Ich heiße Wulf, bin 28 Jahre und blogge seit mehr als zweieinhalb Jahren Kritiken zu Filmen, Büchern und vielem mehr im Medienjournal und habe damit meine Leidenschaft in die Weiten des Internet getragen. Mein Tipp für ein ausgefallenes Weihnachtsgeschenk an Filmbegeisterte ist so simpel wie einleuchtend, zumal ich mir kürzlich zum Geburtstag ein ähnlich geartetes Geschenk selbst gemacht habe, da meine liebe Familie mir eben meist nur Bargeld zur freien Verfügung zukommen lässt.

Orientiert euch an den Lieblingsfilmen oder -serien des zu Beschenkenden und tut euch einmal im Netz um, was es nicht alles an entsprechendem Merchandise zu entdecken gibt. Denn seien wir mal ehrlich, das sind alles ziemlich unnütze Dinge, für die man nur schwerlich Geld auszugeben bereit ist, die aber dennoch das Herz so manches Fans höher schlagen lassen. Das kann eine Tasse, ein Kochbuch, eine Skulptur oder Figur oder auch ein Behind-the-Scenes-Fotoband sein, Hauptsache es entspricht der Passion der Person. Und ihr könnt mir glauben, sie/er wird sich riesig darüber freuen, auch wenn sie/er sich derartiges längst hätte selbst kaufen können, denn als Geschenk sieht die Sache schlicht anders aus und Geschenke sollen ja gerade nicht unbedingt praktisch orientiert sein. Sucht vor allem auch in ausländischen Shops, denn nicht alles ist in Deutschland erhältlich und so kommt ihr an ein bezahlbares, schnell zu besorgendes und trotzdem individuelles Geschenk, das nicht jeder hat oder hätte schenken können.

(Wulf Bengsch)

Bild: Sascha (Danke!)

Ich habe die deutsche Filmblogosphäre beschimpft, jetzt will ich sie vereinen. Seit meinem ursprünglichen Artikel hatte ich das große Glück, mit vielen Internetfilmschreibern näher in Kontakt zu treten und seitdem haben sich auch einige meiner Ansichten sogar ein bisschen geändert (mehr dazu vielleicht bald hier). Nicht geändert hat sich mein Anliegen, die Vernetzung zwischen den Filmbloggern nach außen sichtbar zu gestalten. Daher habe ich den Film Blog Group Hug ins Leben gerufen, bei dem ich Filmbloggern eine Frage schicke und ihre Antworten dann gesammelt hier veröffentliche. Das Konzept habe ich schamlos geklaut vom Criticwire Survey.

Für Group Hug Numero eins habe ich zunächst jene Leute angemailt, mit denen ich im Laufe des letzten Dreivierteljahres Kontakt hatte, und die Frage relativ simpel und mainstreamig gehalten. Ich bedanke mich an dieser Stelle schon einmal für das positive Feedback und die vielen tollen Rückmeldungen. Wie es mit dem Konzept weitergehen könnte, steht am Ende des Posts.

Die erste Film-Blog-Group-Hug-Frage lautete:

Welcher Film hat euch diesen Blockbuster-Sommer am nachdrücklichsten beeindruckt, egal ob positiv oder negativ, und warum?

Der beste Blockbuster diesen Sommer war für mich ganz klar Pacific Rim. Guillermo del Toro lebt seine Kindheit aus und man könnte meinen, wir hätten beide die gleiche gehabt. Riesige Kaijus, aus den Godzilla-Filmen entlehnt, gegen riesige Mechas, aus dem Anime entlehnt. Da geht jedem Fan dieser beiden Genres das Herz auf. Aber del Toro versteht es außerdem eine sehr detailreiche und dichte Atmosphäre zu schaffen, die den Zuschauer durch den Film trägt. Ich hab schon wieder Lust darauf.
– Patrick Thülig, Kontroversum
(Pacific Rim in den Kontroversum Shorts)

Aus familiären Gründen ist es mir in diesem Jahr erst ein einziges Mal gelungen, einen sogenannten Blockbuster zu schauen, und das war Star Trek Into Darkness. Ich habe es nicht unbedingt bereut, aber mir war das alles etwas zu viel und den guten, alten „Star Trek“-Geist habe ich auch vermisst. Aber trotzdem habe ich mich recht gut unterhalten gefühlt. Andere „Blockbuster“ habe ich nicht gesehen, aber ich muss auch sagen, dass ich jetzt nicht das Gefühl habe, etwas verpasst zu haben. Außer Pacific Rim, den ich wegen Del Toro gerne gesehen hätte. Ansonsten habe ich mich gefreut, dass ich immerhin Only God Forgives im Kino sehen konnte, den ich sehr mochte, auch wenn ich die kontroversen Meinungen gut verstehen kann.
– Marco Koch, Filmforum Bremen

© Paramount

In einer Saison der vergurkten Blockbuster (ich sage nur Man of Steel) war World War Z die positive Überraschung. Ein Zombiefilm, der auf Realismus setzt. Es sind die Details, die mich begeistert haben: Der UN-Ermittler Gerry Lane ist einer, der die Nerven behält, an Wasser und Medikamente denkt – keine Kampfmaschine, kein überlebensgroßer Held. Die Mischung von zurückhaltendem Spiel und schierem Charisma, mit der Brad Pitt diese Rolle spielt … Hut ab. Dazu Hochspannung über fast den ganzen Film.
– Thomas Laufersweiler, SchönerDenken
(World War Z bei „Schöner Denken“)

Für mich gab es in diesem Blockbuster-Sommer gleich ein paar Überraschungen. Die größte aber war mit Sicherheit Roland Emmerichs White House Down. Diesmal legt der Mann aus Sindelfingen zwar nur das Weiße Haus in Schutt und Asche, nimmt damit aber gekonnt das Herz der Vereinigten Staaten ins Visier. Das Ergebnis: sein bester Film überhaupt. White House Down ist spannend, explosiv, komisch – und hat eine gehörigen Portion Chuzpe.
– Björn Helbig, Yzordderrexxiii
(Björns Kritik bei „kino-zeit.de“)

Die (amerikanische) Sommersaison 2013 war vor allem ein hysterisches Debakel, und nur ein Film, bezeichnenderweise nicht aus der Mega-Tentpole-Ecke, konnte mich wirklich begeistern: The Conjuring – ein „haunted house“-Horrorfilm von James Wan, der zwar kaum etwas Neues erzählt, doch dafür eine inszenatorische Reife und Eleganz an den Tag legt, die absolute Kontrolle über den Stoff und das Genre beweist. Zwei klatschende Hände…und alle kleben an der Decke. Einfach meisterhaft!
– Martin Beck, Reihe Sieben
(Martins Kritik zu The Conjuring)

© Warner Bros.

