© Warner Bros.

Als gestern mal wieder ein neuer Trailer für das Godzilla-Remake veröffentlicht wurde, das im Frühsommer unsere Kinoleinwände besuchen wird, konnte man Teile des Internets regelrecht vor Freude quietschen hören. „If there’s anything better than the new international trailer for ‚Godzilla,‘ we don’t wanna know about it“, schreibt „The Wrap“. „This is the kind of tentpole we can get behind“, meint sogar „IndieWire“. Auch Sascha von „PewPewPew“ ist vorsichtig optimistisch, trifft aber vor allem mit diesem Satz den Nagel auf den Kopf: „Ich muss wirklich sagen, dass Godzilla die seit Langem beste Marketing-Kampagne für einen Hollywood-Film hat.“

Was macht der Godzilla-Trailer richtig? Vor allem zeigt er natürlich nicht sehr viel vom Titelstar des Films. Stattdessen arbeitet er mit einem Gefühl der Bedrohung, das im Blockbuster-Zeitalter schon dutzende Monster- und SF-Filme, von Independence Day bis Cloverfield für sich nutzen konnten. Cinephile erkennen darin natürlich ein Echo von Monsters, dem ersten Kinofilm des Godzilla-Regisseurs Gareth Edwards, der seinem Titel zum Trotz erst ganz zum Schluss vollständige Aliens zeigt. Es ist auch interessant, wie das Szenen- und Kostümdesign von Godzilla subtil Anklänge an die SF- und Action-Welten der 70er und 80er sucht, jene Dekaden, die inzwischen von Generation X-ern endlos zum golden Zeitalter des Krachbummkinos mythologisiert wurden. Und Edwards füttert dieses Gefühl natürlich, wenn er in Interviews zum Beispiel davon spricht, dass er Akira von 1986 für einen der visuell eindrucksvollsten Filme überhaupt hält. Drittens ist Bryan Cranston quasi der Erzähler des Trailers – und wenn es eins gab, was Geeks aller Couleur in den vergangenen paar Jahren dazu gebracht hat, ihre Fehden hinter sich zu lassen, dann war es Breaking Bad.

Eine Pause vom Overkill

Mit anderen Worten: Der Trailer verspricht etwas anderes, als das, was uns in den vergangenen Jahren endlos serviert wurde. Er verspricht, genau wie sein Regisseur, irgendwie eine Pause vom Overkill. Und weil es nach dem letzten Sommer en vogue ist, Overkill nicht mehr gut zu finden, fressen die Fans der Kampagne natürlich aus der Hand.

Sam Adams hat im Blog „Criticwire“ im vergangen Jahr einen kleinen Artikel geschrieben über die Vorab-Hype-Kultur, die uns das Comic-Kino gebracht hat. Auch Matt Singer hatte ein Jahr zuvor schon mal die „perpetual Sneak Preview Culture“ bemerkt. Da ein Film heute nicht mehr die Zeit hat, seine Einnahmen über einen längeren Zeitraum durch einen guten Leumund zu sammeln, sondern möglichst am Eröffnungswochenende die Kassen füllen muss, ist das Geschäft mit der Antizipation zum bestimmenden Element modernen Filmmarketings geworden. Post-Credits-Stingers, Comic-Con-Ankündigungen und die Trailer-Hype-Kultur des Internets führen unweigerlich zu dem zentralen Satz aus einem Tweet von Scott Renshaw, den Adams in seinem Artikel zitiert: „Potential is always more interesting than what’s actually happening right now.“

Hollywood steht im Weg

Und genau deswegen gehe ich fest davon aus, dass Godzilla die Zuschauer, die sich jetzt am meisten darauf freuen, enttäuschen wird. Warum? Hollywood. Nach den neuen Regeln des Blockbusters kann er gar keine erdige Reminiszenz an die 80er sein, und erst recht kein Arthaus-SF wie Monsters – nicht mit einem Budget von 160 Millionen Dollar. Noch dazu ist Gareth Edwards nicht gerade ein Regisseur mit etabliertem Standing, der seine eigene Vision kompromisslos durchdrücken kann. Und schaut man sich die Plot-Synopsis an, geht es ja wohl schon in diesem Film gleich mit einem Battle of Awesome los, in dem Godzilla direkt gegen diverse andere Viecher antreten darf. Mag sein, dass ich mich völlig irre, aber im Moment höre ich eher den Overkill trapsen als die vorsichtigen Schritte eines Charakterdramas mit Monsterbeilage.

