Des Pudels Core – Programmänderungen aus Betroffenheit?
14. März 2011
Hinweis: Der konkrete Aufhänger dieses Postings ist hinfällig geworden, weil das ZDF sein Programm tatsächlich geändert hat, was heute nachmittag noch nicht feststand. An der Grunddiskussion hat sich jedoch nichts geändert, daher hier trotzdem der folgende Rant:
Ich habe mich heute (im Internet) mit zwei Freunden darüber gestritten, ob es okay ist, dass das ZDF heute abend vorhatte, um 22.15 Uhr den Katastrophenfilm The Core zu zeigen. Kurz zur Erinnerung: The Core ist ein albernes aber für einen B-Movie gar nicht so schlechtes Stück Hollywood-Schlock, in dem Hillary Swank und Aaron Eckart zum Mittelpunkt der Erde reisen, um den stehen gebliebenen Erdkern wieder in Schwung zu bringen. Hier der Trailer:
Ein Freund von mir war der Meinung, dass es pietätlos ist, diesen Film angesichts der Lage in Japan heute abend zu zeigen. Eine weitere Freundin, Fernsehjournalistin, stimmte dem zu und meinte schließlich, das Programm werde doch für jeden anderen Schwachsinn auch ständig geändert. Warum also nicht diesmal?
Ich habe mich schwer damit getan, den beiden zuzustimmen. Nicht nur deswegen, weil mir ein bisschen die Leute in der Spielfilmredaktion leid taten, die den Film vor neun Monaten ins Programm geschoben haben ohne zu wissen, dass zu diesem Zeitpunkt gerade ein verheerendes Erdbeben die Welt in Atem halten würde, sondern weil ich grundsätzlich anderer Meinung bin.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass Radiosender vor fünf Jahren aufhörten den Juli-Song “Die perfekte Welle” zu spielen, weil er im Angesicht des gerade über Asien hineingebrochenen Tsunamis zynisch erscheinen könnte. Nach dem 11. September war auf vielen Dudelkanälen wie MTV einen Tag lang kein Programm zu sehen, aus Respekt vor den Opfern. Kurz gesagt: Ich halte solche Programmänderungen aus Political Correctness bzw. aus Betroffenheit für Mist.
Ich kann mich an keinerlei Programmänderungen nach der verheerenden Flut in Pakistan erinnern, zum Beispiel. Vielleicht, weil diese Katastrophe, die zwar insgesamt weniger Todesopfer forderte aber im Grunde ein ganzes Land zum Teufel jagte, nicht so präsent war, wie die wesentlich besser auf den Punkt gebrachten Desaster in New York, Südostasien, Haiti und jetzt Japan: Ein Tag, an dem ganz viele schreckliche Dinge passieren, eine kurze Schockperiode, in der man betroffen sein kann, und dann wieder die Rückkehr zur Normalität. Nicht so etwas dauerhaftes wie eine sich über mehrere Monate hinziehende Überschwemmungskatastrophe, ein Bürgerkrieg, eine Hungersnot – an der man einfach irgendwann das Interesse verliert, weil ja nichts Neues passiert.
Und wann ist dann der Punkt, an dem man die Lieder wieder spielen kann, die Filme wieder zeigen kann? Kann The Core – der abgesehen davon, dass er ein Katastrophen-Blockbuster ist, selbst von seiner Ikonografie wirklich nichts mit den Bildern aus Japan gemein hat – wieder laufen, wenn die 10.000 Todesopfer in Japan begraben sind und wir uns wieder unserem Alltag zuwenden können? Sagen wir uns dann selbst: Na, irgendwann ist auch mal gut, ich will wieder guten Gewissens Katastrophenfilme gucken können?
Nein, ich halte es für falsch, aus solchen fadenscheinigen Gründen das Programm zu ändern (außer, man ersetzt es tatsächlich durch Informationssendungen wie heute im ZDF geschehen). Denn an das Beben in Japan dachte niemand, als der Film gemacht wurde. Es dachte niemand daran, als der Film eingekauft wurde. Und es dachte auch niemand daran als der Film für das Programm eingeplant wurde.
Den Menschen, die in Japan im Moment um Besitz und Leben kämpfen, dürfte es zudem herzlich egal sein, ob ein deutscher Fernsehsender aus Pietät darauf verzichtet, einen zweitklassigen Hollywood-Actionkracher zu zeigen, in dem es weder um ein Erdbeben, noch um eine Tsunami, noch um einen Atomunfall geht.
Eine Diskussion, die man natürlich führen kann, ist, ob es grundsätzlich vertretbar ist, Filme zu drehen, deren Bilder auf übersteigerten Versionen von realen Unglücken mit tausenden Toten basieren. Aber die Filme jederzeit zu “erlauben”, außer, wenn gerade eben so ein reales Unglück geschehen ist, halte ich für fragwürdig (bei völlig unschuldigen Liedern wie der “Perfekten Welle” wird es geradezu absurd).
Wen die Geschehnisse in Japan betroffen machen, für den dürfte es auch keinen Unterschied machen, ob das ZDF heute abend The Core zeigt, er oder sie guckt ihn wahrscheinlich eh nicht, weil er oder sie sich lieber informiert oder anderweitig ablenkt. Und was sollte das ZDF als Ersatz zeigen – vielleicht einen fröhlichen Durchhaltefilm aus den Vierzigern?