Definitiv World War Z. Nachdem eigentlich alle US-Kritiker bereits im Vorfeld die Produktion für (un)tot erklärt hatten und auch hierzulande die üblichen Verdächtigen voller Wonne Verrisse schrieben, war ich vom Ergebnis angenehm überrascht. Der Film ist 1-A-Spannungskino und trotz fehlendem Gore-Faktor furchteinflößend. Und manchmal braucht Regisseur Marc Foster nicht einmal Zombies, um eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, sondern nur einen Supermarkt in New Jersey.
– Denis Krick, Ex-Couchmonster

Ich bin Blockbuster-müde, in diesem Jahr mehr als je zuvor. Das liegt nicht zuletzt an 3D, das für mich kein Bonus, sondern ein teures Ärgernis ist. Gesehen habe ich nur Iron Man 3 und Star Trek Into Darkness. Beide haben mich, als ich im Kino saß, wirklich gut unterhalten, aber einen nachhaltigen Eindruck hat keiner hinterlassen. Jetzt hole ich noch Elysium nach und dann ist mein Blockbuster-Sommer schon vorbei. Möge es ein langer Filmwinter werden.
– Thomas, Abspannsitzenbleiber

Nach intensivem Studium meiner Filmliste habe ich festgestellt, dass ich in diesem Jahr erst einen Blockbuster gesehen habe: The Great Gatsby. Bei diesem Film hat mich am meisten beeindruckt, dass Leonardo DiCaprio und Carey Mulligan allen meinen Befürchtungen zum Trotz überzeugend als Jay Gatsby und Daisy waren. Und so schön sind Hemden noch nie in einem Film geflogen.
– Sonja Hartl, Zeilenkino
(Sonjas Anmerkungen zu The Great Gatsby)

Die meisten Blockbuster habe ich eh noch nicht sehen können – aber richtig weggeweht haben mich nur zwei kleinere Filme, beides zu meiner Überraschung Kinderfilme (von denen ich seit Anfang des Jahres viele sehe): Tom und Hacke, ein wunderbarer Kinderkrimi aus der bayerischen Nachkriegsprovinz, richtig, richtig gutes Genrekino für Zwerge: spannend, düster, realistisch und komplett in Mundart. Außerdem, anders genauso gut, der französische Animationsfilm Ernest et Célestine. Ein bezauberndes Stück Kinopoesie, märchenhaft und politisch zugleich, in einer komplexen, bizarren Welt beheimatet.
– Rochus Wolff, Kinderfilmblog

© Walt Disney Pictures

Der Blockbuster, der mich diesen Sommer am meisten begeisterte, ist Gore Verbinskis Lone Ranger. Entgegen der Meinung der US-Kritiker ist dieser Western eine smarte und energiegeladene Abrechnung mit dem gesamten Genre.
– Sidney Schering, Sir Donnerbolds Bagatellen
(Sidneys Kritik zu The Lone Ranger)

Nicht unbedingt nur aus dem Grund, dass ich es kaum ins Kino schaffe und die meisten Blockbuster noch gar nicht habe sichten können, hat mich Star Trek Into Darkness von vorn bis hinten und somit am meisten begeistert, weil das Darsteller-Ensemble sowie die temporeiche und epische Inszenierung nebst beeindruckenden Schauwerten mich wohlwollend über die vielen dramaturgischen Mängel haben hinwegsehen lassen.
– Wulf Bengsch, Medienjournal
(Wulfs Kritik zu Star Trek Into Darkness)

Mein Film des Sommers ist ganz klar Pacifc Rim. Guillermo Del Toro’s Hommage an die japanischen Kaiju-Filme ist ein richtig unterhaltsames Actionspektakel. Kein anderen Blockbuster hat den oft schwierigen Spagat zwischen Action und Figurenentwicklung, inklusive einer wirklich bemerkenswerten Frauenrolle, so gut hinbekommen. Auch die liebevolle und farbenfrohe Gestaltung hat mich überzeugt. Großartig.
– Doreen Butze, waxmuth
(Doreens Kritik zu Pacific Rim bei „Kino – German Film“)

© Warner Bros

The Lone Ranger ist nicht mein liebster Film des Sommers. Inmitten der eintönigen Zerstörungsplörre vieler Konkurrenten ließ sich Gore Verbinskis in den Stummfilm verliebter Western trotzdem, einem Widerhaken gleich, nicht abschütteln. Gerade weil sein Ringen um die Vereinigung des Blockbusters mit dem Genre des Klassischen Hollywood-Kinos zum Scheitern verurteilt ist, bleibt das Millionengrab tausendmal spannender als die konventionellen Superheldenfilme der Saison.
– Jenny Jecke, The Gaffer
(Jennys Anmerkungen zum aktuellen Western bei „Moviepilot“)

Meine Wahl fällt auf Monsters University. Es ist nicht mein Favorit aller Blockbuster, aber er hat für mich persönlich eine spezielle Bedeutung. Ich habe mich intensiv mit diesem Film auseinandergesetzt und ihn mit jeder Sichtung mehr lieben gelernt. Die Details und Nuancen entdeckt. Und geschätzt. Die Message des Films, dass einem das Leben manchmal schlechte Karten gibt und dass das aber kein Weltuntergang ist, hat mich aufgrund ähnlicher persönlicher Erfahrungen ebenfalls berührt. Insofern schwingt auch sehr, sehr viel Subjektivität mit, aber on second thought – bei welcher Filmbewertung ist das nicht so?
– Owley, Owley.ch