Sony Pictures

Man kann sicher geteilter Meinung darüber sein, ob es überhaupt einen Film Cloudy with a Chance of Meatballs 2 geben sollte. Ich fand den Ursprungsfilm ziemlich gut, hatte aber auch den Eindruck, dass die Geschichte am Ende des Films auch zuende erzählt war. Dass in Teil zwei zum erzählereisch wenig überzeugenden Mittel gegriffen wird, dass die Helden wegfahren müssen, um irgendwas zu machen, und dann zurückkehren, bestätigt diese Einschätzung. Auch hätte ich mir einen etwas kreativeren Titel gewünscht, eine Variation des ersten Titels, etwa „Heiter mit Aussicht auf Quarkkuchen“ oder so. Aber egal, immerhin scheinen sie im neuen Film wirklich in den vollen Gaga-Modus geschaltet zu haben.

Deswegen bin ich aber nicht hier, ich wollte stattdessen mal einen Blick auf den ersten Trailer für den neuen Film werfen, der diese Woche im Netz gelandet ist. Und vor allem auf die deutsche Übersetzung. Denn der Englische Trailer setzt radikal und bis zum Abwinken auf puns für seinen Humor. Und jedem Übersetzenden dürften sich dabei die Zehennägel aufgerollt haben.

Puns sind im englischsprachigen Raum ja doch ein bisschen so etwas wie eine Kunstform. Der Kalauer ist hingegen in Deutschland nicht so hoch angesehen – obwohl es auch hier Könige gibt, wie Willy Astor und das Postillon-Kollektiv. Ich liebe Wortakrobatik gepaart mit dummen Witzen, aber die Menschen, die das ganze übersetzen müssen (noch dazu mit mächtig Zeitdruck) können einem wirklich leid tun.

Hier ist der deutsche Trailer:

Haben die Damen und Herren, die hier am Werk waren, einen guten Job gemacht? Weil ich manchmal einn Hang zu sinnlosen Unterfangen habe, dachte ich, ich vergleiche mal die Original-Pointen mit den deutschen. Los geht’s.

Englisch: Are those Shrimpanzees?
Deutsch: Sind das Shrimpansen?

Wir steigen einfach ein. Zum Glück sind sowohl „Shrimp“ als auch „Schimpanse“ relativ sprachneutrale Wörter.

Englisch: Look, Mosquitoast!
Deutsch: Guck mal, Moskitoasts!

Auch „Moskito“ und „Toast“ sind Lehnwörter, wie praktisch. Der „Butterfly“-Witz, der im Bild noch versteckt ist, geht allerdings verloren. Und ist der Frosch der „Butter“ sagt (aus dem deutschen Trailer rausgeschnitten) vieleicht auch eine Anspielung auf die alten Budweiser-Werbespots?

Englisch: Those are some tasty-looking Jellyfish!
Deutsch: Die Quallwiche sehen aber lecker aus.

Jetzt wird es schon schwerer. Um den englischen Witz zu verstehen, muss man nicht nur wissen, dass Quallen auch in unserer Welt „Jellyfish“ heißen (eine Art Beschreibung ihres Äußeren), sondern auch dass „Peanut Butter and Jelly“-Sandwiches (auch „PB&J“ genannt) ein typisches amerikanisches Kinderessen sind. „Quallwiche“ gibt es nicht, aber das Sandwich-Element wird gerettet und es beschreibt die Viecher ganz gut. Sähen sie auch nur etwas weniger nach Sandwiches aus, hätte man sie wahrscheinlich einfach „Fischbrötchen“ nennen können. Ich glaube hier gibt es noch Möglichkeiten.

Englisch: Tacodile supreme!
Deutsch: Tacodil supreme!

Noch einmal einfach. Zum Glück klingen Krokodile fast überall gleich. Auch wenn „Crocodile“ im amerikanischen Englisch „Krahkodail“ ausgesprochen wird, und damit an „Taco“ natürlich näher dran ist als „Kroko“.

Englisch: It’s no picnic saving the world!
Deutsch: Die Welt retten ist kein Zuckerschlecken!

