Ich bin leidenschaftlicher Podcast-Hörer (nach aktueller Zählung habe ich insgesamt zehn abonniert), doch die Gattung neigt dazu, ohne die rigide Hand eines selbsternannten Redakteurs in endloses Blabla abzudriften, wenn die Gesprächspartner wie in einem normalen Gespräch frei assoziieren und dabei auch mal vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen.

Ganz prima finde ich daher die Podcats im Blog SchönerDenken, die im Grunde nur aus einem kurzen Fazit-Gespräch nach Ansehen des Films bestehen und oft unter zehn Minuten lang sind. Ein kleiner Soundbite, leichtfüßig und unterhaltsam – ohne das Gewicht eines formulierten Textes – aber dennoch kompakt und auf den Punkt.

Zum japanischen Filmfestival Nippon Connection in Frankfurt hat das SchönerDenken-Team, das sich selbst „Die üblichen Verdächtigen“ nennt, ihr Konzept für die gesamte Festivalberichterstattung übernommen. Mal ein anderes Konzept, als die übliche Textwut, die ein Festival produziert und die ja von weitem recht problematisch sein können.

Hier geht es zu den Nippon-Connection-Podcasts von „SchönerDenken“.

Wenn ich die Zeit hätte, würde ich jeden Tag Links aus der Film-Blogosphäre aggregieren. Stattdessen reicht es nur für einzelne Nuggets. Dies ist ihre Kategorie.

This Is How I Work

14. Mai 2013

Wer gedacht hatte, so ein Blogosphären-Mem würde einfach an mir vorbeiziehen, hat sich deftig geschnitten. Ich habe nur darauf gewartet, dass mir jemand mal diese Fragen stellt.

Bloggerinnen-Typ: Aca-Fan mit Journalismus im Blut

Gerätschaften digital: Seit mittlerweile fast vier Jahren ein MacBook Pro mit 13″-Monitor, dass ich im Zweifelsfall überall mit hinnehmen kann. Seit Herbst letzten Jahrs ein iPhone 5. Ein Samson Meteor Mic zum Podcasten.

Gerätschaften analog: Mein wichtigster Speicher: mein Hirn, Kugelschreiber, ein Moleskine-Notizbuch, dass ich selten benutze, und wenn ich mal Mindmaps und Flussdiagramme zeichnen muss: alles Papier, was sonst gerade zur Hand ist.

Arbeitsweise: Ich versuche, neben meinem Vollzeitjob mindestens einmal die Woche einen interessanten Beitrag zum Film- und Mediengeschehen zu produzieren, allerdings nicht unbedingt orientiert an aktuellen Trends, sondern einfach zu Themen, die mich umtreiben. Früher hatte ich wechselnde andere Ambitionen, aber seit ich das Gefühl habe, ich werde tatsächlich gelesen (also seit meiner Blogosphären-Aktion im Januar) hat es sich im positivsten Sinne darauf zusammengedampft. Dafür sammle ich jetzt auch viel methodischer Ideen, die mir in den unmöglichsten Momenten kommen, und dafür zwinge ich ich jetzt auch mindestens einmal die Woche für zwei bis vier Stunden an den Rechner (zum Schreiben, die Vorarbeit erledige ich meistens on the go, s.u.). Bisher klappt mein Vorhaben ganz gut, ich habe allerdings Angst, dass mir entweder die Ideen ausgehen oder irgendwann niemand mehr was zum Marvel Cinematic Universe lesen möchte.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?

Ich wäre völlig aufgeschmissen ohne Netvibes, mein Feedreader/Monitoring-Überallschreibtisch und Pocket, das seit seiner Umbenennung noch viel genialer geworden ist, und alle Artikel verwaltet, die ich nicht sofort lesen kann oder von denen ich ahne, dass ich sie später mal wieder aufgreifen werde. Außerdem die unsortierten Bookmarks des Firefox, um kurz mal was für später zu speichern (dran denken: hinterher das Sternchen wieder wegklicken) und ordentliches Googeln (statt Durchklicken lieber mit Operatoren arbeiten). Meinen Medienmix habe ich in diesem Blog schon einmal aufgeschrieben.

Wo sammelst du deine Blogideen?

In meinem Kopf, in der Notiz-Funktion meines Handys und seit einiger Zeit auch in WordPress-Drafts.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?

Ich habe keinen. Mein bester Zeitspartrick ist meine bevorzugte Art zu arbeiten, die darin besteht, dass ich mich in der Regel erst hinsetze und losschreibe, wenn ich den Artikel im Kopf (und manchmal auf dem Papier) schon voll durchkonzipiert habe. Dann muss ich weniger vor der Tastatur sitzen und nachdenken.

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?

Die Erinnerungsfunktion des iPhones, die dann ja auch mit meinem Rechner synchronisiert wird. Aber eher für private Erinnerungen. Auch eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen ich tatsächlich Siri benutze – zum Beispiel wenn mir abends im Bett noch etwas einfällt, woran ich am nächsten Morgen auf jeden Fall noch denken muss.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?

Ich spare mir die Hinweise auf diverse Geräte in der (Wasch-)küche und sage: nein. Die zwei Geräte zusammen enthalten alles, was ich für den Standardworkflow brauche. Klar, wenn ich Interviews mitschneide, podcaste, Videos drehe etc. brauche ich natürlich mehr. Und ich mag meinen großen Fernseher. Aber ich habe auch lange ohne gelebt.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?

Es wäre leichter, zu sagen, was ich nicht so gut kann wie andere, und das ist: genau hinsehen und Filme nur aufgrund von Beobachtungen analysieren. Das kann ich lediglich simulieren und deswegen ist aus mir auch nie ein Filmkritiker geworden. Ich bewundere alljene, die Filme mit Worten einfangen und ihre tieferen Bedeutungsschichten freilegen können. Darin bin ich ziemlich mies.

Ich glaube, ich kann einigermaßen komplizierte Dinge ganz gut erklären; ihnen eine menschliche Brücke bauen. Und ich kann ganz gut einen Schritt zurücktreten, das Ganze betrachten, und versuchen, etwas zu finden, was seinen einzelnen Elementen gemein ist. Deswegen schreibe ich solche Analyse-Stücke auch am liebsten – obwohl ich weiß, dass ich damit manchmal ziemlich daneben liege. Was ich auf jeden Fall gut kann, ist, mich für etwas zu begeistern, und diese Begeisterung für mich zu nutzen. Dinge, die ohne eine gewisse Begeisterung stattfinden, mag ich nicht.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

Wenn ich wirklich analytisch und sprachlich denken muss, nichts. Vor allem nichts mit Gesang. Wenn ich, so wie jetzt gerade, nur eigene Gefühle aufs Blatt bringen muss, darf ein bisschen was Instrumentales laufen, gerne Postrock oder Ähnliches. Im Moment läuft The American Dollar.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall?

Hauptsache regelmäßig. Und mehr als sieben Stunden pro Sitzung (Liegung?). Wenn ich genug geschlafen habe, habe ich kein Problem damit, früh aufzustehen. Und ich mag es, in den frühen Morgenstunden unterwegs zu sein. Mehr, als erst mittags durch die Gegend zu zombien.

Eher introvertiert oder extrovertiert?

Eindeutig extrovertiert. Hätte ich sonst diese Fragen mit Freude beantwortet? Aber ich habe das Gefühl, dass ich das inzwischen ganz gut im Griff habe.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?

Sascha, Denis, Sidney, Christian und Maria.

Der beste Rat, den du je bekommen hast?

