Es befindet sich – inklusive alle alten Einträge – jetzt auf http://www.realvirtuality.info.

Fünf Jahre ist es her, dass in diesem Blog der erste Eintrag verfasst wurde. Und aus einer Sammelstelle für meine Publikationen, einer Art digitaler Visitenkarte, ist etwas geworden, auf das ich inzwischen doch irgendwie stolz bin. Eine Art wöchentliche Kolumne zu Film und Medien. Ein Forum und Vernetzungsort für Filmblogger. Ein Labor für verschiedene Kritik- und Journalismusformen. Dessen Beiträge auch gelesen werden – und das ist das Wichtigste.

Eigentlich wollte ich dieses Jubiläum irgendwie begehen – mit einer Artikelserie, einer Verlosung oder irgendwelchen sonstigen Festivitäten. Aber leider fehlt mir dazu im Moment die Zeit und ich werde wohl nachfeiern müssen. Immerhin: Am vergangenen Sonntag habe ich endlich Webspace gekauft, warte jetzt darauf, dass meine Domain umzieht, und werde dann hoffentlich bald auf mein eigenes WordPress-Blogsystem umsteigen, statt weiter am Tropf von wordpress.com zu hängen. Und vielleicht gibt es dann auch ein kleines Redesign.

Und als hätte mein Lieblings-„Kunde“ Marvel Studios geahnt, dass heute ein besonderer Tag ist, haben sie mir das bestmögliche Geschenk gemacht. Einen wunderbaren Trailer für Guardians of the Galaxy. Dankeschön.

In den Kommentaren hättet ihr jetzt die einmalige Gelegenheit, Kritik an „Real Virtuality“ zu äußern. Was würdet ihr ändern? Woran hakt’s noch? Wovon wünscht ihr euch mehr? Ich bin doch ein willenloser Spielball und mache gerne, was ihr sagt.

Bild: Flickr Commons

Met the Bloggers (III)

14. Februar 2014

Rein zahlenmäßig waren wir wohl insgesamt weniger Menschen auf dem diesjährigen Filmbloggertreffen auf der Berlinale. Positiv und vernetzend war es aber allemal. Nicht zuletzt weil sich ein Kollege von MUBI Deutschland dazugesellt hatte, der explizit mit Bloggern Kontakt aufnehmen wollte und auf jede Menge Gegenliebe stieß. Auch zwei internationale Gäste waren anwesend, Marian Williams aus Österreich und Vince Mancini von „FilmDrunk“, der auch ein paar interessante Beobachtungen über die US-Filmblogosphäre teilte. Für ihre Social Media Recherche setzte sich außerdem Katja von Time CodeMedia zu uns an den Tisch.

Danke an Patrick und Björn von „Kontroversum“, Bernd von „Ansichtssache“, Joachim von „Kino-Zeit.de“, Doreen von „Fang den Film“ und Jan von „CineCouch„, dass sie sich Zeit genommen haben. Extra-Dankeschön an Gerold von „DigitaleLeinwand“, der mich außerdem an meinem Berlinale-Wochenende beherbergt hat. Das ist wahre Blogger-Solidarität.

Podgast (IV)

18. Januar 2014

Ich habe mich sehr gefreut, dass mich Sidney mal wieder gefragt hat, ob ich bei einem seiner Podcasts mitmachen möchte. Das Ergebnis, anderthalb Stunden Diskussion zu den Oscar-Nominierungen mit Antje von „Buy a Movie“ und Stephan von „Die Academy“, ist jetzt online.

Ich habe den bekloppten Plan gefasst, 2014 ein Buchprojekt anzugehen, das den Arbeitstitel „Continuity“ trägt. Da ich den Arbeitsprozess relativ offen angehen will, werde ich immer wieder versuchen, meine Gedanken zum Projekt in diesem Blog niederzuschreiben. Diskussion jeder Art dazu ist mir hochwillkommen.

Vor knappen zwei Stunden habe ich folgenden Tweet abgesendet.

