© Universal Pictures International, Universum Film

The Geeks were right. Das möchte man zumindest manchmal denken, wenn man sich die momentane Mainstream-Kinolandschaft anguckt. Filme mit fantastischen Wurzeln, in denen Comic-Helden Superbösewichter bekämpfen und mythische Artefakte durch magische Welten getragen werden, sind zur Norm geworden. Zur Multimillionen-Dollar-Norm. Iron Man 3 ist gerade der fünfterfolgreichsten Film aller Zeiten geworden, und er teilt sich die 5er-WG an der Spitze mit nur einem Nicht-Genrefilm (Titanic). Die drei anderen Mitbewohner (Avatar, Harry Potter 7.2 und Avengers) sind eindeutig dem Genrekino zuzuordnen.

Die zwei Biografien des Leonard N.

Für Schauspieler jedoch scheint das Genrekino immer schon ein zweischneidiges Schwert zu sein. Entweder sind die Effekte der Films so beeindruckend (und teuer), dass die Darstellenden oft automatisch in den Hintergrund gedrängt wurden, oder die Rollen wurden popkulturell so markant, dass die Schauspieler als wandlungsfähiges Gesicht danach festgelegt und gezwungen waren, ihre eigentlichen Charakterdarsteller-Ambitionen aufzugeben. Was oft folgt, sind die fünf Phasen der Trauer von Leugnung bis Akzeptanz – immer wieder schön anekdotisch zu beweisen an Leonard Nimoys beiden Autobiografien „I am not Spock“ (1975) und „I am Spock“ (1995).

Es reicht bereits ein Blick in die Wikipedia-Einträge, um die Anekdote zu relativieren, doch man braucht sich nur Schauspieler-Biografien von Malcolm McDowell bis Mark Hamill anzuschauen, um zu sehen, wie schwierig es sein kann, aus dem Genre-Korsett auszubrechen. (Ich rede hier übrigens die ganze Zeit bewusst nur von männlichen Schauspielenden, für Frauen spielen für die Karriere bekanntermaßen und beklagenswerterweise noch ganze andere Faktoren eine entscheidende Rolle.)

Willkommen in der Genrehölle

Heute ist es für große Stars fast schon selbstverständlich, eine Rolle in einem Comicfilm- oder Fantasy-Blockbuster zu übernehmen. Und Mimen von Heath Ledger bis Robert Downey Jr. haben es geschafft, diesen Rollen ihren eigenen unverwechselbaren Stempel aufzudrücken, statt umgekehrt. Doch die Gefahr des Abrutschens in die B-Gefilde des Genrekinos, bis zu dem Punkt der generellen Unbesetzbarkeit, an dem einen niemand mehr ernst nimmt (inklusive einem selbst), ist immer noch real. Man muss sich nur ansehen, was mit Mädchenschwarm Orlando Bloom passiert ist. Als Star in zwei sehr erfolgreichen Genre-Franchises, Lord of the Rings und Pirates of the Caribbean, wurde er als Wiedergeburt des Swashbucklers à la Errol Flynn gefeiert, doch nachdem er die gleiche Rolle auch noch in Kingdom of Heaven und Troy gespielt hatte, war der Ofen aus. Dramatische Rollen (Elizabethtown) floppten, stattdessen folgten die deutsch produzierten Drei Musketiere und der öffentlich geäußerte Wunsch zu den Piraten zurückzukehren. Willkommen in der Genrehölle.

Vin Diesel hat einen ähnlichen Werdegang hinter sich. Er begann Mitte der 90er als Autor/Regisseur/Schauspieler-Hyphenate mit anspruchsvollen Erforschungen von Rassenbildern und urbanen Schicksalen. Dann jedoch wurde er als Riddick und mit The Fast and the Furious und xXx zum Actionstar und es war vorbei mit den feinfühligen Rollen, obwohl Diesel die Fortsetzungen der beiden letzteren Filme ausschlug. Der Versuch, in Sidney Lumets Find Me Guilty zu punkten, schlug fehl, andere Rollen schien es nicht zu geben. Also ergab sich der Star (so scheint es zumindest von außen) seinem Schicksal und kehrte ab 2009 zu allen Franchises zurück. Erst zu Fast & Furious, dann zu Riddick und sogar ein neuer xXx-Film ist angekündigt. Irgendwann musste Diesel wohl einsehen, dass es mehr Spaß macht, als Typecasting-Opfer zu arbeiten (und als Produzent zumindest zu einem gewissen Grad sein eigenes Schicksal zu bestimmen), als gar nicht zu arbeiten. (Vielleicht hat er sich auch auf seine Geek-Wurzeln besonnen, seiner Aussage nach hat er auf bessere Drehbücher gewartet.)