Ich hatte viele tolle Förderer und Ratgeber auf meinem Arbeits- und Lebensweg, aber ich kann mich kaum an einzelne Ratschläge erinnern. Aus der jüngeren Vergangenheit ist mir nichts so sehr in Erinnerung geblieben wie Neil Gaimans Rede an der University of the Arts im vergangenen Jahr. Zu dem Bild von dem Berg, auf den man immer weiter zugehen sollte, auch wenn man Gelegengheit bekommt, sich abzuwenden, kehre ich immer wieder zurück, wenn ich unzufrieden bin. Außerdem zu seiner Gleichung, dass man in Kreativberufen pünktlich, nett und qualitativ hochwertig sein muss – und das zwei von drei Eigenschaften genügen (vollkommen ohne falsche Bescheidenheit: ich glaube, ich bin der Typus pünktlich und nett, siehe oben, „was andere besser können“).

Noch irgendwas wichtiges?

Ich liebe das, was ich hier tue, obwohl ich damit direkt kein Geld verdiene. Ich liebe es, dass andere Leute ihre Bloggerei lieben. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn die teilweise großartige Arbeit, die von Leuten in ihrer Freizeit in ihren Blogs geleistet wird, als minderwertig abgekanzelt wird. Und deswegen ist es mir so wichtig, dass die Blogger zusammenhalten und sich gegenseitig Mut machen. Und deswegen ist mir auch diese Film-Blogosphären-Kiste, die schon einige erstaunliche Blüten getrieben hat (dazu in ein paar Monaten mal mehr), weiterhin ein Anliegen.

Für mein polemisches Thesenstück zur deutschen Filmblogosphäre habe ich neun deutschsprachige Filmblogger per E-Mail interviewt. Die Auswahl erfolgte nach persönlichem Geschmack und relativer Findbarkeit im Netz.

„Negativ“ war zuerst mal die Konkurrenz. Zu einer Zeit, als ich noch in einer der fünf Trauerphasen zum langsamen Relevanzverlust von Screenshot war, gab es da plötzlich dieses neue Blog von (im Kern) Mainzer Filmwissenschaftlern, das auch noch gut war. Ich hatte wirklich Respekt vor dem, was Ciprian, Elisabeth und seine Crew dort aufbauen wollten, und mein Respekt wuchs nur noch, als sie sich im Sommer entschieden, umzusteigen auf das, was sie eigentlich wollten. So verschwurbelt manche der Textansätze auf „Negativ“ mir manchmal scheinen, ich finde die dortigen Autoren machen es richtig und mit ihrem ungewöhnlichen, reduzierten Design, gewinnen sie noch an Faszinationsfaktor. Bevor ich Thesen und Interviews hatte, entstand wohl auch mit aus dem Tapetenwechsel von „Negativ“ in mir der Wunsch, das Thema „Deutsche Filmblogs“ anzusprechen – und ursprünglich mal wollte ich nur mit Ciprian darüber reden.

Beschreibst du kurz in eigenen Worten, was ihr bei „Negativ“ macht, warum, wie lange schon, und wie es dazu kam?

Wir schreiben über Filme, Serien, Games, seltener über andere Themen, die mit visuellen Künsten zu tun haben. Wir versuchen uns auch in anderen Formen als der Kritik und hoffen, zu anderen Übersetzungen von Film in Text zu finden. Wir hoffen, der Online-Umgebung immer mehr, möglichst auch in der Form, gerecht zu werden – was nicht zwingend ein Gegebenes ist.

So oft es möglich ist, treffen wir uns, um als Gruppe über diese Künste zu reden, uns auszutauschen. Das klappt manchmal nicht, denn dann artet es in einen fröhlichen Umtrunk aus, doch jedes Treffen hinterlässt einige Textideen oder persönliche Bereicherungen für die Anwesenden. Ich denke, die meisten von uns schreiben, weil diese Künste nicht nur einen wichtigen Bestandteil unserer Leben ausmachen, sondern weil wir auch die Auseinandersetzung mit ihnen brauchen, und dazu gehört auch das Schreiben. In der jetzigen Form gibt es „Negativ“ seit knapp einem halben Jahr, gegründet wurde die Seite aber Anfang 2010, als einige Freunde sich eine eigene, zu ihrem Schreibrhythmus passende Plattform wünschten. Elisabeth und ich wurden mit der Zeit zu den Hauptbetreuern des Projekts und sind es heute noch.

Du hast es eben schon erwähnt: Ihr habt anders angefangen als ihr jetzt auftretet. Kannst du beschreiben, was den Wandel hervorgebracht hat, wie er vonstatten ging und wie es euch jetzt mit dem Blog geht?

Am Anfang wollten wir ein Publikum, darum haben wir uns auch zusammengetan, der Idee nachgehend, dass mehr Texte zu mehr Aufmerksamkeit führen werden. Da dies relativ schnell geschah, sahen wir „Negativ“ als einen möglichen Karriereweg nach dem Studium und gaben der Seite eine immer kommerziellere Ausrichtung. Wir wurden zu einem richtigen Magazin, das im Durchschnitt über 20 Texte am Tag brachte und irgendwann sogar mehr als 50 mehr oder weniger aktive Autoren und Redakteure einte. Doch nach zwei Jahren wurde uns klar, dass ohne angemessene Gehälter die Wenigsten auf Dauer motiviert bleiben, eine immer größer werdende Seite zu betreiben und dass diese Seite sich immer mehr thematisch und qualitativ einem wirtschaftlichen Diktat unterordnet, und sich somit von unserem ursprünglichen Ideal, gut und immer besser über Film zu schreiben, entfernte. Als es klar wurde, dass die wirtschaftliche Ausrichtung in eine Sackgasse führte und das Verfolgen dieses Ziels für einige von uns Selbstdestruktion oder zumindest geistige Stagnation bedeutete, zogen wir die Notbremse. Nun sind wir eine offene Plattform, wo jeder schreiben kann, was er will. Wenn es Elisabeth und mir gefällt, dann wird es veröffentlicht. Wenn nicht, wird darüber diskutiert. Also weniger Blog, wie kuratierte Plattform, die prinzipiell jedem zur Verfügung steht.

Weil ich euch zum Teil persönlich kenne, weiß ich, dass die meisten von euch studierte Filmwissenschaftler aber keine gelernten Journalisten sind. Braucht man deiner Ansicht nach generell Qualifikationen, um über Film zu bloggen? Braucht man welche, um bei „Negativ“ zu bloggen?

Um zu bloggen, ließe sich allgemein behaupten, braucht man nur Lust am Schreiben. Um generell über Film zu bloggen braucht man Leidenschaft für Filme, für die Sprache und für das Schreiben. Essenziell ist meiner Meinung nach aber auch die Bereitschaft, sich mit seinem Thema wie mit dem Schreiben auseinanderzusetzen und diese zu perfektionieren, was mehr als nur learning by doing mit sich bringt. Nichts anderes verlangen wir bei „Negativ“, auch wenn wir das intern auf mehreren Seiten aufgeschrieben haben, die wir neuen Autoren zur Verfügung stellen.

Wonach wählt ihr heute eure Themen aus?

Alle schreiben über das, was sie beschäftigt, ob neu oder ein Jahrhundert alt. Das antworten wir auch allen, die bei uns anfangen wollen. Das macht das Schreiben schwierig, habe ich den Eindruck, besonders heute, wenn alle Augen der Schreiber instinktiv auf das Aktuelle gerichtet sind, aber ich denke, dass eine gute Seite so verfahren muss, denn so überwindet man die Schwelle der leichten Auswahl von Filmen, die gerade irgendwo zu einem Markt finden, und man findet schließlich zu sich selbst.

