This Is How I Work

14. Mai 2013

Wer gedacht hatte, so ein Blogosphären-Mem würde einfach an mir vorbeiziehen, hat sich deftig geschnitten. Ich habe nur darauf gewartet, dass mir jemand mal diese Fragen stellt.

Bloggerinnen-Typ: Aca-Fan mit Journalismus im Blut

Gerätschaften digital: Seit mittlerweile fast vier Jahren ein MacBook Pro mit 13″-Monitor, dass ich im Zweifelsfall überall mit hinnehmen kann. Seit Herbst letzten Jahrs ein iPhone 5. Ein Samson Meteor Mic zum Podcasten.

Gerätschaften analog: Mein wichtigster Speicher: mein Hirn, Kugelschreiber, ein Moleskine-Notizbuch, dass ich selten benutze, und wenn ich mal Mindmaps und Flussdiagramme zeichnen muss: alles Papier, was sonst gerade zur Hand ist.

Arbeitsweise: Ich versuche, neben meinem Vollzeitjob mindestens einmal die Woche einen interessanten Beitrag zum Film- und Mediengeschehen zu produzieren, allerdings nicht unbedingt orientiert an aktuellen Trends, sondern einfach zu Themen, die mich umtreiben. Früher hatte ich wechselnde andere Ambitionen, aber seit ich das Gefühl habe, ich werde tatsächlich gelesen (also seit meiner Blogosphären-Aktion im Januar) hat es sich im positivsten Sinne darauf zusammengedampft. Dafür sammle ich jetzt auch viel methodischer Ideen, die mir in den unmöglichsten Momenten kommen, und dafür zwinge ich ich jetzt auch mindestens einmal die Woche für zwei bis vier Stunden an den Rechner (zum Schreiben, die Vorarbeit erledige ich meistens on the go, s.u.). Bisher klappt mein Vorhaben ganz gut, ich habe allerdings Angst, dass mir entweder die Ideen ausgehen oder irgendwann niemand mehr was zum Marvel Cinematic Universe lesen möchte.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?

Ich wäre völlig aufgeschmissen ohne Netvibes, mein Feedreader/Monitoring-Überallschreibtisch und Pocket, das seit seiner Umbenennung noch viel genialer geworden ist, und alle Artikel verwaltet, die ich nicht sofort lesen kann oder von denen ich ahne, dass ich sie später mal wieder aufgreifen werde. Außerdem die unsortierten Bookmarks des Firefox, um kurz mal was für später zu speichern (dran denken: hinterher das Sternchen wieder wegklicken) und ordentliches Googeln (statt Durchklicken lieber mit Operatoren arbeiten). Meinen Medienmix habe ich in diesem Blog schon einmal aufgeschrieben.

Wo sammelst du deine Blogideen?

In meinem Kopf, in der Notiz-Funktion meines Handys und seit einiger Zeit auch in WordPress-Drafts.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?

Ich habe keinen. Mein bester Zeitspartrick ist meine bevorzugte Art zu arbeiten, die darin besteht, dass ich mich in der Regel erst hinsetze und losschreibe, wenn ich den Artikel im Kopf (und manchmal auf dem Papier) schon voll durchkonzipiert habe. Dann muss ich weniger vor der Tastatur sitzen und nachdenken.

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?

Die Erinnerungsfunktion des iPhones, die dann ja auch mit meinem Rechner synchronisiert wird. Aber eher für private Erinnerungen. Auch eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen ich tatsächlich Siri benutze – zum Beispiel wenn mir abends im Bett noch etwas einfällt, woran ich am nächsten Morgen auf jeden Fall noch denken muss.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?

Ich spare mir die Hinweise auf diverse Geräte in der (Wasch-)küche und sage: nein. Die zwei Geräte zusammen enthalten alles, was ich für den Standardworkflow brauche. Klar, wenn ich Interviews mitschneide, podcaste, Videos drehe etc. brauche ich natürlich mehr. Und ich mag meinen großen Fernseher. Aber ich habe auch lange ohne gelebt.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?

Es wäre leichter, zu sagen, was ich nicht so gut kann wie andere, und das ist: genau hinsehen und Filme nur aufgrund von Beobachtungen analysieren. Das kann ich lediglich simulieren und deswegen ist aus mir auch nie ein Filmkritiker geworden. Ich bewundere alljene, die Filme mit Worten einfangen und ihre tieferen Bedeutungsschichten freilegen können. Darin bin ich ziemlich mies.

Ich glaube, ich kann einigermaßen komplizierte Dinge ganz gut erklären; ihnen eine menschliche Brücke bauen. Und ich kann ganz gut einen Schritt zurücktreten, das Ganze betrachten, und versuchen, etwas zu finden, was seinen einzelnen Elementen gemein ist. Deswegen schreibe ich solche Analyse-Stücke auch am liebsten – obwohl ich weiß, dass ich damit manchmal ziemlich daneben liege. Was ich auf jeden Fall gut kann, ist, mich für etwas zu begeistern, und diese Begeisterung für mich zu nutzen. Dinge, die ohne eine gewisse Begeisterung stattfinden, mag ich nicht.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

Wenn ich wirklich analytisch und sprachlich denken muss, nichts. Vor allem nichts mit Gesang. Wenn ich, so wie jetzt gerade, nur eigene Gefühle aufs Blatt bringen muss, darf ein bisschen was Instrumentales laufen, gerne Postrock oder Ähnliches. Im Moment läuft The American Dollar.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall?

