Gefühlte Gemische
1. Mai 2013
Nach einer Idee von Christoph Hochhäusler
Es liegt nicht auf der Hand, dass ich heute mit Film arbeite. Zwar bin ich nicht medienlos aufgewachsen, aber doch mit einem wohlkontrollierten Medienkonsum. Mehr als eine halbe Stunde “Die Sendung mit der Maus” war sehr lange nicht drin, einen eigenen Fernseher hatte ich erst mit 16. Ich habe jede Menge frühe Lese-Erinnerungen aber sehr wenige frühe Film-Erinnerungen.

Mein erster Kinobesuch muss The Jungle Book (USA 1967) gewesen sein, als der Film Weihnachten 1987 noch einmal ins Kino kam. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, wirklich im Kino gesessen zu haben. Aber zu Fasching wollte ich auf jeden Fall King Louie sein. Meine Mutter bastelte mir ein Kostüm aus einem brauen Pullover und buntem Krepp-Papier.
Die ersten sechs Jahre meines Lebens wohnte ich mit meinen Eltern und meiner Schwester in einer Vier-Zimmer-Wohnung. Meine bevorzugte Abendbeschäftigung bestand darin, “Verlängerungstaktik” zu fahren, also nach dem Zu-Bett-Gehen wieder aufzustehen, ins Wohnzimmer zu stiefeln und nach einem Glas Wasser oder Ähnlichem zu verlangen. Der eigentliche Zweck war natürlich, an den “erwachsenen” Aktivitäten wie Fernsehen teilzunehmen.

Eines Abends wurde mir die Verlängerungstaktik zum Verhängnis, als ich just in dem Moment ins Zimmer kam, als die einzig gruselige Szene in Back to the Future (USA 1985) über die Mattscheibe flimmerte. Marty McFly erscheint seinem Vater im Strahlenschutzanzug, schockt ihn mit lauter Musik und erklärt, er sei “Darth Vader vom Planeten Vulkan”. Heute ein großartiger Geek-Witz, damals die Garantie für mehrere Wochen voller Albträume.
1991 zog meine Familie für fünf Jahre in die Niederlande, was mein Verhältnis zum Kino sowohl komplett veränderte, als auch nachhaltig prägte. Niederländer synchronisieren nicht. Bei Gängen ins Kino – anfangs noch mit Eltern, später zunehmend alleine, Mobilität war ja in einer Großstadt kein Problem mehr – lernte ich zwei Fremdsprachen gleichzeitig: Hollywood-Englisch und Untertitel-Niederländisch.

Ein Klassenkamerad hatte Terminator II – Judgment Day (USA 1991) auf VHS – seine Eltern waren in Sachen Medienkonsum wesentlich laxer als die der meisten anderen Freunde. Jedes Mal, wenn ihn jemand aus der Klasse besuchte, musste S. mit ihm Terminator gucken – auch mit mir. Vor der Szene mit der Milchtüte ließ ich mich aber von ihm warnen – und machte rechtzeitig die Augen zu.
Obwohl meine Kinolust mit zehn Jahren endgültig geweckt war, und ich zum Beispiel anfing, meine Kinokarten zu sammeln, war ich damals schon kein genauer Hingucker und bin es auch nie geworden. Kino war für mich immer ein Illusionsphänomen. Mich interessierten die Prozesse dahinter, über die ich vor allem in Zeitschriften wie “Limit” und “TV Movie” allerhand lernte. Mit der Video 8-Kamera meiner Eltern drehte ich eigene Stopptrickfilme und Flüge, in denen die Linse der Kamera den Blick aus dem Cockpit einfing.

Die Diskussion um Jurassic Park (USA 1993) war hart. Der Film hatte in Deutschland eine FSK 12, war aber in Holland ab 0 Jahren freigegeben. Ich war zehn und durfte nicht reingehen. Als der Film etwa ein Dreivierteljahr nach Kinostart noch einmal im “Rijksbioskoop” lief – einem Kino, das Filme kurz vor Heimvideostart noch einmal für kleinen Preis wiederaufführte – gaben meine Eltern nach und ließen mich gehen. Vom sense of wonder beim Anblick der Dinos, über deren Erschaffung im Computer ich längst alles wusste, zehre ich bis heute.
Wenn Bekannte davon berichten, dass Sie Filme immer und immer wieder gesehen haben, muss ich passen. Spätestens ab 1995 war ich zu sehr von diversen anderen Hobbies besessen, die meisten davon hatten mit Fantasy-Rollen- und Kartenspielen zu tun und verschlangen meine gesamte Freizeit.

The Lion King (USA 1995) war einer der wenigen Filme, den meine Eltern für uns auf VHS kauften. Statt ihn immer wieder zu gucken, überspielte ich mir nur den Ton auf eine Kassette und transkribierte sie, lernte dabei weiter Englisch. Daher bleibt Disneys Meisterwerk der silbernen Ära der einzige Film, den ich fast komplett mitsprechen kann.
Alle meine Kindheits-Filmerinnerungen drehen sich also um Trick-Filme. Und bis heute ist es wohl das Erlebnis-Gemisch als Durch-Schauer und Verzaubert-Werder, die Kino für mich nach wie vor zum Faszinosum macht.
