Die deutsche Film-Blogosphäre: Gerold Marks von „Digitale Leinwand“

24. Januar 2013

Für mein polemisches Thesenstück zur deutschen Filmblogosphäre habe ich neun deutschsprachige Filmblogger per E-Mail interviewt. Die Auswahl erfolgte nach persönlichem Geschmack und relativer Findbarkeit im Netz.

Gerold Marks‘ Blog hat mich beeindruckt. Nicht nur, weil er sich für die gleichen Themen wie ich interessiert (dieses Blog trägt nicht zufällig den reißerischen Untertitel „über die Zukunft von Film und Medien“), sondern auch, weil er es meiner Ansicht nach prima schafft, auf dem schmalen Grat zwischen professionellem Anspruch und persönlichem Profil entlangzuwandern. „Digitale Leinwand“ dürfte für viele Leser vor allem eine Ressource sein, die Infos über digitale Kinotechnologie suchen. Das Blog ist aber auch eindeutig die Visitenkarte seines Eigentümers.

Entsprechend klar sind auch seine Antworten auf meine Fragen, die mir beileibe nicht in allen Mutmaßungen zustimmen.

Beschreibst Du kurz in eigenen Worten, was für ein Blog du schreibst; warum, wie lange schon, wie es dazu kam?

Ich blogge seit sieben Jahren, auf „DigitaleLeinwand“ schreibe ich seit fast vier Jahren. Inhalt ist der Shift vom analogen zum digitalen Kino im umfassenden Sinn, also die technische Seite der Digitalisierung an sich, stereoskopische 3D Filme (der eigentliche Motor der globalen Digitalisierung), alternative Inhalte wie Live-Übertragungen von Konzerten, Theateraufführungen oder Events, aber auch Filmmarketing von Social Media bis Augmented Reality.

Der Start von DigitaleLeinwand hatte mehrere Gründe: zum Ende meines Studiums wollte ich die 2007 eingeschlagene Richtung Film und Kino intensivieren. Für meine Diplomarbeit war ich auf der Suche nach einem Thema. Ich wollte mich motivieren (oder zwingen) mit einem kleinen Schnipsel täglichen Text die Angst vor dem Weißen Blatt Papier und der Schreibblockade zu überwinden. Die Bedeutung der Digitalisierung war mir bewusst. Allerdings nicht der daraus resultierende Themenschwerpunkt 3D. Die Nachfrage nach relevanten und inhaltlich korrekten Informationen nach 3D-Filmen und den damit verbundenen Techniken, der Rezeption, der Akzeptanz etc. dieses Formats hat mich dann förmlich überrollt. Das Thema hat sich dann sozusagen einen Schreiber gesucht. Seit 2009 bin ich nun eine der wichtigsten Quellen zum Thema 3D-Film.

Denkst Du, man braucht irgendeine Art von professionellem Hintergrund, um sinnvoll über Film bloggen zu „dürfen“? (Du hast ja einen).

Nein. Meine Kenntnis des gesamten Konstrukts Film hat sich durch das Bloggen enorm erweitert und geschärft. Viele Film-Blogs fangen mit persönlichen Kritiken an, werden im Laufe der Zeit umfangreicher, professioneller, finden ihren Platz. Ich vertrete einen klaren Standpunkt: jede Meinung zählt. Professionelle Kritiken im klassischen Feuilleton verlieren in den letzten Jahren extrem an Bedeutung; kein Filmpreis, keine Lobeshymnen von Kritikern können den Erfolg eines Films an der Kinokasse garantieren. Sie können sicherlich einen Film in der Flut der Neustarts sichtbar machen. Aber das kann jeder in seinem sozialen Netzwerk, der sich für etwas interessiert. Und manchmal ist das Word of Mouth eines Freundes relevanter als eine verschwurbelte Diskurs-Reflexion. Das ist Inflation und Freiheit zugleich. Jeder ein Kommunikator, fast jeder ein Kritiker. Was nicht heißt, dass jeder ein Experte ist. In meinen Augen hat Berechtigung, was Leser findet, auch wenn es nicht allen gefällt.

Danke für die professionelle Einstufung. Aber im Ernst: ich habe meine Expertise durch das Bloggen erarbeitet und darüber kamen die Anfragen für die Jobs in Produktionsfirmen, von Verleihern und Festivals, Einladungen zu Vorträgen, Moderationen und Interviews zustande. Sozusagen iteratives Lernen und Arbeiten mit der Visitenkarte im Netz.