Hauptsache regelmäßig. Und mehr als sieben Stunden pro Sitzung (Liegung?). Wenn ich genug geschlafen habe, habe ich kein Problem damit, früh aufzustehen. Und ich mag es, in den frühen Morgenstunden unterwegs zu sein. Mehr, als erst mittags durch die Gegend zu zombien.

Eher introvertiert oder extrovertiert?

Eindeutig extrovertiert. Hätte ich sonst diese Fragen mit Freude beantwortet? Aber ich habe das Gefühl, dass ich das inzwischen ganz gut im Griff habe.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?

Sascha, Denis, Sidney, Christian und Maria.

Der beste Rat, den du je bekommen hast?

Ich hatte viele tolle Förderer und Ratgeber auf meinem Arbeits- und Lebensweg, aber ich kann mich kaum an einzelne Ratschläge erinnern. Aus der jüngeren Vergangenheit ist mir nichts so sehr in Erinnerung geblieben wie Neil Gaimans Rede an der University of the Arts im vergangenen Jahr. Zu dem Bild von dem Berg, auf den man immer weiter zugehen sollte, auch wenn man Gelegengheit bekommt, sich abzuwenden, kehre ich immer wieder zurück, wenn ich unzufrieden bin. Außerdem zu seiner Gleichung, dass man in Kreativberufen pünktlich, nett und qualitativ hochwertig sein muss – und das zwei von drei Eigenschaften genügen (vollkommen ohne falsche Bescheidenheit: ich glaube, ich bin der Typus pünktlich und nett, siehe oben, “was andere besser können”).

Noch irgendwas wichtiges?

Ich liebe das, was ich hier tue, obwohl ich damit direkt kein Geld verdiene. Ich liebe es, dass andere Leute ihre Bloggerei lieben. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn die teilweise großartige Arbeit, die von Leuten in ihrer Freizeit in ihren Blogs geleistet wird, als minderwertig abgekanzelt wird. Und deswegen ist es mir so wichtig, dass die Blogger zusammenhalten und sich gegenseitig Mut machen. Und deswegen ist mir auch diese Film-Blogosphären-Kiste, die schon einige erstaunliche Blüten getrieben hat (dazu in ein paar Monaten mal mehr), weiterhin ein Anliegen.

Wie schon vor zwei Jahren, als ich noch hauptamtlich für den Deutschen Evangelischen Kirchentag gearbeitet habe, habe ich auch dieses Jahr wieder eine der Leitungspositionen in der Multimediaredaktion des Kirchentages. Mit über 50 Studierenden von vier verschiedenen Journalistenschulen bieten wir ab sofort bis Sonntagmittag auf kirchentag.de umfangreiche und natürlich multimediale Berichterstattung über das Hamburger Großereignis. Vorbeischauen lohnt sich.

Met the Bloggers (II)

26. April 2013

Ich glaube, auf dem zweiten Filmbloggertreffen gestern, während des 20. Internationalen Trickfilmfestivals Stuttgart, war ich der einzige Mensch mit aktivem Filmblog. Aus unterschiedlichen Gründen hatten die “erwartbaren” Gäste, Blogger aus der Region Stuttgart wie Stefan von Equilibrium und Rochus Wolff von Butt-kicking Babes sowie Animationsblogger wie Orlindo Frick von AniCH keine Zeit (mehr) gehabt. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch – schließlich schreibt Christian für dpa manchmal über Filme, Franziska bloggt, Kathi macht selber welche und Henning hat zumindest mal über Filme gebloggt und war schon beim Kinocast (leider auch verhindert) zu Gast.

Der eigentliche Zweck des Treffens – Leuten ins Gesicht gucken, die im Netz was mit Film machen, während man einen Long Island Ice Tea trinkt – wurde also voll erfüllt.

Ich würde mich freuen, wenn sich die so begonnene Tradition fortsetzt und Kollegen auch auf anderen Festivals Bloggertreffs veranstalten. Ich werde wohl erst im November beim FILMZ wieder auf einem Festival sein. Vielleicht sehen wir uns ja dort.

Meet the Bloggers (II)

19. April 2013

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Das positivste Erlebnis für mich innerhalb der ganzen Film-Blogosphäre-Diskussion, die ich im Januar angestoßen hatte, war das erfolgreiche Treffen vieler vieler Blogger auf der Berlinale. Internet hin, Social Web her – es geht doch nichts darüber, sich mal persönlich in die Augen geschaut zu haben, wenn man versucht, sich eine gemeinsame Identität zu geben.

Noch bin ich meiner Mission nicht müde, und deswegen habe ich auch für meinen nächsten Festivalbesuch wieder ein Bloggertreffen angesetzt. Ich weiß, dass das Internationale Trickfilmfestival Stuttgart ein eher kleines Special-Interest-Festival ist, aber wenn ihr du da bist und im Netz über Filme schreibt (egal wie oft), dann kommt doch vorbei! Wir treffen uns um 18.00 Uhr am Donnerstag, den 25. April, im mexikanischen Restaurant “Cantina” in der Nähe des Festivalgeländes.* Hier kannst du bescheid sagen, dass du kommst.