Kick-Ass 2 war der einzige „Blockbuster“, der mich diesen Sommer ins Kino gezogen hat. Wegen mangelnder Nachfrage im kleinen Saal. Die alternative Story des ersten Teils wurde gewohnt comicnah weiter gesponnen. Hätte man sich ganz an Mark Millars Geschichte gehalten, wäre der Film nicht unbeschadet in die deutschen Kinos gekommen. Zum Glück ist Gewalt weniger die Triebfeder von Kick-Ass 2, als die Vorstellung vom John Doe, der sein Ego im Mummenschanz offenbart. Mit einem ganzen Schurkenkader, der sich einer Bürgerwehr aus überzeugten Helden stellt, wird die ursprüngliche Idee auf die Spitze getrieben.
– Intergalactic Ape-Man, Intergalaktische Filmreisen

© Warner Bros.

Mein Highlight des Blockbuster-Sommers 2013 ist ohne Frage Man of Steel. Superman fasziniert mich seit ich denken kann. Man of Steel hat mich jedoch enttäuscht. Die hektische Kameraarbeit, das sprunghafte und emotionsleere Drehbuch sowie die Zerstörungsorgie im dritten Akt ließen mich fassungslos im Sessel zurück. Trotz der starken Performance von Henry Cavill, dem Soundtrack und vielen cleveren Details muss ich weiterhin auf den „Dark Knight“-Moment für meinen Lieblingshelden warten.
– Christian Steiner, Second Unit
(Second Unit Superman Special)

Ehrlich gesagt habe ich erst vergangene Woche mit Jurassic Park 3D die wahre Blockbuster-Sensation des Sommers mit den Augen eines Zehnjährigen bewundern dürfen. Nichtsdestotrotz gab es 2013 ein weiteres Werk gigantischen Ausmaßes, dessen bewegte Bilder Ähnliches vollbracht haben: Pacific Rim. Wenn Guillermo del Toro im audiovisuellen Rausch Kaijus und Jaeger in den nächtlichen Straßen von Tokio kollidieren lässt, öffnet sich auf der großen Leinwand das Tor in eine fantastische Welt voller überwältigender Farbexplosionen und grenzenloser Abenteuerlust, die mich jedes Mal staunend wie ein Kind zurückgelassen haben.
– Matthias, Das Film Feuilleton
(Matthias‘ Kritik zu Pacific Rim)

Dass der Film nach all meinen Befürchtungen und Vorbehalten, die ich als riesiger Fan des Buches frequentiert verbalisierte, nicht nur in sich selbst geglückt ist, sondern dass er stattdessen auch im Vergleich zu vielen anderen großen Blockbustern im dritten Akt nicht versuchte sich zu übertreffen, sondern gekonnt seine Mythologie vertiefte, macht World War Z zu meinem Sommerhit des Jahres. Dank dem großartigen Erfolg des Films kann man nun auch auf Sequels hoffen, die das Buch umsetzen.
– Sascha, PewPewPew

Am meisten bewegt hat mich Paolo Sorrentinos La grande bellezza – Die große Schönheit, weil er in wahrlich meisterlicher Manier den Stillstand, die Oberflächlichkeit und die Melancholie eines Lebens (UNSERES Lebens) in einen Rausch aus Bildern und Musik gießt, wie man das heute kaum mehr zu sehen bekommt.
– Joachim Kurz, kino-zeit.de
(Joachims Kritik zu La grande bellezza)

© DCM

War das interessant? Wie oft sollte man das machen? Schreibst du auch über Film in Netz und möchtest beim nächsten Mal dabei sein? Hast du einen guten Vorschlag für die nächste Frage? Feedback am besten hier in die Kommentare. Anmeldungen und Vorschläge per Mail an grouphug@realvirtuality.info

Für mein polemisches Thesenstück zur deutschen Filmblogosphäre habe ich neun deutschsprachige Filmblogger per E-Mail interviewt. Die Auswahl erfolgte nach persönlichem Geschmack und relativer Findbarkeit im Netz.

Auf das „Medienjournal“ stößt man früher oder später automatisch, wenn man sich durch die Film-Blogosphäre wühlt, weil es – scheinbar ohne es zu wissen – einer ihrer Knotenpunkte ist. An den meisten Montagen nämlich wird dort der „Media Monday“ veröffentlicht, ein Lückentext zum Thema Film, der sich als Stöckchen (= Blog-Kettenbrief) zwischen den teilnehmenden Blogs verbreitet. Das ganze hat auf der einen Seite etwas so herzig Web-1.0-iges, wie ein nostalgisches Überbleibsel aus der Zeit, als Blogs tatsächlich noch fast ausschließlich persönliche Tagebücher waren (und in der Tat sind die meisten Media-Monday-isten auch Blogger ohne journalistischen oder analytischen Impetus). Auf der anderen Seite schafft es aber einen der wenigen Ariadnefäden, an dem man sich durch die deutsche Film-Blogosphäre hangeln kann, ohne auf Facebook und Twitter zurückzugreifen (qed, als am Montag einige Blogger erst durch den jüngsten „Media Monday“ auf meinen Artikel stießen). Kein Wunder also, das Wulf Bengsch vom „Medienjournal“ auch eine ganz andere Wahrnehmung der Blogosphäre hat, als viele andere.

Beschreibst du kurz in eigenen Worten, was du im „Medienjournal“ machst, warum, wie lange schon, und wie es dazu kam?

Also in kurzen Worten ist bei mir immer schwer, bemühen werde ich mich aber natürlich ohne Frage. Das Medienjournal existiert seit Februar 2011 und seither blogge ich in wildem Wechsel über Filme, Bücher, Serien und Graphic Novels, die mir unter die Nase geraten, seit Ende Mai 2011 zu meinem immer noch währenden Glück auf meiner eigenen Domain, die mir doch deutlich mehr Freiheiten einräumt, als es zuvor der Fall war.