Diese Tafel wurde der Einfachheit halber durch einen Offtext ersetzt (die Zeit muss wirklich knapp gewesen sein). Gut gelöst! Meine Alternativ-Vorschläge: „Das Leben ist kein Geflügelhof“, „Das wird nicht light“ oder irgendwas mit Diäten erhöhen.

Englisch: There’s a leek in the boat!
Deutsch: Das Boot laucht!

Der Höhepunkt des Trailers schifft (höhö) im Deutschen leider völlig ab. Blöd, dass „Lauch“ und „Leck“ (leak) im Deutschen keine Homonyme sind. Wenn man einen Kalauer machen will, muss man sich also für ein Wort entscheiden und von dort aus assoziieren. „Alles auf Lauchstation“ zum Beispiel oder „Leck mich am Stengel!“. Ad hoc fällt mir natürlich auch nichts gutes ein, aber ich spüre, dass es einen Ausweg gibt. Warten wir mal den Zusammenhang im Film ab. „Das Boot laucht“ ist zumindest so grundbescheuert, dass es schon irgendwie wieder lustig ist.

Englisch: Breakfast bog, food animal jungle, big rock candy mountain
Deutsch: Frühstückssumpf, Fresstierdschungel, Zuckergussgebirge

Die ersten beiden sind eigentlich keine Kalauer. „Fresstierdschungel“ klingt fast besser als „Food animal jungle“. Die „Big Rock Candy Mountains“ sind das englische Äquivalent zum Schlaraffenland, das geht natürlich verloren. Aber für’s erste okay.

English: Piece of cake!
Deutsch: Pustekuchen!

Großartig! „Pustekuchen“ bedeutet zwar „Blödsinn“ und nicht „Total einfach“, aber beides hat etwas von Abwinken und so fällt das gar nicht auf und der Kuchen ist gerechtfertigt. Respekt!

Englisch: We can call him „Berry“.
Deutsch: Oh, wie süß!

Witz einfach geschluckt. Man hätte einen „Beertram“ draus machen können.

Alles in allem eigentlich eine solide Leistung. Es bleibt abzuwarten, ob der ganze Film so kalauerig ist (na dann, Mahlzeit!), oder ob sich das Ganze in Grenzen hält und nur für den Trailer thematisch zusamengezogen wurde. Ich denke, die Übersetzenden haben sich das gleiche gedacht. Ich werde die Augen offenhalten.

When the first trailer for The Avengers hit the net on Tuesday, I tweeted something which has been on my mind for a few days now: I haven’t been this excited about a film and followed every step of its development since The Lord of the Rings, ten years ago. My exclamation met with incredulity from my fellow film buff friend Carsten: „I don’t get it“, he wrote. „Looks totally generic.“ And I couldn’t help but tell him, he’s right.

Others have already voiced their skepticism about Marvel’s big project. „Wired“ author Erin Biba tweeted „So I guess The Avengers is just gonna be Iron Man 3 then“, and „Cinemablend“ made an excellent list of 5 Reasons The Avengers Trailer Was Kind Of A Letdown: nothing new, no character dynamics, not enough characters, terrible music and the best reason: „It just didn’t make The Avengers seem as special as it is.“

Want to watch the trailer again? Here it is.

I think „Cinemablend“’s last reason is key here, and it ties in with Erin’s Tweet. If The Avengers will really only be a sort of Tony Stark show with a couple of other guys in the background, then it will become another generic comic book movie, maybe even a comic book movie that suffers from the extra plot stuffed in for franchise reasons like Iron Man 2. And the trailer doesn’t do much to ward off that sentiment.

Nevermind that the movie turned out to be terrible, but do you remember the first teaser trailer for The Phantom Menace? It did have that „Every saga has a beginning …“-feel to it. It had Anakin Skywalker meeting Obi-Wan for the first time, it had the moment where Darth Maul unveils his double-bladed lightsaber. It definitely got me excited. The first teaser for The Fellowship of the Ring said „It wasn’t until now that the legend could finally come to life!“ – even more excitement there. The Avengers trailer doesn’t even say „Avengers assemble!“. The teaser at the end of Captain America did a much better job at making this exceptional movie project actually look exceptional (not least because of the „Some Assembly Required“ tagline).