* Meine Erfahrung vom letzten Jahr ist, dass es dort (obwohl natürlich Systemgastronomie etc.) nicht so voll und so heiß ist wie direkt am Schlossplatz. Das macht das Reden etwas angenehmer. Und es gibt einigermaßen günstig zu essen und zu trinken.

Es gibt Leute, die sagen, wir wären nicht gut
Wir wären nur so mittel, da packt mich die Wut
Wer so was behauptet, der lügt wie gedruckt
Der gehört getreten und angespuckt
- Die Ärzte, “Wir sind die Besten”

Ein Schulkamerad von mir war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in einer der Satelliten-Kleinstädte rund um Wiesbaden. Wer freiwillige Feuerwehrleute kennt, weiß, dass sie sich sehr ernst nehmen, einerseits aus echter Leidenschaft für ihre potenziell Leben rettende Freizeitbeschäftigung. Andererseits aber auch als Bollwerk gegen die (sicher auch nicht ganz ungerechtfertigten) Vorurteile gegen freiwillige Dorffeuerwehren, ihre Mitglieder seien häufiger damit beschäftigt, den eigenen Bierdurst zu löschen, als Feuer (denn dafür gibt es ja die “richtige” Feuerwehr).

Zur Demonstration der Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit dienten damals vor allem immer gut sichtbar getragene “Pieper”, an denen immer wieder herumgefuhrwerkt werden musste, um sicher zu gehen, dass man nicht wegen einer leeren Batterie einen Einsatz verpasst. Wer aber die Feuerwehr wirklich liebte, für den gab es zudem ein ganzes Arsenal an Devotionalien, mit denen man sich gegenüber der Restbevölkerung nicht nur als Feuerwehrmensch outen konnte, sondern gewissermaßen auch als Fan seiner selbst.

Ich erinnere mich spezifisch an eine Anzeigenseite in einem Feuerwehr-Magazin, auf der man verschiedene Aufkleber-Motive bestellen konnte, von denen mein Freund samt und sonders begeistert war. Eine kurze Google-Suche zeigt, es gibt sie immer noch, und sie stellen mich immer noch vor das gleiche Rätsel wie damals. Ich kann den Impetus verstehen, Flagge für seine Leidenschaft zu zeigen (ich habe auch T-Shirts mit Drumsets drauf), aber warum muss man sich dabei (mal ganz abgesehen von #Aufschrei-würdigen Stickern wie “Die Feuerwehrfrau – Die kluge Puppe in der starken Truppe”) immer so stark von anderen abgrenzen? Habt ihr es so nötig, euch für eure Leidenschaft zu rechtfertigen? Habt ihr nicht mehr Stolz?

Heute braucht es keine Aufkleber mehr, denn es gibt ja Facebook. Dass soziale Medien zum Echo Chamber-Effekt neigen, damit erzähle ich nun wirklich nichts Neues. Aber obwohl sie sich doch eigentlich auf diese Weise mit Ja-Sagern umgeben könnten, scheinen Leute gerade dort regelmäßig die Notwendigkeit sehen, ihr eigenes Selbstwertgefühl durch Affirmation ihrer Selbst und indirekte oder direkte Abwertung aller anderen zu polstern.

Natürlich haben die Feuerwehrsprüche überlebt. Zu meinem Gaga-Lieblingsexempel “110 – Die Männer, die man ruft; 112 – Die Männer, die auch kommen” gibt es heute eine Fanpage. Aber das Phänomen existiert auch in Bereichen, in denen man es nicht erwartet hatte. Eine US-Bekanntschaft von mir ist Bibliothekarin und postet regelmäßig Artikel und Motivationsposter, die die Botschaft “Bibliothekare sind WICHTIG und nicht durch Google zu ersetzen” auf die ein oder andere Weise proklamieren.* Andere Freunde, die sehr gerne lesen, scheinen sich ständig dafür rechtfertigen zu müssen, dass sie Bücher lieben. Ich frage mich immer nur: Wer sind diese gemeinen Menschen, die euch eure Leidenschaften absprechen wollen? Ich nicht.

Nicht falsch verstehen: Es ist absolut gar nichts dagegen zu sagen, dass Leute Dinge toll finden. Es ist auch nichts dagegen zu sagen, dass diese Leute anderen zeigen wollen, dass sie diese Dinge toll finden, und deswegen zum Beispiel besonders herausragende oder sie just in diesem Moment glücklich machende Exemplare ihrer Lieblingsdinge mit dem Rest der Welt teilen. Schon gar nichts kann ich dagegen haben, wenn Menschen Dinge – auch aus dem Umfeld ihrer Leidenschaft – nicht gut finden und darauf aufmerksam machen wollen – so habe ich einige Facebook-Freunde, die mit Leidenschaft im Gesundheitswesen arbeiten, und immer mal wieder darauf hinweisen, wie beschissen dort zum Teil die Arbeitsbedingungen sind.

Ich habe nur etwas dagegen, wenn die Rufe plötzlich ins defensive bis passiv-aggressive abdriften, wozu sich besonders Facebook perfekt zu eignen scheint. Man hat genug Gleichdenkende im Freundeskreis, die auf “Gefällt mir” klicken, und plötzlich fühle ich mich an eine Hip-Hop-Battle erinnert, in der es ja auch nur darum geht, sich selbst als den Größten darzustellen, indem man seine eigenen Skills lobt und die des Gegenübers disst. “Diss” kommt von “Disrespect”. Aber woher kommt das Recht, andere nicht zu respektieren, nur weil man sich selber toll findet?

