Das Jahr neigt sich dem Ende zu – für mich immer zugleich die beste und die schlimmste Zeit des Jahres, weil ich immer ein starkes Bedürfnis nach dem mit mir herumtrage, was man im Englischen „Closure“ nennt. Wahrscheinlich ist „Abschließen“ die bestmögliche Übersetzung dafür. Ab Mitte Dezember erfasst mich der Wunsch, mit dem zurückliegenden Jahr abzuschließen, um an einem völlig willkürlich gewählten Datum, dem 1. Januar, ein neues zu beginnen. Im schlimmsten Fall mündet dieses Gefühl in einer tiefen Melancholie, die mir manchmal sogar schon die Feiertage vergällt hat, im besten Fall in einer warmen Zufriedenheit und einer Reihe von Listen.

In den vergangenen Jahren habe ich auf „Real Virtuality“ lediglich eine Jahresends-Top 10 veröffentlicht, und diese wird auch dieses Mal wieder das Jahr beschließen. Aber 2013 habe ich irgendwie das Bedürfnis, noch ein paar weitere Momente, Personen und Institutionen des Jahres rückblickend zu ehren und ihnen eine Reihe willkürliche, undotierte und unsichtbare Preise aufzudrücken. Nehmt es einfach als meine Art hin, so etwas wie einen blogbezogenen Jahresrückblick zu verfassen.

Beste neue Filmwebsite

Wer noch nicht bei „The Dissolve“ vorbeigeschaut hat, sollte das dringend tun. Nicht nur ist die Seite optisch ein Fest (was ich meist gar nicht merke, da ich sie hauptsächlich im Feedreader und auf Pocket genieße), sie versammelt auch ein Team der besten amerikanischen Online-FilmjournalistInnen, darunter mein oberster Held Matt Singer, die wirklich tolle Arbeit machen. Am liebsten lese ich die „Features“, die fast immer einen wertvollen Beitrag zu aktuellen Debatten liefern und manchmal auch selbst spannende Themen setzen. Dabei loten die neun Autorinnen und Autoren alle Formen des Filmjournalismus aus und inspirieren mich immer wieder – übrigens mit einem deutlich arthousigeren und internationaleren Blickwinkel als die vielen anderen, auf Geek-Kultur und Blockbuster fixierten, amerikanischen Filmblogs da draußen.

Beste Filmbuchentdeckung

Wie schon gelegentlich an dieser Stelle erwähnt, wollte ich 2008 mal eine Dissertation über Danny Boyle schreiben – damals war der Brite als „Marke“ noch relativ unbekannt und es gab, außer zu Trainspotting wenig Literatur über ihn. Was mir aber damals schon klar war, aus Interviews und Audiokommentaren: der Mann hat durchaus was zu sagen. Dann kam Slumdog Millionaire und die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele von London und plötzlich war Boyle in Großbritannien so eine Art nationale Ikone. Trotzdem habe ich die Literatursituation um seine Person nicht weiter beobachtet und so schlug mein Herz wie verrückt, als ich im Urlaub in einem Buchladen in Oxford einen ganz aktuellen Boyle-Interviewband aus der Faber&Faber-Reihe entdeckte. Die Einleitung verschlang ich noch im Bus zum Flughafen und nutzte das Wi-Fi im Terminal um mich überschwänglich bei der Autorin auf Twitter zu bedanken (Dafür liebe ich das Netz). Boyle enttäuscht nicht in dem Buch – er kann sein Werk klug reflektieren ohne in übertriebene Selbst-Exegese abzudriften. Trance zum Trotz – ich glaube, er hat noch einige große Filme in sich.

Bester Celebrity-Fanboy-Moment

Als er damals für Vodafone Werbung machte, war es unter Netzleuten sehr en vogue, Sascha Lobo blöd zu finden. Ich bin unsicher, ob sich das inzwischen – vielleicht auch durch seine „Spiegel Online“-Kolumne – gelegt hat. Ich jedenfalls fand ihn immer schon klüger als seinen Ruf, mehr als nur einen reinen Selbstvermarkter, sondern jemanden, der mit großer Ernsthaftigkeit und mit großer Ironie versucht, herauszufinden, was uns im Internetzeitalter zum Ticken bringt. Das Buch, was er mit Kathrin Passig zum Thema geschrieben hat, ist durchaus lesenswert weil ausgewogener als man denkt. Ich habe mich also sehr gefreut, dass ich im November die Gelegenheit bekam, Sascha Lobo bei einem Vortrag in Wiesbaden reden zu sehen. Noch mehr habe ich mich aber gefreut, dass sich anschließend noch die Gelegenheit ergab, mit Sascha und Jannis „Netzfeuilleton“ Kucharz gemeinsam zum Bahnhof zu spazieren und noch ein wenig zu plaudern. Mein Bild, dass ich immer von ihm hatte, hat sich in der persönlichen Begegnung positiv bestätigt – oder er ist zumindest sehr gut darin, eine von ihm kreierte Figur zu spielen.

Beste filmbezogene Reise

Es wäre zu einfach, hier den Trip zur Berlinale im Februar auszuzeichnen, bei dem unter anderem das Bloggertreffen stattfand und ich einige der Filme sah, die jetzt auf meiner Jahresliste stehen. Der war zwar toll, aber auch ziemlich anstrengend und kalt. Irgendwie auf der Awesome-Skala weiter oben war mein Kurztrip nach Berlin im Sommer. Neben dem Hauptzweck dieser Dienstreise, dem wunderbar lockeren Interview mit Charlotte Roche für „Close up“, konnte ich auf der „Haben“-Seite des Trips noch ein Treffen mit Jenny und Matthias vom „Wollmilchcast“, höchst amüsante Pressevorführungen von City of Bones und White House Down, ein kurzes Hallo mit Patrick, Björn und Sophie aus dem Filmosophie/Kontroversum-Kosmos und ein Bierchen mit Rochus vom „Kinderfilmblog“ und Martin von „ReiheSieben“ verbuchen. Wenn man überlegt, wie trist sonst oft die Übergangsnächte von Dienstreisen an der Hotelbar enden, hätte ich mir nichts Besseres wünschen können.