Fortsetzung folgt – falls gewünscht
Man kann sicher geteilter Meinung darüber sein, ob es überhaupt einen Film Cloudy with a Chance of Meatballs 2 geben sollte. Ich fand den Ursprungsfilm ziemlich gut, hatte aber auch den Eindruck, dass die Geschichte am Ende des Films auch zuende erzählt war. Dass in Teil zwei zum erzählereisch wenig überzeugenden Mittel gegriffen wird, dass die Helden wegfahren müssen, um irgendwas zu machen, und dann zurückkehren, bestätigt diese Einschätzung. Auch hätte ich mir einen etwas kreativeren Titel gewünscht, eine Variation des ersten Titels, etwa “Heiter mit Aussicht auf Quarkkuchen” oder so. Aber egal, immerhin scheinen sie im neuen Film wirklich in den vollen Gaga-Modus geschaltet zu haben.
Deswegen bin ich aber nicht hier, ich wollte stattdessen mal einen Blick auf den ersten Trailer für den neuen Film werfen, der diese Woche im Netz gelandet ist. Und vor allem auf die deutsche Übersetzung. Denn der Englische Trailer setzt radikal und bis zum Abwinken auf puns für seinen Humor. Und jedem Übersetzenden dürften sich dabei die Zehennägel aufgerollt haben.
Puns sind im englischsprachigen Raum ja doch ein bisschen so etwas wie eine Kunstform. Der Kalauer ist hingegen in Deutschland nicht so hoch angesehen – obwohl es auch hier Könige gibt, wie Willy Astor und das Postillon-Kollektiv. Ich liebe Wortakrobatik gepaart mit dummen Witzen, aber die Menschen, die das ganze übersetzen müssen (noch dazu mit mächtig Zeitdruck) können einem wirklich leid tun.
Hier ist der deutsche Trailer:
Haben die Damen und Herren, die hier am Werk waren, einen guten Job gemacht? Weil ich manchmal einn Hang zu sinnlosen Unterfangen habe, dachte ich, ich vergleiche mal die Original-Pointen mit den deutschen. Los geht’s.
Englisch: Are those Shrimpanzees?
Deutsch: Sind das Shrimpansen?
Wir steigen einfach ein. Zum Glück sind sowohl “Shrimp” als auch “Schimpanse” relativ sprachneutrale Wörter.
Englisch: Look, Mosquitoast!
Deutsch: Guck mal, Moskitoasts!
Auch “Moskito” und “Toast” sind Lehnwörter, wie praktisch. Der “Butterfly”-Witz, der im Bild noch versteckt ist, geht allerdings verloren. Und ist der Frosch der “Butter” sagt (aus dem deutschen Trailer rausgeschnitten) vieleicht auch eine Anspielung auf die alten Budweiser-Werbespots?
Englisch: Those are some tasty-looking Jellyfish!
Deutsch: Die Quallwiche sehen aber lecker aus.
Jetzt wird es schon schwerer. Um den englischen Witz zu verstehen, muss man nicht nur wissen, dass Quallen auch in unserer Welt “Jellyfish” heißen (eine Art Beschreibung ihres Äußeren), sondern auch dass “Peanut Butter and Jelly”-Sandwiches (auch “PB&J” genannt) ein typisches amerikanisches Kinderessen sind. “Quallwiche” gibt es nicht, aber das Sandwich-Element wird gerettet und es beschreibt die Viecher ganz gut. Sähen sie auch nur etwas weniger nach Sandwiches aus, hätte man sie wahrscheinlich einfach “Fischbrötchen” nennen können. Ich glaube hier gibt es noch Möglichkeiten.
Englisch: Tacodile supreme!
Deutsch: Tacodil supreme!
Noch einmal einfach. Zum Glück klingen Krokodile fast überall gleich. Auch wenn “Crocodile” im amerikanischen Englisch “Krahkodail” ausgesprochen wird, und damit an “Taco” natürlich näher dran ist als “Kroko”.
Englisch: It’s no picnic saving the world!
Deutsch: Die Welt retten ist kein Zuckerschlecken!
Diese Tafel wurde der Einfachheit halber durch einen Offtext ersetzt (die Zeit muss wirklich knapp gewesen sein). Gut gelöst! Meine Alternativ-Vorschläge: “Das Leben ist kein Geflügelhof”, “Das wird nicht light” oder irgendwas mit Diäten erhöhen.
Englisch: There’s a leek in the boat!
Deutsch: Das Boot laucht!
Der Höhepunkt des Trailers schifft (höhö) im Deutschen leider völlig ab. Blöd, dass “Lauch” und “Leck” (leak) im Deutschen keine Homonyme sind. Wenn man einen Kalauer machen will, muss man sich also für ein Wort entscheiden und von dort aus assoziieren. “Alles auf Lauchstation” zum Beispiel oder “Leck mich am Stengel!”. Ad hoc fällt mir natürlich auch nichts gutes ein, aber ich spüre, dass es einen Ausweg gibt. Warten wir mal den Zusammenhang im Film ab. “Das Boot laucht” ist zumindest so grundbescheuert, dass es schon irgendwie wieder lustig ist.
Englisch: Breakfast bog, food animal jungle, big rock candy mountain
Deutsch: Frühstückssumpf, Fresstierdschungel, Zuckergussgebirge
Die ersten beiden sind eigentlich keine Kalauer. “Fresstierdschungel” klingt fast besser als “Food animal jungle”. Die “Big Rock Candy Mountains” sind das englische Äquivalent zum Schlaraffenland, das geht natürlich verloren. Aber für’s erste okay.
English: Piece of cake!
Deutsch: Pustekuchen!