In der Werbung werden zu solchen Zwecken Imagekampagnen an den Start gebracht. Dafür reicht meist schon ein gefühltes Absinken der Gunst und häufig ist auch da so eine Spur von Defensivität zu spüren. “Wir bieten, was die anderen nicht bieten”, ergo: die anderen sind doof. Und eine ganze Menge davon ist auch in Gesetzen, wie dem Leistungsschutzrecht für Presseverlage (LSR) zu spüren. “Ha, es steht jetzt im Gesetz, dass wir wichtig sind. Unsere Leistung wird geschützt. Jetzt kann uns keiner mehr was!”

Ignorieren wir für einen Moment, dass es dabei hauptsächlich um Geld geht. Was bleibt dann übrig? Genau das, was die Gegner des LSR seinen Befürwortern vorwerfen: Das hier mit politischer Wucht eine Legitimation künstlich aufrecht erhalten wird, die der technischer Fortschritt widerlegt hat – nämlich zu behaupten, nicht die einzelnen Inhalte wären das wertvollste Gut eines Mediums, sondern nur das Medium als Ganzes, die Verpackung. Google, Blogger, Aggregatoren bereichern sich laut LSR an den Inhalten, respektieren aber nicht die Verpackung. Die Männer, die man ruft, die Männer, die auch kommen.

* Ich kann mir vorstellen, dass der Bibliothekarsberuf im Zeitalter computerisierter Suche (die tatsächlich nur einen Teilaspekt des Berufs ersetzt) bedroht ist. Darüber erfahre ich in meiner Timeline aber nichts. Stattdessen scheinen Bibliothekare unter einem lange gepflegten Minderwertigkeitskomplex zu leiden, der sich auch auf der Berufsbild-Seite des deutschen Bibliotheksverbandes wiederfindet:

Bibliothekarisches Personal wird auch heute noch gerne mit geradezu klassisch zu nennenden und immer wieder reproduzierten Klischees, die in der Öffentlichkeit über diesen Beruf existieren, konfrontiert. Von sich selbst und ihrem Berufsstand pflegen Bibliothekare jedoch eine erheblich bessere Vorstellung.
(Hervorhebung von mir)

Bild: “Marymount Basketball Team and Cheerleaders” (Ausschnitt), Library of Virginia, Public Domain

Heinrich Hoerle, Denkmal der unbekannten Prothesen
via Wikimedia Commons.

Google Glass könnte das nächste große Ding werden. Wenn es hält, was es verspricht, ist die neue Erfindung aus Mountain View, die Ende des Jahres auf den Markt kommen soll, ein erster Schritt dahin, dass Computer nicht länger ein externes Gerät sind, das wir mit uns herumtragen, sondern ein allgegenwärtiger Teil unseres Organismus. Sicher, auch die Brille ist streng genommen noch etwas Externes, was wir an- und ausziehen. Aber sie sitzt fest auf unserem Körper und kann ohne Zuhilfenahme der Hände bedient werden. Obwohl also genau genommen der Unterschied zu einem Smartphone mit Sprachsteuerung vielleicht gar nicht so groß ist, fühlt sie sich an wie ein neues Paradigma, eine neue Stufe auf dem Weg zur (möglichen) völligen Verschmelzung von Mensch und Maschine.

Mir war gar nicht bewusst, dass unter den Netzmenschen längst eine Pro-und-Contra-Diskussion über diese Entwicklung losgegangen ist, bevor ich Martin Gieslers Post bei “Blogrebellen” las. Über die Links am Ende des Posts gelangte ich zu den diversen Gegenstimmen zu Google Glass, die von schelmisch amüsiert über historisch abwägend bis sachlich besorgt reichten. Und es gibt eine Kampagne gegen Google Glass, die unter dem Namen “Stop the Cyborgs” läuft.

Die Argumente kurz gefasst: Google Glass ist eine “egoistische Technologie” (“Netzwertig”), ein bisschen wie Rauchen. Nicht nur der Nutzer muss damit umgehen, sondern auch alle, die ihn (freiwillig oder unfreiwillig) umgeben. Denn nicht nur besteht ständig die Gefahr, dass der Glass-Träger abgelenkt ist, weil er nebenher im Augenwinkel E-Mails liest, sondern es existiert auch eine reale Chance, dass alle um ihn herum gefilmt oder fotografiert werden, diese Aufnahmen in die Cloud wandern und damit von Google für kapitalistische Machenschaften genutzt werden können.

Ich habe volles Verständnis dafür, dass eine neue Technologie grundsätzlich Besorgnis auslöst, und es ist gut, wenn die Probleme, die sie verursachen kann, konkret benannt werden. Was mich allerdings wundert, ist das, was häufig am Ende übrig bleibt. Etwas wie “Stop the Cyborgs”, eine ungefilterte Anti-Haltung, die auf wenig mehr als einem grundsätzlichen Unbehagen beruht – oder, wie in Martins Post anklingt, eine Angst davor, ohne eine Technologie wie Glass im Nachteil zu sein:

Du fällst ins Hintertreffen, weil Du, wenn Du keine Datenbrille nutzt, weniger Informationen zur Verfügung hast. Ein Wettkampf um Informationen entfacht. Konzerne entscheiden über Dich und nicht Du über Konzerne.

