TV like Movies, Movies like TV

1. März 2013

Dass Fernsehen angeblich das neue Kino ist – zumindest insofern, als dass dort derzeit die interessantesten Inhalte produziert werden – ist inzwischen schon zu einer Binsenweisheit geworden. Dazu passen diverse Beobachtung, etwa dass hochwertige Serien wie „House of Cards“ anscheinend auch nicht nach dem traditionellen Fernsehmodell gedreht, sondern eher wie ein 13-stündiger Megafilm angegangen werden, in dem verschiedene Regisseure eben verschiedene Teile inszenieren (ich habe das irgendwo gelesen oder gehört, aber ich kann leider zu keiner Quelle mehr verlinken Danke an Denis für den Link). Auch ein Artikel des „Economist“ über die derzeitige Hollywoodkrise weist in die entsprechende Richtung und das Drama Blog fragt zurecht: „Steht Hollywood eine Zeitenwende bevor?“ From Tinseltown to TV-Town?

Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es auch eine Bewegung in die entgegengesetzte Richtung gibt. Besonders unter dem Banner des Disneykonzerns haben sich Strukturen herausgebildet, die das sündhaft teure Filmgeschäft durch eine Art Insourcing näher an die Produktionsbedingungen von TV heranrücken. Pixar etwa, mit seinen festangestellten In-House-Autoren, deren Arbeitsweise an die Writer’s Rooms von Serien erinnern. Und Marvel, über die „/film“ vor kurzem schrieb, ihre Verträge würden denen gleichen, die im Fernsehen üblich sind.

Überhaupt: Marvel. Deren „Mavel Cinematic Universe: Phase 1“ lässt sich eigentlich auch fast wie eine gigantische Fernsehserie lesen. Sicher, diese Struktur wurde nachgeschoben, nachdem Iron Man so erfolgreich war, aber im Grunde könnte man Kevin Feige als eine Art Showrunner betrachten, der die Serie bis zum Staffelfinale in den Avengers geführt hat. Joss Whedon ist jetzt der neue Showrunner, der Überblickbehalter über das Universum, das sich ja in der zweiten Phase/Staffel nun auch tatsächlich in ein Fernsehformat vorwagen will, mit „SHIELD“.

Nicht direkt mit dem Thema dieses Artikels verwandt, aber ebenfalls bemerkenswert: Kevin Feige hat gesagt, The Winter Soldier, der zweite Film mit Captain America wird ein Polit-Thriller. Auch Iron Man 3 soll anders werden als seine beiden Vorgänger und so den Charakteren neues Leben einhauchen. Ich finde das Konzept interessant, sich zu überlegen, aus dem „Superhelden-Film“ weniger ein Genre als eine Gattung zu machen, dem man, so Feige, „Sub-Genres anheften“ kann. Wenn Marvel weiter so erfolgreich ist, könnte innerhalb des MCU theoretisch in Zukunft Filme jeden Genres entstehen. Mit Joss Whedon im Team, der ja im Buffyversum auch schon Musicals veranstaltet hat, bin ich gespannt, was da noch kommt.

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7 Antworten to “TV like Movies, Movies like TV”

  1. Jochen Ecke Says:

    Sehr schöne Ideensammlung. Nur so eine wönzige Anmerkung meinerseits: Man muss das Superhelden-Genre gar nicht zur Gattung umfunktionieren, um neue Subgenres andocken zu können. Es gibt einen schönen Aufsatz von Henry Jenkins, der eben nicht von einem stabilen Genrekern ausgeht und wunderbar demonstriert, wie die Superhelden über die Jahrzehnte auch deshalb überlebt haben, weil sie so erfolgreich in anderen Genres gewildert haben. Das Superheldengenre ist das Hybrid-Genre par excellence. Das bisschen, was am Genre stabil geblieben ist, war schon immer extrem dünn. Deswegen kann man auch so viel damit machen. Free for all! Den Aufsatz kann man zumindest teilweise hier lesen: http://books.google.de/books?id=66G9958sV3kC&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

  2. bullion Says:

    Ja, ähnliche Gedanken sind mir auch schon durch den Kopf gegangen. Dass TV das neue Kino ist, liest man heute ja nahezu überall. Insofern sehr schön der Sprung zu Marvels Filmserie. Und überhaupt Joss Whedon. Hoffe nur er findet abseits der Avengers noch Zeit und Muße eigene Stoffe zu entwickeln.

  3. Jens Says:

    Ganz so neu ist die Idee mit den Autoren und dem, was du Insourcing nennst beim Film ja nicht. Ob beim TV oder der von dir genannten, neuen Arbeitsweisen mit In-House-Autoren – das erinnert teilweise doch sehr stark an die durchorganisierte Struktur des US-Studiosystems der 1930er und 1940er Jahre.

  4. Alex Says:

    Ist mir bewusst, habe ich aber vergessen zu erwähnen. Das „goldene Studiozeitalter“ war auch das letzte Mal, als Franchises der große Hit waren. Seit die letzte Indiewelle verebbt ist, befinden wir uns in einem total „klassischen“ Zeitalter.

  5. Alex Says:

    Danke. Hinzugefügt. :)


  6. […] und “Continuity” ihnen gute Voraussetzungen lieferte. (Eine Verbindung, auf die ich vor einem Jahr zum ersten Mal hingeweisen […]


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