Versteckte Bösewichter
12. Mai 2013

Dieser Artikel enthält massive Spoiler zu Iron Man 3 und Star Trek Into Darkness. Und nicht nur am Rande. Es geht genau genommen um nichts anderes.
In guten Genrefilmen sind die Schurken gerne mal genauso ikonisch wie die Helden, wenn nicht sogar noch ein bisschen toller. Schließlich dürfen sie als Schurken mit dem Verbotenen nicht nur flirten, sondern all unsere dunklen Fantasien ausleben. Je faszinierender der Widersacher, umso größer die Aufgabe für den Held – man denke an Nosferatu, Goldfinger, Darth Vader, Joker. Umso interessanter ist es, dass in den vergangenen zwei Wochen zwei große Sommerblockbuster gestartet sind, die großen Aufwand betrieben haben, um die wahre Natur ihrer Bösewichter geheim zu halten.
In Iron Man 3 wurde allem Augenschein nach ein alter Erzfeind von Tony Stark aus der Mottenkiste geholt: Der Mandarin, ein Fu-Manchu-Lookalike, der zehn magische Ringe besitzt. Er war es, der auf Postern beworben wurde, er spielt im Trailer neben Tony Stark die tragende Rolle – und auch die Ringe werden gezeigt.
Der clevere Dreh: Nach etwa einer Stunde findet Tony Stark heraus, dass der Mandarin nur eine Atrappe ist; ein trotteliger, drogensüchtiger Schauspieler, der allerdings die Performance seines Lebens gibt, indem er dem Rest der Welt ein perfektes Gesicht für ihre Terror-Angst liefert. Eingesetzt wurde er vom wahren Bösewicht, Aldrich Killian (Guy Pearce), einem durchgeknallten Industriellen. Bei Comicfans ist diese Umdeutung eines ikonischen Schurken wohl auf wenig Gegenliebe gestoßen. Matt Singer aber bringt die Brillianz dieses Schachzugs gut auf den Punkt:
I think “Iron Man 3″ rather brilliantly evades that minefield [of re-inventing the fundamentally racist Mandarin for a modern sensibilty] by using it as the fuel for satire; revealing the Kingsley Mandarin’s mish-mosh of Orientalist imagery as a construction designed to play into ignorant people’s fears. [Director Shane] Black suggests we should be far more worried about the well-dressed, amoral CEO than the vaguely defined “Other” of so many bad pieces of pop culture.
“True”, schreibt Singer, “Kingsley never shoots anybody with his power rings. But he gets to do something even better: he gets to surprise us.” Und das besondere dabei: Es funktioniert. Ich wusste (weil ich die Überschrift von Singers Artikel gelesen hatte), dass mich in Iron Man 3 irgendein Twist erwartet, aber die Marketing-Kampagne des Films war so gelungen, dass ich ausgerechnet darauf nicht gekommen wäre.
Die Kritiker spielen mit
Zum Beispiel: Die Interviews, die Ben Kingsley zur Promotion des Films gegeben hat, weisen lediglich darauf hin, dass der Charakter (wie erwartet) etwas mehr Tiefe bekommen hat, als zuvor. Etwa hier beim Guardian: “The key of giving him depth is to try and bring to the camera his unshakable faith in his version of the truth.” – Alles wahr, und doch kein Hinweis darauf, dass hier eventuell etwas nicht stimmen könnte. Selbst die interviewenden Kritiker, die den Film schon gesehen haben, mussten hier also mitspielen. Und sie haben es freundlicherweise gemacht – und das Publikum genarrt.
Ein bisschen anders, aber doch ähnlich gelagert, sah es bei Star Trek Into Darkness aus. Obwohl die Internet-Gerüchteküche schon vor Monaten vermutet hatte, dass Benedict Cumberbatch Khan, den berüchtigsten Star-Trek-Bösewicht aller Zeiten spielt, wurden bis zum Schluss alle Register gezogen, um genau das geheim zu halten. Da der Charakter einen Namen brauchte, wurde einer erfunden (“John Harrison”), und sogar auf etwas gequälte Art in den Film eingebaut.
Ironischerweise steht Cumberbatch dennoch im Zentrum der Marketing-Kampagne des Films. Er ist auf jedem Poster zu sehen und Dreh- und Angelpunkt des Trailers.
Der Trailer selbst ist ein Meisterstück der Täuschung. Viele seiner zentralen Szenen stammen aus dem dritten Akt des Films – am Anfang des Trailers sind einige Bilder aus der vorletzten Szene vor dem Abspann zu sehen. So jedoch wird der Eindruck erweckt, Cumberbatchs Charakter würde auf der Erde für Chaos sorgen – dabei spielen große Teile von Star Trek Into Darkness traditionsgemäß im All.
Ferne Echos
In der Tat scheint die gesamte Handlung des Films, der so wirkt als hätte jemand ferne Echos von The Wrath of Khan gehört und aus den Bruchstücken ein neues Drehbuch gestrickt, sich nur darum zu drehen, Cumberbatchs Rolle immer wieder zu untergraben. Erst wirkt er wie ein beliebiger Terrorist, dann wie jemand, der einen Krieg zwischen Sternenflotte und Klingonen provozieren will, dann wie ein Opfer des kriegslüsternen Admirals. Erst im letzten Drittel des Films wird klar, dass er tatsächlich jener Khan ist, der immer nach seinen eigenen Regeln spielt. Und ab diesem Punkt werden die Echos von Wrath of Khan dann auch etwas lauter.
Anders als bei Iron Man 3 schien diese Erkenntnis dann allerdings so ungeheuerlich, dass Kritiker und Fans einfach nicht die Klappe halten konnten. Zumindest nicht alle.
Man muss doch nicht die Identität von Cumberbatch in der Überschrift preisgeben, wenn Abrams und Co. sie so lange geheim gehalten haben. ;_;
— Sascha (@reeft) May 9, 2013
Die Star Trek-Macher J. J. Abrams und Damon Lindelof sind für ihre Liebe zum Mysterium bekannt. Auch bei ihren anderen Schöpfungen, von “Lost” über Cloverfield bis Prometheus, ist es ihnen immer gelungen, kritische Enthüllungen geheim zu halten. Bei Iron Man 3 war es eher ein geschicktes Spiel mit den Erwartungen des Fan-Publikums, dass den Bösewicht-Austauch motivierte. Für mich bleibt wie immer die Frage: Wird diese Entwicklung jetzt Schule machen? (Für Star Wars hat Kathleen Kennedy bereits eher gen Nein tendiert.)