Ein anderes Selbstverständnis

Wie unterschiedlich Schauspieler sich allerdings in ihrem Selbstverständnis zum Genrekino gebahren können, macht seit gut zehn Jahren der Neuseeländer Karl Urban vor, der scheinbar nicht nur in Riddick Diesels Gegenspieler ist. Obwohl auch er – wie Diesel und Bloom – vom Theater kommt, scheint er sich als Geekfavorit pudelwohl zu fühlen. Bekanntgeworden mit Rollen in „Xena“ und „Hercules“, hat Urban mittlerweile schon in der Haut von drei ikonischen Charakteren gesteckt. Er war Éomer in Lord of the Rings, Judge Dredd in Dredd und natürlich ist er der Nachfolger von DeForest Kelley als „Bones“ McCoy in Star Trek. Dazu kommen Filme wie RED und Priest. Auf seine Affinität zu derartigen Filmen angesprochen, sagt er zwar:

I don’t choose films based on genre, I just choose films based on the character and the story and who I’m working with. It just so happens that a lot of the films that I have done are particularly appealing to folks who like genre films! But I’m equally proud of my non-genre work, too.

Doch Urban scheint erkannt zu haben, dass er sich heutzutage auch im Genrekino gut positionieren kann, ohne in die Einseitigkeit abzurutschen. Dass es dort interessante Rollen gibt, die darauf warten, von guten Schauspielern mit Leben erfüllt zu werden.

Wenn der Persona Verwässerung droht

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er äußerlich eher ein Charakterkopf ist, und daher in seinen Rollen weniger den dummen Haudrauf, als vielmehr den Smarten aber Starken geben kann. Selbst in einem B-Film wie Dredd, in dem man sein Gesicht nicht sieht, vermischt er eine massive Körperlichkeit mit dem Kalkül eines modernen, intelligenten Actionhelden. Dass dies für jemanden wie Vin Diesel mit seiner massigen Physis und seiner markanten Stimme viel schwieriger ist, liegt auf der Hand. Auch ist Urban, selbst wenn er in Fankreisen berühmt ist, kein Star. Er kann in Blockbustern in Nebenrollen glänzen und dann in kleineren Filmen die Hauptrolle spielen, ohne das dies nach außen seinen Wert mindert. Diesel hat eine eindeutige Leading Man-Star-Persona, die er verwässern würde, wenn er anfangen würde, sich als Nebendarsteller in Genrefilmen durchzuschlagen.

Ein Patentrezept gibt es also nicht. Doch Urban scheint alles richtig gemacht zu haben. Er ist ein arbeitender Schauspieler, den sowohl Fans als auch Kritiker schätzen, unabhängig vom Genre, in dem er seine Fähigkeiten auslebt. Er ist kein Marquee-Level-Star, aber bekannt genug, um markante Filme für ein interessiertes Publikum zu tragen (auch wenn Dredd leider kein Kassenerfolg war). Er scheint zufrieden damit zu sein. Und wir profitieren.

1. This is what 3D is supposed to feel like. Zack Snyders trademark style, which basically lets the camera rule the space-time continuum it inhabits, lends itself perfectly to the new way of telling stories. While Snyder hardly makes use of z-axis space to convey information he couldn’t bring across in 2D, his great advantage in Legend of the Guardians is that he actually has three dimensions to move in. Almost all of the film is spent either in flight or in trees (which also means movement in three dimensions) and this is where 3D really shines. Add to that Snyders famous slo-mo-shots and some sweeping vistas and your eyes can’t stop ogling the beauty you are presented with on screen. Watching Legend of the Guardians really makes you wish, 300 and Watchmen had been in 3D. 300, especially, a film without a plot to speak of that lives purely by its visuals, could have been enhanced no end by stereoscopy. If he carries on like this with the movies he has lined up (Sucker Punch and Superman), Snyder might become one of the most prolific 3D directors around.

2. Snyders treatment of Kathryn Lasky’s novels confirms my earlier thesis that we have a lot to look forward to, if more live action directors with a clear thematic profile take to animation. Legend of the Guardians overtly reflects Snyders preoccupation with the fascist imagery and ideology of grandeur and fights of the weak against the self-styled strong. It is probably owed to the fact that Legends is aimed at kids that the lines of good and evil are drawn in an extremely simplistic way here.