Nichts zu sehen – 3-D-Fernsehen zwischen Erwartung und Realität
31. August 2010
Wie wenig das Marktschreiertum der Elektronikhersteller, das sich auch deutlich im Programm der bevorstehenden IFA widerspiegelt, insbesondere mit der deutschen Realität zu tun hat, merkt man schnell, wenn man mit hiesigen Fernsehmachern telefoniert. 3-D-Fernsehen „ist für uns auf absehbare Zeit kein Thema“, heißt es beim ZDF. Man beobachte die Entwicklung „mit Interesse“, aber ohne „konkrete Planungen“, lautet die Auskunft der Mediengruppe RTL.
Weiterlesen in epd medien 67/2010
Thomas Gottschalk muss bei “Wetten, dass..?” nichts mehr machen
18. September 2009
Die BILD-Zeitung hat es gemeldet, die Agenturen haben es bestätigt bekommen. Michelle Hunziker moderiert künftig gemeinsam mit Thomas Gottschalk die letzte erfolgreiche ZDF-Sendung “Wetten, dass..?”
Die offizielle Begründung: Die Sendung soll “spontaner” werden. Gottschalk darf vor der Sendung nichts über die Wetten wissen und bekommt dann immer erst kurz vorher von Hunziker die Buchstaben umgedreht. Hui.
Auf die Nachfrage bei der ZDF-Pressestelle, ob das nicht eigentlich einfach nur eine fröhliche Formulierung dafür sei, dass Gottschalk, der gerade erst seinen Vertrag per Handschlag bis 2012 verlängert hat, sich dann in Zukunft einfach nicht mehr auf die Sendungen vorbereiten muss sondern ankommt und losmoderieren kann, war erstmal ein paar Sekunden Pause am anderen Ende. Dann antwortete die Kollegin freundlich: Nein, im Gegenteil, es würde ja sogar alles anstrengender für Gottschalk. Er müsse sich ja jetzt viel mehr konzentrieren, weil er ja vorher nichts weiß.
Mhm. Eins jedenfalls ist klar: Hunziker passt perfekt zum Altherrenwitze-Humor von Gottschalk. Das Fremdschämen darf weitergehen.
Worte zum Wochenende
23. Juli 2009
Aus Abwesenheitsgründen heute schon am Donnerstag. Das von Kai Gniffke erwähnte Sommerloch ist übrigens nicht nur in der Tagesschau zu entdecken. Deswegen steht hier (leider) auch nicht viel Neues zurzeit.
Ich hab ja weitgehend aufgehört, für Frauenmagazine zu schreiben.
Gabriele Bärtels , Carta
// Betrug am Leser: Der Boulevard hölt die Pressefreiheit aus
Vielleicht hat ja die Aufklärung in Herrn Wöllner ihr Ende und ihr Ziel gefunden. Vielleicht ist das der Mensch, der die Welt nur noch vollkommen auf sich bezogen wahrnimmt. Uwe Wöllner ist eigentlich unser Homo ludens, den wir im Fernsehen betrachten dürfen, wenn uns nach anderem ist, und den wir abschalten können, wenn er zu laut ist.
Gero Schorch , im Interview mit FAZ.net
// In Uwe hat die Aufklärung ihr Ende
Habe schon gewitzelt, ob wir im Erklärraum heute ein 3D-Modell des Sommerlochs sehen.
Kai Gniffke , Tagesschau Blog
// Es ist da!
Das ZDF hat sich nun konsequenterweise die ästhetische Autorität zurückerobert, indem es seine Fähigkeiten verbessert hat, eigene Bilder zu finden und zu erfinden.
Katrin Schuster , epd medien
// Zwischen Himmel und Erde. Der neue Nachrichtenkosmos des ZDF.
Kurz gefragt III
17. Juli 2009
Welche arme Kirche musste bluten, damit das ZDF den merkwürdigen Tisch in seinem heute startenden Nachrichtenstudio bauen konnte?

(Eine Frage zu einer Bildunterschrift von FAZ.net, die natürlich inzwischen korrigiert wurde)
Worte zum Wochenende
29. Mai 2009
Die Blätter des Axel Springer Verlages haben – was wir belegen werden – über die 68er-Bewegung sehr viel differenzierter berichtet, als es im Schreckbild von der „hetzerischen Springerpresse“ vorgesehen ist.
Thomas Schmid, Die Welt
// Der Fall Kurras kratzt am Mythos von 1968
Is news content gasoline, or is it bottled water?
Tim Windsor, Nieman Journalism Lab
// Could One Answer to Paid Content be Found in a Bottle of Water
Wozu der ganze Aufwand, wenn bei Sat.1 doch noch so viele Serienideen rumliegen, die dort keiner mehr braucht, für die das Publikum aber inzwischen alt genug ist, um sie sich im ZDF noch mal anzusehen?
Peer Schader, Das Fernsehblog
// Erde an ZDF: Die 90er-Jahre sind vorbei
Ich kann mir durchaus vorstellen, Teamchef einer Profi-Mannschaft zu sein. Fußball ist doch kein so komplexer Sport, dass ein aufnahmefähiger Mensch wie ich das nicht durchschauen könnte.
Stefan Raab, im Interview mit dem Spiegel
// Ich will immer gewinnen