© Pandora Film

Waltz with Bashir

Mir wurden – wie wahrscheinlich einer Menge anderer Menschen – vor fünf Jahren auf neue Art die Augen geöffnet. In Waltz with Bashir verarbeitet Regisseur Ari Folman sein Trauma aus dem Libanonkrieg auf ungewöhnliche Weise. Er mischt Gespräche mit alten Weggefährten mit ihren und seinen Erinnerungen, und weil es gerade für die Erinnerungen kein Bildmaterial gibt, ist der ganze Film animiert. Die Animation erlaubt es Folman, aus realen Begebenheiten, Eindrücken, Träumen und Wahnvorstellungen ein stimmungsvolles Gesamtkunstwerk zu schaffen, das tief sitzende Wahrheiten zutage fördert. Waltz with Bashir ist kein Spielfilm, es geht nicht um eine dramatische Nacherzählung eines realen Ereignisses wie etwa in United 93, er ist im Grunde ein Dokumentarfilm. Aber er ist auch animiert.

Folman brachte eine Filmgattung an die breite Öffentlichkeit, die es eigentlich schon lange gibt, nur eben nicht in diesem Ausmaß, den animierten Dokumentarfilm, kurz: AnimaDok. Wenn man es genau bedenkt hat die Animation immer schon ihren Platz im Dokumentarischen gehabt, man denke an Propagandafilme aus dem Zweiten Weltkrieg, an Grafiken in naturwissenschaftlichen Dokus und an Produktionen wie „Walking with Dinosaurs“. Seit dem Bashir-Knall aber versuchen auch immer wieder Filmemacher, sich damit größeren dokumentarischen Subjekten zu nähern.

Die Expertin

Annegret Richter kennt sich mit dem Thema animierte Dokumentarfilme perfekt aus. Sie ist Bereichleiterin Animationsfilm beim Festival DOK Leipzig, das dieses Jahr einen Preis für den besten animierten Dokumentarfilm ins Leben gerufen hat, und auch ihre Dissertation widmet sich dem Thema. Als ich anfing, über das Thema für einen Blogeintrag nachzudenken, habe ich ihr ein paar Fragen per E-Mail geschickt, die sie freundlicherweise beantwortet hat.

© DOK Leipzig

Annegret Richter

Das Absurde am animierten Dokumentarfilm ist ja eigentlich, dass die beiden Filmgattungen einander unähnlicher nicht sein könnten. Der Dokumentarfilm versucht, in bester Bazinscher Manier, Ungeplantes einzufangen – hingegen gibt es kaum etwas, was mehr sorgfältiger Planung bedarf, als ein Animationsfilm. Doch den Gegensatz lässt Annegret Richter nicht gelten.

„Der Ansatz beim animierten Dokumentarfilm ist ein anderer. Denn es handelt sich hier oft um Dokumentarfilme, die Themen bearbeiten, bei denen man nicht ausschließlich reale Bilder verwenden kann. Animation wird dann benutzt, wenn man Erinnerungen, historische Momente oder psychologische Aspekte aufzeigen will oder wenn die Protagonisten geschützt werden müssen. Durch den puren Gebrauch der Animation und die Wahl der jeweiligen Ästhetik kann außerdem eine zusätzliche Ebene der Erzählung – eine Art Subtext – geschaffen werden, der sich nur dadurch und rein visuell erschließt. Deshalb können sich Dokumentarfilm und Animationsfilm sehr gut ergänzen, aber nicht jeder Dokumentarfilm braucht Animation und umgekehrt.“

Drei Beispiele

Die animierten Dok-Langfilme, die mir in den letzten Jahren über den Weg gelaufen sind, gehen unterschiedliche Wege in dieser Hinsicht. Couleur de Peau: Miel etwa, in dem der Cartoonist Jung seine Kindheit als koreanisches Adoptivkind in Belgien reflektiert (und die wir dieses Frühjahr in 3sat gezeigt haben), wird in seinen animierten Szenen eigentlich zum fiktionalisierten Film, mit geskripteten Dialogen, die von Sprechern gelesen werden. Und doch basiert der Film auf den Erinnerungen seines Protagonisten, spiegelt dessen Zeichenstil wieder und bemüht sich (im Gegensatz etwa zu Persepolis) um einen gewissen Naturalismus.

Pequeñas Voces, eine Aufarbeitung von Kindersoldaten-Schicksalen in Kolumbien, versucht, Authentizität in die Künstlichkeit zu retten, indem er Elemente aus Kinderzeichnungen in seine animierten Sequenzen einbaut. Leider wirken dadurch alle anderen Figuren und Umgebungen umso künstlicher, eine idealisierte Version von Kinderzeichnungen, die den bewegenden Schicksalen mit ihrem Kitschfaktor den Punch raubt. A Liar’s Autobiography schließlich, die animierte Fassung des Lebens von Python-Frontmann Graham Chapman, die ich gerade in „Close up“ besprochen habe, weist ja schon im Titel auf seine Mischung aus Fakt und Fiktion hin. Doch der Film basiert auf dem realen Leben von Chapman und seine Stimme trägt den Film. Aus den Aufnahmen spricht das Dokumentarische des Films, selbst wenn alles andere um sie herum in Phantasterei explodiert.

© Senator

A Liar’s Autobiography

Das Post-Bashir-Zeitalter

Annegret Richter stimmt mir zu, als ich sie frage, ob Waltz with Bashir in Sachen AnimaDok einige Schleusentore geöffnet hat.

„Vor 2008 haben selbst Leute aus dem Filmgeschäft irritiert geschaut, wenn wir von animierten Dokumentarfilmen gesprochen haben. Es gab nur eine kleine Gruppe von Filmwissenschaftlern und Filmemachern weltweit, die sich ernsthaft damit auseinander gesetzt haben. Durch den Erfolg von „Walz with Bashir „ist die Wahrnehmung in der breiten Öffentlichkeit größer geworden und Produzenten haben sich plötzlich dafür interessiert. Aber es ist spürbar, dass im Dokumentarfilmbereich gerade ein Ausloten der Gattungsgrenzen und natürlich auch das Überschreiten dieser Grenzen ein Thema sind. Es ist sehr erfrischend, Filme zu sehen, die vor einigen Jahren so nie hätten gemacht werden können. Oft sind das dann Arbeiten von jungen Regisseuren, die weniger Berührungsängste haben und bei ihren Projekten sowieso schon in Cross Genre / Cross Media denken.“

Dass sich im Dokumentarfilm derzeit einiges bewegt, ist allerorten zu spüren. Selbst in den USA wird das Thema dieses Jahr immer wieder aufs Tapet gebracht, auch dank Filmen wie The Act of Killing und Leviathan (die ich beide noch nicht gesehen habe). Was den animierten Dokumentarfilm angeht, sagt Annegret Richter trotzdem:

Aber eigentlich ist das alles nicht neu und aus diesem Grund haben wir in diesem Jahr die Einführung der Goldenen Taube für den besten animierten Dokumentarfilm auch mit dem Sonderprogramm „Film Unlimited – Grierson, McLaren und die Anfänge von Animadok“ flankiert. Wir haben dafür Filme ausgewählt, die unserer Meinung nach zeigen, dass bereits ab den 1930er Jahren in England und Kanada viele bekannte Filmemacher jenseits der Gattungsbegriffe von Dokumentar- und Animationsfilm ihre Filmthemen umsetzten und dabei eine visuelle Experimentierfreudigkeit und Fantasie an den Tag legten, wie sie heute kaum noch zu finden ist.

Bei DOK Leipzig, ein Festival, das ja sowieso Dokumentar- und Animationsfilme zeigt (und sich deswegen als ein gutes Zuhause für den weltweit ersten AnimaDok-Preis begreift), sind animierte Dokumentarfilme (meist in ihrer kurzen Form) schon seit 17 Jahren ein Thema.