Die Karotte ist gar keine
Am Ende von The Manchurian Candidate erschien 1962 noch eine Texttafel, die die Zuschauer darum bat, das Geheimnis des Films anderen Zuschauern nicht vorher zu verraten. Seit sich Teile des Kinos fest in der Hand der Internet-Nerds befinden, ist das Jagen nach Plotschnipseln und Twist-Enthüllungen in der kritischen Buzz-Phase vor der Hauptwerbekampagne zu einem beliebten Sport geworden, der von Studios und Fans gemeinsam betrieben wird. Inzwischen scheint es damit soweit gekommen zu sein, dass die Filmemacher ihre meistwissenden Fans bewusst aufs Glatteis führen, um sie im Kino immer noch überraschen zu können. Im Fall von Khan gingen sie sogar so weit, ihnen die Karotte direkt vor die Nase zu halten, aber steinhart zu behaupten, es sei keine Karotte.
Ich glaube, dass das manchmal funktionieren kann, aber nicht immer. Denn manchmal brauchen wir einfach von Anfang an die bestmöglichen Bösewichter, um ebenso bestmöglich mit unseren Helden mitfiebern zu können.
[Ergänzung, 20. Mai]: Dieser Artikel zeigt, welche absurden Schritte die Into Darkness-Macher unternommen haben, um das Khan-Geheimnis zu bewahren, und was ihre Motivation war. Matt Singer, der den Mandarin ja gelobt hatte, hat unterdessen einen feurigen Artikel gegen eben diese Geheimhaltung verfasst.
Die Kunst des Drumherumerzählens
11. April 2013

Im Jahr 1970 stand der britische Theaterautor Michael Frayn in den Sofitten eines seiner Stücke. Sein Standort erlaubte es ihm, nicht nur das Geschehen auf der Bühne zu sehen, sondern auch, was hinter den Kulissen passierte. Die Tatsache, dass er die Vorgänge hinten komischer fand als vorne, brachte ihn zwölf Jahre später dazu, das Stück “Noises Off” zu schreiben. Die dreiaktige Farce zeigt eine kleine Schauspielertruppe dreimal bei der Aufführung des gleichen Stückes zu verschiedenen Zeitpunkten. Akt 1: vorne, Akt 2: hinten, Akt 3: vorne.
Zwischen den Schauspielern des Stücks gibt es Romanzen und Animositäten, private Probleme, Komplexe und Egos. Im ersten Akt kennen wir diese Probleme noch nicht, wir sehen nur die Generalprobe eines burlesken Stückes, das bereits zu diesem frühen Zeitpunkt einige Stolperer aufweist. Akt 2 enthüllt die Hintergründe der Figurenkonstellationen zwischen den Akteuren, die so gar nichts mit den Figuren zu tun haben, die sie spielen – und wir sehen sehen, wie viel zusätzlich schiefgeht, von dem die Zuschauer im Saal (hoffentlich) nichts merken. In Akt 3 schließlich sind wir Eingeweihte, könnnen aufgrund des Geschehens vorne Rückschlüsse über das Geschehen hinten ziehen – und doppelt lachen.
Ich habe von “Noises Off” nur die mäßig beliebte Verfilmung gesehen, doch das Stück fiel mir wieder ein, als ich am Ende des jüngst aufgenommenen Podcasts zum Marvel Cinematic Universe über den Inhalt der Serie “S.H.I.E.L.D.” (offiziell: “Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.”) spekulierte. “Noises Off” spielt, zur Geburtsstunde der Postmoderne, gekonnt und komisch mit der Idee, dass die Geschichte, die wir erzählt bekommen, nie die ganze Geschichte ist. Dass man theoretisch immer an hundert Punkten dieser speziellen Geschichte ansetzen könnte, und eine weitere, unbekannte Geschichte erzählen könnte, die ebenso interessant sein kann; die wir aber nie erfahren.
Diese Idee ist natürlich inzwischen nichts Neues mehr. Im Grunde ist sie die Grundlage jeder Kriminalfall-Erzählung und seit der postmoderne zum allgemeinen Zustand geworden ist, taucht sie überall auf: In Pulp Fiction und den Filmen von Alexander Gonzalez Iñarritu, in dutzenden Romanen (mein Favorit: Alex Garlands “The Tesseract”) und Fernsehfolgen. Zersplitterte Erzählung ist überall und wird auch gerne gesehen, weil sie immer einen Anstrich von Cleverness hat: der Zuschauer steht in den Sofitten – er bekommt mehr mit als jede einzelne Figur und darf das Puzzle im Kopf zusammensetzen.
Was Noises off jedoch von den meisten dieser fragmentierten Geschichten unterscheidet, ist die Tatsache, dass es eine dominante Geschichte gibt, die auf jeden Fall erzählt werden muss – das Stück im Stück mit dem vielsagenden Titel “Nothing On”. Diese Haupterzählung, die Handlung von “Nothing On”, muss weiterlaufen, egal was passiert, und die Geschehnisse hinter der Bühne sind ihr untergeordnet. Sie sind, sozusagen, drumherumerzählt.
Nicht die Zeitebenen stören
Habt ihr 18 Minuten Zeit?
Diese Sequenz aus Back to the Future und Back to the Future Part II ist eines meiner Lieblingsbeispiele für erfolgreiches Drumherumerzählen. Im Ursprungsfilm hat Marty McFlys Zeitreise die Geschehnisse seiner eigenen Vergangenheit durcheinandergebracht und droht, seine Zukunft, die eigentlich seine Gegenwart ist, zu verändern. Marty muss also alles daran setzen, die Vergangenheit wieder auf die richtige Spur zu bringen, indem er dafür sorgt, dass seine Eltern sich ineinander verlieben, obwohl sich seine Mutter gerade in ihn verguckt hat. Nebenher inspiriert er Chuck Berry zu “Johnny B. Goode”, indem er ihm, ohne es zu wissen, seinen eigenen Song aus der Zukunft vorspielt (was alle möglichen rassistischen Interpretationen zulässt).
Back to the Future Part II zieht eine weitere Ebene ein. Marty muss erneut in das Jahr 1955, in die exakt gleiche Nacht zurückkehren, um Dummbratze Biff Tannen das Sportstatistik-Heft zu klauen, das Biffs älteres Ich ihm aus der Zukunft zugesteckt hat. Jetzt muss Marty zwei Erzählungen aufrecht erhalten: 1. Seine Eltern müssen sich, wie im ersten Film, ineinander verlieben, obwohl mehrere Zeitreisende in ihrer Zeit herumfuhrwerken. Hierfür muss die “Enchantment under the Sea”-Party erfolgreich stattfinden, quasi das “Nothing On” von Back to the Future. 2. Marty darf seinem zeitreisenden Ich vom letzten Mal nicht begegnen, weil sonst ein Raum-Zeit-Fehler das Universum zerstören könnte. Er kann also in die Ereignisse nur indirekt eingreifen. Mit anderen Worten: Er muss auch die Erzählung des ersten Films aufrecht erhalten, denn dieser kann sich ja rückwirkend nicht mehr verändern.