Unerwartetste Medien-Leben-Wechselwirkung

Ich schreibe auf „Real Virtuality“ nie über Musik, zwei Themenfelder müssen reichen, aber als leidenschaftlicher Musikhörer und Schlagzeuger spielt Musik dennoch eine sehr große Rolle in meinem Leben. Für neue Empfehlungen bin ich immer offen, und dieses Jahr habe ich mein Album des Jahres ab einem sehr ungewöhnlichen Ort entdeckt: dem Wissenschafts-Podcast „Radiolab„. Dort haben sie nämlich im Sommer aus einem unerfindlichen Grund der Gruppe Dawn of Midi und ihrem aktuellen Album „Dysnomia“ eine Sendung gewidmet. Dawn of Midi hat als Free Jazz Trio angefangen, aber „Dysnomia“ ist etwas ganz anderes – eine pulsierende, 50-minütige Suite, die sich im Spannungfeld zwischen der modernsten aller großen Musikrichtungen, Techno, und den ältesten Klängen der Menschheit überhaupt bewegt. Gletscherähnlich verschieben sich die akustischen Rhythmen auf „Dysnomia“ zu einem hypnotischen Gesamtbild. Danke, Radiolab!

Ärgerlichster Kinobesuch

Als jemand, der selbst mal in einem Kino gearbeitet hat, erwarte ich eine gewisse Projektionsqualität, wenn ich zehn Euro und mehr für einen Film über den Tresen geschoben habe. Üblen Laufstreifen und ähnlichen Verbrechen hat die digitale Projektion zum Glück den Garaus gemacht, aber das Feld der möglichen Kinosaal-Sünden bleibt weit. Das Cineplex Saalfeld gefiel mir von seiner Gestaltung her eigentlich sehr gut und erinnerte mich sogar ein bisschen an „mein“ altes Kino in der Heimat. Doch die 3D-Vorstellung von Frozen war dann alles andere als erfreulich. Ich bin bisher noch nie Opfer des „Nicht genug Licht“-Problems bei 3D-Vorstellungen geworden, das wohl in den USA regelmäßig für Ärger sorgt. Aber auch in Saalfeld war es sehr schwer, dass 3D ordentlich zu genießen. Der Grund: Strahlende Lichtbänder an jeder Stufe des Bodens, die den Saal in ein fröhliches Zwielicht tauchten. Auf meinen Hinweis, es wäre zu hell im Kino, sagte man mir, dass sei die Notbeleuchtung und die müsse an bleiben. So viel Not kann doch gar nicht herrschen …

Erstaunlichste filmbezogene Erfahrung

Durch meine Redakteursstelle bei 3sat haben sich mir viele Türen geöffnet, hinter die ich schon immer mal blicken wollte. Zu den absoluten Highlights gehörte dabei für mich, dass ich Anfang des Jahres die Synchronisation des Films Kairo 678 betreuen durfte, den 3sat anschließend in seiner Filmreihe über Frauen im Islam gezeigt hat und der inzwischen auch bei good!movies auf DVD erschienen ist. Obwohl ich persönlich Filme am liebsten im Original sehe, egal ob ich die Sprache spreche oder nicht, habe ich doch als Wortfetischist und Hobbyübersetzer großen Respekt vor der Kunst der Synchronisation. Hier reihte sich quasi ein Wow-Moment an den nächsten. Das Durchsprechen des Synchronbuchs mit der Regisseurin, der Besuch bei den Aufnahmen, und schließlich die Abnahme der Mischung in den heiligen Hallen der Berliner Synchron mit einem Toningenieur, der ebenfalls zu den inspirierendsten Menschen gehört, die ich dieses Jahr kennenlernen durfte. Auf jeden Fall eine Erfahrung, von der ich noch lange zehren werde.

Awesomeste Netzbekanntschaft

Durch meinen Blogosphäre-Artikel und die darauf aufbauenden Aktionen wie die Bloggertreffen und Group Hug habe ich viele tolle Menschen kennengelernt, die mein Leben auf mannigfaltige Weise bereichert haben (mehr dazu im Januar). Aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass sich im Endeffekt aus einem Interview noch einmal eine Freundschaft ergeben würde, wie ich sie zuletzt mit 16 hatte, als ich meine ersten Schritte im Internet machte. Ohne sich jemals persönlich getroffen zu haben mal wieder eine solche Vertrautheit aufzubauen und gemeinsam unverschämt offen dämliche Leidenschaften zu diskutieren – das ist schon etwas besonderes und hat mir so manchen Tag gerettet. Ich hoffe, die betroffene Person weiß, dass sie gemeint ist. Danke.

(Das sind übrigens meine Hände auf dem Bild, die da einen echten Oscar halten. Den von Richard Halsey, für seinen Schnitt von Rocky)

© 2013 Concorde Filmverleih GmbH

Die skeptischen Blicke sind gerechtfertigt

In seinem Interviewband, der gerade unter dem Titel Creating Wonder neu erschienen ist (mehr dazu hoffentlich bald hier), beschreibt Danny Boyle die einzige Änderung, die er vorschlug, als ihm das Drehbuch zu seinem späteren Debütfilm Shallow Grave vorlag. Am Ende (Achtung, Spoiler) sollte der Film die Erwartung des Publikums noch ein letztes Mal unterwandern. Wenn jeder denkt, dass Kerry Fox mit dem Geld abgehauen ist, sollte sich herausstellen, dass Ewan McGregor diesen Schritt vorhergesehen hatte. Die Entscheidung führte zu einem der schönsten Shots des Films: McGregor liegt, mit dem Messer im Körper, grinsend in seiner Wohnung, und unter den Dielen, auf denen er liegt, ruht das Geld. „You’ve got to keep twisting with these thrillers right until the very, very last moment“, sagt Boyle. „Take your foot off the pedal and you quickly lose momentum.“

Es fällt schwer, der Überzeugung dieses Satzes direkt zu widersprechen. Wir alle mögen das, was Boyle als „Momentum“ bezeichnet. Den Drive, die Stoßkraft, den ein Film entwickelt, wenn er uns immer wieder überrascht. Gerade in Filmen, in denen es wie in Shallow Grave um Geld geht, Heist Movies also, ist es inzwischen fast schon eine Standardsituation, dass die Helden des Films, die häufig laut Gesetz die Schurken sein sollten, am Ende nur deswegen als Letzte lachen dürfen, weil sie die Gegenseite – und das Publikum – kurz vorher davon überzeugt hatten, dass ihr Plan doch noch schief gegangen ist. Der unsympathische Gegenspieler muss voller Arroganz triumphierend auf der vermeintlichen Beute sitzen und dann entsetzt feststellen, dass er doch gelinkt wurde – während die Helden in den Sonnenuntergang reiten. The Sting, Ocean’s Eleven, Fast Five. Wir lieben es, wenn ein Plan aufgeht.