The question stands: Will The Avengers, the movie itself, not the effort that went into building up the project, actually be exceptional? Something the trailer pulled into question for me is: Does Marvel see this film as a culmination? A finale of sorts to the five movies that preceded it? Or will it be just a continuation of the universe they are building? If people keep expecting the former and the movie turns out to be the latter, with too many loose ends, not at least some sense of closure and no general feeling of Big Momentness – it will definitely disappoint a lot of people.

I don’t read comic books continually and generally haven’t followed any periodical narrative regularly for some time now (I only watch tv series on DVD sets), but what Marvel has been trying to do with the building of their universe and the creation of their franchises is basically to import comic book narrative mechanics into the movie world. The first Avengers book was a decisive narrative moment in time, because it brought together heroes that hadn’t worked together before, but it was no culmination, it was a beginning – and it ultimately did feel quite generic to me when I caught up with reading it recently. In one of the last panels, one of the characters says something to the effect of „A team of superheroes, huh? We could give it a try.“ Not really very momentous.

If Joss Whedon knows what he’s doing, like I hope he does, he will not make this look like Iron Man, Hulk, Thor, Cap and the rest of them are merely giving it a try. He will make this The Moment We’ve All Been Waiting For(tm), when the heroes of five movies finally assemble. And then, The Avengers will be exceptional – and not as generic as its first trailer.

Freemium gone bad?

10. August 2010

Mit Faszination habe ich Anfang des Jahres Chris Andersons Buch Free gelesen. Anders als der Titel vermuten lässt, geht es Anderson (Chefredakteur von Wired) gar nicht um ein Plädoyer für Gratismentalität, sondern vor allem um Preismodelle, bei denen „kostenlos“ einer der Preise ist.

Die meisten Modelle, die Anderson vorstellt, entsprechen der so genannten „Freemium“-Denke, das heißt: Ich biete eine Basis-Version meines Produkts kostenlos an und die Premium-Version kostet dann Geld. Die wenigen Premium-Nutzer quersubventionieren die vielen Kostenlos-Nutzer, die ich aber gleichzeitig so sehr an mich binde, dass sie vielleicht auch bleiben, wenn sie die Premium-Dienste doch irgendwann benutzen.

Besonders im Internet ist dieses Geschäftsmodell inzwischen weit verbreitet (de facto ist es immer noch das Hauptfinanzierungsmodell vieler Online-Ableger von Printprodukten) und die Tatsache, dass ich für die CSS-Customization in meinem kostenlosen WordPress-Blog bezahle ist eins der Beispiele, dass es funktioniert.

Im Madison+Vine-Blog von Advertising Age hat Chris Tilk mit Blick auf die Filmbranche eine interessante These aufgestellt: Durch das „verschenken“ von Film-Clips im Netz – in der Hoffnung, dass sie als Appetitanreger auf den kostenpflichtigen Komplettfilm dienen – ist Hollywood dabei, ein Freemium-Modell zu entwickeln, das aber auch nach hinten losgehen kann.

In the case of „Despicable Me,“ releasing a batch of clips featuring the Steve Carell-voiced Gru and the young girls he adopts worked out well as the movie grossed $56 million its opening weekend. But audiences didn’t react nearly as well to the extended scenes of a scruffy Nicolas Cage, with „The Sorcerer’s Apprentice“ only conjuring up $24 million in its first outing at the box office.

Die Überlegung finde ich durchaus erwägenswert. Ich persönlich versuche normalerweise, mich von Clips fernzuhalten, wenn ich weiß, dass ich den Film noch sehen möchte, was aber daran liegen mag, dass ich die wenigsten Filme, für die ich ins Kino gehe, aufgrund solcher Clips anschaue, sondern entweder aus professionellem Interesse oder wegen Regisseuren/Schauspielern/Artikeln etc. Wäre ich unsicher, ob ich einen Film sehen will, würde ich mir solche Clips auch anschauen, mir würde aber vermutlich auch der Trailer reichen (ohnehin gibt es ja sehr gute Trailer, die zu großen Teilen aus nur einer Filmszene bestehen).