Seit einigen Jahren fordern wir Filmemacher aktiv auf, ihre animierten Dokumentarfilme bei uns einzureichen und viele haben bereits Preise beim Festival gewonnen, aber jeweils in unserer bisherigen Festivalkategorien (z.B. „Tying your own Shoes“ von Shira Avni aus Kanada, gewann 2009 die Goldene Taube für den besten kurzen Dokumentarfilm im Internationalen Wettbewerb, „Father“, ein Film aus Deutschland, gewann 2012 im Internationalen Wettbewerb Animationsfilm die Goldene Taube, etc.) Das zeigt, dass Filmemacher aus beiden Bereichen sich mittlerweile sehr intensiv mit den Möglichkeiten dieser Hybridform auseinandersetzen. Wobei man sagen muss, dass im Animationsbereich schon immer sehr offen mit dem Dokumentarischen umgegangen wurde, und es deshalb seit Anbeginn des Filmschaffens animierte Dokumentarfilme aus der Animation heraus gab.

© Gebeka Films

Couleur de Peau: Miel

Ein offener Begriff

Diese Offenheit bedeutet jedoch auch, dass der Begriff „animierter Dokumentarfilm“ weit gefasst werden kann. Er ist „noch nicht definiert“ meint Annegret Richter, und das sei auch gut so.

Denn auch bei DOK Leipzig reicht die Bandbreite der Filme, die wir unter dem Begriff zusammenfassen von Dokumentarfilm mit geringem Animationsanteil bis zum 100% animierten Film. Denn der Begriff lässt sich nicht an der Menge an Animationssequenzen festmachen, sondern daran, welche inhaltliche Bedeutung die Animation bzw. das Dokumentarische im Film einnimmt. Es geht ja auch immer um ein Gefühl das beim Publikum erzeugt wird und das im besten Falle Authentizität vermittelt.

Insgesamt jedenfalls stehen alle Zeichen auf Hybridität. „Ich denke, dass Animadok-Filme, aber auch andere hybride Mischformen immer mehr an Bedeutung gewinnen und gerade für die Vernetzung von Film mit Games und Internet eine große und wichtige Rolle spielen werden.“ Sind nicht „Let’s Play“-Videos im Grunde auch animierte Dokumentarfilme? Was ist der Unterschied zwischen einem mit Xtranormal umgesetzten Abschrift eines Gerichtsprotokolls und einem Film wie Chacago 10? Scheint, als stünde uns in diesem Bereich noch eine sehr interessante Zukunft bevor.


DOK Leipzig beginnt am 28. Oktober.

© ZDF

Es ist wieder „Close up“-Zeit. Die aktuelle Sendung, die am Samstag in ZDFkultur Premiere hat (und bereits vorab in der Mediathek zu finden sein wird) enthält von mir unter anderem eine Kritik zur Beinahe-Monty-Python-Reunion A Liar’s Autobiography.

Die Sendung sollte eigentlich ein Animations-Special werden, doch leider hat uns das Kino einen Strich durch die Rechnung gemacht. Tarzan 3D wurde ins nächste Jahr verschoben und die Pressevorführungen von Cloudy with a Chance of Meatballs 2 wurden so nah an den Start des Films herangerückt, dass wir ihn nicht mehr vor Ausstrahlung sehen konnten. Geblieben ist die oben erwähnte Liar’s-Kritik und eine Gastkritik von Animationsregisseur Andreas Hykade, in der er pointiert über Balance von den Brüdern Lauenstein spricht – den Film, der ihn zum Trickfilm gebracht hat.

Bereits jetzt online ist unser übliches Bonusfeature „7 Fragen an Andreas Hykade„. Darin spricht er sehr offen über das Filmemachen allgemein, seine (merkwürdigerweise) kontroverse Schöpfung der Kinderserie TOM und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig und seine eigene Liebe zu Abstraktion und Rhythmus im Trickfilm. Für Animationsfans hoffentlich ein sehenswertes Interview.

Auf seiner Website kann man sich übrigens einige von Hykades Filmen in voller Länge anschauen. Ich mag seinen Stil, der eine naiv-kindliche Linienzeichnung mit teilweise sehr grimmigen Motiven verbindet (einem Massenpublikum bekannt geworden durch das Musikvideo „10 Kleine Jägermeister“ von den Toten Hosen). Am besten aber gefällt mir sein jüngster Film Love and Theft, ein sechsminütiger Parforceritt durch die Animationsgeschichte mit allen psychedelischen Mitteln des Mediums. Reinklicken lohnt sich!


„Close up“ läuft am Samstag, 19. Oktober, um 22.45 Uhr in ZDFkultur. Die Wiederholung in 3sat ist am 29. Oktober um 21.45 Uhr. Oder in der Mediathek.

© Warner Bros.

Manchmal kann man Filme nach dem Kinogang nicht alleine verarbeiten. Wie gut, dass das Internet einem oft die besten Gesprächspartner zur Verfügung stellt. Nach dem Ansehen von Alfonso Cuarons Gravity habe ich mich mit Filmemacher und „Real Virtuality“-Gastblogger Sebastian Mattukat zusammen hinter den Instant Messenger geklemmt und Gedanken über das Weltraumdrama ausgetauscht. Logischerweise ist das Gespräch voll mit Spoilern.

Alex: Sebastian, du hast gesagt, du hast erhöhten Redebedarf bei „Gravity“. Warum?

Sebastian: Weil ich es furchtbar finde, dass die ersten 30 Minuten mehr oder weniger aus dem Rechner sind und real aussehen. Für mich ist Gravity sowas wie Final Fantasy 2, die komplette Eliminierung des Zufalls und damit dessen, was für mich Film zum großen Teil mit ausmacht. Es ist keine Kunst, einen 15-Minuten-One-Take aus dem Rechner zu erzeugen. Aber eine Plansequenz wie in Joe Wrights Abbitte schon. Und das ist für mich ein großer Punkt, warum der Film so fürchterlich unemotional ist. Man vergleiche ihn nur mit Soderberghs Solaris. Der Film verbreitet eine tiefe Melancholie. Ob man ihn jetzt mag oder nicht, Remake hin oder her, aber er vermittelt wunderbar das Gefühl von Einsamkeit im All.

Alex: Ich habe schon einen interessanten Artikel gelesen, der die Frage stellt, ob Gravity nicht streng genommen sowieso ein animierter Film ist. Und selbst Kameramann Lubezki hat zugegeben, dass es einige Passagen gibt, wo der Film nah dran ist am Uncanny Valley, nämlich dort, wo Bullock durch die Raumstation von Modul zu Modul fliegt – und das war der Punkt, wo ich auch an Final Fantasy denken musste. Aber ich habe das Gefühl, es geht Cuaron gar nicht um das Angeben mit tollen Kameramoves sondern um das Erleben in Echtzeit. Hat das bei dir nicht funktioniert?

Sebastian: Jein. Also ich hatte das Gefühl, dass gerade die Anfangssequenz schon sehr gewollt war. Die hätte auch mit Schnitt funktioniert. Ich hatte letztens ein interessantes Gespräch mit meinem Kameramann, der meinte, bei einem Film, den zum Beispiel Roger Deakins fotografiert, stellt sich dem Betrachter nie die Frage, ob die Kamera auch woanders hätte stehen können. Das fand ich extrem interessant. Es gibt, wenn man drüber nachdenkt, immer wieder Filme, da steht die Kamera perfekt. Gravitys Anfang gehört auf jeden Fall nicht dazu. Der hat mehr den Anschein von einem Videospiel in seiner Ungeschnittenheit. Wie CinemaScope auf Twitter schon meinte: „GRAVITY is like watching someone playing a video game who has mastered all of the levels.“ Die Eliminierung des Zufalls ist das, was vielen Blockbustern durch ihre Effektorgien so viel an Sympathie raubt.