Der „Convoluted Blockbuster“

In einem seiner großartigen Artikel hat der Film Crit Hulk vor kurzem das Zeitalter des „Convoluted Blockbuster“ konstatiert. Sein Stein des Anstoßes: „Blockbusters that get so so convoluted, so byzantine in their reveals that they alienate story-seeking audiences.“ Seine Hauptzielscheibe: Star Trek Into Darkness. Diese Filme, so der Hulk, simulieren Komplexität, indem sie den Zuschauer in immer neue Richtungen jagen und mit neu enthüllten Fakten konfrontieren, ohne dass dahinter eine tatsächliche Komplexität steckt, die auch entstünde, wenn der Film ohne Enthüllungen erzählt würde. (Ich stimme ihm zu, auch wenn ich den Film aus anderen Gründen trotzdem mochte.)

Schließlich gibt es noch das, was David Bordwell als „puzzle films“ bezeichnet. Filme, die in ihrer hochkomplexen Geschichte Hinweise für den Zuschauer verstecken, die sich der Zuschauer während des Zuschauens wie ein Puzzle zusammensetzen kann. Diese Filme laden zum wiederholten Sehen ein, weil der zweite Blick den Filter verschiebt, und Sehfreude daraus abgeleitet werden kann, dass man Puzzleteile früher oder anders identifiziert, als beim ersten Mal. Bordwell nennt als Beispiele Primer, Memento und Inception.

Mit all diesen Nomenklaturen und Theorien im Kopf stelle ich folgende Frage: Was zur Hölle soll dann Die Unfassbaren – Now You See Me für ein Film sein?

Zauberer sind Trickbetrüger

Da hatte irgendwann mal irgendjemand eine interessante Idee. Ein Heist-Movie mit Bühnenzauberern. Zauberer sind gut darin, Illusionen zu erschaffen, also sind sie, genau genommen, nicht so weit weg von Trickbetrügern. Richtig gute Zauberer könnten also problemlos ihre Zaubertricks dafür nutzen, Banken auszurauben – ihre Bühnenshow könnte als Front funktionieren, während sie hinterum ihre Gegner um ein paar Millionen erleichtern. Und um sie sympathisch zu machen, macht man sie zu Robin Hoods, denen es nicht ums Geld geht, sondern darum, als die besten Zauberer der Welt wahrgenommen zu werden. Diesen Film hätte ich wahnsinnig gerne gesehen.

Now You See Me ist nicht dieser Film. Das Hauptproblem ist, dass den vier knuffigen Hauptfiguren (siehe Bild) nicht die Kontrolle über ihr eigenes Schicksal zugestanden wird. Statt dass sie selbst ihre Heist-Tricks planen, existiert eine nebulöse Figur, die sie zusammenführt und alles für sie vorbereitet. Sie nutzen ihre Fähigkeiten nur noch, um Befehle auszuführen – mit der Aufnahme in einen Magischen Zirkel als Karotte, die vor ihrer Nase herumgebaumelt wird. Überhaupt geht es in dem Film eigentlich nicht um die drei jungen Zauberer-Helden (und Woody Harrelson) , sondern um die ältlichen Herren, die sie beobachten: Financier Tresseler (Michael Caine), Mythbuster Bradley (Morgan Freeman) – und natürlich um den knautschigen Polizisten, der sie jagt: Mark Ruffalo. Mélanie Laurent, die Ruffalos mysteriöse Interpolpartnerin spielt, ist ebenfalls nur eine Art Ablenkung.

Die Groteske beginnt

Das alles ist nicht einmal nur im übertragenen Sinne gemeint. Denn am Schluss (und jetzt beginnen natürlich die Spoiler) stellt sich heraus, dass die Polizei und alle, die ihr vertraut haben, nicht nur düpiert wurde und die Helden ihr Ziel erreichen konnten. Sondern dass der Polizist auch noch der mysteriöse Auftraggeber war. Er wollte seinen Vater rächen, der als Entfesselungskünstler tödliches Opfer eines schlechten Deals wurde. Also wurde er nicht nur ein großartiger Zauberer, sondern auch Polizist, arbeitete sich an eine Stelle empor, in der er auf einen Fall angesetzt werden würde, in dem die vier Zauberer-Diebe, die er selbst heimlich beauftragt hatte, die Gelegenheit bekommen würden, es denjenigen heimzuzahlen, die Schuld am Tod seines Vaters waren. Im Ernst.

Das ist grotesk. Und es muss dringend aufhören.

Nicht nur, dass durch diese Enthüllung jede einzelne der ellenlangen vorausgehenden 110 Minuten des Films null und nichtig geworden ist und sämtliche Plotpunkte und Finten auf den Kopf gestellt werden. (Als ich im Pewcast über den Film gesprochen habe, habe ich gemeint, er wolle Ocean’s Eleven sein, wäre aber eher Ocean’s Twelve, der mit seiner letzten Enthüllung quasi das gleiche macht. Der Unterschied, ist, dass Soderbergh dabei wenigstens grinst und die Zunge raustreckt, während Louis Leterrier versucht, noch eine tragische Backstory einzubauen.) Sondern dieser letzte Twist ist auch noch so behämmert und unfassbar (höhö) unwahrscheinlich, dass man sich als Zuschauer fragt, warum man sich den Film überhaupt angeschaut und irgendeine Art von emotionaler Energie investiert hat.