Also erzählt Robert Zemeckis sehr geschickt um die Ereignisse aus Teil 1 herum. Besonders schön ist dies im letzten Drittel zu sehen. George küsst Lorraine und Marty 1 bekommt auf der Bühne seine Familie zurück, Marty 2 steht am anderen Ende des Raums und wird von Biffs Schergen gejagt. Diese kommen in den Ballsaal und sehen Marty 1 auf der Bühne, wundern sich, wie er so schnell dorthin gekommen ist und die Kleidung gewechselt hat. Sie machen sich bereit, ihn zu verprügeln, während er mit “Johnny B. Goode” beginnt, doch Marty 2 dreht den Spieß um und knockt die drei aus, bevor sie die Erzählung seiner ersten Zeitreise stören können, die in der Konsequenz auch auf seine jetzige Zeitreise durchschlagen würde. Eine komplette zweite Handlung, im Kontinuum der ersten Handlung, wird um die erste Handlung herumgestrickt, und kommt ihr unendlich nah, ohne sie tatsächlich zu berühren.
Im Transmedia-Universum
Im Zeitalter des Transmedia Storytelling, in dem wir uns inzwischen befinden, ist es nun nicht mehr nur eine Option, eine Geschichte in mehreren Fragmenten innerhalb des gleichen Texts zu erzählen, sondern über mehrere Medien hinweg. Und wenn das Universum erst mal steht kann man darin natürlich so viele Geschichten erzählen, wie man will. Große und kleine.
Das vielleicht bekannteste Pop-Franchise, das dies als erstes probiert hat, sind die beiden Sequels der Matrix. Ergänzend zu The Matrix Reloaded gab es ein Videospiel namens “Enter the Matrix”, in dem auch Filmszenen eingebaut waren, die den Handlungsraum von Reloaded erweiterten, indem sie die Geschichte erzählten, die sekundäre Charaktere wie Jada Pinkett Smiths Niobe parallel zur Haupthandlung von Neo, Trinity und Co erlebten. Beworben wurde das Ganze damit, dass man nur mit Film und Computerspiel (und Animatrix) das große Ganze des Films erfassen konnte. In Wahrheit bringen die “Enter the Matrix”-Szenen (die auch im DVD-Sammlerset enthalten sind und hier auf YouTube) keinerlei echte Aufklärung für den kryptischen zweiten Teil der Trilogie. Auch sie schmiegen sich nur an die Haupthandlung an.
Das Prinzip, Nebenfiguren eine eigene Geschichte zu geben, die parallel zur Haupterzählung stattfindet, wurde schließlich in den Nuller Jahren vor allem von Disney-Tochterfirmen auf originelle Art angewandt, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die DVD-Verkäufe anzukurbeln und Nachwuchsregisseuren im Kurzfilm eine Chance zu geben.
The Incredibles war der erste Film, der dieses Prinzip anwandte. (SPOILER AB SOFORT) Auf dem Rückweg von ihrem Endkampf hört Helen Parr ihre Mailbox ab und findet dort eine Reihe von zunehmend panischen Nachrichten der Babysitterin, die auf Sprößling Jack-Jack aufpassen sollte – das einzige Kind, von dem die Parrs denken, dass es keine Superkräfte hat. In der letzten Nachricht berichtet sie erleichtert, sie habe Jack-Jack an den “Ersatz-Sitter” weitergegeben. Ängstlich beeilen sie sich, zum Haus zurückzukommen, um zu sehen, was passiert ist – nur um festzustellen, dass Syndrome ihnen zuvorgekommen ist und Jack-Jack bereits in seiner Gewalt hat. Es folgt der Endkampf nach dem Endkampf.
Der Schatten der Helden
Der Kurzfilm Jack-Jack Attack (Regie: Ebenfalls Brad Bird), der auf der DVD von The Incredibles enthalten ist, erzählt die gleiche Geschichte aus der Sicht der wohlmeinenden aber etwas unterbelichteten Babysitterin, die Stück für Stück Jack-Jacks Superkräfte am eigenen Leib erfahren muss und das Baby schließlich entnervt Syndrome in die Hand drückt.
Die Telefonnachrichten im Hauptfilm hatten völlig ausgereicht, um anzudeuten, was passiert ist – noch dazu auf sehr clevere und Zeit sparende Art (in einem Zeitalter, in dem Filme mehr und mehr dazu neigen, alles auszuerzählen). Jack-Jack-Attack, auch mit seiner Rahmenhandlung eines Geheimdienst-Verhörs, schafft es dennoch, dem Hauptfilm eine kleine Geschichte hinzuzufügen, die dort keinen Platz gefunden hätte (laut Wikipedia war dies auch der Ausgangspunkt), aber genau die richtige Länge und Dramaturgie für einen Kurzfilm hatte.
Zu Wall-E wurde dieses Prinzip noch einmal aufgegriffen, diesmal jedoch weniger direkt mit dem Hauptfilm verzahnt. Der DVD-Kurzfilm Burn-E spielt mit der Idee, dass Filmhelden mit ihren mutigen und waghalsigen Aktionen öfter mal Schaden anrichten können, von dem sie nichts wissen.
Burn-E ist auf der Axiom, dem großen Raumschiff, das Wall-E auf seiner Suche nach Eve bereist, für die Wartung der Warnlichter an der Außenhülle verantwortlich. Ein Stück Sternenstaub aus Wall-Es poetischer Geste zu Anfang des Weltraumflugs landet durch Zufall in einem dieser Lichter und Burn-E muss es reparieren. Dummerweise gelingt es Wall-E (ohne dass er es merkt), das gleiche Licht durch blöde Zufälle immer wieder kaputtzumachen, was den kleinen Burn-E fast um den Verstand bringt.
Wie in Back to the Future geht es also auch hier wieder darum, einen erzählten Status Quo (nämlich den des vorhergehenden Films) aufrecht zu erhalten. Es ist genau dieses Prinzip des kleinen Mannes oder der kleinen Frau, die hinter den Superhelden und ihren Heldentaten herräumen müssen, das sich perfekt für das Drumherumerzählen eignet, denn im Grunde sind diese Chraraktere quasi die Continuity-Wächter des Film-Universums. Sie sorgen dafür, dass dort, wo die Heldenreisen-Regeln gelten, alles den erwarteten Gang geht und nicht etwa an unvorhergesehenen Fehlerchen scheitert.