© Warner Bros.

Alex: Ich weiß aber nicht, ob es die rein formale Komponente ist, die den Film auch für mich irgendwie unemotional hat erscheinen lassen. Im Grunde besteht der Film ja aus der „Open the Pod Bay Doors, Hal“-Sequenz aus 2001, nur auf 90 Minuten gedehnt. Aber während Dave bei 2001 am Ende seiner Mission in die endlose, spirituelle Weite des Alls entführt wird, „Beyond the infinite“, will Ryan hier nur zur Erde zurück. Dieser ganze Sense of Wonder, von dem George Clooneys Charakter die ganze Zeit redet, kam für mich nicht so recht auf. Wie war das bei dir?

Sebastian: Überhaupt nicht. Dafür hat man aber auch viel zu wenig von der Erde und dem All gesehen. Ständig ist etwas explodiert oder ging schief. Man hat nie in die Tiefe schauen können, hat nie traurig werden können aufgrund der Einsamkeit, hat dadurch nie die Schönheit der Erde gesehen.

Alex: Naja, doch so ein bisschen. Die Momente der Ruhe gab es schon.

Sebastian: Aber die waren alle drinnen. Außer einmal, wenn er sie in Richtung ISS zieht und dann die Musik anschaltet.

Alex: Als Sandra Bullock zum ersten Mal aus dem Raumanzug klettert und da wie ein Fötus in der Luftschleuse hängt, das fand ich schon bewegend. Und auch diese schreckliche Isolation, der einzige Mensch weit und breit in einem riesigen Vakuum zu sein. Das konnte man auch spüren. Aber sonst wurde alles von einer ständigen Anspannung überdeckt. Mir fehlten diese großen Atmer, in denen die Ehrfurcht vor dem All spürbar wird.

© Warner Bros.

Sebastian: Das war mir ein bisschen zu viel 2001. Und dann mit dem Ende und dem Aufstehen als Mensch … Was bei Alien, 2001 und Solaris zum Beispiel anders ist, ist, dass sie das Ruhige nicht totquatschen. Da ist es bei Alien halt gruselig, bei 2001 strange und bei Solaris tieftraurig.

Alex: Und hier?

Sebastian: Der Moment, wo sie da lang fliegen am Anfang, wird über-redet mit dem, was man fühlen soll. Und innen, bei dieser Fötusnummer, sind die Bilder zu symbolisch. Man kann nicht durchatmen, was ja Teil des Konzeptes ist. Aber dann ist man halt auch mehr bei einem normalen Actionfilm, nur eben im Weltraum. Selbst die ruhigen Momente sind mega-aufgeladen. Was zum Beispiel supergut hätte werden können ist, wenn die Szene mit Clooney in der Kapsel länger gewesen wäre. Wenn sie sphärischer gewesen wäre. Das fand ich kurzzeitig richtig stark, aber dann war sie schon wieder wach und zurück in der Realitität. Wie geil wäre es gewesen, wenn am Ende ein Hinweise gegeben worden wäre, dass sie noch da oben ist.

Alex: Stimmt. Darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht. Aber ich glaube das entspricht nicht Cuarons Weltbild, so etwas Gemeines.

Sebastian: Das wäre aber so richtig toll gewesen, dann ginge der Pathos auch auf.

© Warner Bros.

Alex: Wie bei jedem 3D-Film hätte ich mir übrigens mehr Close-ups gewünscht. Ich finde, dabei entsteht eine Intimität, die man so im Kino sonst nicht erlebt.

Sebastian: Ja, wobei Gravity ja auch von der Story her nicht wirklich nah dran an den Figuren war. Sie hatte halt ein totes Kind und kann ohne probleme kyrillische Anleitungen lesen. Aber ich weiß, was du meinst. Drinnen fehlte denen einfach die Weite des Raumes und im All gabs oft ja nur die unendlichen Weiten des Films.

Alex: Dieses übermäßige Aufladen der Figuren mit Klischees hat mich auch gestört. Sie ist ganz die emotionale Heldin mit totem Kind, und er ist ein so routinierter Astronaut, dass er sogar beim Sterben nur daran denkt, den Rekord von jemand anderem zu brechen. Ich frage mich, ob man solche Figuren braucht, wenn die Action oder das All die Hauptrolle spielen soll, oder ob man mit Charakteren, die etwas mehr wie echte Menschen gewirkt hätten, vielleicht mehr Emotionalität hätte erreichen können. Hier wirkte die Emotionalität auf mich nur so per Ansage erzeugt. „Sie hat ein totes Kind, fühlt gefälligst mit ihr“.

Sebastian: Ja, er hätte deutlich mehr Profil haben können, gerade wenn er stirbt. Wie wäre es gewesen, wenn sie gelogen hätte vor ihm. Wenn sie irgendwie an dem toten Kind Schuld gehabt hätte, es aber niemanden verraten hat. Aber dann, ganz alleine, erzählt sie es den Chinesen, dass sie es damals verzockt hat.

Alex: Ändert alles übrigens nicht daran, dass ich trotzdem finde, dass „Gravity“ ein erstaunlicher Film ist. Bei allem, was ich jetzt hier bekrittelt habe, dieser Stilwille und dieser Mut zum extremen Experiment mitten innerhalb des Mainstreamkinos, davor muss man schon den Hut ziehen. Und langweilig war mir auch nicht im Kino.

Sebastian: Nee, langweilig war es nicht, aber auch nicht besonders doll. Passte in das Kinojahr und war einer der besseren Vertreter. Jetzt muss es Lars mit Nymphomaniac richten.

© Warner Bros.

Alex: Ich interessiere mich ja schon länger für Filme, die an der Grenze zwischen Animation und Realfilm liegen. Mein vorheriges Lieblingsbeispiel war immer 300. Insofern ist Gravity da auf jeden Fall auch ein interessanter neuer Eintrag in die Annalen der VFX-Geschichte. Ich hoffe, dass noch mehr Bildmaterial von den Dreharbeiten auftaucht und ich werde mir das auf der BluRay auf jeden Fall auch noch einmal sehr genau anschauen. Ich finde ja, dass Filme die auf sehr hohem Niveau manchmal in letzter Instanz scheitern (obwohl die Kritiker sich ja größtenteils doch vor Lob überschlagen) häufig historisch gesehen interessanter sein können, als filmische Triumphe, die dadurch entstehen, dass man die letzte Meile sicherheitshalber nicht geht. Für mich ist Gravity ersteres und damit insgesamt dennoch einer der besten Filme des Jahres. Ich überlege die ganze Zeit, ob es sich lohnen könnte, ihn ein zweites Mal zu sehen.

Sebastian: Bei Children of Men gibt es am Ende diese Einstellung wo Clive Owen durch die Straßen rennt, in das Hochhaus, um das Kind zu retten. Die konnten die Einstellung nur drei- oder viermal machen. Dann spritzt Blut an die Optik und Cuaron ruft „Schnitt!“, doch aufgrund einer Explosion hört ihn niemand und der Take läuft weiter. Die ganze Szenerie ist unfassbar real. So etwas fehlt mir bei Gravitiy. Der Film ist zu perfekt.

© 20th Century Fox

Es ist schwierig, ein gutes Wort dafür zu finden, was in den letzten 15 Jahren mit dem Animationsfilm passiert ist. „Goldenes Zeitalter“ – nee, das waren die 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts. Und auch „Renaissance“ finde ich inzwischen nicht mehr so gelungen, denn so richtig gestorben war der Animationsfilm ja nie. Es ist eher so, dass er nun auch in den USA – und damit automatisch auch im Rest der westlichen Welt – auf eine Art und Weise ein Kinobreitenphänomen geworden ist, wie er es vielleicht vorher höchstens in Japan war.