Als der Plan des Joker in The Dark Knight eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten aufwies, über die man besser nicht zweimal nachdenken sollte, biss ich die Zähne zusammen und erfreute mich stattdessen an der Chaostheorie, die der Film damit transportieren will. Als Javier Bardem in Skyfall (Spoiler) erstaunlicherweise Monate vorher wusste, wie er sich gefangen nehmen lassen und fliehen musste, damit James Bond zu einem exakten Zeitpunkt an einem exakten Ort stand, wo ein verdammter Zug auf ihn fallen konnte, blinzelte ich zweimal und konzentrierte mich wieder auf Roger Deakins‘ schicke Bilder. Aber irgendwann ist mal genug.

Nur „Dallas“-Autoren machen sowas

Wenn Antagonisten jede Eventualität in ihren Masterplan einbauen können, werden Filme zu langweiligen, deterministischen Sermonen. Die Unfassbaren spielt genau nicht das titelgebende „Now You See Me – Now You Don’t“-Vexierspiel, sondern enthält uns eine Information (quasi ohne jeden Hinweis darauf) fast zwei Stunden lang vor, um sie dann ohne Sinn und Verstand aus dem Hut zu ziehen. Das ist kein „convoluted Blockbuster“ mehr, der während seiner Handlung ständig den Maguffin verschiebt, um aufregend zu bleiben – und auch kein „Puzzle Film“. Das ist das filmische Äquivalent des „Alles war nur ein Traum“-Endes von Geschichten, das mit Ausnahme von „Dallas“-Autoren kein Schreiber nach der Grundschule mehr benutzt. Und nicht mehr benutzen sollte.

Doch was ist mit dem Gedanken des „Keep Twisting“? Dazu sei gesagt: Eine Stellschraube an einer Feder, die unter Spannung steht, lässt sich fast endlos anziehen – aber eben doch nur fast. Irgendwann wird die Feder überdehnt. Und dann steht man eben nicht mehr mit bis zum Bersten aufgebauter Spannung da. Sondern nur noch mit einer hohldrehenden Schraube und einer kaputten Feder.


Die Unfassbaren – Now You See Me startet am 11. Juli in den deutschen Kinos.


Ergänzung, 11. Juli: Bernd Zywietz hat meinen Gedanken aufgegriffen und auf „Screenshot“ noch ein paar generellere Ausführungen dazu aufgeschrieben. Zurecht hält er mir vor, dass Danny Boyle mit Trance dieses Jahr anscheinend auch nicht gerade das glänzendste Beispiel einer guten Twist-Geschichte inszeniert hat. Ich habe den Film noch nicht gesehen (weil er in Deutschland erst schlappe fünf Monate nach dem GB-Start ins Kino kommt), aber ich befürchte Schlimmes, und ja, dann könnte man ihm die „Autorität“ in diesem Fall natürlich gut absprechen.

[Y]ou lie to raise money. You lie all the time. I remember to sell Slumdog Millionaire, we said it was Amélie with a bit of Trainspotting thrown in.
– Danny Boyle in the April issue of „Sight and Sound“

This is a little bit old already, but it’s genius nevertheless!

© Lucasfilm

Schon in gut zwei Jahren wird J. J. Abrams‘ neue Star Wars-Episode über uns hereinbrechen. Worum es gehen wird, was passiert, darüber schweigt sich Abrams, der gerade Star Trek Into Darkness promotet, derzeit noch aus. Der Ball sei ihm gerade erst zugespielt worden, da könne man noch nicht viel über die Aufstellung erzählen.

Auf „The Wrap“ fand sich diese Woche ein sehr interessanter Artikel, der erzählt, dass Abrams Star Trek gerne in ein „multi-platform experience that spanned television, digital entertainment and comic books“ verwandelt hatte. Daran gehindert wurde er dadurch, dass die Merchandising-Rechte des Gesamtkonstrukts Star Trek zwischen zwei Firmen, CBS (Originalserie) und Paramount (Filme), aufgeteilt sind – und beide sich schwer tun, an einem Strang zu ziehen.

Die Konsequenz folgt natürlich auf dem Fuße:

As for Disney’s grand „Star Wars“ plan, it’s sounding an awful lot like the one Abrams once envisioned for „Star Trek.“ There will be television properties, theme park rides and spin-off films all centered around the new trilogy that Abrams will oversee.

Ambivalente Gefühle

Sascha hat die ambivalenten Gefühle bereits aufgeschrieben, die sich in einem reflektierten Fan ausbreiten, wenn er daran denkt, in spätestens zwei Jahren auf allen Kanälen permanent mit Star Wars bombardiert zu werden. Ein Film pro Jahr, Spin-Offs, Comics, Fernsehen und und und. Ein Flächenbrand enormen Ausmaßes und ohne absehbares Ende.

Das Marvel Cinematic Universe, ebenfalls bei Disney, funktioniert im Grunde ähnlich und wird an dieser Stelle von mir immer wieder gefeiert. Zwei Filme pro Jahr, eine Fernsehserie, Comics, Spielzeug und Merchandising sowieso. Ein Musterbeispiel an transmedialem Storytelling. Auch Lord of the Rings und jetzt der Hobbit fahren einen Film pro Jahr auf, mit jeder Menge Brimborium drumherum. Doch irgendwie fühlt sich das Ganze trotzdem anders an.

Eine andere Tradition

Vielleicht liegt es daran, das Star Wars aus einer anderen Tradition stammt. Klar, George Lucas hat das moderne Merchandising quasi erfunden. Dank des Extended Universe (in dem ich mich persönlich nicht auskenne) gab es nie einen Mangel an Star Wars-Manna, wenn man welches brauchte. Aber eigentlich bedeutet das Star Wars-Modell doch: Ein Film – und dann wieder drei Jahre warten. Das war bei den Originalfilmen so (die ich im Kino natürlich nicht erlebt habe) und bei den Prequels auch: Man hatte drei Jahre Zeit, The Phantom Menace zu verdauen. Und als Attack of the Clones kam, hatte man fast schon wieder vergessen, wie enttäuschend der Film war. Oder man hatte genug Zeit gehabt, ihn sich schönzugucken. Und ist wieder ins Kino.

