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Wenn mich ein Thema umtreibt, aber ich mich nicht für fähig halte, alleine darüber zu reflektieren, suche ich mir einen Gesprächspartner. Zum Stand des „Marvel Cinematic Universe“ erschien mir Matthias Hopf die perfekte Wahl. Matthias hatte schließlich in seinem frisch relaunchten Blog „Das Film Feuilleton“ gerade erst eine Abrechnung mit dem Status von Marvels großem Transmedia-Experiment veröffentlicht, das sich inzwischen, nach dem Start von Thor: The Dark World und der ABC-Serie Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. mitten in der sogenannten Phase 2 befindet. (Leichte Spoilerwarnung für alle MCU-Filme bis einschließlich The Dark World)

Alex: Iron Man 3 und The Dark World sind an den Kinokassen extrem erfolgreich. Agents of S.H.I.E.L.D. hat ordentliche Quoten. Aber, Matthias, wenn ich das richtig verstanden habe, bist du von der Phase 2 des „Marvel Cinematic Universe“ enttäuscht, oder?

Matthias: Obwohl ich mich vor ein paar Monaten mit Iron Man 3 noch bestens unterhalten gefühlt habe, ist die Begeisterung für Phase 2 momentan auf ihrem bisherigen Tiefpunkt meinerseits angelangt. Natürlich verfolge ich immer noch mit viel Interesse die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich verheißungsvoller Querschläger wie James Gunns Guardians of the Galaxy, Edgar Wrights Ant-Man und auf Captain America: The Winter Soldier freue ich mich nach dem großartigen ersten Teil sowieso – allerdings ist rückblickend betrachtet in der zweiten Runde bisher sehr wenig Nachhaltiges passiert. Sowohl Iron Man 3 als auch Thor: The Dark World haben sich zugunsten kurzweiliger Blockbuster-Unterhaltung irgendwo im Nirgendwo des Mikrokosmos verlaufen, stets darauf bedacht, einander nur in puncto Gigantomanie zu übertreffen. Auch mit Agents of S.H.I.E.L.D. bin ich bis dato noch nicht so richtig warm geworden. Vieles läuft auf Autopilot, die mittlerweile etablierten Mechanismen greifen routiniert ineinander und am Ende rattert ein Standardprotokoll durch, das die wichtigsten Brotkrumen für den noch bevorstehenden Ausbau des filmgewordenen Comic-Universums streut. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Dennoch bin ich der Meinung, dass Phase 2 bisher viel Potenzial unangetastet gelassen hat und die bisherigen Vertreter eher unbeholfen auf dem schmalen Grat zwischen Eigenständigkeit und Franchise-Abhängigkeit balanciert sind.

Alex: Ich glaube ich stimme durchaus mit dir in der ein oder anderen Sache überein, aber lass mich einfach mal pro forma zum Advocatus Diaboli werden und die Sachen eine nach dem anderen durchgehen. Iron Man 3 zum Beispiel hat Iron Man doch quasi neu erfunden, das war doch sein großer Punkt. Tony ist relativ viel ohne Anzug unterwegs und der Film dreht sich nicht um eine so mechanistische Rivalität wie die ersten beiden Filme, sondern es ist persönlich. Dazu kommt dieser clevere Twist mit dem Mandarin und einige andere politische Seitenhiebe wie der Iron Patriot. Was kann man mehr wollen?

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Matthias: Die Neuerfindung von Tony Stark/Iron Man war an und für sich ein schöner Gedanke. Sowohl die Ereignisse in The Avengers als auch die eigenen Selbstzweifel sind stimmig zusammengelaufen, bis Shane Black außer den obligatorischen Ansagen – gebrochener Ritter ohne Rüstung – nichts mehr eingefallen ist. So eine richtige Charaktervertiefung war das nicht wirklich – eher ein Best of der Dinge, die wir an Tony Stark lieben. In ein paar Szenen blickt er sogar selbstkritisch in die Kamera, um sich schließlich wieder als Iron Man zu bekennen. Am Ende schließt sich also ein Kreis. Leider ist dieser Kreis auch nur ein überschaubarer. Sprich: Die Entwicklung des titelgebenden Protagonisten wurde mit lobenswerten Ansätzen eingeleitet, aber nicht sonderlich einfallsreich und konsequent durchgezogen. Eigentlich ärgerlich, dass Iron Man, trotz seines mittlerweile dritten Solo-Abenteuers, dem Figurentypus Superheld im 21. Jahrhundert keine neuen Facetten abgewinnen kann. Der Mandarin-Twist hingegen hat mir gut gefallen. Zumal er aus den eintönigen Marvel-Antagonisten heraussticht – selbst wenn nach der Enthüllung die politischen Seitenhiebe schnell im Spektakel der explodierenden Iron Legion untergegangen sind.