Ich habe heute Epic ein paar Wochen nach Start im Kino nachgeholt und schon beim Sehen fiel mir auf, dass sich meine ambivalenten Gefühle dem Film gegenüber sehr gut auf die gesamte amerikanische Animationslandschaft übertragen lassen. Denn auch wenn es grundsätzlich großartig ist, dass Animationsfilme heute im Filmkalender so selbstverständlich geworden sind wie Spielfilme, gibt es dennoch einige Hühnchen zu rupfen.

1. Animation ist (noch) eine der letzten Bastionen für wirklich originäre Ideen

Epic ist in seinem Kern eine typische Teenager-Weltenwechsel-Geschichte: Ein Mädchen wird magisch in einer andere Welt transportiert, hilft mit, diese zu retten, und lernt dabei etwas über sich selbst und ihre eigene Umgebung (besser mit ihrem schrulligen Vater klarzukommen). So weit, so schon tausend mal gesehen. Aber die andere Welt ist nunmal eine mystische Blattkrieger-Kultur, die im Wald auf Vögeln reitet und gegen eine Fäulnis-Gang kämpft, in einem schrägen Mensch/Pflanzen-Mischkosmos, der vor Einfällen nur so strotzt.

Weil Animationsfilme dazu einladen, neue Welten zu entwerfen, Unbelebtes zum Leben zu erwecken und durch einen Drehbuchprozess laufen, der sich so völlig von dem eines Spielfilms unterscheidet, ist dort immer noch Raum für wirklich abgefahrene Ideen, die nicht auf bereits etablierten Marken basieren. Mythische Kinderfiguren, die sich wie Superhelden zusammentun. Ein Videospielcharakter, der gerne eine anderes Schicksal hätte. Eine schottische Prinzessin, deren Mutter in einen Bär verwandelt wird. Ein Junge, der seinen toten Hund wiederbelebt. Und das war nur 2012. Schaut man auf die letzten 15 Jahre zurück findet man dutzende originelle Ansätze, auch wenn immer wieder sprechende Tiere dabei sind.

Allerdings: Sobald ein Film wirklich erfolgreich wird, ist er damit automatisch eine Marke, die fortan systematisch ausgeschlachtet wird. Ice Age mag in seinen Fortsetzungen teilweise immer noch ganz nett gewesen sein und Toy Story 3 mochte ich wirklich, aber die Sequelitis, die dieses Jahr auch Rio (WARUM?), Despicable Me und Cloudy with a Chance of Meatballs trifft, könnte in gewisser Weise schon wieder das Ende einer guten Ära einleiten. Chris Wedge jedenfalls hatte echte Probleme, Epic produziert zu bekommen. Henry Selicks letztes Projekt wurde ebenfalls gekillt. Pixar kündigt jeden Monat ein neues Sequel an (neben, das muss man zugeben, originären Stoffen). Man darf auf jeden Fall besorgt sein.

2. Pixar sind immer noch die einzigen, die der Story den Vorrang geben

Epic ist bis zum Rand voll mit Mythologie. Die Leafmen und die Boggens (einmal von unserer Weltenwanderin MK als „Blogger“ bezeichnet, ich musste ja lachen) wirken wie reale Kulturen und ihre Welten sind so liebevoll ausgestaltet, dass es einem das Herz zerreisst, dass ihre Geschichte häufig überhaupt keinen Sinn ergibt. Das Drehbuch von Epic ist so breit in der Landschaft verteilt, dass man eine Rasterfahndung einleiten muss, um den Kern der Geschichte zu finden. Viele Dinge, die angerissen werden, zahlen sich später nicht aus. Die Lösungen, die man erwartet, werden häufig zugunsten von völlig aus dem Nichts kommenden Szenen oder Charakteren torpediert. Und das Ende ist nicht nur merkwürdig unlogisch, sondern auch unbefriedigend.

Aber alle Achtung hat Epic Schauwerte und Setpieces, die einen so richtig in den Sitz drücken. Genau wie Wreck-it Ralph übrigens. Und Madagascar 3. Und so ziemlich jeder andere Animationsilm, der nicht von Pixar stammt. Man kann von Brave halten, was man will, aber hier wird immerhin eine Geschichte von A nach Z erzählt, deren Wendungen aus den Charakteren heraus motiviert sind. Es müssen nicht hunderte Regeln erfunden werden oder Götter aus der Maschine die Geschichte ständig wieder anstupsen, damit das nächste Feuerwerk abgebrannt werden kann. Die Ausnahme, die die Regel bestätigt, ist übrigens ParaNorman.

3. Ton ist nach wie vor die große Unwägbarkeit der Gattung

In Interviews hat Chris Wedge gesagt, er wollte mit Epic einen Actionfilm machen, und zeitweise ist ihm das auch gelungen. In diesen tempogeladenen Szenen rockt der Film ziemlich hart und reizt die wahnwitzigen Möglichkeiten des Mediums so richtig aus. Doch dann entscheidet sich der Film plötzlich, das man jetzt wieder eine Slapstickszene braucht, oder es wird ein eben noch wichtiger Charakter ohne mit der Wimper zu zucken ins Jenseits befördert und das gesamte Drehmoment, in dem man sich eben noch hat herumwirbeln lassen, kommt quietschend zum Stehen.

Wedge hat schon in Robots gezeigt, dass er eine sehr merkwürdige Vorliebe für anzüglichen Humor auf Vorschulniveau hat, doch er steht mit seinen Problemen nicht allein in Hollywood. Die Tatsache, dass Animationsfilme aus finanziellen Gründen in Hollywood de facto immer noch ein Genre (nämlich: Familienfilm) und keine Gattung bilden, führt immer wieder zu merkwürdigen Berg- und Talfahrten, wenn es um den Gesamtton des Films geht. Was frühe CG-Nicht-Pixar-Animationen wie Shrek und Ice Age noch gut hinbekommen haben, nämlich eine kinderfreundliche Geschichte zu erzählen, und nebenbei dennoch die Erwachsenen mit etwas reiferen Gags zum Lachen zu bringen, ist spätestens seit Scheußlichkeiten wie Shark Tale Geschichte. Stattdessen entstehen Filme wie Rio, der in seinem Herzen eine College-Komödie sein will und deswegen auf jede Menge Hiphop-Einlagen und eine Chercher-La-Femme-Geschichte setzt (und schaut euch diesen grausligen Teaser Trailer für Teil 2 an), sich dann aber immer wieder zurückhalten muss. Oder es werden einfach alle Grenzen der Stringenz außer Kraft gesetzt und man fabriziert einen 90-minütigen Acid Trip wie Madagascar 3 für alljene, die immer noch glauben, Animation wäre eben nur für Kinder, deren Eltern sich kein Ritalin leisten können.

Kurzum: Wenn Animationsfilme weniger damit beschäftigt wären, alle fünf Minuten eine andere Zielgruppe zu bedienen, hätten alle Zielgruppen insgesamt mehr davon. Die Macher der oben genannten Ausfälle sollten mit Miyazaki-Studium nicht unter drei Jahren „bestraft“ werden.

4. 3D ist hier schon gut aufgehoben, es geht aber noch besser

Epic ist wie geschaffen für ein 3D-Showcase und nutzt seine Möglichkeiten auch ausgiebig. Im Wald gibt es immer Vorder-, Mittel- und Hintergrund, der Film handelt von Größenunterschieden und die Ritte der Leafmen auf ihren Finken bieten jede Menge Gelegenheit für Bewegungen in drei Dimensionen, „Ghost Ride“-Sequenzen und langen, ungeschnittenen Kameraflügen. Trotzdem wirkt der Film über weite Strecken in seinem 3-D nicht so Wow-Faktor mäßig, wie er könnte, vielleicht weil er einfach nicht tief genug ist und auch auf negative Parallaxen völlig verzichtet. Star Trek Into Darkness hat da mehr draufgehabt, obwohl er postkonvertiert war.