Diese Tradition wird Abrams jetzt wohl durchbrechen und es wird interessant sein, zu sehen, ob Star Wars damit zu einem anderen Biest wird. Star Wars Mk. 1 waren drei kanonische Filme und ein Haufen Spielzeug. Star Wars Mk. 2 waren sechs kanonische Filme, eine Fernsehserie („The Clone Wars“) und ein Haufen Spielzeug. Wird Star Wars Mk. 3 ein Sperrfeuer aus Medien, die alle gemeinsam eine epische Geschichte erzählen, oder werden die „Episoden“ weiterhin einen so herausragenden Status genießen?

Das Event als Dauerzustand

Das vormalige Event wird jedenfalls zum Dauerzustand – was natürlich aus Marketingsicht einen ganzen Haufen Sinn ergibt. In seiner viel beachteten Rede auf dem San Francisco Film Festival hat Steven Soderbergh erst vor kurzem auf das absurde Diktat des Marketings hingewiesen, das inzwischen in Hollywood herrscht. Es kostet so viel Geld, einen einzigen Film ins Kino zu bringen, dass es mehr Sinn ergibt, auf wenige gigantische Dampfwalzen zu setzen, als auf viele kleine Menschen mit Sprengstoff, um einen Block zu sprengen, sozusagen.

$10 million movie, 60 million to promote it, that’s 70, so you’ve got to gross 140 to get out. Now you’ve got $100 million movie, you’re going spend 60 to promote it. You’ve got to get 320 to get out. How many $10 million movies make 140 million dollars? Not many. How many $100 million movies make 320? A pretty good number, and there’s this sort of domino effect that happens too. Bigger home video sales, bigger TV sales, so you can see the forces that are sort of draining in one direction in the business.

Es dürfte einige Millionen sparen, wenn man nicht alle drei Jahre wieder neue Aufmerksamkeit für ein Franchise herbeitrommeln muss, sondern sich einfach in die noch relativ frische Erinnerung der Zuschauer einklinkt – die schließlich erst vor einem halben Jahr die DVD gekauft haben, während ihre Kinder sowieso die ganze Zeit die Story zwischen den Episoden in Comics und Videospielen erleben.

Pixarifikation und Inzest

Auch mein Lieblingsregisseur Danny Boyle hat sich vor kurzem zum Zustand der Filmindustrie geäußert und (wohl zurecht) ihre „Pixarifikation“ beklagt. Die angesprochenen Veränderungen in Distribution und globaler Kinolandschaft haben dazu geführt, dass große Filme ein möglichst breites Publikum ansprechen müssen, um überhaupt Geld zu machen. Falls also jemand darauf hofft, dass Abrams‘ Star Wars in irgendeiner Form „erwachsener“ wird als Lucas‘ Prequels, sollte sie die Hoffnung lieber ziemlich zurückschrauben.

Sie ist nach wie vor absurd, diese Geschichte, und doch wahrscheinlich irgendwie das, was immer passiert: Der Film, der alle Regeln brach, ist selbst zur Blaupause für eine ganze Industrie geworden. Und wie beim Ergebnis von mehreren Generationen Inzest besteht für jedes neue Kind die Gefahr einer schrecklichen Missbildung. Als Medienbeobachter ist es faszinierend, dabei zuzusehen. Als Fan kann man wohl nur der Macht vertrauen, dass noch genug neues Genmaterial im Universum vorhanden ist, um auch einen Flächenbrand lebendig zu halten.

(hat tip: Max)

Screenshot: ZDF

Ich glaube, es schien mir noch nie so ironisch wie heute, dass ich 2008 meine Dissertation zum Thema „British Cultural Identity in the Films of Danny Boyle“ aufgegeben habe, um Journalismus zu machen. Damals, zwei Jahre vor dem Oscargewinn von Slumdog Millionaire, war die Idee, dass ein Regisseur wie Danny Boyle der perfekte Stellvertreter für eine neue Art von grenzüberschreitendem britischen Kino ist, anscheinend noch relativ kurios. Gestern hat genau dieser Danny Boyle für 27 Millionen Pfund die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in London inszeniert und darin versucht, Britische Identität auf zwei Stunden Megashow herunterzudestillieren, während weltweit Millionen von Menschen zusehen. So kann’s gehen.

In seiner Eröffnungsfeier (die ich leider nicht live sehen konnte, aber mir inzwsichen mit Hilfe von Mediatheken und Liveblogs erschlossen habe) scheint Boyle das gleiche gelungen zu sein, was auch in vielen seiner Filme immer wieder durchdringt. Er beginnt mit mit Ideen, die eindeutig der britischen Psyche entstammen. Im Laufe des Werks transzendiert er diese Ideen aber und verwandelt sie in etwas Neues mit universellem Anspruch. Das kann ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Klasse oder sozialen Gruppe sein wie in Trainspotting, aus dem ein ikonischer Film für das „Rebranding“ des Vereinigten Königreichs als „cool“ wurde. Aber auch eine Art postkoloniale Mayflower-Fantasie wie Sunshine, aus der trotz einiger Schwächen im dritten Akt einer der beeindruckendsten Science-Fiction-Filme der letzten 20 Jahre entsteht.

Die olympische Zeremonie schien die stoffliche Manifestation dieses Prinzips zu sein. Boyle, mit dem Auftrag ein „Best of Britain“ aufzuführen, beginnt mit klassischen – größtenteils englischen – Bildern von green and pleasant Lands, zitiert Shakespeare und „Jerusalem“ und errichtet die olympischen Ringe aus den Schornsteinen der nordenglischen und schottischen Industriefabriken. Dann jedoch lässt er dieses Bild explodieren und widmet den Rest der Zeit einer ausführlichen Betrachtung des 20. Jahrhunderts, das fast aussschließlich aus Popkultur zu bestehen scheint.

Kein Symbol für George Smiley. Screenshot: ZDF

Und dabei wird nichts ausgelassen. James Bond bringt die Queen ins Stadion und in der Abschlussrevue fehlt weder Punk noch Glamrock und schon gar nicht die Drogenkultur der Raver mit einem Selbszitat von Underworld und Trainspotting und einem großen, aus Menschen gebauten Smileyzeichen auf dem Stadionboden. Seine Protagonisten – wie in 28 Days Later, Sunshine und Slumdog Millionaire – sind keine WASPs, sondern Repräsentanten eines multikulturellen Großbritanniens, die im Finale der Popmusik-Retro zu den Rhymes von Dizzee Rascal tanzen.