Das Zitat, das ich eingebunden habe stammt aus dem Artikel (in dem es darum geht, dass der Kurzfilm, welcher auf der Thor: The Dark World-DVD enthalten sein wird eventuell auf die Netflix-Serien, die Marvel 2015 produzieren wird, vorausdeutet) und es fasst perfekt die Faszination zusammen, die ich in meinem Buch – das ja perfekterweise sogar auch den Titel „Continuity“ trägt – beschreiben will. Der Autor des Artikels fühlt sich anscheinend, genau wie ich, dadurch wohlig durchströmt, dass da draußen jemand ist, dem erzählerische Einheitlichkeit sehr wichtig ist.

Der Ursprung für „Continuity“ liegt, glaube ich, darin, dass ich immer auf der Suche nach meiner persönlichen Weltformel bin. Das heißt: Ich versuche eigentlich immer, mein eigenes Interessen-Genom zu entschlüsseln. Wenn mich ein neuer kultureller Aspekt zu faszinieren beginnt, leuchtet mir häufig erst nach einiger Zeit ein, dass dieser Aspekt auf gewisse Weise doch sehr gut zu vielen anderen Dingen passt, die mich früher fasziniert haben.

Während ich im Dezember in meiner Hautklinik in Thüringen saß (ich versuche derzeit, meine Neurodermitis in den Griff zu bekommen), Grant Morrisons „Supergods“ über die Geschichte des Superheldencomics las und zum wiederholten Mal über das Marvel Cinematic Universe und die neuen Aspekte filmischen Storytellings nachdachte, die ich dieses Jahr so erforscht hatte, fiel mir irgendwann auf, dass ich schon immer Respekt vor in sich geschlossenen Systemen hatte.

Im Zweifel: Mathematik

Ich versuche mal, ein Beispiel zu bringen, dass nichts mit Erzählen zu tun hat und mit dem ich plane, das Buch zu eröffnen: die Mathematik. Die einzige Naturwissenschaft, in der ich es in der Schule zu etwas gebracht habe, weil sie so schön abstrakt ist. Jedes Mal, wenn ich einem Mathematiker oder eine Mathematikerin begegne, bringe ich wieder zum Ausdruck, wie enorm ich es finde, dass der Mensch hier ein in sich geschlossenes System geschaffen hat, in dem jedes Element fugenlos in alle anderen passt. Und wenn nicht, wird es passend gemacht.

So geschehen mit den komplexen Zahlen. Als in der Mathematik irgendwann das Problem auftauchte, dass für einige Gleichungen eigentlich das Ziehen einer Wurzel aus negativen Zahlen notwendig sein müsste, erfand der Italiener Geronimo Cardano einfach eine neue Zahleneinheit, die imaginäre Zahl i. Diese neue Einheit ermöglichte es ihm, und allen seinen Nachfolgern, weiterzurechnen und das Gesamtsystem der Mathematik intakt zu lassen, also keine „Ausnahme“ nach dem Motto „1 plus 1 ist immer zwei, außer montags“ einführen zu müssen, wie man sie ja zum Beispiel leider in einem so lebendigen und nicht-abstrakten Gebilde wie einer Sprache mit starken und schwachen Verben etc. hat. (Falls übrigens jemand eine anschaulich und für Mathelaien wie mich verständlich geschriebene Geschichte dieser Entdeckung kennt, danach suche ich noch!)

Und genau wie mich in der Mathematik diese Geschlossenheit und Einheitlichkeit fasziniert, tut sie es auch in erzählerischen Kontexten – und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich der einzige bin, dem das so geht, denn sonst würden sich nicht so viele andere Menschen damit beschäftigen.