Großartig! “Pustekuchen” bedeutet zwar “Blödsinn” und nicht “Total einfach”, aber beides hat etwas von Abwinken und so fällt das gar nicht auf und der Kuchen ist gerechtfertigt. Respekt!
Englisch: We can call him “Berry”.
Deutsch: Oh, wie süß!
Witz einfach geschluckt. Man hätte einen “Beertram” draus machen können.
Alles in allem eigentlich eine solide Leistung. Es bleibt abzuwarten, ob der ganze Film so kalauerig ist (na dann, Mahlzeit!), oder ob sich das Ganze in Grenzen hält und nur für den Trailer thematisch zusamengezogen wurde. Ich denke, die Übersetzenden haben sich das gleiche gedacht. Ich werde die Augen offenhalten.

Neben “DigitaleLeinwand” habe ich noch ein weiteres Blog interviewt, das sich auf ein bestimmtes Teilspektrum der Filmlandschaft spezialisiert hat. “Animationsfilme.ch” bekommt meiner Ansicht nach perfekt die Balance hin zwischen den auch von anderen Seiten gewöhnten (umfassenden) News und kleinen, redaktionellen Seiteneinwürfen und Entdeckungen, die sozusagen als Sahnehäubchen für maximalen Lesegenuss sorgen.
Übrigens: Das hier ist der Punkt, wo – wer möchte – mir gerne germanisches Hegemoniedenken vorwerfen darf, weil ich die ganze Zeit von “deutscher” Film-Blogosphäre spreche, obwohl “ANIch” aus der Schweiz stammt. Ich wollte zu viele Sprachungetüme vermeiden (“Film-Blogsphäre” ist ja auch schon eins) und im Interview erzählen die beiden auch, dass sie es gelegentlich mit ihrer .ch-Endung gar nicht so leicht haben.
Beschreibt ihr kurz in eigenen Worten, was ihr bei “Animationsfilme.ch” macht, warum, wie lange schon, und wie es dazu kam?
Severin Auer: Animationsfilme.ch ist ein deutschsprachiger Filmblog mit Schwerpunkt Animationsfilme aller Art. Von A wie Anime, über S wie Stop-Motion, bis Z wie Zeichentrick. Egal ob Studenten-Kurzfilm oder grosse Hollywoodproduktion. Was in unseren Radar gerät, uns selber interessiert und mit Animation im weitesten Sinne zu tun hat, greifen wir auf und berichten darüber auf dem Blog. Entsprungen ist Animationsfilme.ch einem anderen Filmblog, der sich aber auf den Realfilm spezialisiert hat. Aus persönlichem Interesse habe ich dort immer wieder Neuigkeiten zu Animationsfilmen untergebracht, nur erschien es mir in der Häufung dann zu unpassend. Was lag also näher, als einen neuen Blog zu eröffnen und sich dort aussschliesslich der animierten Kunst zu widmen. So richtig losgelegt habe ich mit Animationsfilme.ch im Januar 2010 als Ein-Mann-Projekt. Etwa ein Jahr später erhielt ich tatkräftige Unterstützung von Orlindo.
Auch wenn die Frage komisch klingt: Was qualifiziert euch eurer Meinung nach dazu, über Animationsfilme zu bloggen? Habt ihr einen professionellen Hintergrund, der entweder mit Film oder mit Journalismus zu tun hat?
SA: Ich habe an der Universität Medienwissenschaften mit Schwerpunkt Film studiert und mich mit Film in seiner breiten Fächerung wie auch mit Genrefilmen auseinandergesetzt. Während dieser Zeit habe ich auch begonnen Filmrezensionen zu schreiben und erste Schritte in den Filmjournalismus gewagt. Zu einem grossen Teil lässt sich das Wissen zum Realfilm auch auf den Animationsfilm anwenden. Wobei hier ganz besonders auch die Machart ein Schwerpunkt ist, die ich mir in ihren Grundprinzipien aus persönlichem Interesse theoretisch erarbeitet habe. Ansonsten spricht der “Fan” aus mir, der schon viele Animationsfilme gesehen hat und sich auch weiterhin auf neue Produktionen freut.
Orlindo Frick: Ich habe Animation und visuelle Effekte in Berlin studiert und arbeite in dem Bereich auch freiberuflich. Jedoch war ich bereits vor dem Studium aktiver Schreiberling für Onlinemagazine, u.a. “Outnow.ch”. Nach dem Studium hat sich bei mir herauskristallisiert, dass ich beides benötige. Die praktische als auch theoretische Auseinandersetzung mit dem Medium Animationsfilm. Zumal Schreiben eine Passion von mir ist. Während also einige meiner Kommilitonen ins Ausland gingen um bei Pixar oder namhaften VFX-Studios Praktika zu machen, zog es mich immer weiter in den deutschen Filmjournalismus hinein, wo ich mittlerweile ganz gut Fuß fassen konnte. Ich denke, hier ergänzen wir uns – Severin und ich – ganz gut. Er schaut mir journalistisch auf die Finger und hat einen direkteren Draht zu Frankreich (ohnehin eines der führenden Länder im europäischen Raum was Animation betrifft) während ich Input und Kontakte direkt aus der deutschen und internationalen Branche mitbringe.
Meint ihr, ihr habt einen Vorteil dadurch, dass ihr euer Blog thematisch so genau eingegrenzt habt?