Um diesen Job im großen Stil zu erledigen hat die Popkultur seit jeher geheime Organisationen erschaffen, die mit einem Heer von “kleinen” Frauen und Männern die Welt in Balance halten. Sie heißen “Men in Black”, CONTROL oder – genau – S.H.I.E.L.D.
We work in secret. We exist in shadow. And we dress in black.
S.H.I.E.L.D. und ihr Chef Nick Fury sind im Marvel Cinematic Universe der Kleber, der die einzelnen Filme und ihre Handlungsstränge zusammenhält.Außerdem drehen sich sämtlich Erzählstränge, die ergänzend zu den Haupterzählungen der Superhelden aufgemacht wurden, um S.H.I.E.L.D.: die Post-Credit-Stingers, die Seitenplots in Iron Man 2, der Comic “Fury’s Big Week” und die grob nach dem gleichen Prinzip wie Jack-Jack Attack und Burn-E operierenden “Marvel One-Shots”, Kurzfilme, die als Ergänzungs-Gimmick zu den Hauptfilmen auf den DVDs enthalten waren.
Der erste Mavel One-Shot The Consultant erschien auf der Thor-DVD, ist aber eigentlich um The Incredible Hulk herumerzählt. Im Grund ist er ein cleverer Retcon. Der Post-Credit-Stinger im Hulk zeigte Tony Stark, wie er General Ross vorschlägt, ein Team zusammenzustellen. Zu Zeitpunkt von Thor, zwei Jahre später, passte das aber nicht mehr mit der geplanten Continuity für die Avengers zusammen. Also liefert The Consultant eine unerwartete Erklärung: Stark war nur von S.H.I.E.L.D. als “Patsy” zu Ross geschickt worden, er sollte Ross verärgern und das Gegenteil von dem erreichen, was er dachte. Und die beiden reden keinesfalls über den Hulk, sondern über seinen Gegner Abomination. Der Kurzfilm lässt alle bisherigen Erzählungen intakt und deutet sie dennoch so um, dass auch für die Zukunft alles passt.
Der zweite One-Shot A Funny Thing Happened on the Way to Thor’s Hammer (enthalten auf der DVD von Captain America) ist weniger stark an die Filme angebunden (er spielt kurz vor dem Post-Credit-Stinger von Iron Man 2) und dient eher dazu, den Charakter von Agent Phil Coulson etwas weiter auszuarbeiten. Der dritte Kurzfilm Item 47 führt völlig neue Charaktere ein und hat als einzigen Anknüpfungspunkt zu den Filmen eine Waffe aus dem Avengers-Film – beantwortet also eine einfache “Was wäre wenn”-Frage nach dem Ansehen von The Avengers: Was wäre wenn eine der Chitauri-Waffen einem Gangsterpärchen in die Hände fallen würde.
Die Serie “S.H.I.E.L.D.” wird sich höchstwahrscheinlich an den drei bisherigen One-Shots orientieren. Sie erzählt die Superhelden-Saga aus Sicht der Aufräumer, der kleinen Alltagshelden von S.H.I.E.L.D. – da Marvel und Joss Whedon clevere Dinge mögen, wird sie sicherlich das ein oder andere Mal direkte Berührungsstellen mit den parallel startenden Filmen aufweisen, häufig aber eher nur sehr indirekt darauf verweisen.
Die Kunst des Drumherumerzählens setzt immer eine Hierarchie der Erzählungen voraus. Eine Haupterzählung, die durch kleine Nebenerzählungen ergänzt, aber nicht direkt verändert wird. Jede Erzählung kann für sich stehen, obwohl die sekundäre Erzählung ihre Muttererzählung stärker braucht als umgekehrt, beide bieten im besten Fall access points in ein größeres Universum.
Die entscheidende Entscheidung (höhö), die von den Geschichtenerzählern getroffen werden muss ist, wie eng sich die sekundäre an die primäre Erzählung angliedern soll. Denn obwohl die drumherum erzählte Geschichte die Ur-Geschichte nicht verändern kann, kann sie sie doch erheblich umdeuten (wie in The Consultant), erweitern (wie in Jack-Jack-Attack) oder ihr doch zumindest an einzelnen Stellen einen anderen Drall geben (wie in Burn-E). Im schlimmsten (oder besten, je nach Sichtweise) Fall kann sie den Ur-Text völlig negieren – wie in Noises Off, wo die Beziehungen der Schauspieler hinter der Bühne das exakte Gegenteil der Figuren auf der Bühne darstellen. Die kunstvollste Variante ist sicherlich die, die es uns – wie Michael Frayn damals – einfach nur erlaubt, beide Ebenen zu sehen, ihr Zusammenspiel zu beobachten, und sie dennoch als zwei völlig separate Geschichten genießen zu können.
Drei Anmerkungen zum Disney-Lucasfilm-Deal
31. Oktober 2012
#DisneyStarWars twitter.com/barneygeorge/s…
— Barney George (@barneygeorge) Oktober 30, 2012
Disney hat Lucasfilm für 4 Milliarden Dollar gekauft und die Welt steht Kopf. Okay, vielleicht nicht die Welt, aber zumindest meine Twitter- und Facebook-Timeline. Einige gute Witze und einige Entsetzensschreie waren dabei, die ausführlicheren Analysen werden sicher im Laufe des Tages eintrudeln – das Feld überlasse ich gerne den Experten. Doch für diejenigen, die ihre Kindheit nun endgültig im Müllschlucker verschwinden sehen, hier drei Dinge, die mir gestern abend im Kopf herumschwirrten:
1. Disney und Lucasfilm waren sich immer schon sehr nah
Dieser Kauf kommt nicht aus dem Nichts. Wer das glaubt, war zum Beispiel noch nie in einem Disney-Themenpark, wo die “Star Tours”-Attraktion schon seit Jahrzehnten zur festen Ausstattung gehört. Crossovers von Star-Wars-Charakteren mit Disney-Charakteren sind ein alter Hut. Aber auch inhaltlich standen sich die beiden Firmen immer schon nahe. Man sollte bei allem Fandom nicht vergessen, dass Star Wars im Grunde auch nur ein Märchen ist, dass George Lucas modernes Merchandising quasi erfunden hat und dass Disney doch wahrscheinlich nichts ruinieren kann, was die Prequels nicht schon längst in die Lavagruben von Mustafar geschüttet haben.