Könnte man das gleiche nicht auch über Smartphones sagen? Obwohl es vielen meiner Freunde ohne Smartphone eigentlich ziemlich gut geht. Danach der Satz: “Es wird Zeit, dass wir in Deutschland ein größeres Bewusstsein für Datenschutz und Privatsphäre entwickeln.” Als wäre das Thema in Deutschland nicht sowieso schon völlig schief gelagert, siehe Google Street View.

Unbehagen ist ein wichtiger Indikator dafür, dass Sachverhalte Aufklärungsbedarf und eventuell auch Gewöhnungszeiten mit sich bringen. Es ist spannend zu sehen, dass selbst technologiefreundliche Menschen, die nach eigener Aussage das Internet atmen, irgendwann an den “Jetzt ist es aber auch mir zu viel” Punkt geraten (es tut mir leid, dass Martin Giesler hier als Prügelknabe herhalten muss, ich kenne ihn nicht und habe nichts gegen ihn persönlich!). Ein Grund für völlige Ablehnung – und die Verunglimpfung der Befürworter als “Cyborgs” – sollte ein grundsätzliches Gefühl von “creepy” aber nicht sein. Damit macht man es sich zu einfach.

Denn Wegdrehen und sagen “Damit will ich nichts mehr zu tun haben” kann jeder – siehe die Art, wie Deutschland mit dem Netz allgemein umgeht. Viel wichtiger ist es, Wege zu finden, wie wir mit möglichen technischen Paradigmenwechseln wie Google Glass umgehen können. Ein paar von diesen Wegen können gesetzlich sein. Es gibt bereits sehr detaillierte Rechte, was das Aufnehmen von Bildern und den Schutz der abgebildeten Personen angeht. Die “Unsichtbarwerdung” der Kamera hebt diese Rechte nicht auf. Auch ist in vielen Bereichen schon gesetzlich festgelegt, welche Informationen über Menschen in bestimmten Situationen genutzt werden dürfen, zum Beispiel in Bewerbungsgesprächen oder vor Gericht. Wenn die Lage sich ändert, muss man eventuell neue Gesetze schaffen, das wird zu sehen sein.

Viel wichtiger aber sind die gesellschaftlichen Konventionen, die wir untereinander entwickeln. Ein brillanter Paranoia-Film wie Sight zeigt auf, wie es nicht laufen sollte – das liegt aber an uns! Meine Freundin muss mich regelmäßig treten, weil ich in Gesprächsrunden dazu neige, das Handy rauszuholen und mich ablenken zu lassen. Das ist aber nicht die Unhöflichkeit des Handys, sondern meine. In anderen Kontexten – zum Beispiel in einem geschäftlichen Treffen, oder mit Freunden, bei denen das Nebenher-Handy-gucken etabliert ist – kann es völlig in Ordnung sein, sich nebenbei Notizen zu machen, Informationen zu verifizieren oder sogar zu twittern.

Das Filmen mit versteckter Kamera ist schon heute – außer für investigative Reportagen – gesellschaftlich geächtet, obwohl es nicht eindeutig verboten ist. Genauso kann es zur Konvention werden, dass man sein Google Glass absetzt, wenn man sich mit jemandem persönlich unterhält. Oder eben nicht, wenn der andere das okay findet. Es könnte normal werden, dass man in Clubs seine Googlebrille in der Tasche lässt, so wie man im Theater das Handy stumm schaltet. Dass sich, wie immer, viele Idioten an solche Konventionen nicht halten (ICH REDE MIT EUCH, HANDY-IM-KINO-BENUTZER!) ist wahrscheinlich. Aber einen Cyborg im Bekanntenkreis würde ich trotzdem erstmal ansprechen, bevor ich ihn ausgrenze.

Met the Bloggers

16. Februar 2013

Es war ein ganz ulkiges Bild: In der Mitte des ersten Stockwerks vom “Mommsen-Eck” am Potsdamer Platz saßen die “richtigen” Filmkritiker beim alljährlichen Treffen der “epd film”-Autoren, an dem ich in der Vergangenheit auch schon teilgenommen habe. Ein paar Meter weiter vorne saßen die Blogger an ihrem Tisch. Eingekeilt zwar, zwischen Treppenhaus und Tür zur Männertoilette, aber der Weg führte unweigerlich an ihnen vorbei.

Ich war froh, dass ich zu einem Zeitpunkt, als auf meine Twitvite gerade sechs Zusagen generiert hatte, trotzdem sicherheitshalber einen Tisch für 15 Personen reserviert hatte. Denn der Platz wurde gebraucht. In dem grässlichen Bewusstsein, mit Sicherheit jemanden zu vergessen, kann ich vermelden, dass neben mir und Cutterina außerdem Doreen Butze, Rochus Wolff, Bernd Zywietz, Martin Gobbin, Gerold Marks, Thilo Röscheisen, Frédéric Jaeger, Dennis Vetter und Simon Born, Joachim Kurz, Andreas Tai und Norbert Hillinger vor Ort waren. Gerold, der sich als Frontkämpfer für die gute Sache hervorgetan hat, hatte außerdem zwei Kollegen der Seite “Inside Kino” dazugeladen, die die Runde zumindest einigermaßen amüsiert betrachteten.