Wirklich gutes 3D bleibt bei Animationsfilmen, die ja gefühlt etwa die Hälfte des 3D-Marktes ausmachen und bei denen die dritte Dimension ja meistens ohnehin mit eingebaut ist, eine Seltenheit. Auf jeden ParaNorman, der die dritte Dimension subtil aber wirkungsvoll eingesetzt hat, um seine Geistergeschichte zu erzählen, und Tintin, dessen Fotorealismus und Spielbergsche Inszenierung in 3D doppelt Spaß machen, kommt ein Wreck-it Ralph oder Gnomeo and Juliet, bei dem man sich fragt, wofür man den 3D-Aufschlag gezahlt hat. Der Rest liegt irgendwo zwischendrin, im Zweieinhalb-D-Mittelmaß.

Was also steht dem amerikanischen Animationsfilm in den nächsten Jahren bevor? Zumindest wohl keine Flaute, dafür haben sich die großen Player – Pixar/Disney, Blue Sky/Fox, DreamWorks und Sony – das Feld inzwischen zu gut aufgeteilt und schieben in schöner Regelmäßigkeit neuen Stoff nach. Aber wohl auch keine erneute Aufwärtskurve, wie man sie in den Anfangsjahren von Pixar erleben durfte. Stattdessen wahrscheinlich eine ganze Menge Filme wie Epic, unentschlossene Materialschlachten deren gute Ideen irgendwann zu Tode gefocusgroupt wurden. Die Perlen, von denen es zum Glück immer wieder welche gibt, bleiben rar. Aber so ist das nun einmal, wenn aus einer Renaissance ein Mainstreamphänomen hervorgeht: Der Durchschnitt bestimmt das Feld. Da bildet auch der Animationsfilm keine Ausnahme.

Gefühlte Gemische

1. Mai 2013

Nach einer Idee von Christoph Hochhäusler

Es liegt nicht auf der Hand, dass ich heute mit Film arbeite. Zwar bin ich nicht medienlos aufgewachsen, aber doch mit einem wohlkontrollierten Medienkonsum. Mehr als eine halbe Stunde „Die Sendung mit der Maus“ war sehr lange nicht drin, einen eigenen Fernseher hatte ich erst mit 16. Ich habe jede Menge frühe Lese-Erinnerungen aber sehr wenige frühe Film-Erinnerungen.

Mein erster Kinobesuch muss The Jungle Book (USA 1967) gewesen sein, als der Film Weihnachten 1987 noch einmal ins Kino kam. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, wirklich im Kino gesessen zu haben. Aber zu Fasching wollte ich auf jeden Fall King Louie sein. Meine Mutter bastelte mir ein Kostüm aus einem brauen Pullover und buntem Krepp-Papier.

Die ersten sechs Jahre meines Lebens wohnte ich mit meinen Eltern und meiner Schwester in einer Vier-Zimmer-Wohnung. Meine bevorzugte Abendbeschäftigung bestand darin, „Verlängerungstaktik“ zu fahren, also nach dem Zu-Bett-Gehen wieder aufzustehen, ins Wohnzimmer zu stiefeln und nach einem Glas Wasser oder Ähnlichem zu verlangen. Der eigentliche Zweck war natürlich, an den „erwachsenen“ Aktivitäten wie Fernsehen teilzunehmen.

Eines Abends wurde mir die Verlängerungstaktik zum Verhängnis, als ich just in dem Moment ins Zimmer kam, als die einzig gruselige Szene in Back to the Future (USA 1985) über die Mattscheibe flimmerte. Marty McFly erscheint seinem Vater im Strahlenschutzanzug, schockt ihn mit lauter Musik und erklärt, er sei „Darth Vader vom Planeten Vulkan“. Heute ein großartiger Geek-Witz, damals die Garantie für mehrere Wochen voller Albträume.

1991 zog meine Familie für fünf Jahre in die Niederlande, was mein Verhältnis zum Kino sowohl komplett veränderte, als auch nachhaltig prägte. Niederländer synchronisieren nicht. Bei Gängen ins Kino – anfangs noch mit Eltern, später zunehmend alleine, Mobilität war ja in einer Großstadt kein Problem mehr – lernte ich zwei Fremdsprachen gleichzeitig: Hollywood-Englisch und Untertitel-Niederländisch.

Ein Klassenkamerad hatte Terminator II – Judgment Day (USA 1991) auf VHS – seine Eltern waren in Sachen Medienkonsum wesentlich laxer als die der meisten anderen Freunde. Jedes Mal, wenn ihn jemand aus der Klasse besuchte, musste S. mit ihm Terminator gucken – auch mit mir. Vor der Szene mit der Milchtüte ließ ich mich aber von ihm warnen – und machte rechtzeitig die Augen zu.

Obwohl meine Kinolust mit zehn Jahren endgültig geweckt war, und ich zum Beispiel anfing, meine Kinokarten zu sammeln, war ich damals schon kein genauer Hingucker und bin es auch nie geworden. Kino war für mich immer ein Illusionsphänomen. Mich interessierten die Prozesse dahinter, über die ich vor allem in Zeitschriften wie „Limit“ und „TV Movie“ allerhand lernte. Mit der Video 8-Kamera meiner Eltern drehte ich eigene Stopptrickfilme und Flüge, in denen die Linse der Kamera den Blick aus dem Cockpit einfing.

Die Diskussion um Jurassic Park (USA 1993) war hart. Der Film hatte in Deutschland eine FSK 12, war aber in Holland ab 0 Jahren freigegeben. Ich war zehn und durfte nicht reingehen. Als der Film etwa ein Dreivierteljahr nach Kinostart noch einmal im „Rijksbioskoop“ lief – einem Kino, das Filme kurz vor Heimvideostart noch einmal für kleinen Preis wiederaufführte – gaben meine Eltern nach und ließen mich gehen. Vom sense of wonder beim Anblick der Dinos, über deren Erschaffung im Computer ich längst alles wusste, zehre ich bis heute.

Wenn Bekannte davon berichten, dass Sie Filme immer und immer wieder gesehen haben, muss ich passen. Spätestens ab 1995 war ich zu sehr von diversen anderen Hobbies besessen, die meisten davon hatten mit Fantasy-Rollen- und Kartenspielen zu tun und verschlangen meine gesamte Freizeit.

The Lion King (USA 1995) war einer der wenigen Filme, den meine Eltern für uns auf VHS kauften. Statt ihn immer wieder zu gucken, überspielte ich mir nur den Ton auf eine Kassette und transkribierte sie, lernte dabei weiter Englisch. Daher bleibt Disneys Meisterwerk der silbernen Ära der einzige Film, den ich fast komplett mitsprechen kann.

Alle meine Kindheits-Filmerinnerungen drehen sich also um Trick-Filme. Und bis heute ist es wohl das Erlebnis-Gemisch als Durch-Schauer und Verzaubert-Werder, die Kino für mich nach wie vor zum Faszinosum macht.

Fortsetzung folgt – falls gewünscht

Sony Pictures

Man kann sicher geteilter Meinung darüber sein, ob es überhaupt einen Film Cloudy with a Chance of Meatballs 2 geben sollte. Ich fand den Ursprungsfilm ziemlich gut, hatte aber auch den Eindruck, dass die Geschichte am Ende des Films auch zuende erzählt war. Dass in Teil zwei zum erzählereisch wenig überzeugenden Mittel gegriffen wird, dass die Helden wegfahren müssen, um irgendwas zu machen, und dann zurückkehren, bestätigt diese Einschätzung. Auch hätte ich mir einen etwas kreativeren Titel gewünscht, eine Variation des ersten Titels, etwa „Heiter mit Aussicht auf Quarkkuchen“ oder so. Aber egal, immerhin scheinen sie im neuen Film wirklich in den vollen Gaga-Modus geschaltet zu haben.

