich bestimmt nicht gedacht, dass ein wilder Mix aus Der mit dem Wolf tanzt und Pocahontas genau das Richtige für ihn ist. Viel eher wird er sich überlegt haben, was für eine Art von Geschichte er erzählen möchte. Er wird sich überlegt haben, was ihm an Subtext wichtig ist und wie er diesen am sinnvollsten vermitteln kann.
Genau das war unsere Vorgehensweise bei The Rising. Als Tobias Voigt und ich das Drehbuch schrieben, war für uns von Anfang an klar, dass wir einen düsteren Endzeitfilm machen wollten. Nach einer kurzen Überlegung, den Tag der Katastrophe zu zeigen, entschieden wir uns schnell, dass Leben in der zerstörten Welt in den Fokus der Geschichte zu rücken. Wir entwickelten die Hintergrundgeschichte akribisch, um unsere Welt zu kennen und logisch zu gestalten. Unser Gedanke war, dass — wenn die große Katastrophe von Menschenhand herbeigeführt wurde — größtenteils nicht die Unschuldigen überlebt hätten, sondern die Verantwortlichen. Doch eine böse Hauptfigur würde unseren Film nicht tragen. Genauso wenig wollten wir, dass unser Protagonist von vornherein auf der Seite der Guten steht. Uns interessierten die Zwischentöne. Die logisch Konsequenz war daher der Wandel von einem einfachen Menschen, einem Arbeiter, zum Revoluzzer.

Doch wie erklärt man, dass ein Arbeiter erst beim Einsetzen des Films urplötzlich seine Welt hinterfragt? Wir mussten mit ihm auf Entdeckungsreise gehen und hinter die Fassade des Bunkers schauen. Wenn Protagonist und Zuschauer zur gleichen Zeit die Welt zum ersten Mal erleben, wird man in diese hineingezogen. Filmisch bleiben einem hier nur eine Handvoll Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel die Geschichte aus der Sicht eines kleinen Kindes erzählen, was für unseren sehr physischen Film schwierig geworden wäre. Oder aber man spart sich knapp 30 Jahre Leben und erschafft einen Klon. Dieser Klon kann Kindesgleich über die Erdoberfläche ziehen und wir können mit ihm den Alltag, die Angst und die Wut hautnah mitempfinden. Somit folgt die Handlung ihrem eigenen, inneren Kompass.
Aufgrund solcher dramaturgischen Schlussfolgerungen ähneln sind sich bestimmte Erzählstrukturen immer. Beim Schreiben wird die Umwelt absorbiert und auf ihre Essenz herunter gebrochen. Wir überlegen uns die schlimmsten Katastrophen, die schönstmöglichen Momente und packen diese in unsere Geschichten. Deshalb ist es weniger spannend zu sehen, welche Filme die gleiche Handlung haben. Es ist viel interessanter und erkenntnisreicher zu schauen, welche Themen sich gleichen. Es gibt in diesem Jahr so viele Endzeitfilme wie schon lange nicht mehr. Sie erzählen von Zombies, Utopien im Orbit und von der verlassenen Erde. Augenscheinlich gibt es ein tiefes, inneres Bedürfnis beim Publikum, solche Geschichten zu sehen. Selbst im Mainstreamkino.
Die Schönheit des Kinos und des Filmemachens liegt doch darin, dieses Verlangen zu erkennen und für den Zuschauer erlebar zu machen. Und wenn mich jemand fragt, ob ich Oblivion schon gesehen habe, dann kann ich mich natürlich einen kurzen Moment ärgern. Aber im nächsten Augenblick ist die Freude größer, dass wir eine Geschichte erzählt haben die anscheinend nicht nur uns interessiert.
Sebastian Mattukat ist Filmemacher aus Berlin. Sein Kurzfilm The Rising ist nach wie vor auf verschiedenen Kurzfilmfestivals zu sehen. Folgt ihm auf Twitter.
Versteckte Bösewichter
12. Mai 2013

Dieser Artikel enthält massive Spoiler zu Iron Man 3 und Star Trek Into Darkness. Und nicht nur am Rande. Es geht genau genommen um nichts anderes.
