Was vom „BildBlog“ übrig bleibt

21. September 2012

Mein Artikel „‚Wired‘ ist in Deutschland immer noch tired (und klaut)“, den ich in der Nacht des vergangenen Samstag in einem Anfall von Kragenplatzen in die Tastatur gehackt hatte, wurde am Dienstag in der Rubrik „6 vor 9“ eines der ersten und – ich schätze nach wie vor größten – Blogs Deutschlands verlinkt, dem „BildBlog“. Es hat mich sehr gefreut, dass mein Thema anscheinend von Kurator Ronnie Grob als relevant genug eingestuft wurde. Auf Facebook habe ich gewitzelt, dass ich den Punkt „vom BildBlog verlinkt werden“ jetzt auch von meiner Bucket List streichen kann, und natürlich ist ein bisschen Aufmerksamkeit auch immer gut für’s Ego.

Da mir eine solche Verlinkung zum ersten Mal passiert ist, dachte ich mir, ich schreibe mal kurz eine Zusammenfassung dessen auf, was das ganze auf meiner Seite des Links ausgelöst hat. Vorweg: An normalen Tagen hat mein Blog 20 bis 30 Pageviews pro Tag – eine gewisse Anzahl fast immer über Google Image Search, die nach Jennifer Connelly Naked oder Ähnlichem suchen.

Am Tag der Bildblog-Verlinkung kletterte diese Zahl auf

2.271 Pageviews.

Mein „busiest day“ ever, laut WordPress. Insgesamt wurde der Artikel seit Veröffentlichung

2.646 Mal

angeklickt. Ich hoffe/vermute, dass er meistens auch gelesen wurde. Als ich die Verlinkung sah, stellte ich mich drauf ein, mich für meine Meinung gegen eine Flut von Trollen rechtfertigen zu müssen, aber das war nicht der Fall, denn insgesamt rief der Artikel dann doch nur

4 Kommentare

hervor (einen davon von einem Kollegen, den ich direkt nach seiner Meinung gefragt hatte). Ich weiß nicht, ob das daran lag, dass er nicht so furchtbar polemisch war (ich bin kein guter Polemiker, eher ein Analytiker, und wenn ich mal polemisch werde ende ich meistens damit, mich dafür auch ein bisschen zu entschuldigen), oder einfach an der üblichen 90/9/1-Kultur des Netzes.

Ein bisschen schade fand ich das schon, ich hatte mich auf den vielbeschworenen Austausch und Rückkanal des Netzes gefreut. Dass der bei 20 Hits pro Tag verhalten bleibt, hat mich nie gewundert. Aber bei 2.200 Hits dachte ich: Da passiert mal was.

Inwieweit mir die Verlinkung erweiterte Publicity gebracht hat, kann ich nicht genau sagen. Ich habe einen neuen Follower bei WordPress (aber nicht jeder benutzt WordPress), aber leider

keine neuen Follower

bei Twitter gewonnen (was ich eher erwartet hätte). Ob ich in den Feedreadern weiterer Leute gelandet bin wird sich wohl erst zeigen, wenn ich wieder neue Artikel poste. Grundsätzlich kann ich aber auch verstehen, dass diejenigen, die wegen eines Medienartikels hierher gekommen sind und dann sehen, dass ich hauptsächlich über Film blogge und twittere, sich gegen eine Verfolgung entscheiden.

Last but not least fand ich die Durchklick-Rate interessant. Von den über 2.000 Menschen, die am Dienstag den Artikel angeklickt haben, in dem ich jemandem im Grunde Plagiarismus vorgeworfen habe, haben sich gerade mal

24 den Originalartikel angesehen.

Vielleicht kannten ihn manche auch schon, immerhin lief er Ende Februar durchs Netz, aber die Zahl fand ich dann doch erschreckend klein. Etwas interessanter (36 Klicks) schien einigen Christian Jakubetz‘ Blogeintrag, den ich hinter „ordentlichen Arbeitsbedingungen“ verlinkt hatte. Und jeweils unter 20 Menschen klickten sich zu den Podcasts durch, die ich als Belege für die „Wired“-Strategie verlinkt hatte.

