Worte zur Wochenmitte

5. Mai 2010

Irgendein Amateur hätte das Handyfoto vermutlich einfach bei Twitpic hochgeladen mit der Unterschrift: „Heute am Kemnader See Baumstamm Krokodil entdeckt”. Oder als Leserfoto an „Bild” geschickt, die nach eingehender Prüfung festgestellt hätten, dass es sich nicht um ein Krokodil handelt, sondern ein Alien.

Stefan Niggemeier , stefan-niggemeier.de
// Journalisten machen Kemnader See unsicher

Wir leben in Deutschland, nicht in Syrien. Das bedauere ich bisweilen, wenn ich aufs Wetter schaue, aber ich hatte schon das Vergnügen, in Damaskus mit Journalisten zu arbeiten und kann sagen: Deutschland ist ein Paradies im Vergleich zu Syrien, wenn es um die negative Pressefreiheit geht.

Matthias Spielkamp , kress.de
// „Journalisten nicht wie Bittsteller behandeln“

They’re calling it „social micropayments,“ which has people mentioning Scott McCloud and Penny Arcade and old arguments long since passed by. I think this is unfortunate, because not only isn’t this a micropayment system, it does the concept of micropayments a disservice.

Eric Alfred Burns , Websnark
// By the way? The Soonr™ web services ending in ‚r‘ stop dropping the ‚e‘ before that r, the Bettr™.

Pulling off a wish like this one required a big story, and a lot of heart. And so, with a note of panic in his voice, Spider-Man explained the dilemma: „Dr. Dark“ and „Blackout Boy“ had imprisoned the Seattle Sounders in a locker room at Qwest Field. Only Electron Boy could free them.

Katherine Long , Seattle Times
// Local boy with cancer turns into a superhero for a day

Worte zur Wochenmitte

21. April 2010

Da sind Journalisten wie jener J. (was wohl für Johannes steht) Boie von der „Süddeutschen Zeitung“. Für den Leser quälend trieft durch ihre Zeilen der Neid, dass da Leute das gleiche Handwerk betrieben wie sie: schreiben. Und das tun sie einfach so, als Hobby. Sie schreiben nicht über das, was ihnen Ressortleiter, Chefredakteure oder die Tagesaktualität diktieren – sie schreiben über das, was sie interessiert. Dabei sagen sie auch noch deutlich ihre Meinung. Und dafür ernten sie dann auch noch Leserkommentare, Resonanz und dürfen auf einem Kongress stehen und Bier trinken.

Thomas Knüwer , Indiskretion Ehrensache
// Re-Publica 10: der Neidfaktor

Was jemand da Marco Schreyl auf die Moderationskarten geschrieben hat, ist nicht nur erschütternd in seiner Zeitschinderei, es ist nicht nur bekannt, falsch, dumm oder albern (all das ist es auch). Es feiert seinen eigenen Sadismus, einen brutalen Ausleseprozess, einen menschenverachtenden Sozialdarwinismus, auf eine Art, die man kaum anders als faschistoid nennen kann.

Stefan Niggemeier , Fernsehblog
// „Der Verlierer steht für immer im Schatten“: Das Weltbild von DSDS

I remain convinced that in principle, video games cannot be art. Perhaps it is foolish of me to say „never,“ because never, as Rick Wakeman informs us, is a long, long time. Let me just say that no video gamer now living will survive long enough to experience the medium as an art form.

Roger Ebert , Chicago Sun Times
// Video games can never be art

Apple-style secrecy may help drive some sales, but ultimately it’s the usefulness, durability, affordability, and availability of a product that play the greatest roles in sales. Being a rational man who appreciates the scientific method, Steve Jobs might want to consider dumping the pixie dust for one product cycle and see if that strategy increases sales.

Jack Shafer , Slate
// The Apple Secrecy Machine

Worte zur Wochenmitte

14. April 2010

These flights that aim to give their spectators the same sense of motion through space have fast become the signature image of the 3D feature film, the sign that it has yet to transcend its theme park tendencies to assimilate the technology with the usual dramatic imperatives (or that 3D will always have limited applications).

Dan North , Spectacular Attractions
// How to Fly in 3D

As I settle down to try to unravel the eight centuries of myth and legend that have accreted around the outlaw, I am looking at a still from the new Ridley Scott movie, which will open the Cannes film festival on 12 May. Russell Crowe – looking the spit of Maximus, the hero of Gladiator, with cropped hair, bloodied cheek and an expression of furious determination – is astride a horse. The horse, naturally, is white: what else would a hero, about to save England from French invaders, ride? I fear there may be some historical disconnect here.

Stephen Moss , The Guardian
// My Search for the real Robin Hood

Ganz klein hat sich die ARD mit dieser Geburtstagsdokumentation gemacht. So klein, dass sie sich selbst riesig finden musste, schon wegen der vielen Leute! Und der ganzen Mikrofone! Und der blinkenden Lichter!