In guten Genrefilmen sind die Schurken gerne mal genauso ikonisch wie die Helden, wenn nicht sogar noch ein bisschen toller. Schließlich dürfen sie als Schurken mit dem Verbotenen nicht nur flirten, sondern all unsere dunklen Fantasien ausleben. Je faszinierender der Widersacher, umso größer die Aufgabe für den Held – man denke an Nosferatu, Goldfinger, Darth Vader, Joker. Umso interessanter ist es, dass in den vergangenen zwei Wochen zwei große Sommerblockbuster gestartet sind, die großen Aufwand betrieben haben, um die wahre Natur ihrer Bösewichter geheim zu halten.
In Iron Man 3 wurde allem Augenschein nach ein alter Erzfeind von Tony Stark aus der Mottenkiste geholt: Der Mandarin, ein Fu-Manchu-Lookalike, der zehn magische Ringe besitzt. Er war es, der auf Postern beworben wurde, er spielt im Trailer neben Tony Stark die tragende Rolle – und auch die Ringe werden gezeigt.
Der clevere Dreh: Nach etwa einer Stunde findet Tony Stark heraus, dass der Mandarin nur eine Atrappe ist; ein trotteliger, drogensüchtiger Schauspieler, der allerdings die Performance seines Lebens gibt, indem er dem Rest der Welt ein perfektes Gesicht für ihre Terror-Angst liefert. Eingesetzt wurde er vom wahren Bösewicht, Aldrich Killian (Guy Pearce), einem durchgeknallten Industriellen. Bei Comicfans ist diese Umdeutung eines ikonischen Schurken wohl auf wenig Gegenliebe gestoßen. Matt Singer aber bringt die Brillianz dieses Schachzugs gut auf den Punkt:
I think “Iron Man 3″ rather brilliantly evades that minefield [of re-inventing the fundamentally racist Mandarin for a modern sensibilty] by using it as the fuel for satire; revealing the Kingsley Mandarin’s mish-mosh of Orientalist imagery as a construction designed to play into ignorant people’s fears. [Director Shane] Black suggests we should be far more worried about the well-dressed, amoral CEO than the vaguely defined “Other” of so many bad pieces of pop culture.
“True”, schreibt Singer, “Kingsley never shoots anybody with his power rings. But he gets to do something even better: he gets to surprise us.” Und das besondere dabei: Es funktioniert. Ich wusste (weil ich die Überschrift von Singers Artikel gelesen hatte), dass mich in Iron Man 3 irgendein Twist erwartet, aber die Marketing-Kampagne des Films war so gelungen, dass ich ausgerechnet darauf nicht gekommen wäre.
Die Kritiker spielen mit
Zum Beispiel: Die Interviews, die Ben Kingsley zur Promotion des Films gegeben hat, weisen lediglich darauf hin, dass der Charakter (wie erwartet) etwas mehr Tiefe bekommen hat, als zuvor. Etwa hier beim Guardian: “The key of giving him depth is to try and bring to the camera his unshakable faith in his version of the truth.” – Alles wahr, und doch kein Hinweis darauf, dass hier eventuell etwas nicht stimmen könnte. Selbst die interviewenden Kritiker, die den Film schon gesehen haben, mussten hier also mitspielen. Und sie haben es freundlicherweise gemacht – und das Publikum genarrt.
Ein bisschen anders, aber doch ähnlich gelagert, sah es bei Star Trek Into Darkness aus. Obwohl die Internet-Gerüchteküche schon vor Monaten vermutet hatte, dass Benedict Cumberbatch Khan, den berüchtigsten Star-Trek-Bösewicht aller Zeiten spielt, wurden bis zum Schluss alle Register gezogen, um genau das geheim zu halten. Da der Charakter einen Namen brauchte, wurde einer erfunden (“John Harrison”), und sogar auf etwas gequälte Art in den Film eingebaut.
Ironischerweise steht Cumberbatch dennoch im Zentrum der Marketing-Kampagne des Films. Er ist auf jedem Poster zu sehen und Dreh- und Angelpunkt des Trailers.
Der Trailer selbst ist ein Meisterstück der Täuschung. Viele seiner zentralen Szenen stammen aus dem dritten Akt des Films – am Anfang des Trailers sind einige Bilder aus der vorletzten Szene vor dem Abspann zu sehen. So jedoch wird der Eindruck erweckt, Cumberbatchs Charakter würde auf der Erde für Chaos sorgen – dabei spielen große Teile von Star Trek Into Darkness traditionsgemäß im All.