3. Kudos to Animal Logic for their pitch-perfect creature and effects animation. They got to practice beaks and feathers in Happy Feet and really make the most of it in Legends. Owls, with their round faces and crooked beaks, probably topped the list of animals least likely to be anthropomorphised as heroes until this point, but the animators really did a superb job in making them believable, likeable and distinguishable. Much of this can be attributed to the realistic fluffiness of the feathers, which really serve their purpose to give every owl its individual character.

4. I have not read Kathryn Lasky’s book that the film is based on, but it wasn’t difficult to glimpse the detailed and imaginative world that Lasky has probably created in her series of novels through the bric-a-brac script that strives to cram every bit of Ga’Hoole mythology into 100 minutes of film while still leaving enough time for action sequences. The result is a desaster: The film jumps from one scene to another with hardly any transition, introduces new characters and plot twists by the minute and leaves no time at all for contemplation in much the same way that The Golden Compass or Inkheart did two or three years earlier. When will Hollywood finally stop turning fantasy novels that live by their worldbuilding into movies that pale in comparison? Hasn’t film history proven over and over again that – when it comes to fantasy genre films – short stories, novellas and graphic novels make much better source material? TV minseries are a much better medium to capture the intricacies of novels as this one, even if it means sacrificing some visual kablooie.

5. Even Rocky had a montage. But the training/getting to know their new home montage of Legends is an incredibly weak piece of filmmaking the film could have totally done without. It adds almost nothing to the exposition monologue which one of the characters, who is probably important in the novel but extremely flat here, just gave a few minutes earlier. The montage is also accompanied by a pop song which breaks with the whole atmosphere of the movie, but had to be included because it makes tie-in money and because it fits perfectly with this artist called Owl city. Get it? Because they are in a city of owls. Mercy! Please!

Addendum: Zack Snyder talks quite detailed about his 3D-ideas here and there is an extensive series of interviews with the key creatives of the film here.

Ich habe die Einträge dieses Blogs nun schon diverse Male mit dem Herrn der Ringe begonnen und ich werde es auch dieses Mal wieder tun. Nicht aus Spaß, sondern weil ich ernsthaft der Meinung bin, dass Peter Jacksons Trilogie zu den wichtigsten und einflussreichsten Filme der letzten Dekade gehört (um hier mal eine full disclosure anzubringen: ich bin für viele der Ideen gerade dieser Serie daher auch Kristin Thompson und ihrem großartigen Buch The Frodo Franchise zu Dank verpflichtet). Der Herr der Ringe ist nicht nur ein Meilenstein des digital unterlegten Kinos und ein wichtiges Beispiel für die Internationalisierung von Hollywood, die Filme sind auch gemeinsam mit den Harry Potter-Filmen die entscheidenden Filme dafür, dass die Noughties eine Masse an Fantasy-, Superhelden- und SF-Filmen hervorgebracht haben, die es so seit den Fünfzigern nicht mehr gegeben hat. Das besondere Sahnebonbon ist aber außerdem, dass diese Filme, diese Stoffe einer Randkultur, mitten im Mainstream angekommen sind: die großen Studiofilme, die das dicke Geld in die Kassen der Studios spielen.

The Lord of the Rings: The Return of the King gewann 11 Oscars. Das hatten vorher nur Ben Hur und Titanic geschafft und es war der größtmögliche Beweis dafür, dass auch die konservative Academy einen Film als auszeichnungswürdig empfindet, in dem sich über große Strecken hinweg Elfen, Zwerge und Orks in einer ausgedachten Welt die Köpfe einschlagen. Auch andere fantastische Filme hatten in den Jahren zuvor Preise gewonnen, aber meistens eben doch in Kategorien wie Schnitt, Special Effects und Sound Design und Soundschnitt (das sind beispielsweise die Kategorien, in denen The Matrix seine vier Oscars gewann). Es gibt denke ich seit The Wizard of Oz (1939) keinen Fantasy-Film (und wir reden eben nicht einfach nur von Historien-Monumentalspektakeln wie Ben Hur), der eine vergleichbare Flut von Preisen und kritischem Wohlwollen geerntet hat.

Wenn man sich die All-Time-Bestenliste der Einspielergebnisse ansieht, merkt man, dass das eigentlich keine neue Erkenntnis ist. Das Kino ist nunmal eine Illusionsmaschine und eignet sich besonders gut, um Unglaubliches anschaulich zu machen.