Symptome, nicht Ursachen

Mit anderen Worten: Der Grundgedanke hinter „Continuity“ lautet: All die Buzzthemen, die im Moment die Medienlandschaft durchstreifen, und die mich an diesen Punkt geführt haben – Worldbuilding und Transmedial Storytelling, die Verbeugung vor komplex strukturierten und erzählten TV-Serien, Medien-Franchises und Markenuniversen – aber auch andere Phänomene neuerer Zeit wie die oft angebetete Verschmelzung von Design und Leistung bei Apple oder Konzepte wie Corporate Design und Corporate Identity sind eigentlich nur Symptome für eine Art von Einheitlichkeit im Gesamtbild, der wir alle entgegenstreben..

Ich werde mich diesem vermuteten Bedürfnis nicht vollständig widmen können, sonst müsste ich eigentlich ein Psychologie-Buch schreiben und dafür habe ich weder die Ressourcen noch das Wissen, aber ich möchte erforschen, wie sich das ganze im erzählerischen und medialen Bereich niederschlägt. Vorsichtiges Anklopfen bei Menschen, die sich, im Gegensatz zu mir, mit Sozialpsychologie auskennen haben mich auf den Pfad von Leon Festingers Kognitiven Dissonanz geführt, mit dem ich mich dann bald etwas näher beschäftigen werde. Ich suche folgerichtig nach kognitiver Konsonanz: Es macht uns glücklich, wenn alles irgendwie zusammenpasst. (Auch in diesem Bereich bin ich für jede weitere Idee/Studie/Forschungsfeld aus Psychologie oder Medizin dankbar, die in mein Konzept passen könnte.)

Narrative Special Effects

Der nächste Schritt, meine zweite These, die sozusagen auf dieser ersten aufbaut, ist: Wenn wir einmal Blut geleckt haben, wird die Suche nach dem Zusammenpassen zu einem integralen Teil des Genusses des Erzählten. Das ist es, wofür ich im Mai mit der operationellen Ästhetik endlich ein Wort gefunden habe. Jason Mittell nennt es in seinem „Complex TV“-Buch den „narrativen Special Effect“. So, wie man einen Film mit vielen Effekten auch eventuell nur wegen dieser Effekte genießen kann (selbst wenn die Story mau ist) kann man eine Geschichte auch genießen, weil sie sich so nahtlos in alles andere einfügt (selbst wenn das Erzählte einen eigentlich nicht befriedigt).

Zwei Beispiele dafür. Ich habe nun schon mehrfach ausgesagt, dass ich Richard Linklaters Before-Trilogie inhaltlich nicht viel abgewinnen kann. Ich empfinde Celine und Jesse als grundsätzlich sehr unsympathische Charaktere, die mitnichten große Weiheiten über Liebe und Leben von sich geben, sondern viel eher lebendige Beweise dafür sind, wie verknorzt und auf dem Niveau von Teenagern stehen geblieben das Konzept von romantischer Liebe in unserer Gesellschaft nach wie vor ist. Trotzdem fasziniert mich natürlich das Konzept, die Beziehung zweier Menschen über einen sehr langen Zeitraum zu beobachten und dabei die Wechselwirkungen zwischen den Charakteren und den Schauspielern, die sie verkörpern, einzufaktorieren. Dafür liebe ich die Serie trotz ihrer xanthippigen Charaktere.

Genauso habe ich (ebenfalls im Dezember) endlich angefangen, „Lost“ zu gucken, und muss zugeben, dass ich insgesamt, nach dem Ende der ersten Staffel, nicht besonders begeistert bin. Das Mysterium der Insel, auf der die Passagiere des Fluges gestrandet sind, interessiert mich natürlich auch – ich will wissen, was die Auflösung ist – aber die doch manchmal recht holzschnittartigen Charaktere, ihre Beziehungen zueinander und die riesige Menge an Episoden, die nur dazu dienen, Sendezeit zu füllen, ließen mich doch eher gähnen. Trotzdem bin ich mit „Lost“ noch nicht fertig, es interessiert mich zu sehr, wie Abrams, Lindelof und Co die Spannung über sechs Staffeln halten und am Ende eine Lösung präsentieren, die, so habe ich es zumindest empfunden, viele der Rätselrater im Publikum enttäuscht hat. Die operationelle Ästhetik der Serie trumpft den inhaltlichen Gehalt. (Bei „Agents of S.H.I.E.L.D.“ geht es mir derzeit ähnlich).