Alex: Oh, da hat am Ende definitiv zu viel gekracht. „How it should have ended“ hat doch sehr schön aufgeführt, warum diese Materialschlacht am Schluss sowieso völliger Blödsinn ist. Aber ich würde dir wirklich widersprechen, dass keine neuen Facetten offengelegt wurden. Klar, der Mythos vom Selfmade-Man wird weiter vorangetrieben und so weiter, aber ich hatte auch das Gefühl, dass der Charakter in Filmform auserzählt war. Eine radikale Abkehr vom bisherigen hätte ich sehr merkwürdig gefunden – man darf ja auch nicht vergessen, dass das Blockbusterkino ein paar Zugeständnisse verlangt, wie ein serielles Comic eben auch. Bei Thor: The Dark World, den ich ja vor allem ganz schrecklich uninspiriert inszeniert fand, fand ich die Weiterentwicklung zwar sichtbar – Thor macht eigentlich eine gute Persönlichkeitsreise durch und ist am Ende eben eigentlich weiser als sein weiser Vater, aber dafür war alles andere irgendwie so konfus. Ein ganz typisches Sequel, irgendwie, so wie Iron Man 2 – mehr ist mehr ist mehr – und dabei gerät die Beziehung zwischen Jane und Thor zum Beispiel völlig unter die Räder. Am Anfang wird ein Liebesdreieck mit Sif angedeutet, das dann einfach ignoriert wird. Ein ziemliches Kuddelmuddel, das Drehbuch, in der Hoffnung, alle zufriendenzustellen. Ist es das, was dich auch gestört hat oder Anderes?

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Matthias: „Ganz schrecklich uninspiriert inszeniert“ und „Kuddelmuddel“ sind schon ganz passende Umschreibungen. Da greift sogar der Iron Man 2-Vergleich, denn der war ein ganz schlimmer Franchise-Bastard – irgendwo zwischen Fortsetzung und Vorbereitung, aber in sich kein runder Film. Auch The Dark World schwankt unglücklich auf dem schmalen Grat dieser Ausrichtung. Letzten Endes war Alan Taylor diesem Balanceakt wohl kaum gewachsen. Am besten lässt sich das Tohuwabohu als willkürliches Stückwerk beschreiben, das erschreckend unmotiviert angerichtet wurde. Die von dir angesprochene Entwicklung hinsichtlich Thors Werdegang habe ich zwar entdeckt, so richtig mitgenommen hat mich das Schicksal des Donnergotts allerdings nicht. Der Film macht es einen dadurch, dass er unkontrolliert von Schauplatz zu Schauplatz springt und dem Zuschauer eine Handlung nach der anderen zeigt, regelrecht unmöglich, sich in die Thematik hineinzudenken. Selbst wenn mir einzelne Passagen aufgrund ihrer Stimmung und der zweifelsohne vorhandenen Dynamik im Ensemble gefallen haben, ist mir immer noch unklar, warum wer in welcher herum gehüpft ist. Zudem hatte ich oft das Gefühl, dass sich The Dark World ein bisschen für den eigenen Mikrokosmos schämt. Soll heißen, dass er es nicht wirklich ermöglicht, die vielen fantastischen Welten und Abenteuer zu entdecken und zu erleben. Alles wirkt wie ein kalkulierter Haufen aus dem großen Marvel-Topf: Austauschbar und uninspiriert. Und am Ende funktioniert er als Bindeglied genauso unausgegoren. Oder wo würdest du Thor: The Dark World (und die Rolle von Iron Man 3 und Agents of S.H.I.E.L.D.) im Marvel Cinematic Universe positionieren?