Wie messt ihr den Erfolg eures Blogs? Geht es noch um Erfolg und seid ihr in deinen Augen mit dem was ihr jetzt erreichen wollt, erfolgreich?

Erfolg im klassischen Sinne interessiert uns nicht mehr. Wir machen, was wir wollen, und das ist diesbezüglich synergetisch. Wir freuen uns, wenn Diskussionen, intern oder extern, um die Texte entstehen, wenn wir durch unsere Posts zu anderen finden, wenn wir die Landschaft bereichern können.

Bekommst du regelmäßig Feedback auf das, was du schreibst? Bist du im Dialog mit deinen Lesern?

Ja, Feedback gibt es, aber sehr selten auf dem klassischen Weg, durch die Kommentarfunktion. Das meiste passiert unter Freunden, die sich für ähnliche Themen oder für das Schreiben interessieren, und vor allem im Facebook, wo sich die meisten internetaffinen Filmschreiber zu einer großartigen Gemeinde mehr oder weniger zusammengetan haben. Nicht immer kompakt, doch genug, um zu wissen, wo man leicht zu einer Diskussion findet.

Welche Blogs (über Film und drumherum) liest du selbst? Zu welchem Zweck?

Ich lese primär Personen, nicht Blogs. Und da viele auf mehreren Plattformen schreiben, schaue ich selektiv auf sehr vielen Seiten. Abonniert habe ich nur 17 deutschsprachige Blogs, bei welchen die üblichen Verdächtigen schreiben: von Cargo, Revolver, new filmkritik über die Blogs von Thomas Groh, Lukas Foerster, Nikolaus Perneczky, sozusagen die Berliner Elite. Eine Ausnahme davon machen „Eskalierende Träume“ und „Hard Sensations sowie der Blog von Oliver Nöding. Ansonsten sehr viel auf Englisch (als Morgenkaffee „Fandor“ und „The Notebook“) und einiges auf Rumänisch, aber die Liste wird ansonsten zu lang.

Was mich dahin treibt, ist die Gewissheit, dass mich die Texte bereichern, ob durch Ideengehalt oder Schreibweise, viel weniger als einzelne Filmtitel. Jedenfalls sehe ich schon länger davon ab, Rezensionen-Magazine zu lesen, da ist die Monotonie der Texte zu groß.

Hast du den Eindruck, dass es so etwas wie eine deutschsprachige Film-Blogosphäre gibt, in der die Blogs miteinander kommunizieren? Wenn ja, kannst du sie beschreiben? Ist „Negativ“ Teil dieser Blogosphäre?

Ja, ich denke es gibt mehrere Blogosphären. Eine, um die Seiten, die ich lese, dann noch eine um Autoren der bekannteren Magazinen, und dann noch eine um Blogger, die aus einer Fan-Perspektive schreiben – die letzteren scheinen mir sogar am meisten miteinander zu kommunizieren. Ich denke aber, dass sich ein Großteil der Kommunikation von den Seiten hin zu Facebook verschoben hat. Vielleicht nicht in all diesen Sphären, aber zumindest in denen, die ich verfolge. Und dass man entsprechend nicht mehr nach Kommentaren die virale Reichweite eines Textes messen kann.

Was „Negativ“ betrifft, ist es mir sehr schwer etwas zu sagen. Diese Verbindungen scheinen zwischen Menschen zu entstehen, nicht zwischen Seiten, und manche von uns sind mit einigen in Kontakt, andere mit anderen, welche mit keinen.

Gibt es im Bereich Film im deutschsprachigen Web so etwas wie Leitmedien? Was wären die?

Die IVW-Statistiken sprechen dazu eine objektive Sprache, aber da ich die meisten dieser Seiten nicht besuche, kann ich nur über die eigene Interessensnische reden, in welcher die „taz“, die „FAZ“ und die „Zeit“, aber auch „Cargo“, „Revolver“, „Perlentaucher“ und „critic.de“ das sind, was ich Leitmedien nennen würde.

Nach deiner Beobachtung: Werden die Bereiche „Arthaus“ und „Mainstream“ beim Bloggen irgendwie anders behandelt?

Um pauschal zu antworten, ja. Auf einer ersten Ebene wird in den meisten Fällen nicht anerkannt, dass im Arthouse schon längst ein Mainstream existiert. Das hat vielleicht mit der Subversivität der Bezeichnung ‚Arthouse‘ zu tun. Es hat auch mit den Auswertungswegen in Deutschland zu tun, mit dem, was Programmkinos geworden sind und wie sie dennoch als Siegel für künstlerisches Kino wahrgenommen werden. Viele Filme der letzten Jahre machen deutlich, dass im Mainstream wie im Arthouse Differenzierungen nötig sind, darum würde ich am liebsten diese Kategorien gesprengt sehen. Namen von Regisseuren sind beispielsweise nicht automatisch ein Garant für die Erfüllungen einiger Erwartungen, ebenso wie Namen von Kritikern nicht ein Maßstab für den eigenen Blick sein sollen. Es gibt generell zu viel Konsens in der Filmkritik, manchmal selbst in der ernstzunehmenden Filmkritik, und das ist online grundsätzlich schlecht, denn die Blogs vervielfachen sich gegenseitig, anstatt sich zu bereichern.

Wenn du an der ganzen Sache mit dem Bloggen, wie es im Moment läuft, etwas ändern könntest, was würdest du ändern?

Ich werde hier etwas radikal sein, mir am liebsten die Idee der Blogs wegwünschen und stattdessen auf Autoren setzen. Es wäre schön, wenn es grob gesehen für jede Art des Schreibens eine Plattform gäbe, und nicht 100. Jeder könnte schreiben, wo er am besten reinpasst, und müsste nicht gleich versuchen, sein eigenes Blog zu pushen. Denn die Clickskämpfe sind nur verlorene Energie, wir haben das durchgemacht und es tut mir jedes Mal weh, wenn ich ein neues Projekt sehe, das vermutlich in wenigen Jahren im Sand verläuft, weil den Betreibern die Energie ausgeht. Aber wie kann man das jedem Neuen klarmachen, dass er doch bei einer bestehenden Plattform schreiben soll – da hat er natürlich eigene Träume bis zum Zerbrechen zu verfolgen. Und die Landschaft, anstatt qualitativ besser zu werden, fragmentiert sich weiter, vervielfacht sich unter neuen Blognamen.

Wäre es anders gewesen, hätten wir bei „Negativ“ vermutlich auch nicht zueinander gefunden, doch solche Plattformen wie Facebook ersetzen dieses Manko zu einem beträchtlichen Teil. Mit vielen Autoren, die nicht bei uns schreiben, kommuniziere ich über Facebook mehr als mit manchen unserer eigenen Autoren. Man soll sich eben nur trauen, Menschen, die einen interessieren, anzufreunden oder zu abonnieren.

Was hat dir das Bloggen gebracht? Was wird es dir noch bringen?

In erster Linie habe ich nach diesen Jahren eine Menge Bekannte und einige sehr gute Freunde gewinnen können. Und ich lerne seit dem ersten Text das Schreiben, das Filmeschauen, und die Beziehung zwischen den beiden. Was kann man sich mehr wünschen?

Für mein polemisches Thesenstück zur deutschen Filmblogosphäre habe ich neun deutschsprachige Filmblogger per E-Mail interviewt. Die Auswahl erfolgte nach persönlichem Geschmack und relativer Findbarkeit im Netz.