Kleine Anekdote: nach der Moderation eines großen 3D-Panels kam eine Besucherin auf mich zu und lobte euphorisch meine Arbeit. Sie fand meine Fragen und Ansätze hervorragend, ich sei bestimmt ein Medienjournalist. Ich bedankte mich und erwiderte, dass ich Blogger bin. Ihr Gesicht entglitt, betont von einem ein kurzen „Ach so“, bevor sie sich abwandte und einfach ging.

Du hast dich in deinem Blog auf einen begrenzten Kreis von Themen beschränkt. Wie kam es zu dieser Entscheidung, was steckt dahinter und wie funktioniert es?

Als One Man-Show ist es gar nicht möglich alle 500 Filme des Jahres zu besprechen. Wir konnten im letzten Jahr die Fokussierung einiger Seiten sehen, die genau daraus handeln mussten, der Versuch alles abzudecken überrollte sie. Außerdem kann man in Deutschland vom Bloggen nicht leben. Es geht also trotz eingeschränkter Nische bereits die gesamte Freizeit in das Blog, da man ja auch noch seine Brötchen verdienen muss.

Zudem war ich der Ansicht, dass wir kein weiteres Filmportal mit der gleichen Durchreiche von Inhalten der US-Filmblogs brauchen. Im Sinne des Long Tail habe ich mir eine Nische gesucht, deren Bedeutung ich annahm und die sich bestätigte. Die hat man mir zwar wiederholt versucht abzujagen, aber ich halte mich hartnäckig.

Natürlich ist es sehr schön, wenn man als relevante Quelle erkannt wird, einige Seiten sind aber auch sehr erfolgreich darin, meine Inhalte umfassend zu kopieren und zu veröffentlichen, natürlich weder zitiert noch verlinkt. Da bedeutet, dass noch mehr Potential in meinem Feld steckt, dass es zu beackern gälte, allerdings limitieren meine verfügbaren Ressourcen. Der Tag hat ja nur 28 Stunden …
Früher hatte ich noch den Anspruch auf Vollständigkeit für alle 3D-Filme, da konnte man jeden Schnipsel veröffentlichen, es kam ja nur alle sechs Wochen ein neuer 3D-Film in die Kinos. Bei den aktuell 45 3D-Filmen im Jahr ist es schwieriger, da kommt man kaum hinterher. Zudem hat sich die Nische 3D-Film auch zum normalen Filmfeld entwickelt.

Dein Blog wirkt auf mich so, als wäre es einerseits von privaten Interessen getrieben, als würdest du dich aber bemühen, diese so zu präsentieren, dass der Service-Charakter gegenüber der privaten Meinung überwiegt. Stimmt das und warum hast du dich dafür entschieden?

Deine Wahrnehmung liegt in meiner ganzen bisherigen Arbeit begründet. Ich habe immer benutzerorientiert gearbeitet. In meinem Studium standen sich wissenschaftliche Analyse und kreative Schöpfung gegenüber. Ich wollte auf „DigitaleLeinwand“ kein weiteres Filmkritik-Portal hochziehen, sondern über ein Themenfeld informieren. Die Nachfrage war da, weil man das Thema in den klassischen Medien als Spielerei und temporären Hype abtat.

Und auch heute gibt es viel an Aufklärung zu leisten, wie zuletzt das Thema High Frame Rate bewies. Der erste Teil der Hobbit-Verfilmung ist mit einer doppelten Bildfrequenz von 48 Bildern in den Kinos zu sehen- erstmals in der Filmgeschichte. Doch weder der Verleih noch die betreuende Agentur klärten darüber auf, Kinobetreiber waren verunsichert. Das Publikum lechzte nach Informationen. Ich habe mich dem Thema angenommen, Informationen mühsam aggregiert, Kinobetreibern und –Marketingleitern Kooperation signalisiert. Schließlich schrieb mich wohl so ziemlich jeder Kinobetreiber persönlich an. Das Thema war so erfolgreich, dass die Benutzerzahlen explodierten, was sonst im Monat rumkommt, tummelte sich nun an einem Tag auf „DigitaleLeinwand“. Das habe ich vor allem der Verlinkung von großen Seiten wie Heise oder t3n zu verdanken, die innerhalb ihrer Berichterstattung auf meine aktuell gepflegte HFR-Kinoliste verlinkten. Vielleicht liegt es auch an meiner Leserschaft, die nicht nur den Kinogänger im Auge hat, bei mir lesen auch Produzenten, Stereographen oder Verleiher mit.