SA: Definitiv ja. Allerdings ist beim “Animationsfilm” die Eingrenzung wiederum sehr relativ zu verstehen. Im deutschsprachigen Raum gibt es Pixar-Blogs und Anime-Blogs, was nochmals eine deutlichere Eingrenzung wäre. Um ein grösseres, wiederkehrendes Publikum anzuziehen, ist die Spezialisierung in irgendeiner Form aber auf jeden Fall ein Vorteil.
OF: Gerade weil sehr wenige deutschsprachige Internetseiten existieren, die sich mit dem gesamtem Spektrum des Animationsfilms befassen, konnte sich ANIch relativ schnell profilieren. Das habe ich selbst gemerkt, als ich noch vor meiner Mitarbeit bei ANich gezielt nach deutschen Newsseiten zum Thema gesucht habe und keine nennenswerten Alternativen fand. Damals sorgte die Seite bereits für Aufmerksamkeit und ich denke (und hoffe) seit ich im Boot sitze, konnte ANIch seine Position ausbauen.
Wie messt ihr den Erfolg eures Blogs? Seid ihr in deinen Augen mit dem was ihr jetzt erreichen wollt, erfolgreich?
SA: In erster Linie an den Leserzahlen. In zweiter Linie an der Reputation und der Aufmerksamkeit, die man in und ausserhalb der Blogosphäre erhält, unter anderem auch durch Anfragen wie zu diesem Interview hier. Dafür, dass wir den Blog in der Freizeit stemmen, können wir mit dem bisher Erreichten sicherlich zufrieden sein. Dennoch wollen wir weiter wachsen und noch viele neue Leser gewinnen.
Wie regelmäßig und wie wertvoll ist das Feedback, das ihr von euren Lesern bekommt?
SA: Feedback erhalten wir unregelmässig, dafür ist es aber umso wertvoller. Meistens handelt es sich um inhaltliche Zusatzinformationen oder Hinweise zu technischen Aspekten (z.B. Fehler auf der Website). Bei einigen handelt es sich auch um Empfehlungen einzelner Projekte oder bestimmter Veranstaltungen.
Welche Blogs (über Film und drumherum) lest ihr selbst? Zu welchem Zweck?
SA: Ich selbst bin besonders im englischsprachigen Blograum unterwegs, u.a. auch um Neuigkeiten für den eigenen Blog zu finden, das deckt sich dann auch mit der eigenen Neugier, neues über Animationsfilme und Film zu entdecken. Zu regelmässigen Anlaufstellen gehören auch der Animatie.Blog.nl (Niederlande) und filmsanimation.com (Frankreich), die ähnlich aufgestellt sind wie wir, aber einen anderen Sprachenmarkt bedienen. In der Schweizer Film-Blogosphäre bin ich zudem gerne bei Filmsprung.ch, Groarr.ch, Moviecops.ch und Sennhausersfilmblog.ch unterwegs.
OF: Bei mir sind es ebenfalls die üblichen Verdächtigen aus den Staaten (“Slashfilm”, “Collider”, “Hollywood Reporter” etc.). Viele Hinweise für ANich bekomme ich auch direkt von den Leuten, die gerade an Projekten sitzen, aber das sind dann weniger Kino- als Kurz- und Werbefilme. Ich bin auch ein begeisterter Abonnent von Blogs aktiver Animatoren, Illustratoren oder Künstlern. Die dürfen zwar meist nicht über aktuelle Projekte schreiben, aber sind umso spendierfreudiger was ältere Arbeiten betrifft.
Habt ihr den Eindruck, dass es so etwas wie eine deutschsprachige Film-Blogosphäre gibt, in der die Blogs miteinander kommunizieren? Wenn ja, kannst du sie beschreiben? Seid ihr Teil dieser Blogosphäre?
SA: Ja die gibt es. Vielleicht nicht in dem streng vernetzten Ausmass, wie man sich dies in erster Linie vorstellt. Aber man versucht aufeinander zu verweisen, gibt sich auch mal Neuigkeiten durch, die einen anderen Blogger interessieren könnten. Teil der Blogosphäre sind vielleicht eher die Autoren, die wiederum in Kontakt mit anderen Bloggern treten, als der Blog selbst. So können natürlich auch neue Kontakte entstehen.
OF: Hier kann ich Severin nur zustimmen. Im Schweizerraum kenne ich mich weniger aus, aber gerade deutsche Filmblogs pflegen ab einem gewissen Level regelmäßigen Austausch über die sozialen Kanäle (resp. die Autoren der Blogs). So unüberschaubar die Anzahl an deutschsprachigen Filmblogs erscheint, so kann man die seriösen und mit Leidenschaft geführten Blogs (die auch eine gewisse Bekanntheit und Reichweite besitzen) auf einige wenige Dutzend zusammenfassen.
Macht es einen Unterschied, dass ihr zwar deutschsprachig seid, aber aus der Schweiz schreibt?
SA: Auf der Leserseite macht das einen grossen Unterschied. Die Domain-Endung .ch gibt uns zwar einen doppelt exklusiven Status, jedoch fehlt uns der .de Bezug schon irgendwo. Wir befürchten auch, dass einige potenzielle Leser die Seite aus der “kleinen” Schweiz bewusst überspringen und weiter nach einem Äquivalent aus Deutschland suchen. Auch befürchten einige Leser wohl, nicht spezifisch genug zum deutschen Animationsmarkt informiert zu werden, und sei es nur zu Kinostarts – erst wer sich wirklich in die Rubrik klickt, sieht, dass hier auch deutsche Leser bedient werden.