Und womit findet das ganze ein Ende – ausgerechnet mit Tim Berners-Lee, dem Erfinder des World Wide Web – dessen Einfluss schon zuvor durch die ganze Show zu spüren war, weil die Jugendlichen, die sich durch die Zeitalter tanzen, konstant per Social Media miteinander in Verbindung standen. (Der deutsche Kommentator Bela Rethy Wolf-Dieter Poschmann beweist in diesem Moment seine Netzignoranz und spricht davon, Berners-Lee wäre dafür verantwortlich, dass wir so viele Mails checken müssen.) Nachdem Boyle zuletzt einen Film über einen Menschen gemacht hat, der ohne Kommunikationsmöglichkeiten unter einem Felsblock festsitzt, hebt er hier Kommunikation als essenziell hervor. Ich bin sehr gespannt, ob wir von ihm vielleicht noch einen Film erwarten können, in dem das Internet eine Rolle spielt.

Update 29.7.: Es war Poschmann, nicht Rethy

Better late than never, this is the inevitable look back at the filmic year 2011 in an arbitrary ranking of personal favourites. Many other lists I’ve read in the last weeks praised 2011 as a year of so many great films that it was hard to narrow it down to just ten. I felt the opposite way, having a hard time to even come up with ten films that justify the label „best“ or „favourite“ (at least Dana Stevens felt the same way).

Note that this list goes by German cinematic release dates (hence the inclusion of some nominal 2010 films) and that many of the movies in everyone else’s list haven’t been released yet in Germany (e.g. The Artist, Drive, Tinker Tailor Soldier Spy, Hugo etc.). As always, I also simply didn’t get to see some of the films that were released and so wasn’t able to rate them, like A Separation and Winter’s Bone.

1. Cave of Forgotten Dreams

When I visit a cinema, some part of me is always out there, looking for that sense of wonder that drew me to movies in the first place: a flush of awe and excitement about the world on the screen that tingles down my spine. There have been very few films in the last ten years who managed to create this feeling. I admire Werner Herzog as a maverick film maker, but I cannot say I have really been a fan of his actual work so far. Cave of Forgotten Dreams changed this. From the moment its first three-dimensional images of the beautiful paintings in the Cave Chauvet appear onscreen, there was magic happening in the cinema and I, for one, was completely enchanted by it. Add to this Herzog’s philosophical ruminations and his quixotic coda about albino crocodiles and I came out of the theater thinking that I very probably just saw my film of the year.

2. 127 Hours

I have always admired Danny Boyle for his ability to convey his stories with visceral images. 127 Hours, the fiendishly clever construction of „an action movie about a guy who can’t move“ pits about 15 minutes of visual representations of absolute freedom against over an hour of claustrophobic imprisonment. And new freedom can only be obtained by self-mutilation. The film stayed with me for a long time, even though I didn’t buy the DVD.

3. Black Swan

If nothing else, Black Swan is a stunning visual feat. But Darren Aronofsky’s film also manages to marry the seemingly sublime beauty of ballet with horror from the darkest aspects of the soul, and that’s what makes it so powerful. As usual, Aronofsky is as unsubtle about this as he can be, but sometimes cinema needs this unsubtlety to keep you locked in your seat.

4. Midnight in Paris

Woody Allen’s most successful film in decades didn’t really hit me until several weeks after I had seen it. Of course I laughed at the depictions of cultural icons that seem almost like a big humanities scholar in-joke parade, I admired the staging of Paris as a city and I agreed on critics‘ assessment of Owen Wilson as a succesful Allen surrogate. But what really stayed with me was the film’s central thesis about the relativity of nostalgia. If every time has another time it nostalgically looks back on, because life was apparently so much better then, the converse argument can only be that we should, in fact, be looking ahead instead. This feeling of discarding nostalgia for prospect, coupled with the feeling that something big is going to happen is probably the most memorable thought that I will take with me from 2011.

5. Melancholia

Melancholia fed right into the aforementioned idea I took away from Midnight in Paris. Even though Lars von Trier’s film has enough flaws that have been mentioned elsewhere, I simply loved his intellectual exploration of „How would you react if global doom were upon you“ coupled, as usual, with images designed to club you insensible to that intellectual exploration. Add to that the reading of the film as a reflection on depression, and you’ve earned a spot on my list.

6. The Adventures of Tintin

Screw the uncanny valley. I’m more than willing to let my complaints about it go, if someone presents me with a film that is simply so beautiful to look at and so well-constructed, clever and exciting. Nevermind that it is also overcrowded with story and setpieces, suffers from more exposition than the book of Genesis and might actually have worked better in key frame animation. For once, I’ll ignore all that and simply enjoy myself.

7. The Tree of Life

I cannot really bring myself to actually like this film. For many critics, the dreamlike retelling of a childhood was what made the film great. To me, this part didn’t speak at all. I grew tired of distraught faces staring into the distance while a whispered voiceover churns out platitudes. But I do admire Terrence Malick for his bombast and the sheer audacity of harnessing the power of cinema like no one else would dare to. That sequence with the birth of planets and the wacky dinosaurs? That was awesome as hell.

8. Bridesmaids

I can only repeat what so many other critics have already written: female-centric, broad and character-driven comedy that had me laughing more than any other film this year. You don’t need a long explanation why it made it onto this list. It simply deserved it.

9. The Ides of March

I saw three films based on stage plays this year. Of those, only one did not feel like a play. Instead, George Clooney renders his talkative scenes in soft images that somehow express the yearning for the honesty and beauty that the films narrative of political manipulation so aptly deconstructs. Clooney did this before in Good Night, and Good Luck, a film I also loved, and it proves to me once again, that he is a very talented director that will probably, one day, be compared to Clint Eastwood more often than he wants to. (The other two were Carnage and A Dangerous Method)

10. Jane Eyre

Cary Fukanaga’s adaptation of Charlotte Brontë’s novel is a very classic one, but maybe that’s why I liked it. I enjoyed the starkness of the landscapes in which it is set, the quiet determination of Mia Wasikowska and the fiery eyes of Michael Fassbender, the effortless, sweeping camera and Dario Marinellis score. Maybe not a film that will be talked about in ages to come, but a moviegoing experience that somehow managed to stick with me long enough to convince me of its place in this list.