Die Geschichte, wie es zur Gründung des Medienjournals kam ist ebenso alt wie gut und ich erzähle sie immer noch gerne, zumal es mir von Tag zu Tag unglaublicher erscheint, was daraus entstanden ist. Also, es war dereinst an einem… Moment, ich sollte mich ja kurz fassen: Ich saß also mit meiner Freundin vor dem Fernseher und wir sahen uns Julie & Julia auf DVD an, einen Film, der davon handelt, dass eine Frau namens Julie ein Blog eröffnet, um die Rezepte der berühmten Julia Child an 365 Tagen nachzukochen.

Meine Freundin, die zur damaligen Zeit schon eine leichte Affinität für die Kochkunst entwickelt hatte, drängte kurzerhand darauf, selbst ein Blog eröffnen zu wollen, freilich zum Thema Kochen und Backen. Pragmatisch wie ich damals war und immer noch bin, merkte ich an, dass sie dann wohl künftig lange Abende vor dem Laptop zubringen würde ob ihrer Blogtätigkeit und dass ich dann wohl notgedrungener Maßen ebenfalls ein Blog eröffnen müsse. Mein Blick schweifte durch die Wohnung und selbiger fiel alsbald auf zahllose Filme und Bücher, die meine beinahe ebenso zahllosen Regale füllen und die Idee zum Medienjournal ward geboren. Der Rest – wie man so schön sagt – ist Geschichte.

Denkst du, man braucht irgendeine Art von professionellem Hintergrund, um sinnvoll über Film bloggen zu „dürfen“?

Ich hoffe sogar inständig, dass dem nicht so ist, denn schließlich würde ich mich ansonsten selbst diffamieren, denn Professionalität in punkto Film wüsste ich bei mir nicht zu benennen. Freilich hilft es, wenn man schon einige Filme kennt und am besten auch noch Freude an deren Konsum hat. Sicherlich ist es aber hilfreich, wenn man sich auszudrücken weiß und die deutsche Sprache beherrscht, insbesondere in der Schrift, denn es gab da wirklich schon Blogger, die ich im Grunde gut gefunden hätte, wenn deren Ausdrucks- und Schreibweise nicht so gänzlich unter jedem Anspruch rangiert hätte, was mir die Lesefreude leider verleidet hat.

Ansonsten gehört vielleicht allerhöchstens Mut zum eigenen Stil dazu, denn beispielsweise auch ich bin mir durchaus bewusst, dass ich mich zuweilen schwülstiger ausdrücke als meine „Artgenossen“ und dass meine Sätze mitunter absonderliche Ausmaße annehmen. Würde ich mich dieser Tatsache allerdings verweigern, würde auch das Schreiben mir alsbald mehr keine Freude bereiten. Das wiederum würde man ihnen anmerken und es wäre rasch vorbei mit der Bloggerei. Man braucht also im Grunde rudimentäre Grammatikkenntnisse, ein Gefühl für Sprache, Leidenschaft und den Mut zur eigenen Ausdrucksweise – ja und die Sache mit den Filmen, also der Kenntnis selbiger, die wäre auch wichtig.

Dein „Media-Monday“ ist einer der wenigen Meme, der außer in deinem noch in anderen deutschen Filmblogs auftaucht. Was war der Gedanke dahinter, wie hat sich das Ganze entwickelt und was hältst du davon?

„Mein“ „Media Monday“ war ja ursprünglich mal der „Movie Monday“, ins Leben gerufen von meinem geschätzten Blogger-Kollegen Randy von „Beat the Fish“ (dessen Blog zu meinem Bedauern seit geraumer Zeit brach liegt) und somit hatte ich keine Gedanken dahinter, außer dass sich mir nach 25 von ihm ausgerichteten Episoden die Chance bot, diesen zu übernehmen und damit hoffentlich zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die Tatsache, dass der „Media Monday“ auch auf anderen Film-Blogs erscheint, beurteile ich natürlich außerordentlich positiv, denn schließlich stelle ich ja nur die Fragen und wäre da niemand, der diese beantworten würde, verliefe die Chose zugegebenermaßen relativ witz- und ergebnislos.

Die Zeit des großen Besucheransturms und der Teilnahme von beinahe fünfzig Bloggern (auch aus anderen Sparten) ist zwar lange vorbei, dennoch macht es mir immer noch eine Menge Spaß, diesen die ein um die andere Woche ausrichten zu dürfen. Zwar habe ich auch immer mal wieder damit geliebäugelt, es meinem Vorgänger gleichzutun und das Zepter weiterzureichen, doch haben mich zuletzt die herzerwärmenden Neujahrsgrüße der treuen Teilnehmer davor bewahrt, diesen Schritt unbedarft zu tun, so dass der „Media Monday“ allen Interessierten noch eine Weile erhalten bleiben und danach hoffentlich bei einem anderen enthusiastischen Blogger ein neues Zuhause finden wird.

Hast du den Eindruck, dass es darüber hinaus so etwas wie eine deutschsprachige Film-Blogosphäre gibt, in der die Blogs miteinander kommunizieren? Wenn ja, kannst du sie beschreiben?

Die hiesige Film-Blogosphäre zu beschreiben fällt mir zugegebenermaßen schwer, doch sie ist da und durchaus aktiv. Ich könnte jetzt einige Kollegen benennen, die für mich definitiv zum „Interieur“ der deutschen Film-Blogosphäre gehören, doch würde dies sicherlich auch den Rahmen sprengen. Allgemein gesagt sind sicherlich die anderen Blogger die fleißigsten Kommentatoren, ganz im Gegensatz zu dem Gros an stillen Lesern, freilich auch deshalb, weil sie (zumindest bei mir) auch auf simpelste Art und Weise eine Verlinkung abstauben können, jedoch hatte ich nie das Gefühl, dass diese Kommentare zu reinem Selbstzweck erfolgen. So kann ich also zumindest festhalten, dass die deutsche Film-Blogosphäre einerseits mehr als quicklebendig ist und andererseits einen regen Austausch untereinander pflegt. Erstaunlicherweise verhält es sich sogar so, dass gerade meine Stamm-Kommentatoren die mir liebsten Blogs betreiben, man also – um es platt auszudrücken – auf einer Wellenlänge liegt.