Deswegen bin ich aber nicht hier, ich wollte stattdessen mal einen Blick auf den ersten Trailer für den neuen Film werfen, der diese Woche im Netz gelandet ist. Und vor allem auf die deutsche Übersetzung. Denn der Englische Trailer setzt radikal und bis zum Abwinken auf puns für seinen Humor. Und jedem Übersetzenden dürften sich dabei die Zehennägel aufgerollt haben.

Puns sind im englischsprachigen Raum ja doch ein bisschen so etwas wie eine Kunstform. Der Kalauer ist hingegen in Deutschland nicht so hoch angesehen – obwohl es auch hier Könige gibt, wie Willy Astor und das Postillon-Kollektiv. Ich liebe Wortakrobatik gepaart mit dummen Witzen, aber die Menschen, die das ganze übersetzen müssen (noch dazu mit mächtig Zeitdruck) können einem wirklich leid tun.

Hier ist der deutsche Trailer:

Haben die Damen und Herren, die hier am Werk waren, einen guten Job gemacht? Weil ich manchmal einn Hang zu sinnlosen Unterfangen habe, dachte ich, ich vergleiche mal die Original-Pointen mit den deutschen. Los geht’s.

Englisch: Are those Shrimpanzees?
Deutsch: Sind das Shrimpansen?

Wir steigen einfach ein. Zum Glück sind sowohl „Shrimp“ als auch „Schimpanse“ relativ sprachneutrale Wörter.

Englisch: Look, Mosquitoast!
Deutsch: Guck mal, Moskitoasts!

Auch „Moskito“ und „Toast“ sind Lehnwörter, wie praktisch. Der „Butterfly“-Witz, der im Bild noch versteckt ist, geht allerdings verloren. Und ist der Frosch der „Butter“ sagt (aus dem deutschen Trailer rausgeschnitten) vieleicht auch eine Anspielung auf die alten Budweiser-Werbespots?

Englisch: Those are some tasty-looking Jellyfish!
Deutsch: Die Quallwiche sehen aber lecker aus.

Jetzt wird es schon schwerer. Um den englischen Witz zu verstehen, muss man nicht nur wissen, dass Quallen auch in unserer Welt „Jellyfish“ heißen (eine Art Beschreibung ihres Äußeren), sondern auch dass „Peanut Butter and Jelly“-Sandwiches (auch „PB&J“ genannt) ein typisches amerikanisches Kinderessen sind. „Quallwiche“ gibt es nicht, aber das Sandwich-Element wird gerettet und es beschreibt die Viecher ganz gut. Sähen sie auch nur etwas weniger nach Sandwiches aus, hätte man sie wahrscheinlich einfach „Fischbrötchen“ nennen können. Ich glaube hier gibt es noch Möglichkeiten.

Englisch: Tacodile supreme!
Deutsch: Tacodil supreme!

Noch einmal einfach. Zum Glück klingen Krokodile fast überall gleich. Auch wenn „Crocodile“ im amerikanischen Englisch „Krahkodail“ ausgesprochen wird, und damit an „Taco“ natürlich näher dran ist als „Kroko“.

Englisch: It’s no picnic saving the world!
Deutsch: Die Welt retten ist kein Zuckerschlecken!

Diese Tafel wurde der Einfachheit halber durch einen Offtext ersetzt (die Zeit muss wirklich knapp gewesen sein). Gut gelöst! Meine Alternativ-Vorschläge: „Das Leben ist kein Geflügelhof“, „Das wird nicht light“ oder irgendwas mit Diäten erhöhen.

Englisch: There’s a leek in the boat!
Deutsch: Das Boot laucht!

Der Höhepunkt des Trailers schifft (höhö) im Deutschen leider völlig ab. Blöd, dass „Lauch“ und „Leck“ (leak) im Deutschen keine Homonyme sind. Wenn man einen Kalauer machen will, muss man sich also für ein Wort entscheiden und von dort aus assoziieren. „Alles auf Lauchstation“ zum Beispiel oder „Leck mich am Stengel!“. Ad hoc fällt mir natürlich auch nichts gutes ein, aber ich spüre, dass es einen Ausweg gibt. Warten wir mal den Zusammenhang im Film ab. „Das Boot laucht“ ist zumindest so grundbescheuert, dass es schon irgendwie wieder lustig ist.

Englisch: Breakfast bog, food animal jungle, big rock candy mountain
Deutsch: Frühstückssumpf, Fresstierdschungel, Zuckergussgebirge

Die ersten beiden sind eigentlich keine Kalauer. „Fresstierdschungel“ klingt fast besser als „Food animal jungle“. Die „Big Rock Candy Mountains“ sind das englische Äquivalent zum Schlaraffenland, das geht natürlich verloren. Aber für’s erste okay.

English: Piece of cake!
Deutsch: Pustekuchen!

Großartig! „Pustekuchen“ bedeutet zwar „Blödsinn“ und nicht „Total einfach“, aber beides hat etwas von Abwinken und so fällt das gar nicht auf und der Kuchen ist gerechtfertigt. Respekt!

Englisch: We can call him „Berry“.
Deutsch: Oh, wie süß!

Witz einfach geschluckt. Man hätte einen „Beertram“ draus machen können.

Alles in allem eigentlich eine solide Leistung. Es bleibt abzuwarten, ob der ganze Film so kalauerig ist (na dann, Mahlzeit!), oder ob sich das Ganze in Grenzen hält und nur für den Trailer thematisch zusamengezogen wurde. Ich denke, die Übersetzenden haben sich das gleiche gedacht. Ich werde die Augen offenhalten.

Für mein polemisches Thesenstück zur deutschen Filmblogosphäre habe ich neun deutschsprachige Filmblogger per E-Mail interviewt. Die Auswahl erfolgte nach persönlichem Geschmack und relativer Findbarkeit im Netz.

Neben „DigitaleLeinwand“ habe ich noch ein weiteres Blog interviewt, das sich auf ein bestimmtes Teilspektrum der Filmlandschaft spezialisiert hat. „Animationsfilme.ch“ bekommt meiner Ansicht nach perfekt die Balance hin zwischen den auch von anderen Seiten gewöhnten (umfassenden) News und kleinen, redaktionellen Seiteneinwürfen und Entdeckungen, die sozusagen als Sahnehäubchen für maximalen Lesegenuss sorgen.

Übrigens: Das hier ist der Punkt, wo – wer möchte – mir gerne germanisches Hegemoniedenken vorwerfen darf, weil ich die ganze Zeit von „deutscher“ Film-Blogosphäre spreche, obwohl „ANIch“ aus der Schweiz stammt. Ich wollte zu viele Sprachungetüme vermeiden („Film-Blogsphäre“ ist ja auch schon eins) und im Interview erzählen die beiden auch, dass sie es gelegentlich mit ihrer .ch-Endung gar nicht so leicht haben.

Beschreibt ihr kurz in eigenen Worten, was ihr bei „Animationsfilme.ch“ macht, warum, wie lange schon, und wie es dazu kam?

Severin Auer: Animationsfilme.ch ist ein deutschsprachiger Filmblog mit Schwerpunkt Animationsfilme aller Art. Von A wie Anime, über S wie Stop-Motion, bis Z wie Zeichentrick. Egal ob Studenten-Kurzfilm oder grosse Hollywoodproduktion. Was in unseren Radar gerät, uns selber interessiert und mit Animation im weitesten Sinne zu tun hat, greifen wir auf und berichten darüber auf dem Blog. Entsprungen ist Animationsfilme.ch einem anderen Filmblog, der sich aber auf den Realfilm spezialisiert hat. Aus persönlichem Interesse habe ich dort immer wieder Neuigkeiten zu Animationsfilmen untergebracht, nur erschien es mir in der Häufung dann zu unpassend. Was lag also näher, als einen neuen Blog zu eröffnen und sich dort aussschliesslich der animierten Kunst zu widmen. So richtig losgelegt habe ich mit Animationsfilme.ch im Januar 2010 als Ein-Mann-Projekt. Etwa ein Jahr später erhielt ich tatkräftige Unterstützung von Orlindo.