Ferne Echos
In der Tat scheint die gesamte Handlung des Films, der so wirkt als hätte jemand ferne Echos von The Wrath of Khan gehört und aus den Bruchstücken ein neues Drehbuch gestrickt, sich nur darum zu drehen, Cumberbatchs Rolle immer wieder zu untergraben. Erst wirkt er wie ein beliebiger Terrorist, dann wie jemand, der einen Krieg zwischen Sternenflotte und Klingonen provozieren will, dann wie ein Opfer des kriegslüsternen Admirals. Erst im letzten Drittel des Films wird klar, dass er tatsächlich jener Khan ist, der immer nach seinen eigenen Regeln spielt. Und ab diesem Punkt werden die Echos von Wrath of Khan dann auch etwas lauter.
Anders als bei Iron Man 3 schien diese Erkenntnis dann allerdings so ungeheuerlich, dass Kritiker und Fans einfach nicht die Klappe halten konnten. Zumindest nicht alle.
Man muss doch nicht die Identität von Cumberbatch in der Überschrift preisgeben, wenn Abrams und Co. sie so lange geheim gehalten haben. ;_;
— Sascha (@reeft) May 9, 2013
Die Star Trek-Macher J. J. Abrams und Damon Lindelof sind für ihre Liebe zum Mysterium bekannt. Auch bei ihren anderen Schöpfungen, von “Lost” über Cloverfield bis Prometheus, ist es ihnen immer gelungen, kritische Enthüllungen geheim zu halten. Bei Iron Man 3 war es eher ein geschicktes Spiel mit den Erwartungen des Fan-Publikums, dass den Bösewicht-Austauch motivierte. Für mich bleibt wie immer die Frage: Wird diese Entwicklung jetzt Schule machen? (Für Star Wars hat Kathleen Kennedy bereits eher gen Nein tendiert.)
Die Karotte ist gar keine
Am Ende von The Manchurian Candidate erschien 1962 noch eine Texttafel, die die Zuschauer darum bat, das Geheimnis des Films anderen Zuschauern nicht vorher zu verraten. Seit sich Teile des Kinos fest in der Hand der Internet-Nerds befinden, ist das Jagen nach Plotschnipseln und Twist-Enthüllungen in der kritischen Buzz-Phase vor der Hauptwerbekampagne zu einem beliebten Sport geworden, der von Studios und Fans gemeinsam betrieben wird. Inzwischen scheint es damit soweit gekommen zu sein, dass die Filmemacher ihre meistwissenden Fans bewusst aufs Glatteis führen, um sie im Kino immer noch überraschen zu können. Im Fall von Khan gingen sie sogar so weit, ihnen die Karotte direkt vor die Nase zu halten, aber steinhart zu behaupten, es sei keine Karotte.
Ich glaube, dass das manchmal funktionieren kann, aber nicht immer. Denn manchmal brauchen wir einfach von Anfang an die bestmöglichen Bösewichter, um ebenso bestmöglich mit unseren Helden mitfiebern zu können.
[Ergänzung, 20. Mai]: Dieser Artikel zeigt, welche absurden Schritte die Into Darkness-Macher unternommen haben, um das Khan-Geheimnis zu bewahren, und was ihre Motivation war. Matt Singer, der den Mandarin ja gelobt hatte, hat unterdessen einen feurigen Artikel gegen eben diese Geheimhaltung verfasst.
Gefühlte Gemische
1. Mai 2013
Nach einer Idee von Christoph Hochhäusler
Es liegt nicht auf der Hand, dass ich heute mit Film arbeite. Zwar bin ich nicht medienlos aufgewachsen, aber doch mit einem wohlkontrollierten Medienkonsum. Mehr als eine halbe Stunde “Die Sendung mit der Maus” war sehr lange nicht drin, einen eigenen Fernseher hatte ich erst mit 16. Ich habe jede Menge frühe Lese-Erinnerungen aber sehr wenige frühe Film-Erinnerungen.