Alex: Ich muss zugeben, dass ich – egal wie unausgegoren die einzelnen Teile zum Teil wirken mögen – immer noch in Ehrfurcht vor dem großen Puzzle erstarre, das Kevin Feige und die Leute bei Marvel versuchen, zusammenzusetzen. Der Teaser nach den Main-on-End-Credits in The Dark World deutet an, dass das Ganze Konstrukt auf diese Infinity Gem-Geschichte hinausläuft, von der ich schon viel gehört habe. Auf diese Weise, in vielen kleinen Puzzlestücken, am Ende ein gigantisches Bild zusammenzusetzen, das ist schon etwas besonderes und ich hoffe sehr, dass sie auch dazu kommen, es zu vollenden und nicht vorher bankrott gehen. Wenn man noch die Tie-in-Comics zu den Filmen hinzunimmt, die streng genommen Teil des MCU sind, erklären sich zudem einige Lücken, die die Filme haben. Insofern bin ich bereit, bei den einzelnen Elementen Zugeständnisse zu machen. „Agents of S.H.I.E.L.D.“ ist sicherlich kein Meisterstück des dramatischen Erzählens im Fernsehen, aber ich weiß auch nicht, ob es das wirklich sein will. Die Serie ist ein Monster-of-the-Week-„Procedural“ wie es im Buche steht und die Charaktere wirken alle auf den ersten Blick relativ flach und bekommen erst im Laufe der Zeit ein bisschen Hintergrundgeschichte verpasst. Aber sie ist eben sehr plotgetrieben und deswegen muss sie wohl so funktionieren, schätze ich. Ich bezweifle sehr, dass die Whedons und Maurissa Tancharoen sich an Mad Men und Breaking Bad orientiert haben – und wenn wir ehrlich sind war Buffy anfangs und selbst Firefly (so sehr man es auch mythologisieren mag) nicht viel anders. Firefly war toll, weil es so Genre-bending war, aber die Charaktere waren jetzt auch kein Exempel für besonderen Tiefgang – zumindest nicht mehr als ihre Konterfeis in Agents of S.H.I.E.L.D.. Wenn es dann aber gelingt, wie in der für nächste Woche angekündigten S.H.I.E.L.D.-Folge einen Crossover mit The Dark World hinzukriegen, der wieder mal aufzeigt, dass das Universum, in denen sich diese Charaktere bewegen, größer ist als der Rahmen ihrer kleinen Fernsehserie, dann finde ich das einfach verdammt cool. Für Netflix wurden jetzt schon die ersten beiden Serien angekündigt und dieses Universum wird immer weiter wachsen. Das beeindruckt mich so sehr, dass ich dafür bereit bin, ein paar Flachheiten in Kauf zu nehmen. Zumal der Season-Plot für Agents of S.H.I.E.L.D. und der Trailer von Captain America: The Winter Soldier andeuten, dass eines der großen Themen von Phase 2 die Umkehrung der Rolle von S.H.I.E.L.D. sein könnte, die ja auch in den Avengers schon anklang – sie sind eben nicht uneingeschränkt die „Good Guys“ und vielleicht müssen sich die Superhelden im Endeffekt gegen S.H.I.E.L.D. wenden. Das wäre eine Wendung, die mir gefallen würde. Was wünscht du dir denn am ehesten für die Fortsetzung des MCU?

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Matthias: Ich bin hin und her gerissen: Einerseits wäre es mal wieder klasse, einen in sich stimmigen Film aus dem Marvel Cinematic Universe zu sehen. Auf der andererseits will ich jedoch auch mehr Vernetzung, da es aktuell vermutlich in keinem anderen Mikrokosmos derartige Möglichkeiten zur Interaktion auf der großen Leinwand gibt. Ich schließe nicht aus, dass beide Ansprüche in einem Film realisierbar sind – immerhin hat Joss Whedon in den Avengers mit seiner federleichten Regieführung demonstriert, wie die Essenz eines Comic-Universums in Filmform am besten funktionieren kann. Dennoch liest sich hinsichtlich solcher Erwartungen ein Film wie Thor: The Dark World als schlampiger Flüchtigkeitsfehler, der definitiv vermeidbar gewesen wäre. Außerdem: Mehr Experimentierfreude, Marvel und Disney! Die Marke ist etabliert und die Einspielergebnisse stimmen immer noch. Lasst bitte James Gunn und Edgar Wright ihre eigene Virtuosität mitbringen und ihre eigene Vision verwirklichen – selbst wenn dabei so ein schräger respektive erfrischender Film wie Kenneth Branaghs Thor herauskommt. Es wäre schade, wenn fortan jegliche Comic-Verfilmung als berechenbares Kalkül in die Kinos stürmt und im Grunde bereits seit dem ersten Trailer nichts Ergänzendes mehr zu erzählen hat. Wo, wenn nicht im Marvel Cinematic Universe, ist es denn momentan möglich, das Superheldentum von derartig vielen Seiten zu beleuchten und in all seinen Facetten zu präsentieren? Vor allem wenn parallel dazu vier Netflix-Serien inklusive zusammenführender Miniserie entstehen. Hier gibt es sowohl Platz für mitreißende Abenteuer als auch für die tiefgreifende Reflexion des eigenen Genres.