Mit anderen Worten: Viele kostenlose Clips können einen Film vermutlich sowohl killen als auch befördern – aber wie so oft in der Filmindustrie liegt das vermutlich eher an der Qualität des Films. Bei einem guten Film tritt vermutlich seltener ein Gefühl von „das waren bestimmt schon alle guten Szenen“ ein, als bei einem mittelmäßigen.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich Tilk den Begriff „Freemium“ zugestehen würde. Ein Film ist und bleibt meiner Ansicht nach (allen Mashups, Director’s Cuts und Extended Versions zum Trotz) ein abgeschlossenes Kunstwerk, dass man in der Regel entweder ganz oder gar nicht sieht. Drei bis sechs zwei-Minuten-Clips können nur bei wenigen Filmen „Shareware“-Ersatz dafür sein, dass man nicht den ganzen Film sieht.

Diese wenigen Filme könnten Action-Filme, Musicals oder Komödien sein (von Pornos mal ganz abgesehen), bei denen einzelne Szenen ohnehin wichtiger sind, als das große Ganze. Gerade im Action-Bereich könnte ich mir vorstellen, dass es genug Filme gibt, deren spektakuläre Verfolgungsjagd es sich zu schauen lohnt, ohne dass man dafür wissen muss, wer hier wen jagt und warum. Würde man diese Szene vorab ins Netz stellen mit dem Hinweis „Hier eine Basis-Version des Films für alle, wer das Drumherum sehen will, soll bitte ins Kino gehen“, hätte man in der Tat ein Freemium-Modell geschaffen. Bei komplizierteren Filmen, z. B. Inception, würde das aber niemals funktionieren.

Vielleicht ist das der Grund, warum die Clip-Verteilung bei Despicable Me funktioniert hat? Man möchte gerne mehr über die ulkigen Charaktere und ihre Verknüpfung erfahren, auch wenn es damit wohl nicht weit her ist. Und Sorcerer’s Apprentice? Wirkte auf mich schon im Trailer wie eine Ansammlung von beeindruckenden CGI-Szenen mit einer Entschuldigungs-Story drumherum.

Soso, ein Trailer für Scott Pilgrim vs The World ist also draußen.

Ich bin unentschieden. Einerseits finde ich Edgar Wright gut und bin grundsätzlich der Meinung, dass er gute Filme macht – andererseits kann ich Michael Ceras wimpiges Gehabe irgendwie auch nicht mehr sehen. Ich kenne die Vorlage nicht, weiß also nicht wirklich, was mich erwartet, aber dafür ist mir etwas anderes aufgefallen.

Wright benutzt in seinem Film für Actionszenen die sound words der Comic-Sprache als Schrift im Bild. Hier zum Beispiel:

Damit benutzt er nicht nur die Mittel der digitalen Technik, um sich dem Medium, das er adaptiert, filmisch zu nähern – für mich eines der Merkmale meines Steckenpferds, der von mir sogenannten „Neuen Digitalen Ästhetik“, die sich u. a. durch Verfremdung und Medienhybridität auszeichnet – sondern er ist überhaupt seit langem jemand, der sich mal wieder traut, kreativ mit Schrift im Filmbild umzugehen.

Schrift, Typografie ist eines der zentralen Merkmale mehrere Kunstformen, aber im Film hat sie, abgesehen von Titelsequenzen, in der Regel keinen Platz, weil sie etwas Abstraktes ist, mit der in der Diegese des Films nicht umgesprungen werden kann. Schließlich soll Film meistens eine Nachahmung von Leben sein, und im nichtfilmischen Leben verfestigen sich sinnliche Eindrücke ja auch nicht spontan in Schriftform.

Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen auch Typografie ihren Platz in der Filmwelt hat. Das älteste Beispiel sind vermutlich stumme Zeichentrickfilme, die sich in ihrer Bildgestaltung noch sehr an ihre Ursprünge, die Cartoons amerikanischer Zeitungen anlehnten. Hier ein Beispiel aus Soda Jerks mit Mutt und Jeff von 1925 (nachkoloriert in den Fünfzigern):

Wenn man sich den ganzen Film anschaut sieht man, das er grundsätzlich stumm ist (also ohne Sprechblasen o.ä. auskommt), aber in Schlüsselmomenten Wörter ausschreibt – meistens Sound Words wie „Wheee!“ oder das „ZZZZ“ eines Schlafenden, aber in dem obigen Beispiel eben auch mal einen Moment, der genau so viel plötzliche Schlagkraft hat wie das, was ein Sound Word normalerweise repräsentiert – hier der Moment, in dem die Hauptfiguren auf einmal merken, das die Polizei im Anmarsch ist.

