Die deutsche Film-Blogosphäre: Martin Beck von „Reihe Sieben“

25. Januar 2013

„Reihe Sieben“ war die „Wild Card“ in meinem Interview-Raster. Ein Blog, das ich erst recht spät entdeckt habe und nicht kannte, das mich aber durch sein professionelles Design beeindruckte. Ob da wohl eine Geschichte dahinter steckt? Interessiert hat mich außerdem, ob ein so sichtbares und prominentes Werbe-Netzwerk wie „Wirliebenfilme“ zu Gemeinschaftsgefühlen unter den angeschlossenen Blogs führt. Seiteninhaber Martin Beck erklärt alles im Interview, knapp und prägnant.

Beschreibst du kurz in eigenen Worten, was für ein Blog du schreibst, warum, wie lange schon, und wie es dazu kam?

„Reihe Sieben“ gibt es seit 2 Jahren. Entstanden ist die Seite aus dem Wunsch, so eine Art deutsches „Twitch“ aufzuziehen – was sich aber einfach nicht stemmen ließ, trotz zeitweise über 20 Mitschreibern. Momentan plätschert „Reihe Sieben“ etwas dahin, weil einfach die Zeit fehlt und trotzdem ab und an ein bisschen davon übrig ist.

Der Ansatz war auf jeden Fall, das Nachplappern irgendwelcher Mainstream-News zu vermeiden und stattdessen gezielt neben der Spur zu graben. Ich selber bin schon seit vielen Jahren in Sachen Film aktiv, inklusive Artikeln in etlichen Magazinen. Reihe Sieben ergab sich dabei fast schon zwangsläufig, wobei aber die ursprüngliche Idee letztendlich interessanter war als es die Seite jemals hätte sein können.

Denkst du, man braucht irgendeine Art von professionellem Hintergrund, um sinnvoll über Film bloggen zu „dürfen“?

Das entscheidende Wort ist hier „sinnvoll“ – dann lautet die Antwort auf jeden Fall „ja“. Ansonsten aber ist Bloggen doch auch ein Freibrief für Laberrabarber – was jetzt gar nicht negativ gemeint ist, vor allem im Kontext der freien URL-Eingabe.

„Reihe Sieben“ wirkt sehr professionell aufgemacht. Man muss schon genauer hinsehen, um den Autor dahinter zu erkennen. Wonach wählst du deine Themen aus, was möchtest du mit dem Blog erreichen? Siehst du dich eher als Service-Orientiert oder lässt du deinen persönlichen Vorlieben freien Lauf?

Wie schon oben geschrieben: Twitch auf Deutsch klappt leider nicht, insofern ist der Service-Gedanke inzwischen kaum noch anwesend. Es geht ausschließlich um Themen, die mich selber oder die Schreiber interessieren. Alles andere ist natürlich auch möglich, aber dann halt mit einer soliden Redaktion und vor allem Werbeeinnahmen.

Wie misst du für dich den Erfolg deines Blogs? Ist dein Blog erfolgreich?

Die Zahlen misst Google Analytics – und wenn es danach geht, ist die Seite nicht erfolgreich. Ansonsten liegt der Erfolg in der eigenen Zufriedenheit mit den Texten und dem Feedback von Lesern.

Bekommst du regelmäßig Feedback auf das, was du schreibst? Bist du im Dialog mit deinen Lesern?

Im Dialog mit den Lesern muss man unbedingt sein, das gehört einfach dazu. Regelmäßiges Feedback im Sinne von „hey, wo bleibt der Kommentar von XY?“ gibt es aber nicht.

Du bist Teil des „Wir lieben Filme“-Netzwerks, was bedeutet das für dich?

Das ist mein Werbevermarkter. Eine andere Bedeutung kann ich nicht erkennen. :-)

Hast du den Eindruck, dass es so etwas wie eine deutschsprachige Film-Blogosphäre gibt, in der die Blogs miteinander kommunizieren? Wenn ja, kannst du sie beschreiben?

Mit ein paar wenigen Leuten bin ich freundschaftlich verbandelt, bei ein paar mehr Leuten denke ich mir „Wow, super Schreibe“ und bei ein paar viel mehr Leuten schüttle ich lieber den Kopf. Stichwort: Stuntschreiber.

Äh, was sind „Stuntschreiber“? Das höre ich zum ersten Mal

Das sind verzwirbelte Typen, die vor allem dadurch auf die Pauke hauen, dass sie a) möglichst viele Fremdwörter in möglichst lange Sätze packen und/oder b) ihre „Meinung“ immmer konträr zur kollektiven Empfindung postieren.

Welche Blogs liest du selbst? Zu welchem Zweck?

Die meisten Blogs, die ich lese, sind im Ausland beheimatet und dienen sowohl der Information als auch der Unterhaltung. Immer noch ganz vorne dabei: Twitch. Und /Film.

Gibt es im Bereich Film im deutschsprachigen Web so etwas wie Leitmedien? Was wären die?

Facebook. Traurig aber wahr.

„Arthaus“ und „Mainstream“ – sind das Begriffe, die beim Bloggen eine Rolle spielen?

Nein.

Wenn du an der ganzen Sache mit dem Bloggen, wie es im Moment läuft, etwas ändern könntest, was würdest du ändern?

Weniger Herdentrieb, mehr Interesse für kleine Filme.

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