Mein Eindruck ist, dass dein Blog trotz dem „Journal“ im Namen, das ja irgendwie eine Art Tagebuch impliziert, einen hohen Service-Anteil hat. Ist das etwas Bewusstes und hat das einen Grund?

Also das „Journal“ ist tatsächlich bewusst gewählt und sollte auch ganz explizit den Gedanken an ein Tagebuch implizieren, da ich im Kern der Sache alles rezensiere, was mich interessiert und was ich mir in den letzten Tagen und Wochen zu Gemüte geführt habe, oftmals sogar in halbwegs chronologischer Reihenfolge. Jetzt stellt sich mir die Frage, worauf genau dieser „Service-Anteil“ abzielt oder was damit gemeint ist.

Ich meine, dass du zum Beispiel „Kino-Vorschauen“ schreibst von Filmen, die du noch nicht gesehen hast, dazu aber Empfehlungen aussprichst. Das sah für mich nach Service aus, nach dem Motto „Ich bin ein Filmexperte, und ich erzähle euch Lesern schon einmal, was ihr erwarten könnt“.

Ja, das ist natürlich schon ein gewisser Service, aber das hat sich mehr unbewusst so entwickelt und bietet auch mir persönlich einen gewissen Mehrwert, da ich sozusagen „gezwungen“ bin, mich mit den Filmstarts der Woche auseinanderzusetzen und diese zu sondieren. Die Idee dahinter war aber ursprünglich eher, dass ich dadurch eine gewisse Aktualität wahre, denn meine übrigen Beiträge folgen ja auch nicht unbedingt den neuesten Trends und News-Beiträge wird man bei mir ebenso vergeblich suchen. Als Filmexperte würde ich mich auch nicht betrachten, da gäbe es ganz andere Leute, denen das besser zu Gesicht stünde. Dennoch hoffe ich natürlich, dass meine Zeilen den einen oder anderen unterhalten und womöglich auf einen Film aufmerksam machen, der ansonsten nicht beachtet worden wäre.

Ist dir „Erfolg“ beim Bloggen wichtig? Bist du in deinen Augen mit deinem Blog erfolgreich?

Das kommt darauf an, was man unter Erfolg verstehen mag, denn beispielsweise eine stetig steigende Leserschaft ist mir durchaus wichtig und macht für mich Erfolg aus, denn würde ich nach beinahe zwei Jahren noch immer im Geiste einen leeren Raum anbrüllen hätte ich das Bloggen vermutlich mittlerweile drangegeben. Finanzieller Erfolg hingegen steht bei mir gänzlich hintenan und deshalb ist das Medienjournal auch gänzlich werbefrei, abgesehen von den Produkt-Verlinkungen im Rahmen des Amazon-Partnerprogramms, die sich aber auch stets explizit auf das vorgestellte, also rezensierte Produkt beziehen. Jedoch selbst hiermit habe ich nach anderthalb Jahren Teilnahme nicht die Auszahlungsgrenze von 25 Euro erreicht, so dass man mein Blog, würde ich nach diesem Erfolg gehen, als glatte Pleite verbuchen könnte. Die Besucherzahlen laut Google Analytics sprechen aber eine andere Sprache und letztlich sind es vielmehr diese, die ich gezielt verfolge, als der Umstand, ob ich mit einer Verlinkung ein paar läppische Cents verdient habe. Oder – um es kurz zu machen – Erfolg ist mir, in Form von Kenntnisnahme und steigender Bekanntheit – durchaus nicht egal, finanziell hingegen beinahe völlig – schließlich ist es immer noch ein Hobby.

In meinen Augen bin ich also durchaus erfolgreich und neben relativ stetig steigenden Besucherzahlen freuen mich natürlich vor allem die immer neuen Kooperationen mit diversen Vertriebspartnern, die mir durch ihre Bereitschaft zur Kooperation ja auch indirekt signalisieren, dass das Medienjournal – und somit das, was ich tue – durchaus Wert ist, beachtet zu werden.

Wie regelmäßig und wie wertvoll ist das Feedback, das du von deinen Lesern bekommt?

Was für eine Frage! Natürlich ist das Feedback das Wertvollste, denn es bedeutet, das sich nicht nur jemand dazu bequemt hat, einen der im Schweiße des Angesichts verfassten Texte zu lesen, sondern sich seinerseits auch noch die Mühe gemacht hat, hierzu einen Kommentar zu verfassen – ein größeres Kompliment kann es für den Verfasser doch kaum geben (außer vielleicht dem Pulitzerpreis)! Die Regelmäßigkeit schwankt natürlich von Artikel zu Artikel und es könnte mehr Feedback sein, jedoch bin ich manchmal auch nicht besser und finde selten genug die Zeit, Kommentare auf anderen Blogs und Seiten zu hinterlassen, gelobe hier aber natürlich Besserung für 2013.

Welche Blogs (über Film und drumherum) liest du selbst? Zu welchem Zweck?

Im Grunde lese ich all die Blogs, die in meiner Blogroll vertreten sind mehr oder minder regelmäßig, weshalb ich mich auch für eine Blogroll entschieden habe, die immer die neuesten Artikel anzeigt, so dass ich auch fernab meines Feedreaders, in den ich nur sporadisch schaue, auf dem Laufenden bleibe. Warum ich diese Blogs lese sollte klar sein, zur Unterhaltung, aus Interesse und weil ich teils auf freundschaftlichem Fuß mit den Damen und Herren stehe, die dort ihre Meinung zum Besten geben.

Gibt es nach deiner Ansicht im Bereich Film im deutschsprachigen Web so etwas wie Leitmedien? Was wären die?