Andereseits sind wir hier in der Schweiz mit unserer Nähe zu Frankreich enorm im Vorteil. Die französischsprachige Schweiz orientiert sich an den Releasedaten von Frankreich, wodurch wir hier in den Genuss einiger Animationsfilme kommen, die nie im deutschen Sprachraum oder erst viel später in die Kinos kommen werden.
OF: Ja, das ist ein wichtiges Thema. Ich werde nicht selten darauf angesprochen, ob und wann wir einen deutschen Ableger von ANIch starten. Sowohl interessierte Leser, Kollegen aus der Branche aber auch deutsche Verleiher äussersten sich zu dem Thema bereits. Letztere wären sofort bereit, gemeinsame Kooperationen zu starten, wenn wir einen Blog unter deutscher Flagge aufbauen würden. Darum liege ich diesbezüglich Severin auch etwas im Nacken. Wir haben Pläne in diese Richtung, aber als ehrenamtliches Zweimannprojekt ist ein Blog bereits viel Arbeit, darum muss ein solcher Schritt mit Bedacht unternommen werden. Die Mehrheit unserer Leser kommt aus Deutschland und wir wissen, dass dieses Punkt-CH am Ende unseres Blogtitels ein nicht unbedeutender Stolperstein darstellt.
Gibt es eurer Ansicht nach im Bereich Film im deutschsprachigen Web so etwas wie Leitmedien? Was wären die?
SA: Nein. Es gibt natürlich beliebte Filmblogs und Aushängeschilder wie die “Fünf Filmfreunde”, über die man gar nicht nicht stolpern kann, wenn man den deutschen Film-Blog-Wald durchforstet, wie auch die grossen Filmportale wie “Moviepilot.de”. Letztere sind jedoch viel zu breit aufgestellt, inhaltlich verwässert und selten mit Charakterköpfen besetzt. Was alle gemein haben, sie orientieren sich wiederum an den englischsprachigen Filmseiten, weil die die Informationen halt zuerst kriegen. Mit dieser Informationsbeschaffung ist auch ein kleiner Filmblog genauso schnell wie die grossen Seiten, wodurch die Begrifflichkeit des Leitmediums an Bedeutung verliert. Und so schöne Seiten wie Schnitt.de verschwinden. In Sachen Neuorientierung kann ich “Negativ” empfehlen, die sich von der täglichen Berichterstattung der doppelt wiedergekäuten Newswelle jüngst distanzierten.
Wenn ihr an der ganzen Sache mit dem Bloggen, wie es im Moment läuft, etwas ändern könntet, was würdet ihr ändern?
SA: Schreiben und publizieren ist etwas Tolles. Leider fühlt sich mittlerweile wirklich jedermann dazu berufen, in der Blogosphäre mitzumischen. Ob man dann von einer Thematik wirklich eine Ahnung hat, ist meistens sekundär. Leider gehen dadurch einige tolle Seiten in der Masse unter. Schön wäre also mehr Qualität und mehr Individualität. Wenn sich dann auch noch mehr Leser finden, die am Lesen wirklich Spass haben und bereit sind, Zeit zu investieren, macht das den Autor auch sehr glücklich. Das mit der passenden monetären Entschädigung, gemessen am Zeitaufwand, wäre natürlich auch ein Thema.
Was hat euch das Bloggen gebracht? Was wird es euch noch bringen?
Severin Auer: Bloggen ist eine Visitenkarte und kann bei einem neutralen Themen-Schwerpunkt durchaus auch als Referenz dienen. Der Aufbau und die ganze Arbeit am Blog hat mich geschult im ganzen technischen Bereich, in der Organisation und Planung diverser Abläufe, in der Kommunikation und beim Networking – und natürlich im Recherchieren und Schreiben unterschiedlich langer Texte, wie auch bezüglich der Wirkung auf die Leser und auf die Algorithmen von Google – darüber hinaus auch generell in den Gefahren und Chancen des Internets.
Orlindo Frick: Hier greift wieder die Frage nach der Blogosphäre. Blogger kennen sich untereinander. Man liest sich, man tauscht sich aus. So entstehen Kontakte. Ausserdem bleibt man als Blogger nah am Puls des Internets, erfährt Veränderungen direkt. Mit den sozialen Netzwerken von heute ist man nicht mehr “nur” ein Blogger, sondern setzt sich auch mit anderen Bereichen auseinander. Das beginnt bei PR, SEO, technischen Aspekten eines Blogaufbaus etc. Alles wertvolle Erfahrungen, die man an anderer Stelle wieder einbringen kann.
Stuff I learned this week – #9/11
7. März 2011
- Hollywood is rotten and it’s partly our fault.
- Oscars are for stat-nerds.
- They are also given out by a mysterious academy,
- and it ain’t that bad to lose (via F5).
- The Tron Lebowski is coming.
- The product placement whore of the year is Apple.
- Even established journalists can learn to deal with the change of the times.
- Mark Mayerson doesn’t believe in unfair comparisons (and has a good point).
- Volker Zastrow kann diverse Aspekte der Guttenberg-Affäre zwar lang aber auch sehr überlegt abwägen.
- De Maiziere kann wieder gehen. Hier kommt Carlos-Theodore de Bienmontaña.
Stuff I learned this week – #7/11
20. Februar 2011
- Tim Smith watches us watching There Will Be Blood.
- 2011′s release schedule sets the record for most sequels.