Obwohl sich die Praxis, Typografie als Teil der Animation zu haben, im Tonfilm nicht durchsetzte, taucht sie vereinzelt immer wieder auf, hier zum Beispiel in Werner – Beinhart (1990)

Eine weitere direkte Bezugsquelle für Scott Pilgrim ist natürlich die alte Batman-Serie mit Adam West, doch hier sind die Sound Words einzelne Bilder, die eingeblendet werden und nicht Teil des Bildes.

Zu interpretieren gibt es hier erstmal nichts, der Comic-Bezug ist relativ klar. Ich bin nur gespannt, ob das Prinzip auch im Film funktioniert, oder ob es den Zuschauer aus dem Eintaucherlebnis herausreißt.


Aber weil ich gerade dabei bin, hier noch zwei weitere Assoziationen zum Thema „Spaß mit Schrift im Film“, die ich beim nachdenken hatte. Da war einmal der clevere Einsatz von Untertiteln in Danny Boyle’s Slumdog Millionaire, wo die Untertitel Teil des bunten, dynamischen Gesamtgefüges der Bildgestaltung werden:

(Ja, ich weiß, nicht gerade ein gutes Beispiel, aber ich habe immer noch keinen Weg gefunden, meine amerikanischen DVDs, z. B. die von Slumdog Millionaire, auf meinem Mac abzuspielen – auch der VLC-Player hilft mir nicht – und deswegen musste ich mich beim einzig möglichen YouTube-Clip bedienen)

Und dann ist da schließlich noch das Beste an David Fincher’s Panic Room, der inzwischen gefühlt drei Millionen mal kopierte Vorspann, in dem die Worte in den New Yorker Straßenschluchten umherschleichen:

Does Clash of the Titans have the worst ever film tagline? fragt Stuart Heritage heute in einem Artikel auf guardian.co.uk. Die Antwort lautet natürlich „Ja!“ – aber die Frage ist nicht neu. Real Virtuality hat sich schon im November über die alberne Tagline TITANS WILL CLASH amüsiert und sogar vorgeschlagen, das Konzept auf sämtliche Hollywoodproduktionen zu übertragen – genau wie Heritage es macht.

Zwei Seelen, ein Gedanke? Oder ganz klares Plagiat? Das muss die Weltgeschichte entscheiden.

Heritages Artikel ist natürlich trotzdem sehr lesenswert und schmunzelerzeugend.

Worte zum Wochenende

14. August 2009

I wonder how long it’ll be before a trailer opens with: „In a world where Megan Fox gets naked …“ It might not represent the whole film, but it would make some studio bosses ever so happy.

Anna Pickard , guardian.co.uk
// Jennifer’s Body trailer: not to be confused with Juno

Die Berufsethoswächter mögen ein Nachsehen mit mir haben, denn die Zeit drängt und ich möchte mich doch auch noch einmal auf das Niveau herunterlassen, auf dem nun auch das Panorama der Süddeutschen Zeitung sich einpendelt, und vermelde: Angela Merkel hat einen Bums-Platz in ihrem Haus. Jawohl, ein privates Bumsodrom.

Silke Burmester , taz
// Wer nix wird, wird kompakt

Das Telefonnetz ist ein Ort der Obszönitäten, der Niedertracht und der Drogengeschäfte. Liebende hauchen Sätze in die Muschel, bei denen sich jeder Dudenredakteur ins Tomatenhafte verfärben würde, Beleidigungen und üble Nachrede sind an der Tagesordnung, Straftaten werden geplant. Das Telefonnetz ist ein rechtsfreier Raum.

Malte Welding , Netzeitung
// Das geSpiegelte Internet

Das Stück kann unsere Familien bis ans Lebensende ernähren. Und wahrscheinlich auch die Familien unserer Enkel und Urenkel.

Michael Münzing (SNAP!), im Interview mit dem SZ-Magazin
// „Dieses Stück kann unsere Familien bis ans Lebensende ernähren.“
[via Medienlese]

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