Du arbeitest mit Sponsored Posts, willst Du dazu was sagen?

Klar. Ich werbe durchgehend auf meinem Blog. Für Filme. Ich schreibe über gelungene Aktionen des Filmmarketings. Ich habe einen werbelastigen Studiengang belegt. Werbung ist für mich absolut kein Problem.

Der Einsatz von Werbung auf „DigitaleLeinwand“ hat zwei Gründe: zum einen wollte ich selbst erfahren, ob es möglich ist, mit einem Blog genug Geld zum Leben zu verdienen. Das ist in Deutschland aufgrund der weiter vorherrschenden Geringschätzung von Blogs nur in Ausnahmefällen möglich. Die Einnahmen aus der Blogwerbung, also Bannern, Videos oder Sponsored Posts decken die Kosten für Domain, Server, Traffic, kostenpflichtige Tools und Software und den anfallenden Portokosten für das Verschicken von Gewinnspiel-Preisen etc. Dann reicht es noch im Monat für ein Eis mit der Familie. Überschüsse reinvestiere ich in Erweiterungen und Aktualisierungen. Und wenn dann noch was übrig bleibt, verlose ich unter meinen Lesern zum Bloggeburtstag noch ein paar schöne Dinge.

Zum anderen interessieren mich die Mechanismen der Werbetreibenden auch für meine eigene Arbeit. Wer schaltet wie und wo, wie reagieren die Leser darauf, wie ist die Resonanz. Daraus leite ich Maßnahmen für künftige Aktionen bei einem Auftrag ab.

Viele Verleiher haben verstanden, dass Linkbuilding heutzutage sehr wichtig ist, um in den Suchmaschinen bei Anfragen auch relevant angezeigt zu werden. Wer meine Arbeit mit Material, Informationen und Interviews unterstützt, darf auch mal darum bitten, den Link zur offiziellen Filmwebseite in den Artikel einzubetten. Das ist ein Geben und Nehmen.

Derzeit experimentieren viele Verleiher mit unterschiedlichen Werbeformen innerhalb von Social Networks und Blogs. Da ergeben sich mitunter absurde Zwickmühlen: ein Rezensionsexemplar einer Blu-ray 3D möchte man mir aus Kostengründen nicht zusenden. Dafür schaltet man über eine Agentur auch auf meinem Blog Werbebanner, die den Verleiher letztlich ein Vielfaches der besagten Blu-ray 3D kosten. Zur Kennzeichnung: manche Portale fordern ein „Sponsored Post“ im Titel des Beitrags, was doch sehr abschreckend sein kann. Werbebeiträge sind bei mir aber immer mindestens mit dem Tag Werbung gekennzeichnet.

Wie misst du für dich den Erfolg deines Blogs. Ist dein Blog erfolgreich?

Quantifizierbar: Was habe ich 2009 gejubelt, als 100 Leute am Tag die Seite besucht haben. Danach galt es die Marke der 1.000 Personen am Tag zu knacken, dann galt man schließlich als A-Blogger. Heute erreiche ich im Monat 135.000 Besucher. Wie sage ich immer: für einen deutschen Blog ist das ganz ordentlich, aber ich bin nicht „Spiegel Online“ (will ich auch gar nicht sein).

Den in der Presse häufig beschworene Tod der Blogs kann ich nicht bestätigen, bei mir steht alles weiter auf Wachstum. Viel wichtiger ist der Erfolg auf anderen Ebenen: ich darf Interviews mit tollen Persönlichkeiten führen, an die ich sonst nie rangekommen wäre. Ich habe ein spannendes Netzwerk von Film- und Kinofans aufgebaut, das weiter wächst. Man schätzt meine Meinung und meinen Rat, sowohl von Lesern als auch von Kollegen und Experten. Man tauscht sich untereinander aus, wird verlinkt, interviewt, zu Podcasts als Gast eingeladen.

Bei einigen Verleihern muss ich allerdings bis heute betteln, zu Pressevorführungen eingeladen zu werden. Aber ich renne nicht mehr hinterher, wer seine Filme nicht kommuniziert haben will, sollte auch nicht gezwungen werden.

Bekommst Du regelmäßig Feedback auf das, was Du schreibst? Bist Du im Dialog mit Deinen Lesern?