Hilfe ist willkommen

Auf diesen beiden Thesen möchte ich das Buch aufbauen. Ich möchte die Faszination am Erzählen innerhalb einer Kontinuität (daher der Titel) zurückverfolgen (beispielsweise zur Kanonisierung der Bibel) und heraufinden, welche Faktoren wichtig sind, damit das Prinzip erfolgreich funktioniert (etwa autoriale Kontrolle bzw. Vorausplanung). Ich will Theorien darüber aufstellen, welche Aspekte der menschlichen Psyche hineinspielen und auf welche Art sie sich alle in unserem modernen Erzählzeitalter äußern. Schließlich soll es eine große Fallstudie geben, an der ich alle Thesen überprüfe und ein Erzählkontinuum detailliert beleuchte. Natürlich wird das das Marvel Cinematic Universe sein. Das Schlusskapitel soll den Titel tragen, der unten auf dem Bild zu sehen ist.

Könnt ihr meine Gedankengänge nachvollziehen? Was fällt euch dazu ein? Wo sind euch solche Phänomene begegnet? Ich bin für jede Idee, jeden Kommentar, jede Anregung – und sei sie noch so trivial – dankbar.

Quelle: tumblr, The A-Team © Universal Pictures

An JJ Abrams – lasst mich ausreden! – scheiden sich ja die Geister. Für die einen ist er der crossmediale Geekmessias-Workaholic des Blockbusterkinos, der endlich die Prequelwunden heilen und für das Gleichgewicht in der Macht sorgen wird. Für die anderen ein Spielbergtreuer Mainstreamboyscout, der mit Lens Flares Star Trek zerstörte. Aber Angehörige beider Lager sind sich sicher: Der Mann versteht was von Mystery. Die einen lieben dies und lassen sich verzaubern. Die anderen sind genervt und führen stichelnd seinen legendären TED Talk über seine Faszination für die Mystery Box seines Großvaters in Argumenten an. Für die Abrams-Jünger empfehle ich dieses Jahr zu Weihnachten JJs erstes Buch, das er zusammen mit Autor Doug Dorst geschrieben hat. Wer auch nur irgendwie entfernt etwas an Mystery à la Abrams hat, wird „S.“ lieben. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber alleine die Aufmachung und der wunderschön aufbereitete Inhalt sowie die Beilagen sind eine Mystery Box für sich, die jeder Lost-Fan im Regal stehen haben sollte.

Sascha Brittner kann sein Blog PewPewPew selbst schwer zusammenfassen, denn auch für ihn ist es eine tägliche Mystery Box, in der er alles mögliche von Film über Fernsehen und Games bis hin zu Pizza und Katzenvideos sammelt.

(Sascha Brittner)

Keine Filmtipps und DVD-Boxen von mir, dafür aber zwei Tipps für Bücher, die ein Film werden und dringend einer sein sollten. Das eine liefert über einen grandiosen Kniff eine witzige, mitreißende und rührende Beschreibung der USA als verunsichertem Patriotismus-Hort zwischen zwei Kriegen, das andere bietet grandiose Gedanken über den Wunsch der Um-die-Dreißiger, auf alles im Leben sofort die passend-lakonisch-sympathisch-gebildete Instant-Reaktion bereit zu halten.

In „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ schickt Ben Fountain den Kriegsveteran Billy als mutmaßlichen Helden auf Militär-PR-Tour durch die Football-Stadien der USA mit einem Auftritt beim Superbowl als Höhepunkt. Das Buch war in den USA gefühlte 1000 Wochen in der Bestsellerliste der New York Times aber tut sich in Deutschland etwas schwer. Zu Unrecht, denn auch hiesige Leser könnten durch die saugeschickt gewählte Erzählperspektive einen sehr intelligenten Zugang in die us-amerikanische Volksseele erleben, fernab von Hurra-Patriotismus und dumpf-deutschem Anti-Amerikanismus liefert Personal und Story eine feine Balance zwischen Humor und Tiefgang. Mehr zum Buch gibt’s bei NPR. Kauf und lest, bevor „Slumdog“-Macher Simon Beaufoy 2014 einen Film daraus macht.