2. Disney ist mehr als Mickey Mouse
Es ist Unsinn, den Disney-Konzern auf niedliche Cartoons und eine zuckersüße Weltsicht zu reduzieren. Sicher, er hat im letzten Jahrzehnt solche Abscheulichkeiten wie High School Musical und Hannah Montana hervorgebracht und sein Kerngeschäft ist nach wie vor Familienunterhaltung, die nicht gerade für ihre Edginess berühmt ist. Aber Disney hat in den vergangenen Jahrzehnten auch Pixar groß gemacht und Filme wie Pirates of the Caribbean produziert. Und was sie Marvel ermöglichen konnten, seit sie den Verlag gekauft haben, kulminierend in den fantastischen Avengers, sucht Seinesgleichen. Natürlich sind sie ein gieriger Großkonzern, aber ihre kreative Seite ist nach wie vor bemerkenswert.
3. Sie haben die Chance, es diesmal richtig zu machen
Bis 2015 soll Star Wars: Episode VII entstehen, was vielen Leuten Angst einjagt. Doch: George Lucas wird nur noch als “Creative Consultant” mit an Bord sein, nachdem er gerade noch eine Steißgeburt wie Detours auf den Weg gebracht hat. Dieses Ergebnis sollte uns doch eher Hoffnung machen, dass jetzt alles gut wird. Lucas, visionäres Genie aber schrecklicher Drehbuchautor und Regisseur, wird endlich vom Thron gestoßen und überlässt denjenigen die Zügel, die Star Wars wirklich zu schätzen wissen. Ob mit Disney im Rücken oder nicht, es bietet sich nun die einmalige Chance, die Schmach der Episoden I-III auf der Kinoleinwand wiedergutzumachen. Und das sollte doch ein Grund zum Feiern sein.
Walt Disney Pictures
(This is a sort of summary of all the thoughts I’ve had about the Avengers movie in the last year or so, some of which I’ve already blogged about. The actual review starts about halfway through the post.)
Universal Studios’ Missed Opportunity
The year is 1940. Imagine you are J. Cheever Cowdin, President of Universal Studios, and you have an idea. Universal has built large parts of its reputation on a slate of genre movies based on gothic novel characters from the last century. “Hang on a minute”, you might say, “all the actors from these iconic roles are still alive, we have them under contract. Why don’t we assemble them in a large-scale gothic ensemble movie and let them have a big adventure together?”
Sadly, Cowdin didn’t have this idea at the time. The best classical Hollywood cinema could come up with, in terms of character crossovers, was Abbott and Costello Meet Frankenstein. It took the medium of comic books, both to realize a pan-gothic tale of high adventure (Alan Moore’s “The League of Extraordinary Gentlemen”) and to lay the tracks for what would become one of the most ambitious projects in recent film history: Marvel Studios’ The Avengers.
When it comes to high-end production values, TV has definitely caught up with movies in recent years. At the same time, though, movies have taken a step towards TV’s more ambitious modes of storytelling. Film franchises, nowadays, are no longer content with telling a single story over a single film. Instead, they lean more and more towards building a cinematic universe that can be filled with stories from several films communicating with each other, as well as other media like games and novels that can run alongside.
Supergroup Mechanics
One of the driving forces behind this development was, once again, comics, and the movies based on their characters, which hit their third big stride (after the Superman films of the 80s and the Batman flicks of the 90s) with the Spider-Man films in the early noughties. Comics had proven over several decades that the characters called into action every week in the serial medium could meet, fight each other and help each other out, sometimes in small ways, sometimes in gigantic climactic battles. These characters were owned by the same company, ergo: they inhabited a universe generally governed by the same rules. A crossover would draw together fans from each of the series, in the same way a musical supergroup can bet on devotees from each of their members’ regular bands showing up at a concert – and later on checking out those other regular bands as well. You don’t need Professor Xavier to see how this concept, in reasonable doses of course, lends itself if not to artistic success then at least to financial gain.
When “The Avengers” first assembled in 1963, they weren’t the first superhero supergroup. Rival comic book company DC’s “Justice League of America” had already crossed over Batman, Superman and other characters several years before. I have read only a few of the “Avengers” comics, but let’s just say that, like many of Marvel’s characters, the team members were mired in all-too-human and superhuman problems, and the actual “Avengers” troupe saw more lineup changes in its fifty years of existence than a badly organized rock festival. Members married, fought, went to war, made up, quarreled and fell in love more often than you want to know. However, they were all still part of one giant narrative called “The Avengers” and overseen by Marvel Comics. (For a brilliant (albeit German) assessment of superhero team dynamics, I recommend Sabine Horst’s article in the upcoming issue of epd film, which she kindly let me read in advance).
Walt Disney Pictures
Hinged on a Promise
Movies of course, are a different breed from comics. Making them costs a lot more and they are dependent not only on the imagination of artists and writers but also on the schedules and egos of actors and directors. And it’s very rare to make a movie that starts to tell a story and then hope that the audience comes back next week to buy the next issue (even though Peter Jackson is doing it again at the moment).
Enter Kevin Feige, President of Production of Marvel Studios, who – at least in the media version of reality – is the mastermind behind the astounding feat that is The Avengers. When Feige took over the reins in 2007, the studio had already prepared the road for him. They had their $500 Million deal with Merrill Lynch set up and they had just bought back the rights for Hulk and Thor.
But it took Feige’s post-credit stinger in Iron Man in 2008, in which Samuel L. Jackson (who signed an unusual nine-movie-deal with the studio) first mentioned the “Avengers Initative” to Robert Downey Jr.’s Tony Stark, for the transformation of comic book mechanics to big budget filmmaking to suddenly seem palpable. Everything that happened since then was no more than a gigantic buildup of expectations towards The Avengers.
Introducing characters in Iron Man 2 that were rather unnecessary to the film’s central narrative; releasing Thor and Captain America only several months apart; actually making Captain America (a film about a character which should have worried at least some executives about its limited potential in overseas markets); ending Captain America with the hero’s love interest lost and many questions unanswered; all these hinged on the promise of an as-yet-unmade movie to be directed by geek god Joss Whedon, which would be released in Spring 2012. One thing was sure: Even if The Avengers sucked, you would at least have to admire the effort.
When Fury Calls
Fortunately, it doesn’t suck. What could have turned into a huge clusterfrog of incompatible story lines, star personas battling for screen time and superhero technobabble, instead was gracefully crafted into one of the most enjoyable, clever, action packed pieces of big budget genre filmmaking in recent years. And at its centre rests, amazingly enough, a remarkable ensemble performance by mostly marquee-worthy actors not seen in this field since The Lord of the Rings.