Es lesen sehr viele Menschen mehr aktiv mit, als diejenigen, die sich öffentlich äußern. Feedback erhalte ich auf den unterschiedlichsten Kanälen, die sich immer wieder verlagern. Die Kommentare direkt im Blog werden weniger, dafür innerhalb van Facebook, Google+ und Twitter mehr. Ich bekomme viele E-Mails mit Fragen oder Hinweisen, ab und an gar mal einen Brief.

Immer wenn man zweifelt, wofür oder für wen man das eigentlich macht, spricht mich jemand auf einen Artikel von vor zwei Monaten an, der noch nachwirkt, wo sich was verändert hat. Das ist großartig.
Sehr viele Anfragen stellen Studierende für Diplom/Bacherlor/Master-Arbeiten rund um die Themen 3D, Kino und Digitalisierung. Mitunter wollen sie mich für Interviews als Primärquelle, mitunter als Tippgeber für Kontakte, Links und Material. Das ist sozusagen mein kleiner Bildungsauftrag. Da helfe ich gerne aus, was mitunter sehr zeitintensiv ist. Dafür wird man manchmal mit einer guten Arbeit belohnt, die man auch tatsächlich zu Lesen bekommt (leider keine Selbstverständlichkeit).

Welche Blogs liest Du selbst? Zu welchem Zweck?

Wenn es die Zeit erlaubte, würde ich gerne viel mehr lesen, es gibt ja auch im deutschen Bereich immer wieder neue Entdeckungen! Täglich auf dem Leseprogramm stehen die US-amerikanischen Filmblogs wie „/Film“, Collider oder BleedingCool, die auch unsere Filmnachrichten bestimmen. Du kannst ja mal nebeneinander halten, was in der Nacht auf /Film veröffentlicht wurde, und am nächsten Tag auf den Filmportalen wie „Moviepilot“ oder „Filmstarts“ und vielen Filmblogs erscheint (ich nehme mich da gar nicht aus). Eigentlich eine Duplikation, die nicht erforderlich wäre. Aber man will dem eigenen Leser ja auch aktuelle Informationen bieten und nicht darauf warten, bis die deutsche Agentur das Thema Wochen später als Meldung bringt. Dann ist es nämlich meist keine mehr.

Im deutschen Feld lese ich regelmäßig die Blogs von Freunden (siehe Blogroll auf meiner Seite) und von für mich interessanten verwandten Nischen, z.B. den „Pixarblog“ oder „Animationsfilme.ch“. Natürlich schaue ich auch mal bei den „Fünf Filmfreunden“ oder den ButtKicking Babes vorbei, oder bei „Negativ“, die sich durch ihre neu geschärfte Ausrichtung deutlich vom Mainstream abheben.

Dazu noch etliche Blogs aus anderen Themenfeldern wie Technik, Marketing, Transmedia, Kunst, etc.
Zum einen interessieren mich die Nachrichten inhaltlich. Manchmal sind sie auch für mein Blog relevant. Ich will wissen, was meine Freunde aktuell machen, was sie schreiben, sie umtreibt. Natürlich ist man auch immer auf der Suche nach Inspirationen für formale Strukturen, Features oder Erweiterungen des eigenen Blogs, aber das passiert eher beiläufig.

Hast du den Eindruck, dass es so etwas wie eine deutschsprachige Film-Blogosphäre gibt, in der die Blogs miteinander kommunizieren? Wenn ja, kannst Du sie beschreiben?

Die deutschsprachige Filmblogosphäre gibt es, sie ist nur nicht so prominent wie die große amerikanische Schwester. Anscheinend fängt man zunächst als Einzelkämpfer mit seiner Idee an und strampelt in alle Richtungen. Irgendwann verknüpft man sich dann mit den anderen verrückten Filmbloggern.

Wir sprechen ja alle miteinander auf Pressevorführungen oder Festivals, sind in den Social Networks verknüpft, diskutieren in den Barcamps neue Trends. Da entwickeln sich neue Freundschaften, fachlich wie privat. Ich tausche mit diversen Blog-Kollegen Hinweise und Links aus, wenn wir über relevante Dinge stolpern.

Auch technisch ist man gerne bereit, die eigenen Ansätze und Tools zu offenbaren. Hilf ihnen, es selbst zu tun. Geht auch manchmal nach hinten los, z.B. wenn man nach einem eingesetzten PlugIn gefragt wird, das dann letztlich dazu dient auch noch meine Inhalte zu klonen. Nur das gegenseitige intensive Verlinken zueinander hapert in der deutschen Blogosphäre noch ein wenig.