Ich musste nach weniger als zwei Stunden bereits schon wieder gehen, weil der nächste Film rief, aber gelohnt hat sich das Treffen allemal. Über Blog-Politik wurde nur wenig geredet und ich glaube auch nicht, dass dieses Treffen plötzlich eine Blogosphäre herbeizaubern wird. Aber ich fand es trotzdem toll, all diese Internetschreiber an einem Tisch zu versammeln, kennenzulernen und ihnen zuzuhören (zum Beispiel als Frédéric und Joachim auf meine Frage hin versuchten zu verhandeln, ob sie Konkurrenten sind oder nicht). Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich der einzige bin, dem es so ging.

Die Tatsache, dass ähnliche Treffen und Bekanntschaften, Gespräche am Rande von Pressevorführungen und Festivals, schon vorher stattgefunden haben, ändert meiner Meinung nach nichts daran, dass es nichts schadet, diese Treffen ein kleines bisschen zu institutionalisieren und für alljene zu öffnen, die sich angesprochen fühlen möchten. Das fördert den Kontakt und öffnet die Filterbubble-Scheuklappen, die wir ja doch alle tragen, ob wir es zugeben oder nicht, zumindest ein bisschen. Und damit ist meiner Ansicht nach schon viel gewonnen. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal!

In meinem Festival-Kalender steht als nächstes das Trickfilmfestival Stuttgart. Ich hoffe, die Bloggertreffen-Tradition dort fortzusetzen.

EDIT, 19. Februar: Andreas Tai zur Liste der Anwesenden hinzugefügt.

PewCast

5. Februar 2013

Am Sonntag war ich zu Gast im neuen Podcast von Sascha und Stefan, der auf den Namen “PewCast” hört. Wir haben über aktuelle News und Film-Sichtungen und ausführlich über Zero Dark Thirty geredet. Wer das mal hören will, sollte hier klicken.

Meet the Bloggers

31. Januar 2013

Die zweite Stufe des Projekts “Deutsche Film-Blogosphäre” steigt während der Berlinale. Für den 9. Februar 2013 habe ich um 18.00 Uhr einen Tisch im legendären Mommseneck reserviert, an dem sich Blogger und Blogger-Sympathisanten treffen dürfen, um aus ihrem virtuellen Gefängnis auszubrechen und gemeinsame Projekte für die Zukunft zu planen. Am besten direkt hier zusagen. Wir sehen uns!

Bild: Katharina Matzkeit (CC-BY-SA)

Diese Bilanz kann nur eine sehr persönliche sein, denn die letzte Woche war ganz schön turbulent. Nicht nur, weil ich am Dienstagnachmittag von einer Grippe umgehauen wurde, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe, und drei Tage flach lag, zwei davon mit Fieber. Sondern auch, weil ich wirklich nicht geahnt habe, was passieren würde, nachdem ich am Sonntagabend in meinem WordPress-Dashboard auf “Publish” gedrückt hatte.

Erst konnte ich sehen, wie sich der Beitrag auf Twitter verbreitete, irgendwann oft genug, um bei “Rivva” aufzutauchen. Am nächsten Morgen war ich im “BildBlog” verlinkt und die ersten Kommentare trudelten ein. Dienstag war mein Artikel schon zu “der aktuellen Filmblogdiskussion” mutiert. Als ich dann Mittwoch auch noch eine Mail von Radio Fritz mit einer Interviewanfrage bekam, war ich mir schon nicht mehr ganz sicher, ob das alles wirklich passiert (kann aber auch das Fieber gewesen sein).

Don’t get me wrong

Ich bin also wirklich im positivsten Sinne überwältigt, dass meine vier Thesen ein solches Echo erzeugen konnten. Einerseits ist das natürlich auch ein bisschen befriedigend, denn die Zustimmung, die ich erhalten habe, spricht dafür, dass ich irgendwie tatsächlich nicht nur heiße Luft gepustet, sondern einen wunden Punkt getroffen habe. Andererseits muss ich mich natürlich auch mit der Kritik auseinandersetzen (die sehr zivil und sachlich geblieben ist) – und das bedeutet bei mir fast immer, dass ich instinktiv zurückrudern und relativieren will.

Ein bisschen werde ich das auch diesmal nicht vermeiden können. Ich stehe auch nach aller Diskussion zu jeder meiner vier Thesen, aber natürlich sind sie (ich glaube, ich habe das auch im Artikel öfter betont) auch auf maximale Aufmerksamkeit zugespitzt (einsortieren unter Handwerk, Klappern gehört zum). Ich glaube nicht, dass in diesen vier Punkten die gesamte Sachlage enthalten ist, und ich bin relativ entspannt, was ihre Umsetzung angeht. Trotzdem, ein paar Klarstellungen:

Blogosphäre schaffen heißt nicht Homogenisierung

Ich bin ein Anhänger von Gemeinschaftsgefühl, nicht jeder ist das. Obwohl ich zum Beispiel Patriotismus grundsätzlich eher für gefährlich halte, besonders wenn er gegen andere benutzt wird, bin ich doch immer wieder faziniert davon, dass etwa die völlig unterschiedliche und konträre bis feindselige regionale Identität zweier US-Bürger sich problemlos mit dem amerikanischen Wir-Gefühl vereinen lässt. Eine übergeordnete Identität lässt also durchaus Raum für jede Menge Individualität.