Das Blog „pewpewpew.de“ findet man bei Blogrankings und ähnlichen Seiten relativ weit oben. Seine Beiträge tauchen öfter mal in Aggregatoren wie Rivva auf. Innerhalb der deutschen Blogosphäre kann man es also als erfolgreich werten, schätze ich. Als ich das erste mal über „pewpewpew“ stolperte, war ich voller Vorurteile: „Ach, nur so ein Linkweiterposter, der sich cool vorkommt.“ Wenn man ein bisschen länger liest, merkt man aber, dass dahinter doch mehr steht – nämlich ganz klar die Persönlichkeit von Autor Sascha Brittner, wie das bei einem Ein-Personen-Blog auch sein sollte. Klar postet der auch sene Lieblingslinks weiter. Aber er lässt auch seine Umwelt an seiner Experimentierfreude teilhaben, zum Beispiel wenn er sich zum ersten Mal an einer Videomontage seiner Filme des Jahres versucht. Endgültig überzeugt hat mich Sascha dann aber mit dem Start des Pewcast, der trotz einer etwas lang-redundaten ersten Episode den Blogosphären-Gedanken aufgreift und andere Blogger zum Mitdiskutieren in die Sendung einlädt (ja, macht der CineCast auch).

Sascha widerspricht meiner Leitmediums-These übrigens, findet aber schon, dass man etwas mehr aufeinander zugehen könnte.

Beschreibst du kurz in eigenen Worten, was für ein Blog du schreibst, warum, wie lange schon, und wie es dazu kam?

Mein Blog in jetziger Form betreibe ich offiziell unter dem Namen seit 2009. Ich schreibe über Filme, Fernsehserien und Popkultur, was mich halt so beschäftigt und was ich interessant finde. Es kam dazu, weil ich eine zentrale Anlaufstelle für mein Sammelsurium aus Links haben wollte, sodass ich meine Freunde nicht mehr zuspammen musste, sondern schlicht sagen konnte: „Hey, lies mein Blog!“.

Über Filme auf diversen Plattformen und Homepages schreibe ich aber schon seit 2002. Damals hatte ich eine Matrix-Fanhomepage mit diversen Informationen zu den Sequels und den Spielen, für die ich von Mitschülern gehänselt wurde. Aber als erprobter und stolzer Nerd steht man darüber.

Dein Blog ist mehr als ein privates Tagebuch, also auch wenn es komisch klingt: Was qualifiziert dich deiner Ansicht nach zum Bloggen?

Das Schöne am Internet ist ja, dass es jedem die Möglichkeit bietet, sich eine Plattform zu schaffen und Zeug zu veröffentlichen. Ich genieße es, dass es eben nichts gibt, dass jemanden dazu qualifizieren muss, sondern, dass jeder schreiben kann, der will. Das ist eine unheimlich wichtige Sache, die weit über das Thema Film hinausgeht, aber das nur mal am Rande.

Mich qualifiziert eigentlich nichts dazu. Ich habe weder eine formale, journalistische Ausbildung hinter mir noch habe ich Film studiert. Ich schaue viele Filme, lese viel und nehme Kurse an der Uni und eignete mir so über Jahre hinweg ein Grundwissen an. Filme begleiten mich seit frühester Kindheit und waren mir immer wichtig. Den Blog nutze ich daher um mich mitzuteilen und meine Ansichten als Basis für Filmbesprechungen anbieten.

Ich finde es daher sehr schwierig mich als „qualifizierten Blogger“ zu sehen, weil das im Umkehrschluss bedeuten würde, dass es auch unqualifizierte Blogger gibt und in so einer Welt will ich nicht leben. Es gibt Leute, die das, wenn man bestimmte Kriterien anlegt, besser machen als andere, aber grundlegend kann jeder damit anfangen und das ist auch gut so.

Du postest auch regelmäßig News. Hast du – außer deinen persönlichen Vorlieben – Auswahlkriterien dafür, was du postest?

Es klingt sehr profan, aber Themen müssen mich schlicht interessieren und mir wichtig genug sein, dass ich wenigstens zwei, drei Sätze dazu schreiben kann ohne mich selbst zu hassen. Das Schöne an dieser Sache ist, dass ich mich zu nichts zwingen muss und selektieren kann, da es immer noch im Endeffekt meine private Spielwiese ist.

Ich bin zwar dank des Blogs Kleinunternehmer, bin aber nicht auf das Geld oder gewisse Klickzahlen angewiesen; und wenn ich mir manche größeren Filmseiten anschaue, bin ich auch froh darum. Ich würde zum Beispiel ungern über einen Teaser zum Teaser (welch schlimmes Phänomen!) zum neuen Twilight-Film oder einen Clip zu einer Komödie, die ich nicht lustig finde, schreiben. Wenn man wirkliche „Nachrichten“ auf meinem Blog findet, dann weil ich sie wichtig finde. Die höchste Maxime bleibt daher, dass ich selbst mein Blog gern lesen würde und mich immer wieder selbst frage, ob es mir gefällt und wichtig genug ist.

Wie misst du für dich den Erfolg deines Blogs? Ist dein Blog erfolgreich?

Die Antwort zu dieser Frage hat sich in den letzten Jahren krass mit dem Verlauf des Blogs verändert. Zu Beginn war ich glücklich, wenn jemand im Freundeskreis meinte, dass er mein Blog gelesen hat und ganz toll fand. Da war ich dann ganz schön stolz, obwohl das damals nichts weiter als eine Linkschleuder war: Video rein, meist dazu noch ohne Einleitung oder Kommentar. Inzwischen ist das Blog ein wenig bekannt und genießt eine gewisse Leserschaft. Das stimmt mich glücklich, denn ich komme ins Gespräch mit mehr Lesern und Filmfreunden, die meine Leidenschaft teilen. Ich finde es aber schwer eine Messlatte des Erfolgs hier jetzt anzulegen. Ist man erfolgreich, weil man X Leser hat, ein Blogkollege aber nicht, weil er nur X minus 50 Leser hat (oder dasselbe im Hinblick auf Kommentare)? Ist man erfolgreich, weil man auf abstrusen Bloglisten weit oben steht? Oder ist der monetäre Aspekt ein Indikator für den Erfolg? Ja, ich habe Geld verdient mit dem Blog, aber nicht annähernd so viel, dass ich davon leben könnte. Andere Blogs erreichen mehr Leser und verzichten ganz auf Gewinneinnahmen. Im Endeffekt betreibe ich den Blog aus privatem Interesse und daher zählt am Ende des Tages nur, was ich darüber denke und fühle. Solange ich glücklich und zufrieden mit dem bin, was ich tue, bin ich auch erfolgreich.

Bekommst du regelmäßig Feedback auf das, was du schreibst? Bist du im Dialog mit deinen Lesern?

Nicht so viel wie ich mir das eigentlich wünsche. Man wäre überrascht, wenn man erfährt, welche Posts die meisten Klicks bekommen und wie wenig Mühe da hinein wanderte im Gegensatz zu anderen, langen Beiträgen. Im Dialog hingegen bin ich mit einem Stamm von Lesern aber dennoch, auch abseits des Blogs auf sozialen Netzwerken und Ähnlichem.

Welche Blogs liest du selbst? Zu welchem Zweck?