Ist es ein Unterschied, ob man über Arthaus oder Mainstream bloggt?

Die Pole von Arthaus und Mainstream mögen klar sein, aber wo befindet sich die Grenze? Dieser Krieg zwischen E und U ist in meinen Augen unsinnig. Auch die Filmkunst hat ihre filmischen Wurzeln in einer Jahrmarkts-Attraktion; das eine würde ohne das andere nicht existieren. Ich schreibe auf DigitaleLeinwand gerne über Arthaus-3D, davon gibt es nur so wenig. Aber Filme wie Pina, Schiffbruch mit Tiger oder Cave of forgotten Dreams werden dann gerne auch prominenter gefeaturt, um ihnen eine Stimme zu geben.

So wie sich weniger Menschen an der Kinokasse für Programmkino interessieren, ist es auch beim Bloggen, die Artikel werden sicher geringer nachgefragt. Dafür haben die Blogs für das anspruchsvolle Publikum eine gut ausgeprägte Nische mit beständiger Leserschaft. Es ist auch für mich frustrierend, wenn ein lange erarbeiteter Artikel mit viel Rechercheleistung nur ein paar hundert Leser interessiert, das Publikum auf das neue Bild vom nächsten Star Trek-Film aber abfliegt wie Wespen auf Butterkuchen. Kino und Film ist für viele einfach nur Unterhaltung, und eben nur für manche Religion. Aber das ist letztlich auch ganz gut so.

Gibt es im Bereich Film im deutschsprachigen Web so etwas wie Leitmedien? Was wären die?

Das kann ich nur subjektiv beantworten. Es gibt natürlich die großen bezahlpflichtigen Branchendienste, die zumeist aber auch nur Pressemitteilungen durchjagen und davon profitieren, gut bestückt zu werden. Die drei großen Filmportale streiten mit sehr ähnlichen Inhalten um die Marktführerschaft, wobei sich „Kino.de“ immer mehr abseits stellt, „Filmstarts“ schnell umfassend produziert und „Moviepilot“ aktuell die größere Community hat. Da scheint es noch Luft zu geben, wie der Erfolg der aufstrebenden „Filmjunkies“ belegt. Die waren für mich wichtig, als ich mit dem Bloggen begann, heute weiß ich selber, wo die News entstehen.
„Kino-Zeit.de“ ist für mich ein echtes Leitmedium, weil sie sich intensiv um den sehenswerten Film kümmern. Dabei behalten sie aber eine positive Grundstimmung auch innerhalb ihrer Filmkritiken bei, was ich sehr schätze.

Apropos: Nichts ist einfacher als das Zerreißen eines Films, vielleicht auch der Grund, warum viele als „Filmkritiker“ mit einem Blog starten. Wenn dann ein Film nur noch als Sparringspartner für die Zurschaustellung des Intellekts und der Kenntnis des Kritikers dient, läuft da was verkehrt. Auch ist eine verschwurbelte Ausdrucksweise kein Gütezeichen für Qualität, wir kennen das aus der wissenschaftlichen Forschung, deutsche Wissenschaftstexte sind oft verklausuliert, damit sie nur Ebenbürtige lesen können oder ein schwacher Inhalt kaschiert wird. US-amerikanische Wissenschaftler reden öfter sehr deutlichen Klartext, obwohl die Inhalte komplex und umfassend sind. Möglicherweise ein interkultureller Unterschied, in Interviews erlebe ich deutsche C-Promis auch als deutlich affektierter als amerikanische Oscar-Preisträger.

Ein Leitmedium sollte eigentlich auch „Programmkino.de“ sein, die sich aber zu sehr in ihrer Abgrenzung zwischen bösen U- und gutem E-Kino verlieren. Ein ungehobener Schatz ist das Wissensportal der deutschen Filmakademie „Vierundzwanzig.de“, das Insights direkt aus der Welt der Filmeschaffenden bietet. Aber eben keinen Promi-Klatsch.

Wenn Du an der ganzen Sache mit dem Bloggen, wie es momentan läuft, etwas andern könntest, was würdest Du ändern?