To see the ensemble in action, however, you first have to put it together. The Avengers takes its time doing so, first introducing its main villain Loki and his attack on the headquarters of SHIELD, where he steals the energy-laden cube called the tesseract introduced in Captain America, turns several of SHIELD’s employees into his minions and plans to unleash an alien army to conquer Earth for him. SHIELD, with Samuel L. Jackson’s Nick Fury at the helm, is the smartly-constructed glue that holds the story together. It’s the Avengers‘ MI5, which monitors the superhero universe and calls upon its inhabitants as needed.
This time, Fury decides, the situation is so severe that it justifies a tryout of his masterplan – the superhero supergroup, which so far he has only discussed with the most visible of the future Avengers’ team members, Tony Stark aka Iron Man. So it’s Fury who sends word to Stark and the recently thawed Steve “Captain America” Rogers, and who sends Scarlett Johannsson’s Black Widow to charm Bruce Banner into returning from India – strictly for non-Hulk purposes of course. Thor finds his brother’s mischief on his own.
Walt Disney Pictures
Group Therapy
It will take another hour and a half until Earth’s Mightiest Heroes actually get to fight against Loki in the streets of New York. Until then, the team has to discuss among themselves, ulterior motives have to be revealed, a first test of their collaborative spirit has to pretty much go haywire. Someone, in true Joss Whedon fashion, even has to die. Most of the action takes place on SHIELD’s mobile headquarters, an airborne aircraft carrier outfitted with a command centre that would make the USS Enterprise hide in shame. While the action setpieces that dot the first two acts of the movie are well thought out and keep the suspense alive, they are really just an accompaniment to a number of well-choreographed dialogue scenes between the groups’ members.
Lover’s of bare-bones-narratives might find these first two acts of The Avengers a bit lacking in momentum, but I think Whedon plays his cards exactly right. As a viewer, you need this array of quieter moments for the individual characters and their relationships with each other, to get a sense later on that there really is something at stake in this story, both with respect to external threats and internal morale. There is a scene in which Stark, who is obviously fascinated with the possibility of unleashing the Hulk, and Banner discuss their situation as one scientist to another, except that one of them is a loudmouthed playboy and the other one a soft spoken lost soul with what is repeatedly called “anger management issues” in the film. Another moment pits Thor (“You are all so puny!”) against Captain America’s superhuman righteousness, which simply knocks the arrogant norse god out cold. The situation is a little less clear with both Hawkeye and Black Widow, who are given back stories but cannot help but remain fighting ciphers, even referred to by Tony Stark at one point simply as “a couple of master assassins”.
Walt Disney Pictures
Despite this maybe somewhat wordy first part of the film, however, the story is still rather lean. Whedon never goes for cheap inside jokes unless they serve to push the narrative forward in some meaningful way. When the group finally stands in a circle in full costume, collects their orders from Cap and then sets out to put Loki’s cats back into their intergalactic bag, the audience has a clear feeling for each character’s motivation and roots for every single one of them. Loki as a villain, of course, makes for a great mirror image of the superhero team, borrowing some traits from each of them – from Thor’s arrogance and Stark’s cunning to Hulk’s uncontrollable wrath. That he still has to be a typical comic book villain with no real motive except a hunger for power stemming from a bad childhood, is a conceit that comes with the genre.
Who is the love interest?
In short: I really liked The Avengers. It’s a spectacular thrill ride for everyone who spent the last couple of years yearning for this moment and should be an entertaining ensemble action flick for everyone else, with a cast of colourful characters to match forebears like The Great Escape and The Magnificent Seven. It delivers on all promises made, it’s tightly written and cool enough to look at, featuring a star-studded cast in which the performances of Samuel L. Jackson and especially Mark Ruffalo probably stand out as most memorable. Ruffalo as Banner, the only member of the team who doesn’t wear his superhero guise on his sleeves, gives the film an emotional centre otherwise often occupied by the female love interest.
One last thing though. The Avengers is exhausting and after all that climax it makes you wonder what will happen next. Kevin Feige has already commented on how he plans to avoid sequel-itis in the following years. We shall see if he manages to pull it off a second time. I wouldn’t want to bet against it.
At the end of my podcast with Kirsten Dietrich about Harry Potter and the Half-Blood Prince, a topic of discussion came up that I would like to mull about a bit longer in this post. We talked about whether the Harry Potter movies, even if they are maybe not the best possible translation of the books into moving pictures (I still think that a TV series might have made for a better, if more expensive, adaptation), have become the definitive visual representation of the seven novels, not least because the author J. K. Rowling was very involved in the production and casting from the very beginning.
Translations from one medium into another usually involve several changes in the ur-text to fit and, indeed, adapt it to the new medium. In this way, they generally create a new universe related to but not congruent to the universe of the ur-text. In one of the videos on the Extended Edition of Peter Jackson’s Lord of the Rings, the screenwriters and some Tolkien experts broach this topic when they talk about adapting Tolkien’s novel. I think it is Brian Sibley who points out that, in the future, there will be two important Rings texts: Tolkien and Tolkien as interpreted by Jackson.1
In the case of Harry Potter, because the author was so heavily involved in the adaptation process, the two universes are almost alike. The films, although they differ from the books in some ways, have almost become part of the Harry Potter canon (and indeed are seen this way by the fans of the HP universe) and have succeeded in creating the definitive visual representations of characters and some events in the books because they have Rowling’s seal of approval. This has even been enforced legally, as Kirsten points out in the podcast. When Sabine Wilharm, the illustrator who created the covers for the Harry Potter books in Germany, created additional paintings that show other scenes from the books, Warner Bros. sued the commissioning publisher. The same brute force has been applied to creators of fan sites.
Ownership of and control over an intellectual property is the foundation of succesful franchising. While it does goes to silly extremes sometimes (as mentioned above), it’s a key ingredient to make the franchise work and fit together. For the process of adapting source material into film while controlling that source material at the same time (as Rowling did), this still seems to me to be a relatively new mainstream concept that I would trace back to the creation of Marvel Studios in 1996. I’ve read enough “development hell” stories to believe that adaptations, for example of comics, used to be handled differently. The IP owner would sell their license and the studio would go and adapt it, sometimes screwing up, sometimes not, but always with very little input from the IP’s originators.
The early films produced with Marvel Studios in tow, such as Sam Raimis Spider-Man films and Bryan Singers X-Men films, already had a certain amount of faithfulness to the source material “in spirit” that earlier incarnations had not achieved (or so, I gather, fans believe), similar to Jackson’s adaptation of Tolkien. By setting up the Marvel Cinematic Universe (MCU), however, the former comic book publisher has added another layer to the cake: harnessing the process of filmmaking, which involves hundreds of people in contrast to the few involved in creating a comic book, to produce a number of films that tie in to create one cinematic universe that, while not corresponding one-on-one to its source material, is canonic in its own right. In effect, they too are creating definitive cinematic versions of their comic book characters.