Honorable Mentions

The Guard would have been at number ten, if I hadn’t decided at the last minute to make at least one leftfield choice for the list. I probably laughed as much as I did in Bridesmaids and the film might even have the better staying power and a one-of-a-kind central character. But somehow, it just didn’t lodge itself into my subconscious strongly enough.

I enjoyed Thor immensely. I thought it was well-directed, funny and full of strong characters. Captain America, which most critics found somehow more interesting, however, I found dull and superficial. There is no explanation for these things.

I saw 127 Hours on the big screen when it came to German cinemas in February this year. I enjoyed it a lot. So much so, that I basically came out of the theatre and said to myself: „I’m going to get the DVD as soon as it’s out.“ Not only did I want to see it again and show it to friends, I’m also a big fan of director Danny Boyle and like his insightful audio commentaries and interviews in the DVD extras of the movies he made so far.

When I wanted to pick up the film this summer, first on my visit to the States and then later here in Germany, I found out that the DVD strangely doesn’t have any bonus material at all. I kept looking around for a Special Edition, more than willing to pay the extra money for what I would get, but there was none. There was only a BluRay, which contained all the stuff I wanted: the alternate ending I had Simon Beaufoy talk about in a podcast, an audio commentary and background material on the story that inspired the film. The BluRay version is the only release of 127 Hours that contains this material.

I noticed about a year ago that Disney started going down the same route. When Fantasia came out, I went and bought the „Special Edition“ on the day of release. I couldn’t wait to see one of my favourite animation classics again. The disc did have some extras, so I was content. It was only later that I found out that the BluRay edition featured an additional audio commentary and a feature about the „Schultheis Notebook“ in the Disney Family Museum. So the „Special Edition“ wasn’t special at all. It was a stripped down version of the release.* As time went on I noted that every new Disney release went this way: a BluRay with lots of features and a half-cooked DVD. If you know of any more releases that do the same, please point them out in the comments.

I don’t own a BluRay player for two reasons: I really don’t think HD is all it’s made out to be and I don’t have the TV to enjoy it. Even though I like to read and write about the technical side of movies, in the end, it’s the movies themselves that are important, not the immaculateness of image and sound. That is not the case when I see a movie in cinemas – where I expect the best possible projection and sound system for the money I paid – but to see it on a disc at home, I am okay with a clear and clean image. It doesn’t have to be clearer and cleaner than when it was shot.

But my viewing preferences are beside the point here. The point is that the whole reason that there is a home video market at all is because home video adds value to just re-releasing a movie at the cinema every few years (like Disney did and still does sometimes). That value originally was that it gives you free choice, when and how often you want to watch the movie again, and that it’s a lot cheaper as well. When Laser Discs and DVDs came along, the studios added more value on top of that and sprinkled extras onto the discs – we here in Germany could also finally watch the film in its original version.

The value that BluRay was supposed to add was a more pristine HD picture and sound. For lots of customers, apparently, that added value didn’t really explain why they should spend more money on movie discs and a new playing device, even if they already had an HDTV. Even now, where BluRays cost almost as much as DVDs when it comes to new releases, people don’t automatically reach for BluRay. And why should they? Most non-movie-buffs I know don’t even care if the image on their TV at home is in the right aspect ratio. Why should they care about the HD-ness of a BluRay in comparison to a DVD?

So what do corporations do whenever the quality of their new product does not improve enough on the old one and people just keep using the senior model? They discontinue it so people are eventually forced to buy the new one. That’s standard business practice. I was expecting the DVD to be taken out of circulation eventually (and I have that big TV and BluRay player lined up for purchase as soon as I want to afford it). What I hate, though, is this mishmash in between – when everything is still released on DVD, even on „Special Editions“, but it suddenly is so much worse than the new kid in town, because the manufacturer wilfully made it so. That’s just annoying. So, Fuck you!, movie studios, for taking it out on the movie lovers. Fuck you very much.

* The release in general could have done with some more bonus stuff, but that’s another story.

Soso, ein Trailer für Scott Pilgrim vs The World ist also draußen.

Ich bin unentschieden. Einerseits finde ich Edgar Wright gut und bin grundsätzlich der Meinung, dass er gute Filme macht – andererseits kann ich Michael Ceras wimpiges Gehabe irgendwie auch nicht mehr sehen. Ich kenne die Vorlage nicht, weiß also nicht wirklich, was mich erwartet, aber dafür ist mir etwas anderes aufgefallen.

Wright benutzt in seinem Film für Actionszenen die sound words der Comic-Sprache als Schrift im Bild. Hier zum Beispiel:

Damit benutzt er nicht nur die Mittel der digitalen Technik, um sich dem Medium, das er adaptiert, filmisch zu nähern – für mich eines der Merkmale meines Steckenpferds, der von mir sogenannten „Neuen Digitalen Ästhetik“, die sich u. a. durch Verfremdung und Medienhybridität auszeichnet – sondern er ist überhaupt seit langem jemand, der sich mal wieder traut, kreativ mit Schrift im Filmbild umzugehen.

Schrift, Typografie ist eines der zentralen Merkmale mehrere Kunstformen, aber im Film hat sie, abgesehen von Titelsequenzen, in der Regel keinen Platz, weil sie etwas Abstraktes ist, mit der in der Diegese des Films nicht umgesprungen werden kann. Schließlich soll Film meistens eine Nachahmung von Leben sein, und im nichtfilmischen Leben verfestigen sich sinnliche Eindrücke ja auch nicht spontan in Schriftform.

Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen auch Typografie ihren Platz in der Filmwelt hat. Das älteste Beispiel sind vermutlich stumme Zeichentrickfilme, die sich in ihrer Bildgestaltung noch sehr an ihre Ursprünge, die Cartoons amerikanischer Zeitungen anlehnten. Hier ein Beispiel aus Soda Jerks mit Mutt und Jeff von 1925 (nachkoloriert in den Fünfzigern):

Wenn man sich den ganzen Film anschaut sieht man, das er grundsätzlich stumm ist (also ohne Sprechblasen o.ä. auskommt), aber in Schlüsselmomenten Wörter ausschreibt – meistens Sound Words wie „Wheee!“ oder das „ZZZZ“ eines Schlafenden, aber in dem obigen Beispiel eben auch mal einen Moment, der genau so viel plötzliche Schlagkraft hat wie das, was ein Sound Word normalerweise repräsentiert – hier der Moment, in dem die Hauptfiguren auf einmal merken, das die Polizei im Anmarsch ist.

Obwohl sich die Praxis, Typografie als Teil der Animation zu haben, im Tonfilm nicht durchsetzte, taucht sie vereinzelt immer wieder auf, hier zum Beispiel in Werner – Beinhart (1990)

Eine weitere direkte Bezugsquelle für Scott Pilgrim ist natürlich die alte Batman-Serie mit Adam West, doch hier sind die Sound Words einzelne Bilder, die eingeblendet werden und nicht Teil des Bildes.

Zu interpretieren gibt es hier erstmal nichts, der Comic-Bezug ist relativ klar. Ich bin nur gespannt, ob das Prinzip auch im Film funktioniert, oder ob es den Zuschauer aus dem Eintaucherlebnis herausreißt.


Aber weil ich gerade dabei bin, hier noch zwei weitere Assoziationen zum Thema „Spaß mit Schrift im Film“, die ich beim nachdenken hatte. Da war einmal der clevere Einsatz von Untertiteln in Danny Boyle’s Slumdog Millionaire, wo die Untertitel Teil des bunten, dynamischen Gesamtgefüges der Bildgestaltung werden:

(Ja, ich weiß, nicht gerade ein gutes Beispiel, aber ich habe immer noch keinen Weg gefunden, meine amerikanischen DVDs, z. B. die von Slumdog Millionaire, auf meinem Mac abzuspielen – auch der VLC-Player hilft mir nicht – und deswegen musste ich mich beim einzig möglichen YouTube-Clip bedienen)

Und dann ist da schließlich noch das Beste an David Fincher’s Panic Room, der inzwischen gefühlt drei Millionen mal kopierte Vorspann, in dem die Worte in den New Yorker Straßenschluchten umherschleichen:

Dass ich 2007 einen etwas ungewöhnlichen Film als Nummer 1 meines Jahresfilmkonsums festlege, ist kein Zufall. für den ich mich selbst damals schon ein bisschen vor mir selbst rechtfertigen musste. 2007 beendete ich mein Studium der Filmwissenschaft und entschied mich dafür, mein Glück an einer Promotion zu versuchen – über Danny Boyle, den Regisseur von Sunshine, der mir so gut gefallen hatte, dass ich dachte, ich könnte es wagen (warum es nicht geklappt hat, ist eine andere Geschichte).

Tatsächlich aber halte ich Sunshine auch heute noch für einen der besten Science-Fiction-Filme des letzten Jahrzehnts. Er verbindet den „sense of wonder“ von Klassikern wie 2001 mit dem psychologischen Schrecken des ersten Alien-Films und er macht das ziemlich gut. Im Kino hat es mich beim Ansehen enorm in den Sitz gedrückt. Seine Schwäche liegt leider im dritten Akt seines Drehbuchs (von Alex Garland). Sobald die Crew der Icarus auf ihren zum Gottesanbeter gewordenen Vorgänger trifft, driftet die Geschichte manchmal etwas auseinander, der finale Kampf erschließt sich dem Zuschauer nur noch sehr spärlich.

Das ändert nichts an den tollen Bildern, sowohl außerhalb als auch innerhalb des Schiffs, der guten Musik und einem Cast, den ich in seiner Zusammensetzung der Original-Alien-Crew durchaus ebenbürtig finde: Cillian Murphy, Michelle Yeoh, Chris Evans, Rose Byrne, Hiroyuki Sanada.

Aber ich würde Sunshine heute nicht mehr als den besten Film des Jahres 2007 bezeichnen. Diese Ehre geht mit Abstand an There Will Be Blood, Paul Thomas Andersons furiose Schlacht um Öl und Wahnsinn, die mich – als ich den Film dann endlich gesehen hatte – doch stark beeindruckt hat und sicherlich länger halten wird als jener andere sehr gute Film, der den Academy Award mit heim nehmen konnte: No Country for Old Men. Sehr clever und sehr gut war auch Zodiac von David Fincher, der von der Award Season ein bisschen vernachlässigt wurde.

2007 war ein Jahr, in dem die unterschiedlichsten Sachen gut waren. Marjane Sartrapis hervorragender Zeichentrickfilm Persepolis zum Beispiel, Robert Thalheims Am Ende kommen Touristen (allein wegen des Titels), aber auch Hairspray und Enchanted, die quietschigsten Bonbon-Filme der letzten Zeit, und Hot Fuzz, der nur ein bisschen zu verquast ist, manchmal.

Tolle Bilder gab es auch bei The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford (mit einem großen Brad Pitt) und bei Across the Universe, der viele geniale Beatles-Arrangements vorweist aber eben leider nur eine Art Nummernrevue ist. Wahnwitzige Bilder zeigte auch 300, der die Technik von Sin City perfektionierte, nicht ohne allerdings den Faschist-O-Meter noch ein paar Rasten weiterzudrehen.

Unter die Haut gingen mir Le Scaphalage et le Papillon (wahnsinnig gut!) und The Kite Runner, bei dessen Steinigungsszene ich im Kino richtiggehend zusammengezuckt bin. Zwei Komödien standen bei den Kritikern 2007 hoch im Kurs und während ich Knocked Up ebenfalls sehr gut fand, nervte mich Juno wegen seiner abgegriffenen Indie-Klischees leider extrem.

Zwei Award-Season-Filme fehlen zum Schluss noch: Ratatouille setzte für mich leider die Serie der schwächeren Pixar Filme fort (an den Haaren Ziehen? Was soll denn der Quatsch?) und Atonement war eine gelungene Romanadaption mit gut geführten und wohl besetzten Schauspielern.

Dieser Beitrag ist Teil 8 der Serie
Zehn zu Null – Eine Dekade voller Filme