Stefan Niggemeier , Fernsehblog
// Der sechzigste Geburtstag, oder: Der ARD geht’s wohl zu gut

You’re watching „Commentary: The Movie“

„Dan Masters“ , College Humor
// DVD Commentary: The Movie
[via Cinematical]

The Collected Diekmann-Luv

2. Februar 2010

(Anmerkung, 3. Februar: Leider hat Kai Diekmann nach dem 100. Tag alle seine Spuren verwischt und nur noch ein Denkmal stehengelassen. Damit ist die unten stehende Linkliste leider hinfällig.)

Stefan Niggemeier hat auf seinem Blog mal wieder Bilanz gezogen, diesmal über das Blog von Kai Diekmann, das ich die ersten paar Tage auch noch ganz witzig fand, das mir dann aber mit seinen Fisimatenten, seiner Selbstbeweihräucherung und der für „Bild“ üblichen Schamlosigkeit nach einiger Zeit gehörig anfing, auf die Nerven zu gehen.

Am Ende seines Artikels steht bei Niggemeier ein erstaunliches Fazit:

Fragt man Leute, die ihn ein bisschen kennen, was Diekmann eigentlich antreibt, ob er Macht will, die Welt verändern, berühmt werden, sagen einige auch: Er will geliebt werden. Er kann sich mit den ganzen Wichtigen schmücken, die mit ihm reden, aber wie viele davon tun es wirklich freiwillig und gerne?

Das klingt für mich nach einer ganzen Menge Wahrheit. Deshalb hier nur mal eine kleine Liste, wie sehr sich Diekmann in seinem Blog von Anfang an als der darstellte, der von allen geliebt wird oder werden will.

Zitieren wir zum Abschluss noch einmal Niggemeier:

Jetzt wird er ein bisschen geliebt und musste dafür nicht einmal ein besserer Mensch werden.

Hundert Tage sind dann auch genug.

Ich bin zeitlich nicht dazu gekommen, das Internet-Manifest zu kommentieren. Ich stimme mit vielen Punkten überein, würde aber jederzeit auch zugeben, dass sie mir teilweise dennoch Angst einjagen.

Denn wie man an diesem (nicht oft genug Neues entwickelnden) Blog sieht: Ich übe das (nicht private) Bloggen noch (Neil Gaiman sagt übers Schreiben, dass man seine Stimme finden muss. Im Print habe ich sie gefunden, im Blog noch nicht). Obwohl ich jung an Jahren bin, das Internet toll finde und mich geschätzte 80 Prozent meines wachen Lebens dort aufhalte, habe ich manchmal das Gefühl, dass mir die etablierten, „sicheren“ Institutionen des Printjournalismus mehr liegen als die Hauruck-Welt des Netzes bzw. des Netzjournalismus. Vielleicht hat es auch andere Gründe, aber das ist auch egal.

Das Internet-Manifest ist tatsächlich ein bisschen großspurig und ein bisschen banal und ein bisschen „State the Obvious“. Ich würde es trotzdem unterschreiben, weil ich jemand bin der an Fortschritt und an Neues glaubt – auch im Journalismus – und weil ich jemand bin, der glaubt, dass revolutionäre Entwicklungen nicht aufgehalten werden können und nicht aufgehalten werden sollten. (Früher oder später werde ich mich auch Twitter beugen müssen, auch wenn ich zurzeit noch ein bisschen anstänkere – aber fröhlich Facebook-Updates benutze).

Noch viel schneller allerdings würde ich Stefan Niggemeiers überlange Rechtfertigung und Erklärung des Manifests unterschreiben. Darin stehen so viele kluge und gleichzeitig sympathische Gedanken, die wieder einmal beweisen, dass Niggemeier einer der klügsten Kommentatoren der deutschen Medienlandschaft ist – auch wenn er manchmal über die Stränge schlägt.

Die Tagesschau-Rekursion

28. Juli 2009

Stefan Niggemeier hatte sich vor einigen Wochen fasziniert gezeigt, wie die Westfälischen Nachrichten fast rekursiv über ihn berichtet hatten.

Für einen ähnlich albernen Fall von Rekursion halte ich eigentlich die letzte Woche ausgetragene Blog-Diskussion der „Tagesschau“.

Man muss es sich nur noch mal vor Augen führen:
1. „Tagesschau“-Chefredakteur Kai Gniffke menschelt im Tagesschau-Blog über das Sommerloch und sagt: „Aber wenn wir ehrlich sind, hätte man jedes, ja wirklich jedes unserer heutigen Themen auch lassen können.“
2. Der Leiter des Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf, antwortet in den Kommentaren und motzt, dann könnten die Mitarbeiter in Berlin ja auch nach Hause gehen.
3. Mediendienste wie dwdl und Meedia berichten über den Austausch und kurz darauf steigen auch diverse Printmedien ein.

Warum folgt 3. auf 2. und 1.? Weil tatsächlich Sommerloch ist und es nichts Besseres oder Wichtigeres zu berichten gibt. Womit Gniffke bewiesen wäre.

Und um den Zirkelschluss perfekt zu machen, bloggt der „Tagesschau“-Chef kurze Zeit später dann wieder über die Berichterstattung. Leider hat Deppendorf das dann nicht mehr kommentiert.

Meine spontante Assoziation? I don’t know, what you wanna do?

Das hier ist mein Take auf die ganze Geschichte. Mein Kollege Cord Krüger hat sie in einem Tagebuch für epd medien verarbeitet.

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