In den Kommentaren schrieben Frédéric Jaeger und Thomas Groh, mein Wünsche röchen nach “Homogenisierung”, als sollten wir alle das gleiche machen, Filme aus der gleichen Warte betrachten. Nichts liegt mir ferner. Jeder soll machen, was er will, das ist das World Wide Web und das ist seine besondere Vielfalt. Ich will keine redaktionellen Leitlinien.

Es wird immer Menschen geben, die Filme eher vom Kopf her, in einem größeren, kulturkritischen Zusammenhang wahrnehmen und interpretieren – genauso, wie es immer Menschen geben wird, die diese Zusammenhänge lieber ignorieren. Genauso wird es immer Schreiber geben, die lieber für ein Publikum schreiben und ihre Texte danach ausrichten – und es wird immer Schreiber geben, die einfach ihre Gedanken so festhalten, wie sie ihnen durch den Kopf schießen.

Sie sollen sich nicht ändern. Was ich erreichen will, ist, dass sie einander wahrnehmen. Und zwar nicht als etwas Abjektes, sondern als Leute vom gleichen Schlag, nämlich “Menschen, die im Internet über Film schreiben”. Sie müssen deswegen ja noch lange nicht alles mögen, was der andere tut, aber sie wüssten voneinander. BANG! Film-Blogosphäre.

“Leitmedium” ist ein dummes Wort

Meinen Artikel haben viele Leute über Twitter gefunden und über andere Filmblogs, die mich verlinkt haben, sehr viele auch über Facebook (ich bin tieftraurig darüber, dass ich die vielen Diskussionen die dort vielleicht abliefen, nicht lesen konnte). Aber mit Abstand die meisten Hits bekam meine Seite in den letzten Tagen aus dem “Bildblog” und dessen Rubrik “6 vor 9″, in der jeden Tag sechs Links zu Medienthemen veröffentlicht werden. Andere kamen auf den Artikel dadurch, dass Wulf Bengsch geschickt die trojanische Frage “Der beste Beitrag oder die beste Kritik, die ich in der vergangenen Woche auf einem Blog gelesen habe, war ________” einbaute, manche mit meinem Artikel antworteten und so Dritte darauf aufmerksam machten. Leitmedien?

“Leitmedium klingt nach Leitkultur” stand in mehreren Kommentaren, und da wurde mir klar, dass man manche Wörter in Deutschland einfach nach wie vor nich benutzen kann. Ich bin froh, dass ich nicht “Meinungsführer” benutzt habe. Auch hier geht es mir nicht darum, alle auf Linie zu bringen, warum auch? Twitter zeigt ja, dass man Leuten “folgen” kann, ohne sich dadurch ihre Ansichten zueigen zu machen. Es geht mir eher darum, dass die natürlichen Knotenpunkte im Netz ihre Funktion nutzen, um den Fäden, die zu ihnen führen, etwas zurückzugeben.

Doch selbst diejenigen, die (so glaube ich) verstanden haben, was ich meinte, waren deswegen nicht meiner Meinung. Thomas Groh schrieb in einem Kommentar:

In meinem “Google Reader” habe ich unter “movie” alles abgespeichert, was mich interessiert, und wenn mich was neues interessiert, kommt das hinzu. Was mich nicht interessiert, bleibt draußen.

Das ist natürlich der gleiche Ansatz, den ich auch verfolge und wahrscheinlich die meisten anderen. Er bedeutet aber, dass die Anzahl der guten Inhalte, die man findet, in direktem Verhältnis zu der Zeit und der Erfahrung steht, die man aufgewendet hat, um sie zu filtern. Meiner Meinung nach ein bisschen unfair. Ich bin da eher bei Ciprian David, der schreibt:

Die existierende Vielfalt der Blicke auf Film, Clustering und die anderen angesprochenen Aspekte können alle aus dieser Orientierungs-Perspektive auch als Hindernisse im Wege der Auswahl von zu lesenden Seiten gesehen werden und das zurecht. Einerseits möchte man möglichst unterschiedliche Ansätze kennenlernen, andererseits ist da draußen zu viel, um alles mitzubekommen – hinzu kommen noch die sich verdoppelnden Inhalten, die lange nicht nur News betreffen.

Genau darum geht es mir: Orientierung. Aggregation. Sinnvolle Anknüpfungspunkte für Außenstehende und innen stehende Interessierte.

Natürlich sind die sechs täglichen Links von “6 vor 9″ eine höchst subjektive Auswahl. Dahinter steht sogar exakt eine Person: der schweizer Medienjournalist Ronnie Grob. Aber seit ich nicht mehr die Zeit habe, die gesamte deutsche Medienbloglandschaft zu verfolgen (wie damals, als ich noch hauptberuflich über Medien geschrieben habe), sind sie für mich eine gute tägliche Orientierung über aktuelle Themen und kleine Fundstücke. Dito “The House Next Door”, “Page 2″, “Weekend Reel Reads”, der “Singles Club” des Guardian Music Weekly Podcast.