Leitmedien sind immer schwierig zu definieren, aber spontan würden mir da sicherlich moviepilot.de, filmstarts.de und natürlich mit internationaler Ausrichtung die IMDb einfallen, zumindest sind dies meine ersten Anlaufstellen, wenn man eben einmal von den zahlreichen Blogs absieht.

Wenn du an der ganzen Sache mit dem Bloggen, wie es im Moment läuft, etwas ändern könntest, was würdest du ändern?

Ich würde mir wünschen, mit etwas mehr Disziplin an die Sache herangehen zu können, mehr Zeit für mein Blog erübrigen zu können, als ich es sowieso schon tue. Es wäre toll, wenn ich irgendwann einmal dahin fände, ein paar Artikel fertig in der Schublade zu haben und nicht jeden Abend vor dem Laptop zu sitzen und meine Rezensionen ad hoc zu verfassen, zumal ich das Bloggen dadurch immer wieder ausfallen lasse, wenn anderweitige Freizeitaktivitäten anstehen. Wenn ich also etwas ändern könnte, würde ich mir gerne eine Extrastunde pro Tag einräumen, in der ich mich darum bemühe, künftige Rezensionen auf ihre baldige Veröffentlichung vorzubereiten. Ansonsten läuft es im Moment ja ganz wunderbar und so lange mir meine Leser, Kommentatoren und Pressekontakte gewogen bleiben, kann auch 2013 im Grunde nichts schiefgehen, denn das Bloggen macht Spaß wie eh und je – und das ist ja schließlich die Hauptsache, oder?!

Es gibt keine deutsche Film-Blogosphäre. Ich habe wochenlang überlegt, wie ich diesen Artikel beginnen soll, unter Lese- und SEO-, unter Ego- und Zielpublikums-Gesichtspunkten, aber letztendlich bringt es ja doch nichts, lange um den heißen Brei herumzureden. Ich bin der Meinung, dass die deutschen Medien zum Thema Film im Netz kaum etwas miteinander verbindet, was unter eine „Sphäre“ Platz hätte. Mein Bauchgefühl war das schon länger, aber meine Beobachtungen des letzten halben Jahres und die Interviews, die ich geführt habe, haben es zum großen Teil bestätigt.

Das hier ist eine Streitschrift. Aber ich will nicht stänkern. Ich will zum Diskutieren anregen, indem ich zwei meiner Leidenschaften verbinde und Medienjournalismus über Filmjournalismus mache, was viel zu selten passiert. Weil ich zur Diskussion anregen will, habe ich meine Meinung auf vier Thesen zugespitzt und lehne mich für’s erste nur auf die Zitate, die sie bestätigen. Ich hoffe natürlich, dass die kommende(n) Woche(n), wenn ich nach und nach auch die vollen Texte der Interviews hier veröffentliche, tatsächlich über die Thesen diskutiert wird und die Bandbreite der Meinungen damit klarer wird.

Ich weiß, dass – wenn überhaupt – auch auf Facebook und Co. diskutiert werden wird, aber denkt auch daran, dass die zweite Absicht dieser Artikel ist, die deutsche Film-Blogosphäre vielleicht doch noch zu einer zur machen. Hört auf Papa Haeusler.

These 1: Es gibt keine deutsche Film-Blogosphäre

Vielleicht ist meine Wahrnehmung schief, und ich verstehe unter einer Blogosphäre das falsche. Für mich ist das Bild des Netzes wichtig, das einzelne Knoten miteinander verbindet, darüber aber eben das der Sphäre, die wie eine Glocke, wie ein Himmelszelt, über allem schwebt. Wenn man von der „deutschen Blogosphäre“ spricht, denken doch hoffentlich alle ungefähr an dasselbe. Die deutsche Blogosphäre, das sind die, die sich jedes Jahr auf der re:publica treffen, ihre Gallionsfiguren sind Leute wie Lobo, Beckedahl, Gröner, Häusler, Borchert – unsere digitale Bohème. Die gehören irgendwie zusammen, denkt man sich so. Die reden miteinander und hecken bestimmt gemeinsam einen Plan aus, stecken unter einer Decke vor allem auch gegen die etablierten Printmedien, die uns immer noch erzählen wollen, Bloggen wäre minderwertiges Schreiben.

Kleinere Blogosphären gibt es wohl auch für bestimmte Themen. Essen. Technik. Gadgets. Medien. Mode. Aber nicht für Film. Zumindest nicht in Deutschland. Im englischsprachigen Raum hat man das Gefühl, dass sich die Blogger untereinander kennen und gleichzeitig jeder für sich und alle zusammen arbeiten. „Ich denke da schwärmend an Comic-Con-Videologs, in denen Autoren von /Film, Collider, First Showing, Joblo und Cinema Blend wie Kumpels zusammenhängen“, schreibt mir Sidney Schering alias Sir Donnerbold. Und fügt dann hinzu: „Das scheint es hier nicht zu geben.“

In Deutschland gibt es höchstens Cluster. Sozusagen: Mini-Blogosphären. Einen dieser Cluster nennt Ciprian „Chip“ David von „Negativ“, die „Berliner Elite“. Christoph Hochhäusler, der selbst ein Teil davon ist (und einer der wenigen deutschen bloggenden Filmemacher), nennt sie natürlich nicht so, antwortet aber mit den gleichen Namen wie Chip auf die Frage, ob es eine deutsche Blogosphäre gibt: „Ja die gibt es. Zwischen new filmkritik (als einer der ältesten Seiten dieser Art in Deutschland) und Cargo und critic.de und Lukas Förster und Thomas Groh und The Wayward Cloud und Eskalierende Träume und auch Revolver natürlich gibt es viele Verbindungen.“ Und dann schreibt er, es gebe auch „andere Cluster dieser Art“ (daher habe ich mir dann auch den Begriff geborgt).