I have already expressed my admiration for the Avengers film, the first culmination of the MCU, in this blog one year ago and there is nothing more illuminating about the process than this quote by Marvel president Kevin Feige:
It’s never been done before and that’s kind of the spirit everybody’s taking it in. The other filmmakers aren’t used to getting actors from other movies that other filmmakers have cast, certain plot lines that are connected or certain locations that are connected but I think for the most part, in fact, entirely everyone was on board for it and thinks that its fun. Primarily because we’ve always remained consistent saying that the movie that we are making comes first. All of the connective tissue, all of that stuff is fun and is going to be very important if you want it to be. (Source)
The result might be thought of as a slap in the face to the individual artistic expression of any one director but it’s very effective. Marvel are applying to movies what has been general practice in TV series for ages, even more so since the advent of complicated series with multiple narrative strands such as The X-Files or Lost. They are continuing down this route, rebooting Spider-Man (as they already did with The Incredible Hulk) and, in effect, X-Men to integrate them into their grand scheme. And DC, with their umpteenth version of Superman (Man of Steel, directed by Zack Snyder) and, probably, Batman in the works, are hard on their heels.
The difference to a TV series, of course, is that there is no real linear plot to the MCU. While the films leading up to The Avengers share a certain timeline, each narrative strand also stands on its own with just a few nods to its sister narratives. If the actors are willing to participate, the films allow for endless tangents and intersections while they, at the same time, stay locked together in one unified and definitive worldtrack2 controlled by Marvel.3
This article only summarises some of the things I have been thinking about lately. I have probably forgotten important ideas and misinterpreted others. I would be very happy to discuss the thoughts sketched out above in more detail with readers of this article. Head to the comments!
1 Jackson very cleverly mediated between his version of Tolkien and the visual interpretations that had come before him by enlisting John Howe and Alan Lee as concept artists. In this way, there is no real “break” between how many fans had always imagined Middle-Earth to look like, including cover illustrations etc. into their imaginations (as one does), and how it looked like in the film. ^
2 I have just finished reading Neal Stephenson’s novel “Anathem” and borrowed this word from the book. ^
3 A multi-faceted adaptation of Stephen King’s “Dark Tower” series with Ron Howard at the helm that, in its concept, shares some ideas with something like the MCU has, unfortunately, just been canned. ^

Edit: Uh-oh, it took a friend to alert me to the fact that Thor was not conceived and filmed in 3D. I feel really stupid now. However, to turn this in my favor, it shows a) that good 3D-conversion can work and b) that good direction can be even better in 3D. I rest my case.
Kenneth Branagh’s film Thor is the most 3D-fun I’ve had in a live action film so far. There, I said it. Suck on that, Cameron. Part of that might have to do with the script which, I thought, cleverly juggled the absolute preposterousness of the setting with the right amount of pathos and humour whenever they were needed. Part of it might have to do with the performances by Natalie Portman, Chris Hemsworth, Stellan Skarsgård and the rest of the gang which exhibited that same tongue-not-quite-but-almost-in-cheek balance. And a large part was the really good 3D-mise-en-scène by Kenneth Branagh.
Looking back at the film, here is what I think Branagh kept in mind while shooting.
1. Keep Moving
There’s two ways to experience space on the screen. Either you leave a lot of time to sink your mind into it and explore it (this is the approach that Wim Wenders took in Pina) or you are constantly reminded of it, because stuff (including the camera) doesn’t just move left to right anymore, but front to back as well. All the time. Thor is very kinetic (except in close-up shots, see point 3) and the movement gives depth to both characters and environments.
2. Use the 3D-Space
Branagh really makes everything of the three axes he has at his disposal. His camera flies, swoops, cranes up and down all the time. This is a sort of standard procedure in CG-landscapes these days and of course Thor has its fair share of roaming establishing shots in pure computer space. But Branagh does the same in non-CG environments. For example, from a medium shot in which the character walks towards the camera, Branagh suddenly pulls out and up into a topshot. What a great way to feel that you are experiencing space without being poked in the face.
3. Behold the power of the closeup
Branagh breaks the relentless kineticism of his fight scenes with comparatively endless dialogues in closeup. And this is where the real magic happens. I don’t think Natalie Portman has ever seemed as enchanting as she was when I had her face 15 feet high in 3D right in front of me. My girlfriend, who was sitting next to me, pretty much admitted the same thing about Chris Hemsworth. The best film critics have written about the power of the closeup in the cinema. Well, it’s back – and this time, it’s personal.
4. If you don’t have diagonal lines, create them
3D thrives on diagonal lines in the image that visualize distance. If you’re not in Tron, you don’t get diagonals in every image. Branagh very cleverly sidesteps this dilemma by just putting the camera at an angle whenever he can. Even his close-ups are often ever so slightly tilted up or down compared to traditional camera positions. Shazam! Instant 3D-space.
5. Cut as fast as you want
Some of the fight scenes in Thor are fast as hell and I wasn’t confused at all. There is either some very clever stereo-continutity at work here that I didn’t grasp or it just doesn’t matter. I guess it’s the latter, and this is one of the points I will retract from my five Predictions of eight months ago: Filmmaker’s, don’t be nice to your audiences. Shock them and slap them in the face. In the long term, this has always led to the most interesting films.
Avengers – Die ziehen das durch
26. Juli 2010

Image by Mohammad Jilani/vicariou5, DeviantArt
Ich bin einfach nur baff. Obwohl mich die Comics weder großartig interessieren oder ich viel über sie weiß, verfolge ich die Pläne von Marvel, 2012 einen Film der “Avengers” ins Kino zu bringen, jetzt schon eine Weile und wollte schon länger darüber bloggen. Auf der ComicCon hat Marvel jetzt den kompletten Cast des geplanten Films mit dem voraussichtlichen Regisseur Joss Whedeon gemeinsam auf die Bühne gebracht und mir ist echt die Kinnlade runtergefallen: Robert Downey Jr. (Iron Man), Chris Evans (Captain America), Chris Hemsworth (Thor) und Mark Ruffalo statt Edward Norton (Hulk), dazu Sam Jackson (Nick Fury), Scarlett Johansson (Black Widow), Clark Gregg (Agent Coulson) und Jeremy Renner (Hawkeye).