Auch wenn die Frage komisch klingt: Was qualifiziert euch eurer Meinung nach dazu, über Animationsfilme zu bloggen? Habt ihr einen professionellen Hintergrund, der entweder mit Film oder mit Journalismus zu tun hat?

SA: Ich habe an der Universität Medienwissenschaften mit Schwerpunkt Film studiert und mich mit Film in seiner breiten Fächerung wie auch mit Genrefilmen auseinandergesetzt. Während dieser Zeit habe ich auch begonnen Filmrezensionen zu schreiben und erste Schritte in den Filmjournalismus gewagt. Zu einem grossen Teil lässt sich das Wissen zum Realfilm auch auf den Animationsfilm anwenden. Wobei hier ganz besonders auch die Machart ein Schwerpunkt ist, die ich mir in ihren Grundprinzipien aus persönlichem Interesse theoretisch erarbeitet habe. Ansonsten spricht der „Fan“ aus mir, der schon viele Animationsfilme gesehen hat und sich auch weiterhin auf neue Produktionen freut.

Orlindo Frick: Ich habe Animation und visuelle Effekte in Berlin studiert und arbeite in dem Bereich auch freiberuflich. Jedoch war ich bereits vor dem Studium aktiver Schreiberling für Onlinemagazine, u.a. „Outnow.ch“. Nach dem Studium hat sich bei mir herauskristallisiert, dass ich beides benötige. Die praktische als auch theoretische Auseinandersetzung mit dem Medium Animationsfilm. Zumal Schreiben eine Passion von mir ist. Während also einige meiner Kommilitonen ins Ausland gingen um bei Pixar oder namhaften VFX-Studios Praktika zu machen, zog es mich immer weiter in den deutschen Filmjournalismus hinein, wo ich mittlerweile ganz gut Fuß fassen konnte. Ich denke, hier ergänzen wir uns – Severin und ich – ganz gut. Er schaut mir journalistisch auf die Finger und hat einen direkteren Draht zu Frankreich (ohnehin eines der führenden Länder im europäischen Raum was Animation betrifft) während ich Input und Kontakte direkt aus der deutschen und internationalen Branche mitbringe.

Meint ihr, ihr habt einen Vorteil dadurch, dass ihr euer Blog thematisch so genau eingegrenzt habt?

SA: Definitiv ja. Allerdings ist beim „Animationsfilm“ die Eingrenzung wiederum sehr relativ zu verstehen. Im deutschsprachigen Raum gibt es Pixar-Blogs und Anime-Blogs, was nochmals eine deutlichere Eingrenzung wäre. Um ein grösseres, wiederkehrendes Publikum anzuziehen, ist die Spezialisierung in irgendeiner Form aber auf jeden Fall ein Vorteil.

OF: Gerade weil sehr wenige deutschsprachige Internetseiten existieren, die sich mit dem gesamtem Spektrum des Animationsfilms befassen, konnte sich ANIch relativ schnell profilieren. Das habe ich selbst gemerkt, als ich noch vor meiner Mitarbeit bei ANich gezielt nach deutschen Newsseiten zum Thema gesucht habe und keine nennenswerten Alternativen fand. Damals sorgte die Seite bereits für Aufmerksamkeit und ich denke (und hoffe) seit ich im Boot sitze, konnte ANIch seine Position ausbauen.

Wie messt ihr den Erfolg eures Blogs? Seid ihr in deinen Augen mit dem was ihr jetzt erreichen wollt, erfolgreich?

SA: In erster Linie an den Leserzahlen. In zweiter Linie an der Reputation und der Aufmerksamkeit, die man in und ausserhalb der Blogosphäre erhält, unter anderem auch durch Anfragen wie zu diesem Interview hier. Dafür, dass wir den Blog in der Freizeit stemmen, können wir mit dem bisher Erreichten sicherlich zufrieden sein. Dennoch wollen wir weiter wachsen und noch viele neue Leser gewinnen.

Wie regelmäßig und wie wertvoll ist das Feedback, das ihr von euren Lesern bekommt?

SA: Feedback erhalten wir unregelmässig, dafür ist es aber umso wertvoller. Meistens handelt es sich um inhaltliche Zusatzinformationen oder Hinweise zu technischen Aspekten (z.B. Fehler auf der Website). Bei einigen handelt es sich auch um Empfehlungen einzelner Projekte oder bestimmter Veranstaltungen.

Welche Blogs (über Film und drumherum) lest ihr selbst? Zu welchem Zweck?

SA: Ich selbst bin besonders im englischsprachigen Blograum unterwegs, u.a. auch um Neuigkeiten für den eigenen Blog zu finden, das deckt sich dann auch mit der eigenen Neugier, neues über Animationsfilme und Film zu entdecken. Zu regelmässigen Anlaufstellen gehören auch der Animatie.Blog.nl (Niederlande) und filmsanimation.com (Frankreich), die ähnlich aufgestellt sind wie wir, aber einen anderen Sprachenmarkt bedienen. In der Schweizer Film-Blogosphäre bin ich zudem gerne bei Filmsprung.ch, Groarr.ch, Moviecops.ch und Sennhausersfilmblog.ch unterwegs.

OF: Bei mir sind es ebenfalls die üblichen Verdächtigen aus den Staaten („Slashfilm“, „Collider“, „Hollywood Reporter“ etc.). Viele Hinweise für ANich bekomme ich auch direkt von den Leuten, die gerade an Projekten sitzen, aber das sind dann weniger Kino- als Kurz- und Werbefilme. Ich bin auch ein begeisterter Abonnent von Blogs aktiver Animatoren, Illustratoren oder Künstlern. Die dürfen zwar meist nicht über aktuelle Projekte schreiben, aber sind umso spendierfreudiger was ältere Arbeiten betrifft.

Habt ihr den Eindruck, dass es so etwas wie eine deutschsprachige Film-Blogosphäre gibt, in der die Blogs miteinander kommunizieren? Wenn ja, kannst du sie beschreiben? Seid ihr Teil dieser Blogosphäre?

SA: Ja die gibt es. Vielleicht nicht in dem streng vernetzten Ausmass, wie man sich dies in erster Linie vorstellt. Aber man versucht aufeinander zu verweisen, gibt sich auch mal Neuigkeiten durch, die einen anderen Blogger interessieren könnten. Teil der Blogosphäre sind vielleicht eher die Autoren, die wiederum in Kontakt mit anderen Bloggern treten, als der Blog selbst. So können natürlich auch neue Kontakte entstehen.

OF: Hier kann ich Severin nur zustimmen. Im Schweizerraum kenne ich mich weniger aus, aber gerade deutsche Filmblogs pflegen ab einem gewissen Level regelmäßigen Austausch über die sozialen Kanäle (resp. die Autoren der Blogs). So unüberschaubar die Anzahl an deutschsprachigen Filmblogs erscheint, so kann man die seriösen und mit Leidenschaft geführten Blogs (die auch eine gewisse Bekanntheit und Reichweite besitzen) auf einige wenige Dutzend zusammenfassen.

Macht es einen Unterschied, dass ihr zwar deutschsprachig seid, aber aus der Schweiz schreibt?

SA: Auf der Leserseite macht das einen grossen Unterschied. Die Domain-Endung .ch gibt uns zwar einen doppelt exklusiven Status, jedoch fehlt uns der .de Bezug schon irgendwo. Wir befürchten auch, dass einige potenzielle Leser die Seite aus der “kleinen” Schweiz bewusst überspringen und weiter nach einem Äquivalent aus Deutschland suchen. Auch befürchten einige Leser wohl, nicht spezifisch genug zum deutschen Animationsmarkt informiert zu werden, und sei es nur zu Kinostarts – erst wer sich wirklich in die Rubrik klickt, sieht, dass hier auch deutsche Leser bedient werden.