Ein weiterer Cluster gruppiert sich zum Beispiel um moviepilot.de. Zu diesem würde ich die „Fünf Filmfreunde“ zählen, das größte deutsche Filmblog, und das einzige, das auf meine Kontaktanfrage leider nicht reagiert hat – denn „Batzman“ Oliver Lysiak arbeitet bei Moviepilot, ähnlich wie etwa Jenny „The Gaffer“ Jecke. Und ich würde auch noch Sascha Brittner von pewpewpew.de dazuzählen, einfach weil er mit seinem Blog ähnlich erfolgreich ist und auf Twitter von den gleichen Luten verlinkt wird (er hat das selber nie gesagt). Und zu Sascha gehört dann wiederum Stefan Rybkowski und ein paar mehr.

Das „Medienjournal“ vereint noch ein paar Leute, die relativ weit weg sind vom „professionellen“ Bloggen, aber gerne über Filme im Netz schreiben, die sie mögen, mit seinem „Media Monday“. Kein Wunder also auch, dass Wulf Bengsch von „Medienjournal“, der Meinung ist, dass „die deutsche Filmblogosphäre mehr als quicklebendig ist“ und „einen regen Austausch untereinander pflegt“.

Ich glaube aber, dass das nicht stimmt. Es findet insgesamt kein Austausch statt, sondern eben nur in solchen Clustern, die nur sehr wenig Berührungspunkte haben. Einer der Gründe dafür ist meine These zwei.

These 2: Den deutschen Netzfilmschreibern fehlen die deutschsprachigen Leitmedien

Die Frage war eine der kontrovers beantworteten in meinem Mail-Fragebogen. Brauchen wir überhaupt Leitmedien? Ist das Leitmedium einfach „Facebook, Traurig aber wahr“ wie Martin Beck meint? Weil dorthin die Diskussion abgewandert ist? Oder sind es einfach die großen amerikanischen Filmseiten wie /film, Twitchfilm oder Collider, von denen alle deutschen Blogs ihre Informationen bekommen (und deren Autoren übrigens – das muss man an dieser Stelle einmal mindestens sagen – bezahlt werden)? Eine definitive Antwort konnte mir jedenfalls niemand geben. Niemand konnte mir eine Seite nennen, die jeder, der in Deutschland über Film bloggt, lesen sollte, einfach aus Prinzip, egal ob er sie gut findet oder nicht (wie etwa turi2 im Medienjournalismus).

Klar, es geht „nichts an den Fünf Filmfreunden vorbei“ (Sascha Brittner), aber die „Fünf Filmfreunde“ posten Trailer und Infos weiter über einen sehr begrenzten Radius von Filmen, und die Infos kommen fast immer von den US-Seiten. „Es gibt natürlich beliebte Filmblogs und Aushängeschilder wie die fuenf-filmfreunde.de, über die man garnicht nicht stolpern kann, wenn man den deutschen Film-Blog-Wald durchforstet, wie auch die grossen Filmportale wie Moviepilot.de. Letztere sind jedoch viel zu breit aufgestellt, inhaltlich verwässert und selten mit Charakterköpfen besetzt“, sagt Severin Auer von ANIch. Die Antwort? „Wir brauchen mehr und selbstbewusstere Aggregatoren, die eine Art Portalfunktion übernehmen und vielleicht auch bestimmte Fragen ‚plakatieren‘, den Streit organisieren, die Arena dafür bieten“, sagt Christoph Hochhäusler.

Das einzig Dumme dabei? Die paar Seiten, die es wirklich versucht haben; die wirklich versucht haben, auf einem hohen Niveau umfangreich zu informieren und zu deutschen Leitmedien neben den großen Printmarken zu werden, sind eingeknickt. Martin Beck, der „so eine Art deutsches Twitch“ mit reihesieben.de bauen wollte, stellte fest, dass sich das „einfach nicht stemmen ließ“. Und den prominentesten Untergang (inklusive Wiedergeburt) hatte sicherlich „Negativ“:

„Nach zwei Jahren wurde uns klar, dass ohne angemessene Gehälter die Wenigsten auf Dauer motiviert bleiben, eine immer größer werdende Seite zu betreiben und dass diese Seite sich immer mehr thematisch und qualitativ einem wirtschaftlichen Diktat unterordnet, und sich somit von unserem ursprünglichen Ideal, gut und immer besser über Film zu schreiben, entfernte. Als es klar wurde, dass die wirtschaftliche Ausrichtung in eine Sackgasse führte und das Verfolgen dieses Ziels für einige von uns Selbstdestruktion oder zumindest geistige Stagnation bedeutete, zogen wir die Notbremse.“
– Ciprian David

Wir brauchen also einen guten, deutschsprachigen Aggregator. Ein Must-Read-Blog, das die deutsche Film-Blogosphäre irgendwie über ihre Cluster hinweg eint und Diskussionen befeuert. Denn:

These 3: Die guten Inhalte, die es gibt, werden nicht gefunden

Als ich damit anfing, die deutschen Netz-Filmschreiber zu vermessen, habe ich mir Blogrankings angeschaut und mich von da an weiter vorgearbeitet. Ich fand einiges, was mir gefiel, einiges, was ich langweilig fand. Aber viel interessanter fand ich, dass ich manchmal Monate später noch auf Blogs stieß, von denen ich noch nie zuvor etwas gehört hatte (und nein, sie waren nicht erst in der Zwischenzeit entstanden).

Es ist nämlich mitnichten so, dass alle nur entweder private Filmtagebücher führen oder Trailernews von großen US-Seiten abschreiben (wie ich am Anfang dachte). Nein, es gibt Leute, die fantastische Ideen haben, die mit Stills arbeiten wie die Könige, die interessante Meta-Analysen über ganze Genres oder Epochen fabrizieren. Aber eben auch sehr gute Blogs, die auf bestimmte Themen spezialisiert sind. Es gibt sogar etwas, was mir im deutschen Filmjournalismus generell oft fehlt, den „typischen US-Mix aus Wissen und Passion“ (Sidney Schering) – den Willen, Service für unerfahrene zu bieten, diesen aber leidenschaftlich rüberzubringen (zu meinen persönlichen Favoriten gehören, auch der Themen wegen, „Digitale Leinwand“ und das Blog eben von Sidney Schering, „Sir Donnerbolds Bagatellen“).