Mein erster Kinobesuch muss The Jungle Book (USA 1967) gewesen sein, als der Film Weihnachten 1987 noch einmal ins Kino kam. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, wirklich im Kino gesessen zu haben. Aber zu Fasching wollte ich auf jeden Fall King Louie sein. Meine Mutter bastelte mir ein Kostüm aus einem brauen Pullover und buntem Krepp-Papier.
Die ersten sechs Jahre meines Lebens wohnte ich mit meinen Eltern und meiner Schwester in einer Vier-Zimmer-Wohnung. Meine bevorzugte Abendbeschäftigung bestand darin, “Verlängerungstaktik” zu fahren, also nach dem Zu-Bett-Gehen wieder aufzustehen, ins Wohnzimmer zu stiefeln und nach einem Glas Wasser oder Ähnlichem zu verlangen. Der eigentliche Zweck war natürlich, an den “erwachsenen” Aktivitäten wie Fernsehen teilzunehmen.

Eines Abends wurde mir die Verlängerungstaktik zum Verhängnis, als ich just in dem Moment ins Zimmer kam, als die einzig gruselige Szene in Back to the Future (USA 1985) über die Mattscheibe flimmerte. Marty McFly erscheint seinem Vater im Strahlenschutzanzug, schockt ihn mit lauter Musik und erklärt, er sei “Darth Vader vom Planeten Vulkan”. Heute ein großartiger Geek-Witz, damals die Garantie für mehrere Wochen voller Albträume.
1991 zog meine Familie für fünf Jahre in die Niederlande, was mein Verhältnis zum Kino sowohl komplett veränderte, als auch nachhaltig prägte. Niederländer synchronisieren nicht. Bei Gängen ins Kino – anfangs noch mit Eltern, später zunehmend alleine, Mobilität war ja in einer Großstadt kein Problem mehr – lernte ich zwei Fremdsprachen gleichzeitig: Hollywood-Englisch und Untertitel-Niederländisch.

Ein Klassenkamerad hatte Terminator II – Judgment Day (USA 1991) auf VHS – seine Eltern waren in Sachen Medienkonsum wesentlich laxer als die der meisten anderen Freunde. Jedes Mal, wenn ihn jemand aus der Klasse besuchte, musste S. mit ihm Terminator gucken – auch mit mir. Vor der Szene mit der Milchtüte ließ ich mich aber von ihm warnen – und machte rechtzeitig die Augen zu.
Obwohl meine Kinolust mit zehn Jahren endgültig geweckt war, und ich zum Beispiel anfing, meine Kinokarten zu sammeln, war ich damals schon kein genauer Hingucker und bin es auch nie geworden. Kino war für mich immer ein Illusionsphänomen. Mich interessierten die Prozesse dahinter, über die ich vor allem in Zeitschriften wie “Limit” und “TV Movie” allerhand lernte. Mit der Video 8-Kamera meiner Eltern drehte ich eigene Stopptrickfilme und Flüge, in denen die Linse der Kamera den Blick aus dem Cockpit einfing.

Die Diskussion um Jurassic Park (USA 1993) war hart. Der Film hatte in Deutschland eine FSK 12, war aber in Holland ab 0 Jahren freigegeben. Ich war zehn und durfte nicht reingehen. Als der Film etwa ein Dreivierteljahr nach Kinostart noch einmal im “Rijksbioskoop” lief – einem Kino, das Filme kurz vor Heimvideostart noch einmal für kleinen Preis wiederaufführte – gaben meine Eltern nach und ließen mich gehen. Vom sense of wonder beim Anblick der Dinos, über deren Erschaffung im Computer ich längst alles wusste, zehre ich bis heute.
Wenn Bekannte davon berichten, dass Sie Filme immer und immer wieder gesehen haben, muss ich passen. Spätestens ab 1995 war ich zu sehr von diversen anderen Hobbies besessen, die meisten davon hatten mit Fantasy-Rollen- und Kartenspielen zu tun und verschlangen meine gesamte Freizeit.

The Lion King (USA 1995) war einer der wenigen Filme, den meine Eltern für uns auf VHS kauften. Statt ihn immer wieder zu gucken, überspielte ich mir nur den Ton auf eine Kassette und transkribierte sie, lernte dabei weiter Englisch. Daher bleibt Disneys Meisterwerk der silbernen Ära der einzige Film, den ich fast komplett mitsprechen kann.