Alex: Auf „Mehr Experimentierfreude“ kann ich mich einigen. Marvel hat schließlich schon einmal etwas gewagt, als sie Tony Stark am Ende von Iron Man „I am Iron Man!“ sagen ließen und nach den Credits Nick Fury aus dem Hut zogen. Vielleicht ist das, was wir im Moment sehen, jetzt die Konsolidierung nach dem großen Experiment The Avengers. Ich hoffe mal, dass es spätestens mit Guardians of the Galaxy wieder nach vorne ruckt im MCU.

Matthias: Die spannende Frage ist, ob Marvel und Disney den Blick über den eigenen Tellerrand wagen und über ihren eigenen Schatten springen. Wenn allerdings eine Autorin wie Melissa Rosenberg engagiert wird, um die Marvel-Heldin Jessica Jones in ein serientaugliches Gewand zu pressen, muss ich leider zugeben, dass ich wenig optimistisch bin. Nicht zuletzt ist Rosenberg beispiellos daran gescheitert, Stephenie Meyers fragwürdigem Frauenbild in ihren Twilight-Adaptionen etwas Lobenswertes entgegensetzten. Mit solch einem Gedanken soll unser Gespräch allerdings nicht enden: Auf den Wintersoldat und allem, was dazugehört, freue ich mich wie verrückt!

Zum Start von Thor: The Dark World waren Matthias und ich natürlich nicht die einzigen, die sich Gedanken über den Stand der Dinge gemacht haben. Ein weiteres Gespräch zum Thema findet sich bei „The Dissolve“ und Devin Faraci hat bei „Badass Digest“ mal einen Vergleich mit DCs Aussichten gewagt.

Dass Fernsehen angeblich das neue Kino ist – zumindest insofern, als dass dort derzeit die interessantesten Inhalte produziert werden – ist inzwischen schon zu einer Binsenweisheit geworden. Dazu passen diverse Beobachtung, etwa dass hochwertige Serien wie „House of Cards“ anscheinend auch nicht nach dem traditionellen Fernsehmodell gedreht, sondern eher wie ein 13-stündiger Megafilm angegangen werden, in dem verschiedene Regisseure eben verschiedene Teile inszenieren (ich habe das irgendwo gelesen oder gehört, aber ich kann leider zu keiner Quelle mehr verlinken Danke an Denis für den Link). Auch ein Artikel des „Economist“ über die derzeitige Hollywoodkrise weist in die entsprechende Richtung und das Drama Blog fragt zurecht: „Steht Hollywood eine Zeitenwende bevor?“ From Tinseltown to TV-Town?

Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es auch eine Bewegung in die entgegengesetzte Richtung gibt. Besonders unter dem Banner des Disneykonzerns haben sich Strukturen herausgebildet, die das sündhaft teure Filmgeschäft durch eine Art Insourcing näher an die Produktionsbedingungen von TV heranrücken. Pixar etwa, mit seinen festangestellten In-House-Autoren, deren Arbeitsweise an die Writer’s Rooms von Serien erinnern. Und Marvel, über die „/film“ vor kurzem schrieb, ihre Verträge würden denen gleichen, die im Fernsehen üblich sind.