Ich verfolge nahezu alle großen, englischen Filmblogs/-seiten für die schnellen News und Trailer, was manchmal im Reader schon nervt, denn da hat man dann bis zu 10 Mal den gleichen Trailer drin, mit leicht variierter Überschrift und minimalem Kommentar. Ich lese diese Seiten oft schlicht für mein eigenes Interesse und zur Selektion für den „News“-Aspekt meines Blogs.

Eine ganze breite an privaten Blogs in Deutschland verfolge ich ebenfalls, aber eher zum privaten Vergnügen und zu sehen, was andere so denken und worüber sie schreiben. Da sind schon einige Perlen dabei, die leider nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.

Du bist auch Teil des „Vice“ Content Networks. Was bedeutet das?

Nicht viel eigentlich; primär, dass ich auf dieser Liste verlinkt bin, mit ganz vielen anderen Blogs. VICE ist so nett und bietet dann den Blogs bevorzugt die Möglichkeit unter ihren Leuten Tickets zu teilweise recht exklusiven Veranstaltungen zu verlosen. Dazu bekommt man ab und an Post und einen Hinweis auf Content von den guten Leuten.

Hast du den Eindruck, dass es so etwas wie eine deutschsprachige Film-Blogosphäre gibt, in der die Blogs miteinander kommunizieren? Wenn ja, kannst du sie beschreiben?

Das zu beantworten finde ich schwer. Auf der einen Seite gibt es jede Menge Leute, die im Bereich Film schreiben, meist aber recht eigenbrötlerisch so etwas wie ein Onlinefilmtagebuch betreiben. Was vollkommen okay ist, aber auf der anderen Seite wünscht man sich als aktiver Blogger oft mehr Zusammenarbeit unter den Leuten. Das beginnt schon dabei, dass man mehr auf andere Leute zugeht. Ich habe den Eindruck, dass der Wunsch bei vielen eigentlich besteht, aber wenig direkt miteinander konkret gesprochen wird. Man muss eher auf die Leute zugehen als dass man da was erwarten kann.

Man ist natürlich einander bekannt, folgt sich gegenseitig auf Twitter, schreibt sich ab und zu in @Replys und Kommentaren und vernetzt sich, aber so richtig professionell wie in anderen Bereichen wie den Technik- oder Modeblogs ist das nicht. Das liegt aber vor allem daran, dass, excuse my french, Filmblogs in Deutschland kaum eine Sau interessieren und der Markt oder die Zielgruppe so klein ist, dass eine Professionalisierung sich nur für die Wenigsten lohnt und dann meist wesentlich mehr Ressourcen verlangt als notwendig oder vorhanden sind. Grundlegend gibt es sicherlich eine kleine, deutschsprachige Filmblogosphäre, die sich begrenzt gegenseitig verlinkt und untereinander kommuniziert, aber da liegt noch so viel Potenzial auf der Straße.

Gibt es im Bereich Film im deutschsprachigen Web so etwas wie Leitmedien? Was wären die?

Natürlich gibt es die, nur leider nicht so viele in der Anzahl wie im Vergleich zu anderen Ländern. Da würde ich jetzt an Moviepilot oder Film-Dienst denken, die beide Enden des Spektrums ganz gut abdecken. In der Blogosphäre geht nichts an den Fünf Filmfreunden vorbei.

Du fokussierst dich bei Pewpewpew hauptsächlich auf Popkultur und auf Popkultur-Filme. Ist dir der Arthaus-Bereich geheuer, ist diese Unterscheidung überhaupt noch sinnvoll?

Ja, das stimmt schon. Aber ich denke, dass die Leser bei einem Blog mit meinem Namen nicht unbedingt Arthaus erwarten. Aber ich würde auch abstreiten, dass ich ausschließlich über Mainstream schreibe. Ich finde eigentlich, dass ich immer wieder einen gute Mischung und viel Genre anstrebe. Für den Arthausgucker in mir betreibe ich zusammen mit Nils von IHeartPluto dazu den Blog Filmaddicts, auf den ich auch auf Pewpewpew des Öfteren verweise. Die Unterscheidung finde ich weiterhin sinnvoll und auch wichtig. Eine breite Mischung macht den Unterschied und Arthaus-Filme verdienen die gleiche, wenn nicht sogar mehr, Berichterstattung wie die des Mainstream.

Wenn du an der ganzen Sache mit dem Bloggen, wie es im Moment läuft, etwas ändern könntest, was würdest du ändern?

Ich bin eigentlich mit meiner Sache ganz zufrieden und mache weiter wie bisher. Ein wenig mehr Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Leuten wäre mir noch lieb, aber daran arbeite ich bereits. Oder sollte ich sagen wir?

Es gibt keine deutsche Film-Blogosphäre. Ich habe wochenlang überlegt, wie ich diesen Artikel beginnen soll, unter Lese- und SEO-, unter Ego- und Zielpublikums-Gesichtspunkten, aber letztendlich bringt es ja doch nichts, lange um den heißen Brei herumzureden. Ich bin der Meinung, dass die deutschen Medien zum Thema Film im Netz kaum etwas miteinander verbindet, was unter eine „Sphäre“ Platz hätte. Mein Bauchgefühl war das schon länger, aber meine Beobachtungen des letzten halben Jahres und die Interviews, die ich geführt habe, haben es zum großen Teil bestätigt.

Das hier ist eine Streitschrift. Aber ich will nicht stänkern. Ich will zum Diskutieren anregen, indem ich zwei meiner Leidenschaften verbinde und Medienjournalismus über Filmjournalismus mache, was viel zu selten passiert. Weil ich zur Diskussion anregen will, habe ich meine Meinung auf vier Thesen zugespitzt und lehne mich für’s erste nur auf die Zitate, die sie bestätigen. Ich hoffe natürlich, dass die kommende(n) Woche(n), wenn ich nach und nach auch die vollen Texte der Interviews hier veröffentliche, tatsächlich über die Thesen diskutiert wird und die Bandbreite der Meinungen damit klarer wird.

Ich weiß, dass – wenn überhaupt – auch auf Facebook und Co. diskutiert werden wird, aber denkt auch daran, dass die zweite Absicht dieser Artikel ist, die deutsche Film-Blogosphäre vielleicht doch noch zu einer zur machen. Hört auf Papa Haeusler.

These 1: Es gibt keine deutsche Film-Blogosphäre

Vielleicht ist meine Wahrnehmung schief, und ich verstehe unter einer Blogosphäre das falsche. Für mich ist das Bild des Netzes wichtig, das einzelne Knoten miteinander verbindet, darüber aber eben das der Sphäre, die wie eine Glocke, wie ein Himmelszelt, über allem schwebt. Wenn man von der „deutschen Blogosphäre“ spricht, denken doch hoffentlich alle ungefähr an dasselbe. Die deutsche Blogosphäre, das sind die, die sich jedes Jahr auf der re:publica treffen, ihre Gallionsfiguren sind Leute wie Lobo, Beckedahl, Gröner, Häusler, Borchert – unsere digitale Bohème. Die gehören irgendwie zusammen, denkt man sich so. Die reden miteinander und hecken bestimmt gemeinsam einen Plan aus, stecken unter einer Decke vor allem auch gegen die etablierten Printmedien, die uns immer noch erzählen wollen, Bloggen wäre minderwertiges Schreiben.