Andereseits sind wir hier in der Schweiz mit unserer Nähe zu Frankreich enorm im Vorteil. Die französischsprachige Schweiz orientiert sich an den Releasedaten von Frankreich, wodurch wir hier in den Genuss einiger Animationsfilme kommen, die nie im deutschen Sprachraum oder erst viel später in die Kinos kommen werden.

OF: Ja, das ist ein wichtiges Thema. Ich werde nicht selten darauf angesprochen, ob und wann wir einen deutschen Ableger von ANIch starten. Sowohl interessierte Leser, Kollegen aus der Branche aber auch deutsche Verleiher äussersten sich zu dem Thema bereits. Letztere wären sofort bereit, gemeinsame Kooperationen zu starten, wenn wir einen Blog unter deutscher Flagge aufbauen würden. Darum liege ich diesbezüglich Severin auch etwas im Nacken. Wir haben Pläne in diese Richtung, aber als ehrenamtliches Zweimannprojekt ist ein Blog bereits viel Arbeit, darum muss ein solcher Schritt mit Bedacht unternommen werden. Die Mehrheit unserer Leser kommt aus Deutschland und wir wissen, dass dieses Punkt-CH am Ende unseres Blogtitels ein nicht unbedeutender Stolperstein darstellt.

Gibt es eurer Ansicht nach im Bereich Film im deutschsprachigen Web so etwas wie Leitmedien? Was wären die?

SA: Nein. Es gibt natürlich beliebte Filmblogs und Aushängeschilder wie die „Fünf Filmfreunde“, über die man gar nicht nicht stolpern kann, wenn man den deutschen Film-Blog-Wald durchforstet, wie auch die grossen Filmportale wie „Moviepilot.de“. Letztere sind jedoch viel zu breit aufgestellt, inhaltlich verwässert und selten mit Charakterköpfen besetzt. Was alle gemein haben, sie orientieren sich wiederum an den englischsprachigen Filmseiten, weil die die Informationen halt zuerst kriegen. Mit dieser Informationsbeschaffung ist auch ein kleiner Filmblog genauso schnell wie die grossen Seiten, wodurch die Begrifflichkeit des Leitmediums an Bedeutung verliert. Und so schöne Seiten wie Schnitt.de verschwinden. In Sachen Neuorientierung kann ich „Negativ“ empfehlen, die sich von der täglichen Berichterstattung der doppelt wiedergekäuten Newswelle jüngst distanzierten.

Wenn ihr an der ganzen Sache mit dem Bloggen, wie es im Moment läuft, etwas ändern könntet, was würdet ihr ändern?

SA: Schreiben und publizieren ist etwas Tolles. Leider fühlt sich mittlerweile wirklich jedermann dazu berufen, in der Blogosphäre mitzumischen. Ob man dann von einer Thematik wirklich eine Ahnung hat, ist meistens sekundär. Leider gehen dadurch einige tolle Seiten in der Masse unter. Schön wäre also mehr Qualität und mehr Individualität. Wenn sich dann auch noch mehr Leser finden, die am Lesen wirklich Spass haben und bereit sind, Zeit zu investieren, macht das den Autor auch sehr glücklich. Das mit der passenden monetären Entschädigung, gemessen am Zeitaufwand, wäre natürlich auch ein Thema.

Was hat euch das Bloggen gebracht? Was wird es euch noch bringen?

Severin Auer: Bloggen ist eine Visitenkarte und kann bei einem neutralen Themen-Schwerpunkt durchaus auch als Referenz dienen. Der Aufbau und die ganze Arbeit am Blog hat mich geschult im ganzen technischen Bereich, in der Organisation und Planung diverser Abläufe, in der Kommunikation und beim Networking – und natürlich im Recherchieren und Schreiben unterschiedlich langer Texte, wie auch bezüglich der Wirkung auf die Leser und auf die Algorithmen von Google – darüber hinaus auch generell in den Gefahren und Chancen des Internets.

Orlindo Frick: Hier greift wieder die Frage nach der Blogosphäre. Blogger kennen sich untereinander. Man liest sich, man tauscht sich aus. So entstehen Kontakte. Ausserdem bleibt man als Blogger nah am Puls des Internets, erfährt Veränderungen direkt. Mit den sozialen Netzwerken von heute ist man nicht mehr „nur“ ein Blogger, sondern setzt sich auch mit anderen Bereichen auseinander. Das beginnt bei PR, SEO, technischen Aspekten eines Blogaufbaus etc. Alles wertvolle Erfahrungen, die man an anderer Stelle wieder einbringen kann.

A behind the scenes featurette for Gore Verbinskis upcoming animated movie Rango has been floating around the web for over six weeks now.

Verbinski is the fourth live action director who, in recent times, tried his hand at directing an animated feature – if you leave out folks like Robert Zemeckis and James Cameron who worked with Perfomance Capturing. Like his three predecessors, George Miller (Happy Feet), Wes Anderson (Fantastic Mr Fox) and Zack Snyder (The Legend of the Guardians), who also weren’t raised in an animation environment, Verbinski brought an interesting new directing style to the table.

As the featurette shows, he actually gathered the actors together on a small sound stage and let them act out the movie with a few basic props. This, apparently, made it easier both for the actors, because they could interact with each other (while usually vocal recordings are done with one actor at a time alone in a booth), and for Verbinski himself, who could actually direct a cast rather than keep the complete puzzle of recordings in his head and stitch it together afterwards.

The featurette also mentions that the material created during the shoot served as a reference for the animators. The question that arises in this context is, how much of that is true. Pierre Coffin, one of the directors of Despicable Me recently debunked the featurette myth that video footage from actors recording voices in a booth is important for the animators‘ work.

Live action reference footage has been used in animation since the early Disney days (for some great insights into the process, watch the bonus material on the latest DVD edition of Pinocchio), but even Frank Thomas and Ollie Johnston, in their Disney Animation Bible „The Illusion of Life“, explain that

Animators always had the feeling they were nailed to the floor when their whole sequences were shot ahead of time in live action. Everyone’s imagination as to how a scene might be staged was limited by the placement of the camera (…).(p. 331)

At the beginning of the chapter on live action footage they note that

Live action could dominate the animator, or it could teach him. It could stifle imagination, or inspire great new ideas. It all depended on how the live action was conceived and shot and used.(p. 319)

I had the rare pleasure of seeing storyboard artist Christian De Vita give his talk on the development process of Fantastic Mr Fox at eDIT Frankfurt last year. He explained that the „direction“ of the film consisted mostly of Wes Anderson, De Vita (who would sketch out Anderson’s ideas) and a film editor holed up in a hotel room in Paris. Anderson would act out every character in every scene and the editor would stitch the footage together in order to create reference footage for the animation studio in Britain, who had to animate from that footage and wasn’t always too happy about it.

In a way, this did create a similar situation to the one that Verbinski used on Rango – with the difference that all actions were staged and performed by one person, the director.

What all of this shows is, once again, how the field of feature animation has changed in its second coming of the last decade. Live action actors have pretty much replaced trained voice actors for principal roles. The Pixar process has put a lot more emphasis on animation as a director’s medium – whereas in the Golden Age of Disney and Warners, the industry stars were basically the animators and animation supervisors (e. g. the Nine Old Men). And now live action directors bring approaches from their background into the game that diminish the recognition of animators as the true artists behind animated films even further. On top of all this, there is the ongoing hybridisation of live action and animation through visual effects and performance capturing.

It will be interesting to see what the animation industry will make of this and if there will at some point be an oversaturation of live action elements in animation that will result in a return to more pre-Disney, i.e. liberated, animation techniques in the future – or if the two approaches will just continue to co-exist like they do now.