Alle meine Kindheits-Filmerinnerungen drehen sich also um Trick-Filme. Und bis heute ist es wohl das Erlebnis-Gemisch als Durch-Schauer und Verzaubert-Werder, die Kino für mich nach wie vor zum Faszinosum macht.
Fortsetzung folgt – falls gewünscht
Der Aufstieg des Eventkinos
27. April 2013
Ich habe mal wieder bei einem Podcast mitgemacht, diesmal einem XXL-Podcast. Extra viele Gäste, extra viel Gespräch – viel Spaß beim Quotenmeter.de-Podcast zum Thema “Der Aufstieg des Eventkinos”.

Eine kleine Bizarro-Anekdote vom ITFS: Nach dem Screening seines neuen Films Kirikou et les hommes et les femmes, dem dritten Teil der Kirikou-Reihe, walzt der braungebrannte französische Filmemacher Michel Ocelot in den Saal, lächelt freundlich und lässt sich ein paar Fragen stellen. Kirikou et les hommes et les femmes ist ähnlich aufgebaut wie sein Vorgänger, Kirikou et les bêtes sauvages, unterscheidet sich aber in einer Hinsicht entscheidend: die computeranimierten, aber auf handgezeichnet getrimmten farbenfrohen Figuren und Landschaften der afrikanischen Lausebengel-Saga kommen diesmal in drei Dimensionen daher.
Ocelot hat Erfahrung in 3D. Seinen letzten Film Les Contes de la Nuit, inspiriert von klassischen Scherenschnitt-Animationen, hat er ebenfalls in 3D inszeniert. “Ein Spielzeug, das ich ausprobieren wollte”, erklärt er. Das Puppentheater-Setting von Contes hätte sich besonders geeignet, weil der Schirm feste Begrenzungen hat.
Bei Kirikou hätte die Sache jedoch anders gelegen, sagt er. Der Verleiher hätte darauf bestanden, den Film in 3D herauszubringen. Und dann hebt er an: Mit 3D wird man hereingelegt, es bringt niemandem was. Die Animatoren können nicht so arbeiten, wie sie wollen, das Kino muss umrüsten, die Zuschauer müssen Brillen tragen, die Helligkeit geht verloren. “3D ist nutzlos. Es gibt keine Geschichte, die man in 3D erzählen kann. Ich habe Avatar nicht gesehen, aber viele von meinen Freunden, und alle haben mir nur von einer 3D-Werbung vor dem Film erzählt, wo eine Popcorntüte im Raum schwebte.”
Ich kann dem nicht zustimmen, fand auch, dass der steroskopische Kirikou durchaus seinen Reiz hatte – vor allem wegen des 2D/3D-Mischlooks. Aber es war mal wieder erfrischend, solch ehrliche Worte von einem Regisseur über seinen eigenen Film zu hören.
Met the Bloggers (II)
26. April 2013
Ich glaube, auf dem zweiten Filmbloggertreffen gestern, während des 20. Internationalen Trickfilmfestivals Stuttgart, war ich der einzige Mensch mit aktivem Filmblog. Aus unterschiedlichen Gründen hatten die “erwartbaren” Gäste, Blogger aus der Region Stuttgart wie Stefan von Equilibrium und Rochus Wolff von Butt-kicking Babes sowie Animationsblogger wie Orlindo Frick von AniCH keine Zeit (mehr) gehabt. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch – schließlich schreibt Christian für dpa manchmal über Filme, Franziska bloggt, Kathi macht selber welche und Henning hat zumindest mal über Filme gebloggt und war schon beim Kinocast (leider auch verhindert) zu Gast.
Der eigentliche Zweck des Treffens – Leuten ins Gesicht gucken, die im Netz was mit Film machen, während man einen Long Island Ice Tea trinkt – wurde also voll erfüllt.
Ich würde mich freuen, wenn sich die so begonnene Tradition fortsetzt und Kollegen auch auf anderen Festivals Bloggertreffs veranstalten. Ich werde wohl erst im November beim FILMZ wieder auf einem Festival sein. Vielleicht sehen wir uns ja dort.