Kleinere Blogosphären gibt es wohl auch für bestimmte Themen. Essen. Technik. Gadgets. Medien. Mode. Aber nicht für Film. Zumindest nicht in Deutschland. Im englischsprachigen Raum hat man das Gefühl, dass sich die Blogger untereinander kennen und gleichzeitig jeder für sich und alle zusammen arbeiten. „Ich denke da schwärmend an Comic-Con-Videologs, in denen Autoren von /Film, Collider, First Showing, Joblo und Cinema Blend wie Kumpels zusammenhängen“, schreibt mir Sidney Schering alias Sir Donnerbold. Und fügt dann hinzu: „Das scheint es hier nicht zu geben.“

In Deutschland gibt es höchstens Cluster. Sozusagen: Mini-Blogosphären. Einen dieser Cluster nennt Ciprian „Chip“ David von „Negativ“, die „Berliner Elite“. Christoph Hochhäusler, der selbst ein Teil davon ist (und einer der wenigen deutschen bloggenden Filmemacher), nennt sie natürlich nicht so, antwortet aber mit den gleichen Namen wie Chip auf die Frage, ob es eine deutsche Blogosphäre gibt: „Ja die gibt es. Zwischen new filmkritik (als einer der ältesten Seiten dieser Art in Deutschland) und Cargo und critic.de und Lukas Förster und Thomas Groh und The Wayward Cloud und Eskalierende Träume und auch Revolver natürlich gibt es viele Verbindungen.“ Und dann schreibt er, es gebe auch „andere Cluster dieser Art“ (daher habe ich mir dann auch den Begriff geborgt).

Ein weiterer Cluster gruppiert sich zum Beispiel um moviepilot.de. Zu diesem würde ich die „Fünf Filmfreunde“ zählen, das größte deutsche Filmblog, und das einzige, das auf meine Kontaktanfrage leider nicht reagiert hat – denn „Batzman“ Oliver Lysiak arbeitet bei Moviepilot, ähnlich wie etwa Jenny „The Gaffer“ Jecke. Und ich würde auch noch Sascha Brittner von pewpewpew.de dazuzählen, einfach weil er mit seinem Blog ähnlich erfolgreich ist und auf Twitter von den gleichen Luten verlinkt wird (er hat das selber nie gesagt). Und zu Sascha gehört dann wiederum Stefan Rybkowski und ein paar mehr.

Das „Medienjournal“ vereint noch ein paar Leute, die relativ weit weg sind vom „professionellen“ Bloggen, aber gerne über Filme im Netz schreiben, die sie mögen, mit seinem „Media Monday“. Kein Wunder also auch, dass Wulf Bengsch von „Medienjournal“, der Meinung ist, dass „die deutsche Filmblogosphäre mehr als quicklebendig ist“ und „einen regen Austausch untereinander pflegt“.

Ich glaube aber, dass das nicht stimmt. Es findet insgesamt kein Austausch statt, sondern eben nur in solchen Clustern, die nur sehr wenig Berührungspunkte haben. Einer der Gründe dafür ist meine These zwei.

These 2: Den deutschen Netzfilmschreibern fehlen die deutschsprachigen Leitmedien

Die Frage war eine der kontrovers beantworteten in meinem Mail-Fragebogen. Brauchen wir überhaupt Leitmedien? Ist das Leitmedium einfach „Facebook, Traurig aber wahr“ wie Martin Beck meint? Weil dorthin die Diskussion abgewandert ist? Oder sind es einfach die großen amerikanischen Filmseiten wie /film, Twitchfilm oder Collider, von denen alle deutschen Blogs ihre Informationen bekommen (und deren Autoren übrigens – das muss man an dieser Stelle einmal mindestens sagen – bezahlt werden)? Eine definitive Antwort konnte mir jedenfalls niemand geben. Niemand konnte mir eine Seite nennen, die jeder, der in Deutschland über Film bloggt, lesen sollte, einfach aus Prinzip, egal ob er sie gut findet oder nicht (wie etwa turi2 im Medienjournalismus).

Klar, es geht „nichts an den Fünf Filmfreunden vorbei“ (Sascha Brittner), aber die „Fünf Filmfreunde“ posten Trailer und Infos weiter über einen sehr begrenzten Radius von Filmen, und die Infos kommen fast immer von den US-Seiten. „Es gibt natürlich beliebte Filmblogs und Aushängeschilder wie die fuenf-filmfreunde.de, über die man garnicht nicht stolpern kann, wenn man den deutschen Film-Blog-Wald durchforstet, wie auch die grossen Filmportale wie Moviepilot.de. Letztere sind jedoch viel zu breit aufgestellt, inhaltlich verwässert und selten mit Charakterköpfen besetzt“, sagt Severin Auer von ANIch. Die Antwort? „Wir brauchen mehr und selbstbewusstere Aggregatoren, die eine Art Portalfunktion übernehmen und vielleicht auch bestimmte Fragen ‚plakatieren‘, den Streit organisieren, die Arena dafür bieten“, sagt Christoph Hochhäusler.

Das einzig Dumme dabei? Die paar Seiten, die es wirklich versucht haben; die wirklich versucht haben, auf einem hohen Niveau umfangreich zu informieren und zu deutschen Leitmedien neben den großen Printmarken zu werden, sind eingeknickt. Martin Beck, der „so eine Art deutsches Twitch“ mit reihesieben.de bauen wollte, stellte fest, dass sich das „einfach nicht stemmen ließ“. Und den prominentesten Untergang (inklusive Wiedergeburt) hatte sicherlich „Negativ“:

„Nach zwei Jahren wurde uns klar, dass ohne angemessene Gehälter die Wenigsten auf Dauer motiviert bleiben, eine immer größer werdende Seite zu betreiben und dass diese Seite sich immer mehr thematisch und qualitativ einem wirtschaftlichen Diktat unterordnet, und sich somit von unserem ursprünglichen Ideal, gut und immer besser über Film zu schreiben, entfernte. Als es klar wurde, dass die wirtschaftliche Ausrichtung in eine Sackgasse führte und das Verfolgen dieses Ziels für einige von uns Selbstdestruktion oder zumindest geistige Stagnation bedeutete, zogen wir die Notbremse.“
– Ciprian David

Wir brauchen also einen guten, deutschsprachigen Aggregator. Ein Must-Read-Blog, das die deutsche Film-Blogosphäre irgendwie über ihre Cluster hinweg eint und Diskussionen befeuert. Denn:

These 3: Die guten Inhalte, die es gibt, werden nicht gefunden

Als ich damit anfing, die deutschen Netz-Filmschreiber zu vermessen, habe ich mir Blogrankings angeschaut und mich von da an weiter vorgearbeitet. Ich fand einiges, was mir gefiel, einiges, was ich langweilig fand. Aber viel interessanter fand ich, dass ich manchmal Monate später noch auf Blogs stieß, von denen ich noch nie zuvor etwas gehört hatte (und nein, sie waren nicht erst in der Zwischenzeit entstanden).

Es ist nämlich mitnichten so, dass alle nur entweder private Filmtagebücher führen oder Trailernews von großen US-Seiten abschreiben (wie ich am Anfang dachte). Nein, es gibt Leute, die fantastische Ideen haben, die mit Stills arbeiten wie die Könige, die interessante Meta-Analysen über ganze Genres oder Epochen fabrizieren. Aber eben auch sehr gute Blogs, die auf bestimmte Themen spezialisiert sind. Es gibt sogar etwas, was mir im deutschen Filmjournalismus generell oft fehlt, den „typischen US-Mix aus Wissen und Passion“ (Sidney Schering) – den Willen, Service für unerfahrene zu bieten, diesen aber leidenschaftlich rüberzubringen (zu meinen persönlichen Favoriten gehören, auch der Themen wegen, „Digitale Leinwand“ und das Blog eben von Sidney Schering, „Sir Donnerbolds Bagatellen“).