Überhaupt: Marvel. Deren „Mavel Cinematic Universe: Phase 1“ lässt sich eigentlich auch fast wie eine gigantische Fernsehserie lesen. Sicher, diese Struktur wurde nachgeschoben, nachdem Iron Man so erfolgreich war, aber im Grunde könnte man Kevin Feige als eine Art Showrunner betrachten, der die Serie bis zum Staffelfinale in den Avengers geführt hat. Joss Whedon ist jetzt der neue Showrunner, der Überblickbehalter über das Universum, das sich ja in der zweiten Phase/Staffel nun auch tatsächlich in ein Fernsehformat vorwagen will, mit „SHIELD“.

Nicht direkt mit dem Thema dieses Artikels verwandt, aber ebenfalls bemerkenswert: Kevin Feige hat gesagt, The Winter Soldier, der zweite Film mit Captain America wird ein Polit-Thriller. Auch Iron Man 3 soll anders werden als seine beiden Vorgänger und so den Charakteren neues Leben einhauchen. Ich finde das Konzept interessant, sich zu überlegen, aus dem „Superhelden-Film“ weniger ein Genre als eine Gattung zu machen, dem man, so Feige, „Sub-Genres anheften“ kann. Wenn Marvel weiter so erfolgreich ist, könnte innerhalb des MCU theoretisch in Zukunft Filme jeden Genres entstehen. Mit Joss Whedon im Team, der ja im Buffyversum auch schon Musicals veranstaltet hat, bin ich gespannt, was da noch kommt.

Wie bereits erwähnt habe ich durch einen glücklichen Zufall – und Hulk sei dank – überraschend zwei Karten für das deutsche Avengers-Fanscreening in Berlin gewonnen. Wenn man schon gewinnt, muss man das auch durchziehen, dachte ich mir. Ich bin also gestern spontan in Mainz in einen Zug nach Berlin gestiegen.

Das Screening fand im UCI Kinowelt auf der Landsberger Allee statt und die Wahl dieses nicht besonders glamourösen Kinos irgendwo im Niemandsland zwischen Friedrichshain und Prenzlauer Berg spricht eigentlich Bände für die Gesamtgestaltung des Abends. Abgesehen von einem armen Willi im Iron-Man-Kostüm, ein paar Kamerateams und jeder Menge Vorab-Kriminalisierung der Zuschauer, die sogar ihre Handys abgeben mussten, wurde sich wenig Mühe gegeben, der Veranstaltung irgendwie einen besonderen Anstrich zu geben. Nicht einmal eine offizielle Begrüßung vonseiten Disneys, Marvels oder deren PR-Vertreter war drin. Nur eine freundliche, amüsierte Kinomitarbeiterin wies uns vor Beginn des Films noch einmal darauf hin, dass wir zu Werbezwecken gefilmt werden und uns doch ducken sollen, wenn wir nicht im Bild erscheinen wollen.

Einem geschenkten Gaul soll man natürlich, wie Pferdehalter weltweit wissen, nicht ins Maul schauen. Und zum Glück war der eigentliche Film alle Strapazen wert. Das Publikum war ein weiterer Pluspunkt – hier wurde an den richtigen Stellen gejubelt, geklatscht und gelacht und die positive Stimmung hing in einer Denkblase über den Kinoreihen, deren Größe jeden Comiczeichner stolz machen sollte. Dass der Film ihnen (wie mir übrigens auch – mehr dazu bald an dieser Stelle) gefiel, sagten mir einige Fans hinterher sogar noch einmal ins Mikrofon:

Ein paar Lektionen zur medialen Begleitung eines solchen Ereignisses habe ich übrigens auch noch gelernt. Vor allem, dass es sich gelohnt hätte, deutlich früher vor Ort zu sein, um vor dem Einlass in Ruhe ein paar Fotos zu machen und gezielt einige Fans anzusprechen. So war ich (nicht zuletzt dank des wie immer chaotischen Berliner S-Bahn-Verkehrs) knapp eine Stunde vor Vorstellungsbeginn am Kino, musste noch für meine eigenen Karten anstehen, meine Gerätschaften abgeben und mir schließlich auch noch einen ordentlichen Platz sichern. Etwas zu hektisch, wie man leider vor allem an der Fotoqualität sehen kann. Wenn also das nächste Mal ein Filmereignis dieser Größe über Deutschland hereinbricht, werde ich vorbereitet sein.