Franchises faszinieren mich. Meinem Gefühl nach hat es seit den Dreißigern keinen so großen Erfolg von seriellen Filmen in einem so dichten Abstand mehr gegeben wie in den letzten zehn Jahren. Die wichtigsten Reihen wurden inzwischen alle rebootet um sie ans neue Zeitalter anzupassen, andere bekommen jetzt späte Fortsetzungen (ein Thema für einen weiteren Blogpost demnächst), um sie wieder auf die Beine zu bringen und neue Spin-Offs in Stellung zu bringen. Ein erfolgreiches Franchise bedeutet die Lizenz zum Geld drucken und zum Geld ausgeben. Man muss sich nur mal anschauen wie völlig überladen (und trotzdem unglaublich erfolgreich) Teil 2 und 3 von Pirates of the Caribbean waren, um zu sehen, was ein Franchise erreichen kann.
Und jetzt das: Der ganze Aufwand steuert auf ein großes Finale zu. Ein Reboot von The Incredible Hulk nach nur einem FIlm. Versteckte Szenen am Ende von Hulk und Iron Man. Eine komplette zusätzliche Storyline in Iron Man 2. Alles um jetzt noch Thor und Captain America nachzuschieben und dann alle vier Helden gemeinsam in einen Film zu verfrachten. Diese Erwartungen möchte ich nicht erfüllen müssen.
Mir fällt kein anderes Beispiel ein, das im Kino jemals so viel Crossover-Aufwand betrieben hat. Vereinzelt haben Schauspieler bekannte Rollen aus anderen Filmen in verwandten Reihen “reprised” (man denke an Star Trek: Generations) und im vergangenen Jahr gab es beispielsweise im europäischen Krimi-Fernsehkino eine interessante Zusammenarbeit von “Soko Leipzig” und “The Bill”, hier aber haben wir es mit deutlich mehr zu tun:
Fünf Filme von vier verschiedenen Regisseuren werden zu einem Ganzen zusammengestrickt. Das Kino scheint auf “kleinerer” (weil weniger komplizierter) Ebene aber größerer Leinwand den Erfolg von ausgeklügelten Serien wie “Lost” (und seiner Vorgänger “The X-Files” und “Twin Peaks”) kopieren zu wollen, die es sich ebenfalls erlauben, viele Seitenpfade zu betreten ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Ich bin gespannt ob es ihm gelingt.
Interessant wird auch, ob so eine Armada von Stars bereit sein wird, sich nach großen Solo-Auftritten in einem Ensemble-Film unterzuordnen. Zum Vergleich stelle ich mir immer vor, es hätte in den Vierzigern eine Verfilmung der League of Extraordinary Gentlemen mit Helen Chandler (Mina Harker aus Tod Brownings Dracula (1931)), Cedric Hardwicke (Quatermain aus King Solomon’s Mines (1937)), Fredric March (aus Ruben Mamoulians Dr. Jeckyll and Mr. Hyde (1931)) und Claude Rains (The Invisible Man von James Whale) geben können, eventuell noch mit Lyn Harding als Professor Moriarty.
Ein Franchise hat bisher bewiesen, dass die konsequente Serialisierung in Blockbuster-Filmen funktionieren kann. Die Harry-Potter-Filme kommen in insgesamt acht Filmen mit der gleichen Besetzung aus (wenn man von der Umbesetzung Dumbledores durch den Tod von Richard Harris absieht) und all die großen englischen Schauspieler, die im ersten Film noch richtig wichtig waren, finden sich inzwischen damit ab, ein- bis zweimal durchs Bild zu laufen, während ein immer neues Nachladen von Stars (Ralph Fiennes, Jim Broadbent, Brendan Gleeson, Imelda Staunton) ihnen die Schau stiehlt. Diese Kontinuität, die auch das Aufwachsen-vor-unseren-Augen der drei Hauptdarsteller miteinschließt, gab es vorher wohl nur im Fernsehen (bei James Bond jedenfalls nicht).
Ich bin sehr gespannt, ob die Avengers das gleiche Level erreichen können. Und ich frage mich, ob uns noch mehr so interessanter Crossovers bevorstehen. In den Comics gab es ja sowohl DC/DC als auch Marvel/DC-Crossovers – und zumindest ein Superman/Batman-Film wäre doch eine sehr interessante Aussicht.
Und wie wäre es denn, wenn Indiana Jones im fünften Film durch ein Zeitportal ginge und sich plötzlich im Jurassic Park wiederfände. Steven Spielberg würde den Quatsch doch bestimmt mitmachen.
Disney kauft Marvel – und?
2. September 2009
Die interessanteste Meldung der internationalen Film- und Kreativbranche diese Woche war sicherlich, dass die Walt Disney Company sich entschieden hat, den Comicverlag Marvel für 4 Milliarden Dollar zu kaufen. Beide Seiten sind total happy über diesen großartigen Deal, den sie da geschlossen haben. Disney kann mit Marvel eine Zielgruppe ansprechen, mit der sich der Konzern seit langer Zeit schon schwertut (halbwüchsige Männer) und Marvel kann vom gigantischen Verbreitungsnetzwerk von Disney profitieren. Herzlichen Glückwunsch, ihr zwei.
Der Zusammengang zweier Konzerne, die beide große Figuren-Flaggschiffe haben, ist natürlich eine Steilvorlage für “witzige” und besorgte Überlegungen. Die einen mashen die Figuren zusammen (und sueddeutsche.de machts nach), die anderen versuchen über mögliche Konsequenzen nachzudenken, andere formulieren solche Befürchtungen, um über entsprechende Fans zu berichten.
Glaubt denn eigentlich außer nervigen Netz-Fanboys, die immer überall eine Verschwörung wittern, jemand wirklich, dass Marvel jetzt plötzlich disneyfiziert wird? Dass die Comics alle Familienfreundlich werden? Nur mal eine kurze Übersicht, was Disney in seinem Riesenkonglomerat schon alles produziert hat:
Alle Pirates of the Caribbean-Filme (sogar unter Walt Disney Pictures), alle M. Night Shyamalan-Filme bis Lady in the Water, so ziemlich alles von Jerry Bruckheimer (Con Air, The Rock, Coyote Ugly), The Insider, Dark Water und man schaue sich mal die Liste von Hollywood Pictures und Miramax (Pulp Fiction!) an.
Gehört alles zu Disney. Auch wenn natürlich der Konzern-Einfluss bei Marvel existieren wird (und Disney immer bemüht ist, zumindest nicht allzuviele Parteien mit ihren Produkten ans Bein zu pinkeln) – ich denke wir werden noch einige Marvel-Comics und Comicverfilmungen bekommen, die “edgy” genug sind, um Comicfans zufriedenzustellen.