Aber:

Es gibt regen Austausch auf Plattformen wie Facebook zwischen miteinander bekannten (Online) publizierenden Filmnerds, zu denen ich mich auch gerne zähle. Und natürlich gibt es Blogrolls. Aber es fehlen doch ein wenig die Netzwerkeffekte, was möglicherweise mit der grundlegenden Tendenz in Deutschland zusammenhängt, im eigenen Blog oder Magazin nur wenig die Artikel anderer zu zitieren.
– Frédéric Jaeger, critic.de.

Also (und ich kann mich da selber nur mit einschließen): Vertraut nicht auf die Blogrolls, auf die Twitterfeeds und Facebook-Updates. Radikal gesagt: Wer sich nicht zu schade dafür ist, einem neuen Trailer zu Film X einen Blogpost zu widmen (vielleicht auch in der Hoffnung auf Klicks), der kann auch die Arbeit eines Kollegen mit einem Blogpost würdigen. „Natürlich ist es sehr schön, wenn man als relevante Quelle erkannt wird, einige Seiten sind aber auch sehr erfolgreich darin, meine Inhalte umfassend zu kopieren und zu veröffentlichen, natürlich weder zitiert noch verlinkt“, sagt Gerold Marks von „Digitale Leinwand“. „Es ist auch für mich frustrierend, wenn ein lange erarbeiteter Artikel mit viel Rechercheleistung nur ein paar hundert Leser interessiert, das Publikum auf das neue Bild vom nächsten Star Trek-Film aber abfliegt wie Wespen auf Butterkuchen.“

Es ist ein ewig frommer und ewig unerfüllter Wunsch, dass der harte Journalismus mehr (oder genauso viel) Aufmerksamkeit erfährt, wie der grellste Boulevard. Die deutsche Film-Blogosphäre wird ihn nicht erfüllen können, aber sie kann zumindest ihr bestes geben, Juwelen auszugraben. „Da sind schon einige Perlen dabei, die leider nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen“, sagt Sascha Brittner. Allerdings:

These 4: Die nervige Trennung zwischen E- und U-Kultur lebt im Netz fort

Und damit wären wir wieder am Anfang. Einer der Gründe, warum die „Cluster“ nicht zueinander finden ist, dass ausgerechnet Film, das Medium, das Pop- und Hochkultur so gut vereint, wie kein anderes, noch immer von verschiedenen Seiten betrachtet wird. Und wer auch immer auf einer dieser beiden Seiten steht, scheint die andere Seite für vernachlässigbar zu halten.

Das Interessante, aber auch Tragische dabei ist, dass es anders als bei der traditionellen Hoch-/Pop-Demarkationslinie beim Schreiben über Film nicht mehr um das Objekt (also den Film) geht, sondern um das Subjekt, also den Autoren. Es geht also um das E und U innerhalb der Kritik. „Das Publikum ist heute sehr ausdifferenziert, entmischt sozusagen, und das schlägt auf das Kino zurück“, schreibt mir Christoph Hochhäusler. Man kann also die gleichen Genres lieben und trotzdem nicht miteinander reden wollen. Ist das nicht zum Kotzen?

Mir ist in meinen Interviews zum ersten Mal der Begriff „Stuntschreiber“ untergekommen. Martin Beck von „Reihe Sieben“ hat ihn benutzt. „Das sind verzwirbelte Typen, die vor allem dadurch auf die Pauke hauen, dass sie a) möglichst viele Fremdwörter in möglichst lange Sätze packen und/oder b) ihre ‚Meinung‘ immmer konträr zur kollektiven Empfindung postieren.“ Das klingt übel. Es hat mir zwar keiner so gesagt, aber ich habe das Gefühl, dass die andere Seite über die „Fan-Kultur“, die auf der anderen Seite der Linie herrscht, genauso denkt.

Eine meiner Ursprungs-Thesen, die sich nicht bestätigt hat, ist, dass die Linie zwischen „Profis“ und „Amateuren“ verläuft, also zwischen denjenigen, die Film oder Medien „gelernt“ haben, und denen, die einfach gerne Filme sehen. Ich glaube aber, es ist vielmehr einfach eine Einstellungssache. Ein Mangel an Bereitschaft, andere Sichtweisen zuzulassen. „Reine Filmblogs, noch dazu professionelle oder semiprofessionelle, scheinen mir im deutschsprachigen Raum doch giftiger zueinander zu stehen als US-Seiten“, sagt Sidney Schering.

Zusammenfassend: Bloggen ist in Deutschland immer noch als Niederes Schreiben verpönt. Im Filmbereich liegt das aber auch daran, dass die Film-Blogger keine Lobby haben und sich auch keine Mühe geben, eine zu bilden. Sie mosern lieber herum, statt sich gegenseitig zu unterstützen. Einfacher wäre das natürlich, wenn jemand voranschreiten würde, den es noch nicht gibt, mit dem sich aber FilmwissenschaftlerInnen und Fanboys und -girls gleichermaßen arrangieren könnten. Vielleicht kommt ein derart messianisches Blog eines Tages des Wegs, vielleicht nicht. Aber es könnte auf jeden Fall besser sein, als jetzt. Oder?

„Die unhaltbaren Missstände in der Filmpolitik und der Filmkultur fördern hoffentlich die vereinende Kraft zutage, gegen sie aufzubegehren. Das ist eine Utopie, mit der ich mich identifizieren kann: ein Kampf freilich, aber ein gemeinsamer.“ – Frédéric Jaeger, critic.de

Disclaimer: Ich entdecke täglich neue Filmseiten. Es ist also hoffentlich klar, dass es nicht beabsichtigt ist, dass ich manche Ecken der deutschen Filmblogosphäre wahrscheinlich völlig unbeleuchtet gelassen habe. Ciprian David kenne ich persönlich, wir haben ein oder zweimal lose gemeinsam über das Thema diskutiert.

Meine erste persönliche Bilanz gibt es hier.

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