- Why Gnomeo and Juliet has hideous protagonists.
- There are six giant blind spots in every movie alien’s invasion strategy.
- There are four stages of “getting” Twitter (and I’m not sure, which stage I’m on).
- John Swansburg hates his iPad and gets a lot of sympathy.
- Matt Zoller Seitz takes a look at revisionist fiction.
- “Walk like an Egyptian” stands in a line of ad-hoc protest songs.
- Has Language Log already found the correction of the year?
- 3D-Videomapped living is kinda cool.
- Laut Michael Reufsteck ist es Top, dass der Thommy geht.
- Schnell reagierende Werbeagenturen sind Gold wert.
Rango – and new ways of directing animated films
4. Februar 2011

A behind the scenes featurette for Gore Verbinskis upcoming animated movie Rango has been floating around the web for over six weeks now.
Verbinski is the fourth live action director who, in recent times, tried his hand at directing an animated feature – if you leave out folks like Robert Zemeckis and James Cameron who worked with Perfomance Capturing. Like his three predecessors, George Miller (Happy Feet), Wes Anderson (Fantastic Mr Fox) and Zack Snyder (The Legend of the Guardians), who also weren’t raised in an animation environment, Verbinski brought an interesting new directing style to the table.
As the featurette shows, he actually gathered the actors together on a small sound stage and let them act out the movie with a few basic props. This, apparently, made it easier both for the actors, because they could interact with each other (while usually vocal recordings are done with one actor at a time alone in a booth), and for Verbinski himself, who could actually direct a cast rather than keep the complete puzzle of recordings in his head and stitch it together afterwards.
The featurette also mentions that the material created during the shoot served as a reference for the animators. The question that arises in this context is, how much of that is true. Pierre Coffin, one of the directors of Despicable Me recently debunked the featurette myth that video footage from actors recording voices in a booth is important for the animators’ work.
Live action reference footage has been used in animation since the early Disney days (for some great insights into the process, watch the bonus material on the latest DVD edition of Pinocchio), but even Frank Thomas and Ollie Johnston, in their Disney Animation Bible “The Illusion of Life”, explain that
Animators always had the feeling they were nailed to the floor when their whole sequences were shot ahead of time in live action. Everyone’s imagination as to how a scene might be staged was limited by the placement of the camera (…).(p. 331)
At the beginning of the chapter on live action footage they note that
Live action could dominate the animator, or it could teach him. It could stifle imagination, or inspire great new ideas. It all depended on how the live action was conceived and shot and used.(p. 319)

I had the rare pleasure of seeing storyboard artist Christian De Vita give his talk on the development process of Fantastic Mr Fox at eDIT Frankfurt last year. He explained that the “direction” of the film consisted mostly of Wes Anderson, De Vita (who would sketch out Anderson’s ideas) and a film editor holed up in a hotel room in Paris. Anderson would act out every character in every scene and the editor would stitch the footage together in order to create reference footage for the animation studio in Britain, who had to animate from that footage and wasn’t always too happy about it.
In a way, this did create a similar situation to the one that Verbinski used on Rango – with the difference that all actions were staged and performed by one person, the director.
What all of this shows is, once again, how the field of feature animation has changed in its second coming of the last decade. Live action actors have pretty much replaced trained voice actors for principal roles. The Pixar process has put a lot more emphasis on animation as a director’s medium – whereas in the Golden Age of Disney and Warners, the industry stars were basically the animators and animation supervisors (e. g. the Nine Old Men). And now live action directors bring approaches from their background into the game that diminish the recognition of animators as the true artists behind animated films even further. On top of all this, there is the ongoing hybridisation of live action and animation through visual effects and performance capturing.
It will be interesting to see what the animation industry will make of this and if there will at some point be an oversaturation of live action elements in animation that will result in a return to more pre-Disney, i.e. liberated, animation techniques in the future – or if the two approaches will just continue to co-exist like they do now.
Legend of the Guardians: Five Notes on the Owls of Ga’Hoole
25. Oktober 2010

1. This is what 3D is supposed to feel like. Zack Snyders trademark style, which basically lets the camera rule the space-time continuum it inhabits, lends itself perfectly to the new way of telling stories. While Snyder hardly makes use of z-axis space to convey information he couldn’t bring across in 2D, his great advantage in Legend of the Guardians is that he actually has three dimensions to move in. Almost all of the film is spent either in flight or in trees (which also means movement in three dimensions) and this is where 3D really shines. Add to that Snyders famous slo-mo-shots and some sweeping vistas and your eyes can’t stop ogling the beauty you are presented with on screen. Watching Legend of the Guardians really makes you wish, 300 and Watchmen had been in 3D. 300, especially, a film without a plot to speak of that lives purely by its visuals, could have been enhanced no end by stereoscopy. If he carries on like this with the movies he has lined up (Sucker Punch and Superman), Snyder might become one of the most prolific 3D directors around.
2. Snyders treatment of Kathryn Lasky’s novels confirms my earlier thesis that we have a lot to look forward to, if more live action directors with a clear thematic profile take to animation. Legend of the Guardians overtly reflects Snyders preoccupation with the fascist imagery and ideology of grandeur and fights of the weak against the self-styled strong. It is probably owed to the fact that Legends is aimed at kids that the lines of good and evil are drawn in an extremely simplistic way here.
