In unseren Köpfen existieren nach wie vor verschiedene Konzepte von Öffentlichkeit, die mehr aus einem vagen Bauchgefühl und weniger aus tatsächlicher Zugänglichkeit rühren. Die gesamte Debattensau um Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken, Google Street View und Verpixelungsrecht, die in Deutschland immer wieder durchs Mediendorf getrieben wird, dreht sich letztlich um nichts anderes. Wenn meine Hausfassade in der physischen Welt öffentlich ist, macht es dann einen Unterschied, wenn sie auch im Internet betrachtet werden kann?

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Gestern gab es schon einen Foto/Video/Audio/Text-Post zur gerade stattfindenden CYNETART in Dresden, heute kommt noch der zweite Real Virtuality Podcast hinzu. Er enthält ein Interview mit dem Berliner Medienkünstler Jens Wunderling über sein Projekt Default to Public.

Die neueste Inkarnation dieses Projekts namens „Audience“ lädt sich automatisch öffentliche Selbstporträts aus den Weiten von Flickr, zeigt sie auf einem Bildschirm, fotografiert die Betrachter und sagt den Fotografen bescheid, dass ihre Bilder angesehen wurden.

Zuvor hat Jens schon Tweets an Hauswände projiziert und auf Sticker gedruckt und die Twitterer mit ihrer eigenen Öffentlichkeit konfrontiert. Seine Projekts stellen interessante Fragen über digitale und analoge Öffentlichkeit, den Begriff „default to public“ hatte ich vorher nur bei Jeff Jarvis gehört, der ja demnächst ein Buch zum Thema auf den Markt bringen will, und dem Jens‘ Projekt vermutlich viel Freude bereiten würde.

Hier ist der Podcast:

[Download]

Das Projekt, das Jens Wunderling im Podcast erwähnt, heißt übrigens Buscando al Sr. Goodbar von Michelle Teran.

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