Aber:

Es gibt regen Austausch auf Plattformen wie Facebook zwischen miteinander bekannten (Online) publizierenden Filmnerds, zu denen ich mich auch gerne zähle. Und natürlich gibt es Blogrolls. Aber es fehlen doch ein wenig die Netzwerkeffekte, was möglicherweise mit der grundlegenden Tendenz in Deutschland zusammenhängt, im eigenen Blog oder Magazin nur wenig die Artikel anderer zu zitieren.
– Frédéric Jaeger, critic.de.

Also (und ich kann mich da selber nur mit einschließen): Vertraut nicht auf die Blogrolls, auf die Twitterfeeds und Facebook-Updates. Radikal gesagt: Wer sich nicht zu schade dafür ist, einem neuen Trailer zu Film X einen Blogpost zu widmen (vielleicht auch in der Hoffnung auf Klicks), der kann auch die Arbeit eines Kollegen mit einem Blogpost würdigen. „Natürlich ist es sehr schön, wenn man als relevante Quelle erkannt wird, einige Seiten sind aber auch sehr erfolgreich darin, meine Inhalte umfassend zu kopieren und zu veröffentlichen, natürlich weder zitiert noch verlinkt“, sagt Gerold Marks von „Digitale Leinwand“. „Es ist auch für mich frustrierend, wenn ein lange erarbeiteter Artikel mit viel Rechercheleistung nur ein paar hundert Leser interessiert, das Publikum auf das neue Bild vom nächsten Star Trek-Film aber abfliegt wie Wespen auf Butterkuchen.“

Es ist ein ewig frommer und ewig unerfüllter Wunsch, dass der harte Journalismus mehr (oder genauso viel) Aufmerksamkeit erfährt, wie der grellste Boulevard. Die deutsche Film-Blogosphäre wird ihn nicht erfüllen können, aber sie kann zumindest ihr bestes geben, Juwelen auszugraben. „Da sind schon einige Perlen dabei, die leider nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen“, sagt Sascha Brittner. Allerdings:

These 4: Die nervige Trennung zwischen E- und U-Kultur lebt im Netz fort

Und damit wären wir wieder am Anfang. Einer der Gründe, warum die „Cluster“ nicht zueinander finden ist, dass ausgerechnet Film, das Medium, das Pop- und Hochkultur so gut vereint, wie kein anderes, noch immer von verschiedenen Seiten betrachtet wird. Und wer auch immer auf einer dieser beiden Seiten steht, scheint die andere Seite für vernachlässigbar zu halten.

Das Interessante, aber auch Tragische dabei ist, dass es anders als bei der traditionellen Hoch-/Pop-Demarkationslinie beim Schreiben über Film nicht mehr um das Objekt (also den Film) geht, sondern um das Subjekt, also den Autoren. Es geht also um das E und U innerhalb der Kritik. „Das Publikum ist heute sehr ausdifferenziert, entmischt sozusagen, und das schlägt auf das Kino zurück“, schreibt mir Christoph Hochhäusler. Man kann also die gleichen Genres lieben und trotzdem nicht miteinander reden wollen. Ist das nicht zum Kotzen?

Mir ist in meinen Interviews zum ersten Mal der Begriff „Stuntschreiber“ untergekommen. Martin Beck von „Reihe Sieben“ hat ihn benutzt. „Das sind verzwirbelte Typen, die vor allem dadurch auf die Pauke hauen, dass sie a) möglichst viele Fremdwörter in möglichst lange Sätze packen und/oder b) ihre ‚Meinung‘ immmer konträr zur kollektiven Empfindung postieren.“ Das klingt übel. Es hat mir zwar keiner so gesagt, aber ich habe das Gefühl, dass die andere Seite über die „Fan-Kultur“, die auf der anderen Seite der Linie herrscht, genauso denkt.

Eine meiner Ursprungs-Thesen, die sich nicht bestätigt hat, ist, dass die Linie zwischen „Profis“ und „Amateuren“ verläuft, also zwischen denjenigen, die Film oder Medien „gelernt“ haben, und denen, die einfach gerne Filme sehen. Ich glaube aber, es ist vielmehr einfach eine Einstellungssache. Ein Mangel an Bereitschaft, andere Sichtweisen zuzulassen. „Reine Filmblogs, noch dazu professionelle oder semiprofessionelle, scheinen mir im deutschsprachigen Raum doch giftiger zueinander zu stehen als US-Seiten“, sagt Sidney Schering.

Zusammenfassend: Bloggen ist in Deutschland immer noch als Niederes Schreiben verpönt. Im Filmbereich liegt das aber auch daran, dass die Film-Blogger keine Lobby haben und sich auch keine Mühe geben, eine zu bilden. Sie mosern lieber herum, statt sich gegenseitig zu unterstützen. Einfacher wäre das natürlich, wenn jemand voranschreiten würde, den es noch nicht gibt, mit dem sich aber FilmwissenschaftlerInnen und Fanboys und -girls gleichermaßen arrangieren könnten. Vielleicht kommt ein derart messianisches Blog eines Tages des Wegs, vielleicht nicht. Aber es könnte auf jeden Fall besser sein, als jetzt. Oder?

„Die unhaltbaren Missstände in der Filmpolitik und der Filmkultur fördern hoffentlich die vereinende Kraft zutage, gegen sie aufzubegehren. Das ist eine Utopie, mit der ich mich identifizieren kann: ein Kampf freilich, aber ein gemeinsamer.“ – Frédéric Jaeger, critic.de

Disclaimer: Ich entdecke täglich neue Filmseiten. Es ist also hoffentlich klar, dass es nicht beabsichtigt ist, dass ich manche Ecken der deutschen Filmblogosphäre wahrscheinlich völlig unbeleuchtet gelassen habe. Ciprian David kenne ich persönlich, wir haben ein oder zweimal lose gemeinsam über das Thema diskutiert.

Meine erste persönliche Bilanz gibt es hier.

Wer hätte das gedacht? Jürgen Vielmeier von Yucca Tree Post hat Real Virtuality in eine Liste von 125 traumhaften deutschen Blogs aufgenommen, und mich sogar mit dem Bonus-Sternchen „Perle“ markiert.

Ich danke zunächst einmal herzlich und fühle mich sehr geehrt.

Außerdem nehme ich es als Ansporn, künftig häufiger zu schreiben oder zumindest auf eine gleichbleibende Qualität zu achten.

Die Liste ist sehr sehenswert und beinhaltet auch einige wirkliche Perlen. Also: unbedingt reinschauen.

Die Zukunft

13. Mai 2009

„Everyone and their mum“ äußert dieser Tage seine Meinung zum wogenden Kampf um die Zukunft der Zeitung, die Konkurrenz durch das Internet, Urheberschutz, Qualitätsjournalismus und und und… (nicht zuletzt angestoßen durch das schon einmal verlinkte SZ-Magazin der vergangenen Woche. Natürlich habe ich mir auch eine Meinung dazu gebildet. Ich will aber hier keine Gesamtanalyse des Problems und der Selbstüberschätzung der Printjournalisten abgeben (das hat Stefan Niggemeier, wie immer bravourös, schon erledigt), sondern einfach nur mal eine Prognose abgeben, was ich meine, wie sich das ganze weiterentwickeln wird. Für diese Prognose in fünf Thesen kann ich weder einen Zeithorizont nennen, noch irgendwelche Statistiken oder sonstige untermauernden Fakten. Sie beruht auf einem informierten Bauchgefühl.