3. Kudos to Animal Logic for their pitch-perfect creature and effects animation. They got to practice beaks and feathers in Happy Feet and really make the most of it in Legends. Owls, with their round faces and crooked beaks, probably topped the list of animals least likely to be anthropomorphised as heroes until this point, but the animators really did a superb job in making them believable, likeable and distinguishable. Much of this can be attributed to the realistic fluffiness of the feathers, which really serve their purpose to give every owl its individual character.
4. I have not read Kathryn Lasky’s book that the film is based on, but it wasn’t difficult to glimpse the detailed and imaginative world that Lasky has probably created in her series of novels through the bric-a-brac script that strives to cram every bit of Ga’Hoole mythology into 100 minutes of film while still leaving enough time for action sequences. The result is a desaster: The film jumps from one scene to another with hardly any transition, introduces new characters and plot twists by the minute and leaves no time at all for contemplation in much the same way that The Golden Compass or Inkheart did two or three years earlier. When will Hollywood finally stop turning fantasy novels that live by their worldbuilding into movies that pale in comparison? Hasn’t film history proven over and over again that – when it comes to fantasy genre films – short stories, novellas and graphic novels make much better source material? TV minseries are a much better medium to capture the intricacies of novels as this one, even if it means sacrificing some visual kablooie.
5. Even Rocky had a montage. But the training/getting to know their new home montage of Legends is an incredibly weak piece of filmmaking the film could have totally done without. It adds almost nothing to the exposition monologue which one of the characters, who is probably important in the novel but extremely flat here, just gave a few minutes earlier. The montage is also accompanied by a pop song which breaks with the whole atmosphere of the movie, but had to be included because it makes tie-in money and because it fits perfectly with this artist called Owl city. Get it? Because they are in a city of owls. Mercy! Please!
Addendum: Zack Snyder talks quite detailed about his 3D-ideas here and there is an extensive series of interviews with the key creatives of the film here.
eDIT 2010 – Three Quotes (and what they might mean)
2. Oktober 2010
A lot of interesting aspects of filmmaking in the current era were discussed at the recent eDIT Filmmaker’s Festival in Frankfurt and I could only cover a few of them in my podcast. However, I picked a few select quotes from some of the other panels during the festival that, I believe, offer some insight into the film industry as it stands right now, wedged between 3D, digital imaging and a marketing-driven economy.
It’s been a pretty crappy time for imagery in the past 10 years.
John Mathieson
Director of Photography, Robin Hood
John Mathieson said this in response to my question about whether he considers the digital intermediate process a part of cinematography these days. I guess he pretty much doesn’t. Before, Mathieson had given a presentation on Robin Hood, in which he spent most of his time making fun of the movie and championing Gladiator, which he also photographed. Mathieson, born in 1961 but apparently a bit old school when in comes to filmmaking, not only lambasted Robin Hood for being shot on uninventive locations, he mostly criticized its look – for which he was partly responsible.
Films shot in the digital era, he said, look overly grey and desaturated, featuring ashen flesh tones and lighting that, while it’s a lot more cohesive than before, is boring and lacking life. He blamed not only the Digital Intermediate process, which is a popular target for ridicule and worry but also the newer film stocks that, apparently, no longer result in satisfying images. I would love to explore this topic further and see what other cameramen think.
I didn’t change my cutting style one iota for 3D.
Ken Schretzmann
Editor, Toy Story 3
Ken spent a lot of his excellent presentation explaining the inside-out process of editing animated films. While everyone sat glued to their seats watching him piece together dialogue from dozens of takes and laughed at the opening scene of Toy Story 3 as it was originally planned, the fact that the movie was planned and executed in 3D didn’t seem to enter anyone’s mind. It certainly didn’t enter mine until after the Q&A, but I managed to ask Ken afterwards and the above quote is what he told me.
This was news to me, especially since I have heard a lot of people tell their stories about how 3D demands a different style of filmmaking. Come to think of it, though, producer Mark Gläser, just two days earlier, had said that while he did wear a t-shirt saying “NO FLARES, NO WIPES, NO WINDOW VIOLATION” on his first 3D-shoot, the team quickly found out that in fact they could make a lot of things work which are supposed not to work in 3D.
Ken Schretzmann added that 3D at Pixar was handled in a completely different department. His editing of the film happened in 2D, he said, not least because everyone knew that the film would spend most of his lifespan on 2D media (i.e. DVD and BluRay). So: will 3D be “only” an evolution or will it be a revolution in cinema – apparently, both approaches work.
In animation featurettes, animators always explain that they desperately need the footage of the actors recording their lines as reference. It’s all bullshit!
Pierre Coffin
Director, Despicable Me
I loved the fact that Coffin debunked one of the favourite myths about animated filmmaking with a wave of his hand. His witty, self-deprecating presentation was definitely one of the funniest of the festival, and brought some welcomed European chaos to the well-ordered Hollywood parade that took up a lot of the spaces before him (nothing against well-ordered Hollywood filmmaking, by the way, Despicable Me suffers immensely from the fact that it’s all over the place in terms of storytelling).
While I don’t believe that it is really “all bullshit” – there are always moments where you can see that the voice actor inspired the (animated) acting of a given character – it does shed some light on the fact that the production of films, as presented to the audience in featurettes, has become immensely streamlined in terms of the story it tells. The production of almost every movie, it seems, does have a certain stereotypical narrative that is repeated over and over again for marketing purposes until it perpetuates itself. The story of “We need the footage of the actors to develop our animation” has been told so many times now that it has become a truism, making a chaotic artistic process like animation both more accessible for audiences and more flattering for celebrity voice actors.