Es folgen ein paar Aufzählungen, nur um sich mal bewusst zu machen, was in der Folge des Erfolgs von Rings und Harry Potter alles mit großem Aufwand auf die Leinwand gebracht wurde – oft natürlich in der Hoffnung, daraus auch ein Franchise machen zu können: The Golden Compass, Narnia (2 Filme), Eragon, Bridge to Terabithia, Coraline, Tintenherz, Beowulf, A Series of Unfortunate Events, Stardust, I, Robot – mal ganz abgesehen von den vielen fantastischen Filmen ohne Buchvorlage, die ebenfalls Erfolge feierten: Star Wars (3 Filme, allerdings einer 1999), Pans Labyrinth, Transformers (2 Filme), Pirates of the Caribbean (3 Filme), King Kong, The Mummy (4 Filme, einer 1999). Alles was eher in Richtung reiner Horror geht, habe ich jetzt mal bewusst ausgespart, ebenso wie die zahlreichen Fernsehfilme (ich erinnere an Dune, Earthsea und Co).

Mit der massenhaft neuen Verfilmung von Superhelden-Comics wurde ein ganzer Seitenarm des fantastischen Genres neu aufgerollt: Spider-Man (3 Filme, 1 in Planung), Superman Returns, Batman (2 Filme), Catwoman, Iron Man (1 Film, 1 kommt bald), Hulk (2 Filme), Constantine, Hellboy (2 Filme), Watchmen, Fantastic Four (2 Filme), X-Men (3 Filme, 1 Spinoff), The League of Extraordinary Gentlemen, Daredevil (1 Film, 1 Spinoff),

Diese Listen bringen allerdings nichts, wenn man nicht zumindest auch darüber nachdenkt, was diese Masse an fantastischen Stoffen bedeutet.

Da wäre zum einen natürlich das böse Wort Eskapismus. Die Noughties waren auch die Dekade von 9/11 und es ist sicherlich nicht völlig abwegig, davon auszugehen, dass große Fantasy-Spektakel, die zum Teil in Welten spielen, wo der Kampf von Gut gegen Böse noch etwas klarer zu erkennen ist, entsprechend gewünscht sind, um einer desillusionierten Gesellschaft ein bisschen Hoffnung zurückzugeben. Man tut den Filmen unrecht, wenn man sie darauf reduziert, aber wer möchte schon verneinen, dass es manchmal gut tut, in eine andere Welt zu entfliehen, wenn diese hier etwas zu unübersichtlich erscheint.

Bei den Superhelden-Filmen zeigte sich indes die genau umgekehrte Richtung. Marvel-Charaktere wie Spider-Man und die X-Men sowieso, aber auch die traditionell etwas entrückteren DC-Helden Superman und Batman wurden in ihren neueren Filmen deutlicher in der Realität verankert als zuvor und dienten als schwach versteckte Reflektionsfläche für die Konflikte der Realität, beispielsweise den Umgang mit Außenseitern (X-Men) und der Schere zwischen Recht und Gerechtigkeit, Chaos und Ordnung (Batman).

Der wichtigste Grund aber ist und bleibt, und davon bin ich fest überzeugt, ein einfaches „weil wir es können“. Die Tricktechnik war einfach Anfang des 21. Jahrhunderts so weit gereift, dass gerade die Filmemacher der Post-New-Hollywood-Generation endlich die Chance sahen, Bildvisionen auf die Leinwand zu bannen, von denen sie bisher immer nur träumen konnten. In manchen Fällen (ich denke Eragon ist ein gutes Beispiel) führte das dann eben auch zu Filmen, die überfrachtet waren mit ihren Bildern und darüber Charaktere und Geschichte ein bisschen vergaßen bzw. erkennen ließen, dass diese auch in der Vorlage nicht zu dicht gesät waren.

Mit all dem, was allein im nächsten Jahr ansteht, wäre es wahrscheinlich vermessen zu behaupten, dass der Trend zum Fantastischen vorbei ist – gerade im Superhelden-Genre hat die wahre Exploitation mit der geplanten Zusammenführung der Marvel Avengers gerade erst begonnen. Aber ich denke doch, dass das große „Wir machen aus jedem größeren Fantasy-Zyklus einen Film“-Gefühl nach einigen Kassenmisserfolgen wie Golden Compass und Tintenherz etwas verflogen ist. Am interessantesten wird es sein, zu sehen, ob die zwei Hobbit-Filme von Guillermo del Toro noch einmal einen Boom auslösen werden.

Dieser Beitrag ist Teil 15 der Serie
Zehn zu Null – Eine Dekade voller Filme (Zweite Staffel)