When the first trailer for The Avengers hit the net on Tuesday, I tweeted something which has been on my mind for a few days now: I haven’t been this excited about a film and followed every step of its development since The Lord of the Rings, ten years ago. My exclamation met with incredulity from my fellow film buff friend Carsten: „I don’t get it“, he wrote. „Looks totally generic.“ And I couldn’t help but tell him, he’s right.

Others have already voiced their skepticism about Marvel’s big project. „Wired“ author Erin Biba tweeted „So I guess The Avengers is just gonna be Iron Man 3 then“, and „Cinemablend“ made an excellent list of 5 Reasons The Avengers Trailer Was Kind Of A Letdown: nothing new, no character dynamics, not enough characters, terrible music and the best reason: „It just didn’t make The Avengers seem as special as it is.“

Want to watch the trailer again? Here it is.

I think „Cinemablend“’s last reason is key here, and it ties in with Erin’s Tweet. If The Avengers will really only be a sort of Tony Stark show with a couple of other guys in the background, then it will become another generic comic book movie, maybe even a comic book movie that suffers from the extra plot stuffed in for franchise reasons like Iron Man 2. And the trailer doesn’t do much to ward off that sentiment.

Nevermind that the movie turned out to be terrible, but do you remember the first teaser trailer for The Phantom Menace? It did have that „Every saga has a beginning …“-feel to it. It had Anakin Skywalker meeting Obi-Wan for the first time, it had the moment where Darth Maul unveils his double-bladed lightsaber. It definitely got me excited. The first teaser for The Fellowship of the Ring said „It wasn’t until now that the legend could finally come to life!“ – even more excitement there. The Avengers trailer doesn’t even say „Avengers assemble!“. The teaser at the end of Captain America did a much better job at making this exceptional movie project actually look exceptional (not least because of the „Some Assembly Required“ tagline).

The question stands: Will The Avengers, the movie itself, not the effort that went into building up the project, actually be exceptional? Something the trailer pulled into question for me is: Does Marvel see this film as a culmination? A finale of sorts to the five movies that preceded it? Or will it be just a continuation of the universe they are building? If people keep expecting the former and the movie turns out to be the latter, with too many loose ends, not at least some sense of closure and no general feeling of Big Momentness – it will definitely disappoint a lot of people.

I don’t read comic books continually and generally haven’t followed any periodical narrative regularly for some time now (I only watch tv series on DVD sets), but what Marvel has been trying to do with the building of their universe and the creation of their franchises is basically to import comic book narrative mechanics into the movie world. The first Avengers book was a decisive narrative moment in time, because it brought together heroes that hadn’t worked together before, but it was no culmination, it was a beginning – and it ultimately did feel quite generic to me when I caught up with reading it recently. In one of the last panels, one of the characters says something to the effect of „A team of superheroes, huh? We could give it a try.“ Not really very momentous.

If Joss Whedon knows what he’s doing, like I hope he does, he will not make this look like Iron Man, Hulk, Thor, Cap and the rest of them are merely giving it a try. He will make this The Moment We’ve All Been Waiting For(tm), when the heroes of five movies finally assemble. And then, The Avengers will be exceptional – and not as generic as its first trailer.


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Ich bin einfach nur baff. Obwohl mich die Comics weder großartig interessieren oder ich viel über sie weiß, verfolge ich die Pläne von Marvel, 2012 einen Film der „Avengers“ ins Kino zu bringen, jetzt schon eine Weile und wollte schon länger darüber bloggen. Auf der ComicCon hat Marvel jetzt den kompletten Cast des geplanten Films mit dem voraussichtlichen Regisseur Joss Whedeon gemeinsam auf die Bühne gebracht und mir ist echt die Kinnlade runtergefallen: Robert Downey Jr. (Iron Man), Chris Evans (Captain America), Chris Hemsworth (Thor) und Mark Ruffalo statt Edward Norton (Hulk), dazu Sam Jackson (Nick Fury), Scarlett Johansson (Black Widow), Clark Gregg (Agent Coulson) und Jeremy Renner (Hawkeye).