The marketing of movies has never been as important as today, especially with every studio eyeing every movie for the possibility to turn it into a franchise. Marketing gone stale can not only result in promotion sickness, it can also, on a less annoying note, produce these kinds of narratives that journalists are all too happy to repeat over and over again.
Es ist in der Originalfassung die Stimme von R. Lee Ermey, dem berühmten Drill Sergeant aus Kubricks Full Metal Jacket, die die kleinen grünen Plastiksoldaten aus ihrem Eimer hinaus ins Treppenhaus hetzt. Sie springen mit Fallschirmen ab, schleppen die Sprechfunkanlage gemeinsam ins Dickicht. Plötzlich jedoch geht die Tür auf, und die eben noch so lebendigen Recken erstarren in ihren berühmten Posen – die Panzerfaust auf der Schulter, den Mörser im Anschlag. Schließlich, und davon zeugen auch die verbogenen Gewehre und die abstehenden Plastikkanten, sind sie nur Spielzeug. Weiterlesen …
erschienen in epd film 8/10
Spiel’s noch einmal – Toy Story 3
13. Juli 2010

USA 2010. Regie: Lee Unkrich. Buch: Michael Arndt, nach einer Geschichte von John Lasseter, Andrew Stanton und Lee Unkrich. Musik: Randy Newman. Produktion: Darla K. Anderson, John Lasseter.
Sprecher: Tom Hanks (Woody, deutsch: Michael Herbig), Tim Allen (Buzz, deutsch: Walter von Hauff), Joan Cusack (Jessie), Rex (Wallace Shawn, deutsch: Rick Kavanian), Michael Keaton (Ken, deutsch: Christian Tramitz), Ned Beatty (Lotso)
Länge: 103 min.
Verleih: Walt Disney Pictures.
Kinostart: 29.7.2010
Gibt es ein Rezept für gute Fortsetzungen, für gute und erfolgreiche Fortsetzungen gar? Noch dazu, wenn der Urschlamm, auf dem man aufbaut, ein echter “game changer” von einem Film ist, der mehr oder weniger im Alleingang eine ganze Industrie auf den Kopf gestellt hat? Pixar hat es mit TOY STORY 2 einmal vorgemacht, und mit TOY STORY 3 machen sie es gerade ein weiteres Mal. Das Geheimnis: Beliebte Charaktere und Grundstil beibehalten, aber ansonsten eine wirklich neue Geschichte erzählen, die nicht nur höher-schneller-weiter geht als beim letzten Mal, sondern uns wirklich etwas Neues über unsere liebgewonnenen Freunde erfahren lässt.
Manchmal kann es dafür auch vonnöten sein, mal ordentlich in der Zeit zu springen. Wenn man nicht alternde Protagonisten hat, geht das umso besser: Die Welt dreht sich weiter (elf Jahre seit dem letzten Abenteuer), aber die Helden bleiben gleich, schon hat man ganz organisch den ersten Konflikt hergestellt, auf den man aufbauen kann. In TOY STORY 3 ist es Andy, ehemals so spielbegeisterter Eigentümer von Woody, Buzz, Jessie, Rex und Co, der quasi über Nacht erwachsen geworden scheint und kurz davor ist, aufs College zu gehen. Ausgemustert finden sich die Plastikfreunde in einem Kindergarten wieder, der sie zwar auf den ersten Blick wieder ihrem Lebenszweck zuführt – jemand spielt mit ihnen – sich auf den zweiten aber als ein albtraumhaftes Gefängnis entpuppt, in dessen schwarzweißer Welt der zweigesichtige Plüschbär Lotso und sein Gehilfe Ken (“Ich bin kein Mädchenspielzeug!”) die Fäden in der Hand halten.
Was folgt ist, wie schon in den ersten beiden Teilen, eine emotionale Reise, clever gefiltert durch ein wohl kuratiertes Arsenal an Actionszenen, Gags und originellen Einfällen. In TOY STORY war es Buzz, der eine Identitätskrise durchmachte, in TOY STORY 2 folgte ihm Woody, diesmal ist es die ganze Gang, die sich im Grunde mit Beruf und Berufung in einer Welt auseinandersetzen muss, die sich unaufhaltsam weiterdreht. Die Tatsache, dass sich alles schlechter an einer einzelnen Figur festmachen lässt, gleicht der Film durch mehr Aktion aus, channelt unter anderem sehr effektiv diverse Heistfilme und Psychothriller für gewohnt genialen Popcornspaß, der eigentlich nur durch ein etwas schal wirkendes Bösewichtspsychogramm zeitweise getrübt wird. Zum Ausgleich gibt es beispielsweise ein alterndes Fisher-Price-Telefon als Fluchthelfer und – auch das sollte erwähnt sein – 3D-Inszenierung auf höchstem Niveau.
Als Sahnehäubchen drehen die Pixaristen zum Ende des Films den Spiegel in die Richtung des Teils des Publikums, das alt genug ist, um schon den ersten TOY STORY-Film (vor immerhin 15 Jahren!) im Kino gesehen zu haben. Denn letztendlich ist TOY STORY 3 nicht nur ein Film über die wahre Bestimmung von Spielzeug, sondern auch über das Kind in jedem von uns. Ein wenig Sentimentalität ist da schon erlaubt, vor allem wenn sie so makellos umgesetzt wurde.
erschien zuerst bei Screenshot online