Von wem ich mir natürlich eine Reaktion erhofft hatte ohne wirklich damit zu rechnen – der Redaktion der dritten deutschen „Wired“ – kam erwartungsgemäß nichts. Immerhin: Chefredakteur Alexander von Streit folgt mir jetzt auf Twitter. Der Autor des von mir angegriffenen Artikels, Michael Moorstedt, ist im öffentlichen Social Web nicht sehr stark unterwegs (gut, muss man jetzt auch nicht, so als „Wired“-Redakteur), deswegen konnte ich ihn schlecht direkt ansprechen. Wäre ich er weiß ich aber auch nicht, ob ich auf einen Anpinkler wie mich reagiert hätte.

Ich will mich nicht beschweren, aber der insgesamte Mangel an Feedback trotz so vieler Klicks hat mich dann doch gewundert. Andererseits: Ich weiß, wie viel ich im Netz lese ohne zu kommentieren. Also bin ich wahrscheinlich selbst daran (mit) Schuld.

3 Antworten to “Was vom „BildBlog“ übrig bleibt”

  1. katrin Says:

    Meine Bildblog-Zahlen sind ähnlich, wobei ganz deutlich wird, dass Trashthemen besser gehen als andere: Meine beiden Texte über Popstars wurden mit Abstand am häufigsten angeklickt (mittlerweile 14.000 Mal; sind beide ja schon etwas älter). Über mangelnde Kommentare kann ich nicht klagen, und auch die Qualität der Diskussion fand ich noch jedes Mal überraschend hoch. Allerdings muss es natürlich etwas zu diskutieren geben. Nicht zufällig ist mein Text „q.e.d.“ über die peinliche ‚Gegendarstellung‘ eines Schriftstellers der meistkommentierte, da man darüber tatsächlich unterschiedlicher Meinung sein kann – was auf deinen „Wired“-Artikel eben nicht unbedingt zutrifft (was kein Manko ist!).
    Ich muss mich damit nun eh nicht mehr beschäftigen, da ich im Bildblog nicht mehr vorgekommen bin, seit ich meinen Unmut über die direkte Demokratie in der Schweiz geäußert habe :-)

  2. Ronnie Grob Says:

    @katrin: Dein Blog ist nach wie vor im RSS-Feed und wird beobachtet, gute medienkritische Texte haben immer eine Chance. Es ist auch nicht verboten, bei solchen explizit per E-Mail darauf hinzuweisen. Aber die Auswahl mach dann halt ich :)

  3. Don Krypton Says:

    Moin Alexander!
    Auch ich bin über das BildBlog hierher gekommen und habe deinen Artikel gelesen.

    Kann die mangelnde Resonanz vielleicht mit mangelnder Relevanz zusammenhängen? Dein Artikel ist wirklich gut und das Aufdecken des Abschreibens eines Journalisten prima beobachtet. Aber „Wired“? Mal bitte…wer liest das? Das Blatt ist (vielleicht außerhalb von Journalistenkreisen) in Deutschland total unbekannt. Das letzte, was ich von denen gehört habe, war ein Interview im Deutschalndfunk vor etwa einem Jahr…seitdem ruht der See gewaltig. Also ist es vermutlich einfach nicht interessant. Was schade ist, denn die Qualität des Artikels lädt zum Weiterlesen auf deinem Blog ein.

    Dann mal eine kleine Kritik: Ich könnte deinen Artikel über facebook weiterteilen, bin mir (als weitestgehend passiver Nutzer) aber sicher, dass das nicht das richtige Umfeld wäre. Wie wär’s denn mal, wenn du diesem „Ich hab‘ mir gerade ein Eis gekauft“- und „Boah, is‘ mir langweilig“-Netzwerk mal den Rücken kehrst und dich mehr deiner G+ -Seite widmen würdest (die noch keinen öffentlichen Eintrag aufweist und deren Kopfzeile immer noch mit dem Standardbild hinterlegt ist)? Dort ist erheblich mehr intelligentes Publikum unterwegs, von dem du auch die gewünschten Rückmeldungen bekommen würdest…mein verlinktes Profil ist kein Maßstab; ich bin schließlich kein Blogger.

    Zweite Kritik, nur am Rande: Ich hab‘ gerade versucht, Katrins Kommentar zu lesen, aber Schriftgröße 8 in Hellgrau auf mittelgrauem Hintergrund…vor dieser Herausforderung ziehe ich zurück.


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