Quotes of Quotes (VIII)

16. Januar 2013

Hello, I’m Leos Carax, director of foreign-language films. I’ve been making foreign-language films my whole life. Foreign-language films are made all over the world, of course, except in America. In America, they only make non-foreign-language films. Foreign-language films are very hard to make, obviously, because you have to invent a foreign language instead of using the usual language. But the truth is, cinema is a foreign language, a language created for those who need to travel to the other side of life. Good night.
– Leos Carax, in Reaktion auf die Auszeichnung von Holy Motors als „Best Foreign-Language Film“ durch die Los Angeles Film Critics Association

Was für ein großartiges Zitat, das perfekt die Absurdität des Hollywood-zentrischen Blickwinkels vorführt, die in Hollywood (und in Rest-USA eigentlich auch) herrscht, und ihr dann zum Schluss auch noch einen poetischen Twist gibt. Nach welchem merkwürdigen Wahrnehmungswürfelspiel ausländische Produktionen bei den Academy Awards etwa außerhalb ihrer Getto-Kategorie „Best Foreign-Language Film“ auftauchen, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Warum, zum Beispiel, hat ausgerechnet Michael Hanekes Amour in diesem Jahr Nominierungen quer durch die Bank während andere nicht-englische Erfolge der vergangenen Jahre überhaupt nicht wahrgenommen wurden. Hängt das nur an den seltsaen Reglements der Academy, die etwa jedes Land für die Foreign-Language-Kategorie nur einen Film einreichen lässt und überall sonst nur Filme zulässt, die mit einer Mindestzahl von Kopien in den USA zu sehen waren? Oder treffen Filme wie Amour in den USA einen Nerv, der etwa den Ziemlich besten Freunden versagt bleibt (Stichwort: unterschiedliche gesellschaftliche Rollen von Afro-Amerikanern und Afro-Franzosen)?

Holy Motors gehörte ja auch zu meinen Lieblingsfilmen des Jahres. Ich hoffe, dass Leos Carax am Filme machen wieder neuen Gefallen findet und uns in den kommenden Jahren noch mehr Werke beschert.

Worte zum Wochenende

16. Oktober 2009

To be clear, Wes Anderson did not set out to direct his new movie via e-mail.

Chris Lee , Los Angeles Times
// Fur Flies on ‚Mr Fox‘

The second talking-fox picture of the year, after Lars von Trier’s „Antichrist,“ this one features not genital mutilation, but a leading character who gets his tail shot off.

Todd McCarthy , Variety
// Fantastic Mr. Fox
[via Carsten]

[W]hen I saw it for the first time yesterday, I thought that the motto on the University’s seal expressed just the right attitude: quaecumque vera, or after translation from the Latin, „whatever“

Mark Liberman , Language Log
// University of Alberta’s motto: „whatever“

In the world of Legos, what I did discover is that my kids were taking these beautiful, gorgeous, incredibly restrictive predetermined Legos Star Wars play sets — and yeah, they really wanted it to be put together just the way the box showed it. I don’t think it occurred to them you’d want to do anything else with it. But inevitably, over time, the things kind of crumble and get destroyed and fall apart and then, once they do, the kids take all those pieces, and they create these bizarre, freak hybrids — of pirates and Indians and Star Wars and Spider-Man. Lego-things all getting mashed up together into this post-modern Lego stew. They figure out a way, despite the best efforts of corporate retail marketing.

Michael Chabon , im Interview mit der Los Angeles Times
// Michael Chabon Q&A: Fatherhood and writing at midnight

Dieses Blog heißt übrigens nicht nur „Real Virtuality“, weil ich das ein witziges Wortspiel finde und es irgendwie zum Internet passt, sondern weil das auch der Titel einer Hausarbeit während meines Filmwissenschafts-Studiums war, die irgendwann mal in meine Magisterarbeit „Die neue digitale Ästhetik“ gemündet hat.

Darin habe ich mich mit Filmen auseinander gesetzt, die computergenerierte Bilder für die Erschaffung unwirklicher Welten einsetzen und damit der Bildontologie des Computers Folge leisten. Das reichte über die Farbverfremdung der Herr der Ringe-Filme über die „Filme wie gemalt“, wie Marcus Stiglegger sie mal genannt hat, wie 300 und Sky Captain and the World of Tomorrow bis hin zur völligen Verschmelzung von Animation und Realfilm in Linklaters Waking Life und A Scanner Darkly.

In letzter Zeit ist es um diese Art von Film ein bisschen stiller geworden. CGI ist inzwischen so unglaublich normal geworden, dass sie meistens nur noch zum Erstellen von diegetisch realistisch wirkenden Figuren benutzt wird. Colour Grading wird langsam etwas übertrieben (siehe mein letztes Posting zum Thema (letzter Absatz)), aber coole Malerei/Filmemach-Experimente sieht man nicht mehr so häufig (wobei ich mir da bei Avatar nicht so sicher bin).

Anscheinend soll es jetzt wieder einen neuen geben, eine Moses-Geschichte, die, so formuliert es „Variety“, im 300-Stil (interessant, dass der Film so eine Marke geworden ist) gedreht werden soll.

Kommentatoren erwarten jetzt Zack-Snyder-Metzelorgien, aber das ist natürlich Quatsch. Viel interessanter ist es, darüber nachzudenken, dass sich biblische Geschichten für so eine Adaption ziemlich gut eignen, weil sie zwar in unserer Realität verankert sind, aber etwas Übernatürliches erzählen. Ein „Larger-Than-Life“-Ästhetik könnte perfekt sein, um der epischen Tragweite der biblischen Geschichten gerecht zu werden.

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