Tipp 2, „Schimmernder Dunst über CobyCounty„, spielt im gelangweilten Endzwanziger-Kunst-Literatur-Milieu eines fiktiven Küstenstädtchens. Es passiert nicht wahnsinnig viel, aber die Sprache von Autor Leif Randt ist so großartig, dass sie auch bei Viellesern ein frisches Gefühl auslöst. Liebe mitlesenden Mover & Shaker aus dem Movie-Biz: Ich hätte das gerne von dem Finsterworld-Team und mit Robert Gwisdek in einer der Hauptrollen, aber ohne Tom Schilling als Protagonisten (obwohl der natürlich sonst stets super ist). „CobyCounty“ gibt es in einer sehr passenden und schönen Hardcover-Ausgabe und als okay gestaltetes Taschenbuch. Knausert nicht, kauft das Hardcover, es ist Weihnachten!

Warum Ihr meinem anmaßenden Urteil vertrauen solltet? Ich schmeiße mal großes Buchinteresse in den Raum, kombiniert mit gelegentlichen Kritik-Schreiberein für die dpa. (Speichern unter: „Ich bin nur ein Junge, der vor dem Internet steht und es darum bittet, ihn zu lieben.“)

Gerold Marks schreibt seit 2009 auf DigitaleLeinwand.de über digitales Kino mit den Schwerpunkten 3D, Immersion und Filmmarketing. Als Weihnachtsgeschenke-Tipp empfiehlt er dem Filmfan ausnahmsweise ganz analoge Textilprodukte:

Wie unterscheidet man den Filmfreund vom Filmkenner? Der eine zuckt bei den Begriffen Nostromo, The Slaughteres Lamb, Kobayashi oder Quint’s Shark Fishing mit den Schultern, der andere mit den Mundwinkeln. „Last Exit to Nowhere“ bietet mit seiner T-Shirt-Kollektion subtile Erkennungszeichen für wahre Filmgeeks. Als Motiv werden nicht die Filmplakate, sondern charakteristische Logos und Signets aus bekannten bis kultigen Filmen auf die Shirts gedruckt. Ihr habt die oben genannten Beispiele alle erkannt, es handelt sich natürlich um Referenzen aus Alien, An American Werewolf in London, The Usual Suspects und Jaws.

So gekleidet macht man auch auf Junkets oder bei Filmquizzes eine gute Figur. Neben T-Shirts sind auch Tops, Hoodies, Caps und ein paar Poster im Angebot (und das nerdige T-Shirt mit den Roboterfiguren aus Film und Fernsehen von 1927 bis 2012). Letzter garantierter Bestelltag für eine pünktliche Weihnachtslieferung ist Freitag, der 13. Dezember. In diesem Fall ein Glückstag für Filmfans.

© Screenshot Last Exit To Nowhere· Alle Rechte vorbehalten.

Quotes of Quotes (XVII)

3. November 2013

When being bullied Keisha Blake found it useful to remember that if you read the relevant literature or watched the pertinent movies you soon found that being bullied was practically a sign of a superior personality, and the greater the intensity of the bullying the more likely it was to be avenged at the other end of life (…), and that this remained true even if the people in the literature and the movies looked nothing like you, came from a different socio-economic and historical universe, and – had they ever met you – would very likely have enslaved you or, at best, bullied you to precisely the same extent (…).
– Zadie Smith, NW

Ich habe bereits 56 Prozent von Zadie Smiths neuestem Roman NW gelesen, und obwohl ich diese erste Hälfte bisher nicht so prägnant finde wie ihre großen Romane White Teeth und On Beauty, die mich durch die Uni begleitet haben, findet sich in der Mitte des Buchs eine von einem besserwisserischen Erzähler wunderbar beobachtete Sektion über die Entwicklung einer Freundschaft vom Kindes- ins Erwachsenenalter, die genau das widerspiegelt, was ich an Smiths Büchern bewundere.