1. Aktuelle Information wird des Mediums Print nicht mehr bedürfen. Das Internet ist schon jetzt der Ort, wo man sich am aktuellsten und gezieltesten informieren kann, nicht die Zeitung, die nur einmal am Tag erscheint und von den meisten Leuten nur überflogen wird. Irgendwann werden auch die Verlagsleute einsehen, dass sie mit dem Verzicht auf eine gedruckte Zeitung nicht nur dem Zeitgeist folgen und die Umwelt schonen, sondern auch Geld sparen (harte Zeiten für Drucker und Vertrieb brechen an). Wenn Lesegeräte wie der Kindle noch ein bisschen billiger und noch ein bisschen handlicher (faltbar?) werden, muss irgendwann der Umschwung zur digitalen Zeitung kommen – denn dann kann man die Zeitung lesen wie bisher: Beim Frühstück, im Bus, in der Mittagspause. Zwanzig Minuten pro Tag, wie der durchschnittliche Deutsche: Die Titelseite, ein paar zusätzliche lokale Artikel, den ein oder anderen Kommentar, die ein oder andere Hintergrundgeschichte und gut ist. Und man genießt zusätzlich alle Vorteile: Aktuelle Geschichten aktualisieren sich selbstständig, Artikel, die man gerne noch einmal oder später lesen will, kann man abspeichern. Und wer gar keine Zeitung will, sondern nur harte News, kann ein reduziertes Abo nur mit den Nachrichtenmeldungen bestellen. Überhaupt lässt sich das Abo prima individuell auswählen. Wer braucht da noch Papier? Und wenn „nichts so alt ist wie die Zeitung von gestern“, muss man sie nicht wegwerfen, sondern kann sie einfach löschen.

2. Print wird deswegen noch lange nicht verschwinden. Die Tatsache, dass das Modell papierne Zeitung ausgedient hat, heißt nicht, dass das gedruckte Wort verschwindet. Publikationen, deren Look und Haptik mindestens ebenso sehr Teil ihres Reizes ist wie ihr Inhalt, bleiben natürlich bestehen. Filmzeitschriften oder Magazine wie „Geo“ will ich beim Lesen in der Hand haben und hinterher ins Regal stellen. Sie sind echte Dinge, keine Gebrauchswaren wie Zeitungen. Und viel handlicher. Sascha Lobo hat es im aktuellen Medium Magazin gut ausgedrückt: „Papier ist das neue Vinyl“. Es hat seine Daseinsberechtigung, aber hauptsächlich für Liebhaber.

3. Inhalte werden sich ergänzen. „Das Internet“ ist nur als Medium eine Konkurrenz für den traditionellen Journalismus, nicht als Inhaltsgenerator – dort ist es eine Ergänzung. Aus den abwatschenden Kommentaren der Traditionalisten gegen Blogger und das Web 2.0 spricht nur eine Angst vor der Abgrabung eigenen Bodens. Den Blogs haben nunmal eine andere Aufgabe und Tradition als klassischer Printjournalismus. Niggemeier schreibt in einem Kommentar zu seinem eigenen Blogeintrag, dort könne er „Dinge machen […], die ich in Zeitungen nicht tun könnte. Mich an Details abarbeiten oder endlose persönliche Texte über den Grand-Prix verfassen, zum Beispiel.“ Eben. Blogs sind Outlets für Leute, die sowieso gerne schreiben aber eben nicht all ihr Geschriebenes überall unterbringen können. Diejenigen, die den Platz in den Medien verwalten, können dort Ideen finden, sich Anregungen holen, oder selbst etwas beitragen. Trotzdem werden Blogs, die Leute in der Regel aus persönlichem Antrieb führen, nicht den Journalismus ersetzen, warum auch? Wenn die Journalisten sich von den Bloggern bedroht fühlen, haben sie nur eine Wahl: Sie müssen besser sein als die Blogger. Sonst haben sie ihr Gehalt nicht verdient. Meckern und pauschales Beschimpfen ist keine Lösung. Wie gesagt: Im utopischsten aller Fälle ergänzen sich die beiden Sphären, respektieren und nutzen einander, verschmelzen vielleicht auch an der ein oder anderen Stelle durch die Möglichkeit zu unmittelbarem Feedback, bilden aber jedenfalls eine machtvolle Symbiose.

4. Professionalität wird wieder kostenpflichtig. Irgendwann ist das Internet der Lebensraum der Zukunft, also werden dort auch wieder „normale“ Zustände eintreten. Dazu gehört, dass man für professionelle Arbeit Geld bezahlt. Und Journalismus, wenn er gut ist, ist professionelle Arbeit. Wenn sich also die Micropayment-Systeme endlich so weit vereinfachen, dass man zum Online-Lesen eines Artikels nur einen (!) Button anklicken muss, um einen Betrag etwa im Bereich von 5 Cent dafür zu bezahlen, den man dann am Ende des Monats abgerechnet bekommt, dann muss professionell erstellter Content wieder Geld kosten. Klar wird es auch weiter Gratiszeitungen geben, diese werden auch eine starke Konkurrenz sein. Aber hier gilt das gleiche Argument wie beim Bloggen: Wenn man dieser Konkurrenz die Stirn bieten will, gibt es nur eine Möglichkeit: Besser sein. Vielleicht auch nicht nur für die Bildungselite, sondern besser für alle.

5. Alles bleibt beim Alten. Selbst wenn sich, wie in dieser Utopie beschrieben, die Journalismuslandschaft irgendwann konsolidieren sollte und Digital und Print, unendliches Netz und destillierte Zeitung ihren Frieden miteinander geschlossen haben, werden sich Journalisten nicht ändern. Viele von ihnen werden genau so faul, jammerig oder zynisch bleiben, wie sie es heute schon sind (wohlgemerkt, ich bin selber einer). Sie werden Pressemitteilungen ungeprüft übernehmen, Sachverhalte so lange zuspitzen, bis sie nicht mehr stimmen, jammern dass früher noch alles besser war, weil Pluto da noch ein Planet war, und ihre „Die Welt ist schlecht“-Sicht zwischen den Zeilen breitreten. Wohlgemerkt: Nicht alle, und nicht alles gleichzeitig und nicht alles extrem. Aber manche, mehrere, nicht zu wenige – und nicht nur schwach ausgeprägt. Die digitale Welt ist die Zukunft des Journalismus. Sie ist nicht seine Rettung.

Medienecho

20. Februar 2009

Die ganze Giga-Geschichte hat eine Wendung genommen, die mir selbst ein bisschen unangenehm ist. Nachdem ich am Mittwoch ein relativ banales aber positives Statement der ARD eingeholt hatte, wollte ich es noch nicht gleich rausgeben, da meine Publikation epd medien natürlich erst Freitags erscheint. Leider wurde dies im GIGA-Forum geheimnistuerisch zur sagenumwobenen „offiziellen“ Antwort der ARD hochgebauscht, obwohl ARD-Sprecher Harald Dietze die gleiche Aussage inzwischen mehrmals auch in anderen Medien (u.a. im Radio) gemacht hatte, warum auch nicht. Ich hatte die GIGA-Geschichte nicht die ganze Zeit auf dem Schirm, und habe es erst gemerkt, als es zu spät war. Als ich die Aussage heute rausgegeben habe, waren die meisten natürlich verwirrt. Der Artikel wurde sogar nochmal geschoben und erscheint erst Dienstag. Kann passieren.

Die beste positive Zusammenfassung des ganzen Sachverhalts findet sich meiner Meinung nach bisher bei Basic Thinking.