Oh, das wäre eine lange Agenda. An einigen Punkten arbeite ich, an anderen gebe ich aktuell als resigniert bis gescheitert auf:

  • Ich hätte gerne mehr Zeit zum Bloggen, um mich intensiver mit Themen beschäftigen zu können.
  • Ich würde gerne effizienter Bloggen durch bessere Systeme und Workflows.
  • Ich würde gerne weniger Werbung schalten, dafür besser bezahlte.
  • Ich wünsche mir eine bessere Vernetzung der Blogger untereinander, vielleicht auch eine Blogger Aid wie „tausche Unterstützung bei Grafik gegen Hilfe beim Code“.
  • Eine bessere Zusammenarbeit zwischen PR-Agenturen und Blogs ist erforderlich.
  • Mehr Kenntnis von Online-Methoden in den klassischen PR-Agenturen. (Übrigens: wenn Social Media unsinnig ist, warum untersagt ihr neuerdings Äußerungen auf Twitter, Facebook und Co. nach den Pressevorführungen?)
  • Verleiher sollten bessere Informations- und Serviceangebote zur Verfügung stellen (manche Presseserver sind im Handling eine Katastrophe!).
  • Is it just me, oder landen meine Mails immer in der Rundablage? Ich wünsche mir kompetente Ansprechpartner bei Verleih oder PR-Agentur, die Fragen auch verlässlich beantworten.
    Und wenn wir schon dabei sind, gehört die Benachteiligung von Onlinern und Bloggern gegenüber den klassischen Kanälen abgeschafft (Bildmotive oder Clips ausschließlich für Print oder TV, Pressevorführungen in OV nicht für Onliner, Stehplätze am letzten Rand vom Teppich etc.)
  • Liebe Veranstalter, wenn ihr mich aufgrund meiner Kompetenz als Blogger einladet, müsst ihr aus mir keinen „Chefredakteur“, „Herausgeber“ oder „Medienjournalisten“ euphemisieren. Ich steh dazu.
    Ich wünsche mir mehr Respekt zwischen Journalisten und Bloggern (schreibt ein Blogger ab, ist es Plagiat, schreibt ein Journalist ab, ist es Recherche. Von dem wöchentlichen Blogger-Dissen auf den Online Zeitungsportalen mal ganz abgesehen.)

    Und zuletzt wünsche ich mir eine Honorierung durch den Leser mit einem größeren Bewusstsein für den Aufwand. Mein Blog ist kostenfrei und soll es auch bleiben. Aber ein Kommentar zum Beitrag, ein Klick auf einen Banner, ein Teilen in den Networks hilft, DigitaleLeinwand auch zukünftig zu erhalten.

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    5 Antworten to “Die deutsche Film-Blogosphäre: Gerold Marks von „Digitale Leinwand“”


    1. Yeah, cool, dass Sponsored Posts angesprochen und beantwortet werden!

      Ich möchte auch unterschreiben! und bin der Meinung, dass man als solche Posts großartige Texte schreiben kann. Es reicht, das ganze aus der Richtung zu betrachten, dass ein solcher Post ein halbes Jahr Hostingkosten ausgleicht, und einzuräumen, im Gegensatz zu den Posts, die man sonst schreibt. Entsprechend kann die Mühe dosiert werden für solche Artikel, denn es kann ruhig mehr sagen als „Ich werbe hier fü XX weil man mich dafür bezahlt“, denn gerade daher kommt der Verruf solcher sponsored Posts.

    2. Gerold Says:

      Danke für Deine positive Bekräftigung für die Sponsored Posts. Das Problem bei vielen Werbeanfragen ist, dass sie explizit nicht als Werbung gekennzeichnet werden wollen. Ziemlich unsinnig, gerade wenn Fremdtexte aus der SEO-Bude angeliefert werden, ein regelmäßiger Leser erkennt sofort den Unterschied. Leider fühlen sich auch zu oft Leser davon verschreckt und klicken gar nicht erst drauf. Ich grübele gerade an einer Lösung. Setzt ihr auf Negativ auch hier und da Sponsored Posts ein (waren mir noch nicht aufgefallen)?


    3. […] “DigitaleLeinwand” habe ich noch ein weiteres Blog interviewt, das sich auf ein bestimmtes Teilspektrum der […]


    4. Schönes Interview – und gerade die Vernetzung unter Filmbloggern/-podcastern kommt hier ja ganz gut zum Ausdruck (was sicherlich noch ausbaufähig ist). So kam ich zum Beispiel über Gerolds Teilnahme am Cinecast auch auf DigitaleLeinwand, auf der ich mich immer wieder über Neuigkeiten aus der 3D-Filmwelt informiere. Denn in dieser Nische kenne ich auch im angelsächsischen Bereich keine so ausführliche und detaillierte Informationsquellen.


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