Geschaffen von den Underdogs, die ihr Underdog-Dasein überwunden haben, erzählen Filme, Bücher, Erzählungen von Underdogs, die ihr Underdog-Dasein überwinden, die gar dazu prädestiniert sind, ihr Underdog-Dasein zu überwinden. In jedem Mobbing-Opfer steckt ein Mensch, der zu großem berufen ist. In jedem stillen Außenseiter, steckt ein missverstandener Poet. Und wir identifizieren uns mit ihren Geschichten, egal wie wenig unsere Geschichten den ihren gleichen, und können gar nicht anders als unser Schicksal an ihres anzulehnen.

Werden wir angelogen? Oder inspiriert? Imitiert das Leben die Kunst? Oder verklärt die Kunst das Leben? Gibt es Statistiken, an denen man ablesen kann, wie viele unpopuläre Schulkinder später zu populären Inspiratoren werden? Wie viele zu neurotischen Wracks? Und sollten wir deswegen aufhören, solche Geschichten zu erzählen, oder erst recht damit anfangen?

The Rising

7. Februar 2013

Steppefilm/Milagro

Zu den beliebtesten Klageliedern der deutschen Filmlandschaft gehört der alte Chanson „In Deutschland werden keine Genrefilme gemacht“. Das ist nicht hundertprozentig wahr, allerdings stimmt es, dass selbst unter den jungen Kurzfilmen die Anzahl der „Write what you know“-Familien- und Liebesgeschichten (meist dramatischer Natur) immer noch ziemlich hoch ist. Wird doch mal ein Genrefilm gemacht, bedeutet das meistens nur eins: Zombies (echt jetzt, das geht an alle: ist mal gut mit Zombies so langsam?).

Wie schön, dass einem immer mal wieder doch Alternativangebote gemacht werden. Ich mochte Tim Fehlbaums postapokalyptischen Film Hell, allein schon für die Chuzpe, mal etwas Neues zu probieren. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Berliner Kurzfilm The Rising von Sebastian Mattukat, der 2012 mit Crowdfunding-Hilfe fertiggestellt wurde und seitdem schon auf mehreren Festivals, unter anderem in Köln, Los Angeles und Málaga gelaufen ist.

In der Zukunft von The Rising ist die Menschheit vor ihrer durch Umweltgifte verseuchten Welt in den Untergrund geflüchtet und hat ein diktatorisches Krisenregime aufgesetzt. Nur einzelne Personen werden ans Tageslicht gelassen, um dort Messwerte einzuholen. Diese haben jedoch die Anweisung, auf keinen Fall, von ihren vorgeschriebenen Routen abzuweichen. Als es einer doch tut, beginnt die Handlung des Films.

The Rising besticht durch drei Faktoren. Erstens, das mit den HD-Bildern der eingesetzten Red-Kamera perfekt in Szene gesetzte, karge Setting (keine Überraschung: Die deutsche Postapokalypse spielt in Brandenburg). Zweitens, die gelungene Inszenierung ohne Dialoge, was den Film zu internationalem Appeal verhelfen sollte. Und Drittens, ein paar clevere und subtile VFX, die The Rising den letzten Schliff geben.

Nun kehrt The Rising in seine Geburtsstadt Berlin zurück. Der Film ist am 16. Februar auf dem Berlin Independent Film Festival zu sehen. Einen ersten Eindruck vom Film und einen Trailer finden Interessierte auf der offiziellen Webseite des Films.

Offenlegung: Ich bin mit Produzent und Regisseur von The Rising freundschaftlich verbunden und habe einen kleinen Crowdfunding-Beitrag zum Film geleistet.

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