Franchises faszinieren mich. Meinem Gefühl nach hat es seit den Dreißigern keinen so großen Erfolg von seriellen Filmen in einem so dichten Abstand mehr gegeben wie in den letzten zehn Jahren. Die wichtigsten Reihen wurden inzwischen alle rebootet um sie ans neue Zeitalter anzupassen, andere bekommen jetzt späte Fortsetzungen (ein Thema für einen weiteren Blogpost demnächst), um sie wieder auf die Beine zu bringen und neue Spin-Offs in Stellung zu bringen. Ein erfolgreiches Franchise bedeutet die Lizenz zum Geld drucken und zum Geld ausgeben. Man muss sich nur mal anschauen wie völlig überladen (und trotzdem unglaublich erfolgreich) Teil 2 und 3 von Pirates of the Caribbean waren, um zu sehen, was ein Franchise erreichen kann.

Und jetzt das: Der ganze Aufwand steuert auf ein großes Finale zu. Ein Reboot von The Incredible Hulk nach nur einem FIlm. Versteckte Szenen am Ende von Hulk und Iron Man. Eine komplette zusätzliche Storyline in Iron Man 2. Alles um jetzt noch Thor und Captain America nachzuschieben und dann alle vier Helden gemeinsam in einen Film zu verfrachten. Diese Erwartungen möchte ich nicht erfüllen müssen.

Mir fällt kein anderes Beispiel ein, das im Kino jemals so viel Crossover-Aufwand betrieben hat. Vereinzelt haben Schauspieler bekannte Rollen aus anderen Filmen in verwandten Reihen „reprised“ (man denke an Star Trek: Generations) und im vergangenen Jahr gab es beispielsweise im europäischen Krimi-Fernsehkino eine interessante Zusammenarbeit von „Soko Leipzig“ und „The Bill“, hier aber haben wir es mit deutlich mehr zu tun:

Fünf Filme von vier verschiedenen Regisseuren werden zu einem Ganzen zusammengestrickt. Das Kino scheint auf „kleinerer“ (weil weniger komplizierter) Ebene aber größerer Leinwand den Erfolg von ausgeklügelten Serien wie „Lost“ (und seiner Vorgänger „The X-Files“ und „Twin Peaks“) kopieren zu wollen, die es sich ebenfalls erlauben, viele Seitenpfade zu betreten ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Ich bin gespannt ob es ihm gelingt.

Interessant wird auch, ob so eine Armada von Stars bereit sein wird, sich nach großen Solo-Auftritten in einem Ensemble-Film unterzuordnen. Zum Vergleich stelle ich mir immer vor, es hätte in den Vierzigern eine Verfilmung der League of Extraordinary Gentlemen mit Helen Chandler (Mina Harker aus Tod Brownings Dracula (1931)), Cedric Hardwicke (Quatermain aus King Solomon’s Mines (1937)), Fredric March (aus Ruben Mamoulians Dr. Jeckyll and Mr. Hyde (1931)) und Claude Rains (The Invisible Man von James Whale) geben können, eventuell noch mit Lyn Harding als Professor Moriarty.

Ein Franchise hat bisher bewiesen, dass die konsequente Serialisierung in Blockbuster-Filmen funktionieren kann. Die Harry-Potter-Filme kommen in insgesamt acht Filmen mit der gleichen Besetzung aus (wenn man von der Umbesetzung Dumbledores durch den Tod von Richard Harris absieht) und all die großen englischen Schauspieler, die im ersten Film noch richtig wichtig waren, finden sich inzwischen damit ab, ein- bis zweimal durchs Bild zu laufen, während ein immer neues Nachladen von Stars (Ralph Fiennes, Jim Broadbent, Brendan Gleeson, Imelda Staunton) ihnen die Schau stiehlt. Diese Kontinuität, die auch das Aufwachsen-vor-unseren-Augen der drei Hauptdarsteller miteinschließt, gab es vorher wohl nur im Fernsehen (bei James Bond jedenfalls nicht).

Ich bin sehr gespannt, ob die Avengers das gleiche Level erreichen können. Und ich frage mich, ob uns noch mehr so interessanter Crossovers bevorstehen. In den Comics gab es ja sowohl DC/DC als auch Marvel/DC-Crossovers – und zumindest ein Superman/Batman-Film wäre doch eine sehr interessante Aussicht.

Und wie wäre es denn, wenn Indiana Jones im fünften Film durch ein Zeitportal ginge und sich plötzlich im Jurassic Park wiederfände. Steven Spielberg würde den Quatsch doch bestimmt mitmachen.