Durch die Pingbacks zu meinem Beitrag konnte ich feststellen, dass einige Blogs natürlich solche löblichen Linklisten führen. Taschenpost bei “Nerdtalk” zum Beispiel, Der Linkomat beim “Abspannsitzenbleiber” und Verlinkt bei “DVDuell”. Auch Thomas Groh schreibt, er “weise (…) auf andere Beiträge in Print und Blogs hin, vor allem auch in der rechten Spalte unter ‘Reading Room’”.

Doch auch diese Listen muss man erstmal finden. Was ich mir wünsche, ist aber, dass das jemand macht, der 1) sowieso viel gelesen wird und am besten 2) auch noch für seine Arbeit bezahlt wird (hebt die Motivation). Also zum Beispiel ein regelmäßiges Feature bei “Moviepilot”. Die haben schon die Aufmerksamkeit einer großen Community. Jetzt könnten sie sie doch auch in die Blogs zurückgeben. Der Netzwerkeffekt wäre gigantisch. “Critic.de” hielte ich, wie schon im Interviewbeitrag mit Frédéric geschrieben, auch für einen geeigneten Kandidaten. Aber das ist eher persönliche Neigung. Und Geld haben sie dort ja leider auch nicht.

Hat Deutschland keine Filmkultur?

Nachdem es mit dem Interview zwischen uns leider nicht so gut geklappt hat, hat “Filmfreund” Oliver Lysiak sich dafür sehr prägnant in den Kommentaren zu Wort gemeldet und gleich zum Rundumschlag ausgeholt. In Deutschland fehle es an der “Filmkultur”, das Reden über Filme über ein “Gefällt mir (nicht)” hinaus sei eine kleine Nische. Ich weiß nicht, ob ich ihm da zustimmen will. Er macht diese Voraussetzung aber dafür verantwortlich, was ich als “die nervige Trennung zwischen E- und U-Kultur” bezeichnet habe, den mangelnden “Spaß an fließenden Grenzen zwischen Filmjournalismus und Filmfan”.

Meine E- und U-Anmerkung ist vielen sauer aufgestoßen, dabei wollte ich damit niemanden beleidigen. Zumal, wie ich oben geschrieben habe, die Ansätze sowieso immer alle vorhanden bleiben werden. Vielleicht liegt es an mir selbst, der ich so ein merkwürdiger Hybrid bin. Ich bin studierter Filmwissenschaftler, aber ganz schlechter Hermeneutiker. Ich bin Filmjournalist, betrachte das Thema Film aber eigentlich lieber aus der Warte eines Medienbeobachters, und bin deswegen nicht umsonst ein recht miserabler Kritiker (ausgerechnet Fernsehjournalismus – was ich nie gedacht hatte – kommt mir hier entgegen, weil ich den Film für sich sprechen lassen kann, statt dem Leser einen Eindruck davon vermitteln zu müssen). Weil ich also selbst so in der Mitte stehe, vielleicht liegt mir deswegen so viel daran, dass alle Beteiligten ihre eigene “Haltung” zum Thema Film etwas lockerer und dehnbarer begreifen. Film ist eben Industrie, Kunst, Kulturgut, Medium und Konsumgut auf einmal. Das ist ja das Tolle daran.

Mein Lieblingstweet zum Thema übrigens:

Gibt es eine deutsche Film-Blogosphäre? [] Ja [] Nein [] Dir gefällt “Transformers”, mit dir rede ich nicht.

— Sven Kietzke (@CineKie) January 20, 2013

Machen statt klagen

Einer meiner Lieblingsbeiträge stammte von Schöndenker Thomas Lautersweiler. Er forderte Machen statt klagen und zählte direkt mehrere Beispiele auf, bei denen die Blogs schon zusammenarbeiten. Ich bin natürlich voll seiner Meinung, aber wie ich dann auch in seinem Blog kommentierte: “Vielleicht wollte ich nur zuerst das Problem benennen, bevor ich es angehe. Das hilft beim Fokussieren.” Ein geisteswissenschaftliches Studium prägt. Ohne Thesen geht erstmal gar nichts.

Es ist schon eine Menge passiert, zum Beispiel diese Facebookseite, eine tolle Idee, von der ich allerdings noch nicht weiß, wo sie hinführen wird. Und die Diskussion, die das Thema zumindest mal auf die Agenda gebracht hat. Am besten hat mir gefallen, dass viele Leute mir geschrieben haben, sie hätten schon durch Artikel und Diskussion jede Menge Blogs entdeckt, von denen sie noch nichts wussten.

Es wird weitergehen. Ich werde selbst versuchen, so gut es geht dazu beizutragen, mehr deutsche Blogs lesen und verlinken, auch hier im Blog. Ich denke, das machen andere vielleicht auch. Genügend Tools gibt es ja, um die Vernetzung im Kleinen herzustellen (Gastbeiträge etc.). Was ich auch noch gar nicht erwähnt habe ist die tolle Idee des Social Viewing von “Mostly Movies”.

Und ich fände es gut, wenn wir uns auf der Berlinale treffen würden. Also, wer immer da ist, zumindest. Ich versuche einen Termin und einen Ort zu finden, der für möglichst viele Leute machbar ist. Wahrscheinlich am ersten Wochenende. Keep watching this Spot!

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